30.07.2010
Wie monopolistisch wird der E-Book-Markt?
Autoren könnten die Bücher direkt bei Amazon im elektronischen Format einstellen und so dem Kunden nahezu unmittelbar anbieten. Dann, so könnte man meinen, wären durch die Ausschaltung von Mittlern wie den Verlagen deutlich niedrigere Preise möglich und Autoren würden viel direkter für ihre kreative Arbeit entlohnt.
Dies ist der grundlegende Gedankengang, der dem Deal des Agenten Andrew Wylie mit Amazon so viel Aufmerksamkeit verschafft hat. Einige Berichterstatter wollen bereits das Ende des Verlagswesens erkennen. Die Frage, die sich viele in der Branche nunmehr stellen, lautet: wird Andrew Wylie viele Nachahmer finden? Oder anders formuliert: Wird es künftig gängige Praxis für Autoren oder deren Agenten sein, elektronische Rechte direkt mit den großen E-Book-Plattformen und unter Umgehung der Verlage zur verhandeln?
Die Antwort könnte lauten: je heterogener der E-Book-Markt, desto wichtiger ist die Rolle der Verlage und desto unwahrscheinlicher ist eine direkte Vermarktung durch den Autor selbst. Denn neben den vielfältigen Aufgaben, die Verlage übernehmen, ist eine der Kernfunktionen des Verlagswesens die Vermarktung von Autoren und ihren Titeln. Und diese Aufgabe wird umso wichtiger, je vielfältiger die Vertriebswege sind. Kein Autor käme auf die Idee, alle Buchhandlungen abzuklappern um seine Werke selbst zu vermarkten. Diese Aufgabe übernehmen Verlage mit ihren Vorschauen, Vertreterbesuchen und vielen weiteren vertrieblichen Maßnahmen.
Der digitale Markt funktioniert in vielerlei Hinsicht ähnlich. Allerdings immer unter der Voraussetzung, dass sich neben GAAP (Google, Amazon, Apple) viele weitere potente Vertriebskanäle etablieren. Davon profitieren Leser durch ein breites, uneingeschränktes Titelangebot und innovative Angebotsformen. Aber auch Verlage profitieren davon, weil sie ihr Marketing- und Vertriebs-Know-how ausspielen können. In einem heterogenen, wettbewerbsintensiven digitalen Handelsumfeld sind Verlage weniger abhängig von einzelnen Playern und haben mehr Möglichkeiten, ihre Autoren aufzubauen und zu vermarkten. Dies ist im Übrigen auch einer der wesentlichen Gründe, warum libreka! so großen Wert auf Angebote legt, die möglichst vielen Händlern das digitale Geschäft ermöglichen. Der gesamte Markt würde profitieren, wenn es uns gelingt, die Heterogenität, die wir im klassischen Buchmarkt haben, auf das elektronische Geschäft zu übertragen.
Was meinen Sie: wie monopolistisch wird der E-Book-Markt? Welche Rolle werden Verlage spielen?
Diskutieren Sie mit.
Ihr Ronald Schild


1. Markus 30.07.2010 18:15h
Online Plattformen wie XinXii tun dem Buchmarkt meiner Meinung nach sehr gut: Autoren haben dort die Möglichkeit und Freiheit, zumindest die elektronische Version ihres Buches (also als E-Book) selbst kostenfrei zu veröffentlichen und zu verkaufen. Als Autor kann ich nur für mich sprechen und sagen, dass ich es dabei gerne in Kauf nehme, in Sachen Online Buchmarketing selber aktiv zu werden. Aber auch da bietet das Internet so viele hervorragende Möglichkeiten und Informationen, dass man hier nicht von bevorzugtem Marketingwissen der Verlage sprechen kann. In diesem Punkt sind einige Autoren mittlerweile sogar fitter als mancher Verlag...
2. Thomas 30.07.2010 21:32h
LOL, kann es sein dass die Verlage jetzt noch auf die Schnelle Gründe suchen warum sie nicht obsolet sind? Na zum Glück ist dieser Krampf bald vorüber für die meisten Verlage... :)
3. Kelvan 31.07.2010 00:53h www.epidu.de
Ich denke, dass Verlage sich langfristig für neue Geschäftsmodelle öffnen müssen. Natürlich spricht es für Verlage, dass nicht jeder Autoren in der Lage ist, seine eigene Marketingkampagne zu starten. Das wäre momentan vielleicht die stärkste Argumentation, die für den Verlag spricht.
Für den Druck gibt es BOD und für das Lektorieren gibt es auch genug Anbieter. Der Autor müsste nur noch Zeit in Social Media Marketing investieren. Dann bräuchte er im Prinzip kein Verlag. Aber dennoch bedeutet das viel Aufwand, Zeit und Kosten für den Autor. Die Frage ist hierbei eher, kann der Autor das alles bieten und hat er das nötige Know-How?
Jetzt müsste nur jemand eine schöne Geschäftsidee haben, wie der gesamte Publikationsprozess sich einfach für den Autor gestalten lässt;-).
4. Ralph Möllers 31.07.2010 13:53h www.book2look.de
Ja, liebe Kollegen, die Verlagswelt wird sich ändern und zwar in einem Ausmaß wie nie zuvor - jedenfalls in der jüngeren Geschichte. Wenn nur zwei, drei Große den eBook-Markt beherrschen, dann brauchen zumindest arrivierte Autoren keine Verlage mehr. Ganz besonders keine Verlage, die nicht auf der Klaviatur von Social Media Marketing spielen können. Aber sogar für die Großen wird es schwierig, weil auch das Prinzip "Website" sich aufzulösen beginnt. Empfehlungen, Produkte, Links kommen zu mir in meine sozialen Netze. Ich gehe immer weniger in einen virtuellen Laden und kaufe immer öfter direkt aus einer Empfehlung bei Facebook.
Wenn Verlage weiterhin glauben, die Mittelsmänner seien ihre Kunden, dann werden die Autoren bald sagen: ihr seit nur Vermittler von Vermittlern, ich kann meine Kunden auch selbst ansprechen und Buchhändler sind nicht meine Kunden.
Und wenn im Buchhandel die elende Tendenz zur Bestsellerei ("Wir brauchen nur Ihre A Titel.") anhält, dann wird dieser Kanal auch "offline" zunehmend an Bedeutung verlieren.
5. Kevin 31.07.2010 14:43h http://www.farbstrahl.de
Das wird noch nen großes Thema. Eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass sich "nicht offene Systeme" durchsetzen. Andererseits verkaufen sich auch Apple Produkte wie geschnitten Brot und der User findet es ok. Mal abwarten was da passiert.
6. Stephan 09.08.2010 14:43h
BOD und jede Menge freie Lektoren??
Mag sein. Aber ob die Qualität vieler Bücher ohne die Arbeit guter und erfahrener Verlagslektoren auch nur annähernd die Gleiche sein wird, bleibt stark zu bezweifeln.
Ich glaube, da wird die substantielle Arbeit am Manuskript (auch von sehr renomierten Autoren) stark unterschätzt.
Vielleicht braucht´s hier und da auch ein paar blutige Nasen um zu begreifen, was gute Verlagsarbeit alles bedeutet. Übrigens auch in der Herstellung. Selbst ein normales Taschenbuch (in Deutschland) hebt sich noch deutlich von einem durchschnittlichen Bod ab. Dann doch lieber gleich das ebook.
7. Thomas Knip 10.08.2010 01:56h http://www.story2go.de
Nichts gegen "gute und erfahrene Verlagslektoren". Sie sind unschätzbar wichtig. Aber man sollte sich davor hüten, es auf die Formel "Verlaglektor = gut und erfahren" zu reduzieren.
Genauso wie die Musikbranche muss sich die Verlagsbranche darauf einstellen, dass sie in ihre Kernrolle zurückgedrängt werden, die des Vermittlers.
Und dass immer mehr Kreative (und dazu zähle ich auch gute Lektoren) selbstständig/selbstverantwortlich tätig werden und sich diesen Vermittlungsdienst aufgrund der neuen medialen Möglichkeiten sparen. Und somit zumindest die Rechte in der eigenen Hand behalten (denn darum geht es letzten Endes ja den verlagen, dass das bloß nicht geschieht).
Inwiefern sich die Oligarchie mehrerer großer Internet-Plattformen von der Oligarchie der inzwischen flurbereinigten Verlagslandschaft unterscheidet, diese Antwort bleiben die Verlage noch schuldig ...
8. Barbara 10.08.2010 07:26h
Die Frage ist nicht ganz richtig gestellt: Wie beim Massensterben der Schallplattenläden werden vor allem die Buchhandlungen unter den neuen Vertriebswegen leiden. Ich kann nicht behaupten, dass mich das besonders bekümmert, meine letzte gute Buchempfehlung seitens einer Buchhändlerin habe ich irgendwann in den 80ern bekommen. Das Vertriebssystem im Buchsektor ist veraltet. Überall bieten sie den selben Mist an. Wir haben inzwischen mehrere Kindles, ein iPad, iPhone - ich lese, was ich will, und kaufe es wo ich will und wann ich will.
Die Verlage werden sich strecken müssen und wieder auf Qualität setzen. Nur dann, wenn ich als Kunde durch einen Verlag ein Qualitätssiegel erhalte, bin ich gewillt, dafür mehr Geld auszugeben. Es ist eine derartige Titelfülle auf dem Markt, darunter entsetzlich viel Müll, (stehe als Rezensent/in auf dem Verteiler der Verlage) - hier gilt es zunächst zu bereinigen. Weniger Produkte auf gutem Niveau sind die Lösung, dann ist die Verdienstspanne der Verlage größer und die Kunden sind zufrieden.
Als Autorin muss ich sagen, dass es mir wurscht ist, mit wem meine Agentin verhandelt. Ich finde den Vorstoß von Robert Gottlieb sehr richtig, E-Rechte getrennt zu vermarkten. Wenn die Verlage nicht in die Puschen kommen, haben sie eben das Nachsehen. In der Zeitungs- und Zeitschriftenbranche ist genau das selbe passiert, die haben die Trends verschlafen und verdienen bis heute kein Geld mit Online-Angeboten. Daraus hätte man lernen können.
9. René Frey 10.08.2010 15:34h www.media-tune.ch
Schön wär's, leider wird die Realität in wenigen Jahren ganz anders aussehen.
GAAP werden den digitalen Markt kontrollieren, ein paar Nischenplayer daneben.
Die Content Digitalisierung führt zum verschmelzen von Stufen der Wertschöpfungskette. Der klassische Buchhandel wird im Digitalen Markt allenfalls Nischenanbieter sein.
Verlage werden mehr Chancen haben, einzig die grossen Autoren wie Brown, Coelho usw werden irgendwann auf die Verlagshäuser verzichten wollen.
Es wäre jedoch nicht überraschen, wenn GAAP irgendwann auch konsequent daran gehen würde, Autoren einen einfachen und effizienten Marktzugang zu bieten. Mehr als heute denkbar.
Sicher ist nur, dass der klassische Handel in diesem Wettbewerbsumfeld nicht bestehen kann. Libreka hin oder her.
10. Markus Gross 10.08.2010 16:01h
Wenn Autoren ihre E-Books selbst vermarkten wollen nur zu. Die Frage ist ob die Verlage dann noch deren Bücher veröffentlichen wollen - daher sehe ich das nur bei unbedeutenden Werken oder bei bekannten namen kommen.
Wenn Autoren über BoD oder anderswo ihre Bücher im Selbstverlag herausgeben wollen - nur zu. Das passierte bisher auch. Wen soll das stören.
Nur: Diese Bücher kommen dann eben nur in den seltensten Fällen in den Buchladen. Wer mit online-und Direktvermarktung zufrieden ist und die Zeit dafür statt fürs Schreiben aufwenden will: Viel Erfolg.
Über Weltuntergangsszenarien für Verlage oder Buchläden kann ich nur lächeln. Hier wird zur Zeit eine Menge Wind gemacht, der sich als laues Lüftchen entpuppen wird. Klar müssen sich Verlage und Buchhändler dauernd an sich verändernde Marktgegebenheiten und Nachfragen anpassen. So what? Ist das etwa neu? Das war immer so und wird immer so bleiben.
Das übetriebene Geblubber über 'Social Media Marketing' angebliches Auflösen des ' Prinzip "Website" ' nervt. Da mag es hier und da eine zusätzliche Chance geben, den Markt revolutionieren wird all das nicht.
Das 'Barbara' einem angeblichen Massensterben der Buchläden ungerührt zusieht zeigt wes Geistes Kind sie ist. Soll sie doch mit ihrer Apple - Abhängigkeit glücklich werden. Wenn Sie weder als Autorin noch als Leserin Buchläden bzw. Verlage brauchen: Wunderbar. Bücher von jemandem der sich so äußert würde ich nicht verkaufen oder verlegen wollen. Und sehen Sie: DAS ist meine Freiheit als Buchhändler und als Verleger.
..und, Herr Frey: 'Der klassische Buchhandel wird im Digitalen Markt allenfalls Nischenanbieter sein.'
Das E-Book wird für den klassischen Buchhandel nichts anderes sein als ein Nischenprodukt. Und außerhalb des Buchhandels einfach nur eine zusätzliche Möglichkeit.
11. Marcus Kullmann - edition Kullmann 10.08.2010 17:32h www.editionkullman.de
@ Ralph Möllers
"...Links kommen zu mir in meine sozialen Netze. Ich gehe immer weniger in einen virtuellen Laden und kaufe immer öfter direkt aus einer Empfehlung bei Facebook...."
Hoffentlich "sprudeln" diese "Quellen" auch was qualitatives aus. Gerade aus den sozialen Netzwerken kommt nämlich Allzuoft nur Krampf weil ungefiltert.
12. René Frey 11.08.2010 15:37h
@Markus Gross
korrekt, nur wird es so sein, dass das gedruckte Buch zum Nischenprodukt wird, genau so wie es eine Vinyl Langspielplatte heute ist.
Amazon verkauft mehr E-Books als Hardcover http://winfuture.de/news,56917.html und die Meinung der Finanzanalysten dazu:
http://finance.yahoo.com/q/ao?s=AMZN+Analyst+Opinion
6 von 10 sagen Buy oder Strong Buy.
Sorry, that's life.
13. Bernd Sommerfeld 12.08.2010 13:10h http://twitter.com/bso2000
Sogar für den wissenschaftlichen Buchhandel gibt es ein wirtschaftlich grosses Potential, wenn er es schafft, zusammen mit der OpenSource-Gemeinde eine technische Plattform (oder besser gesagt ein App) für E-Books anzubieten, das beiden Seiten gerecht wird: gute standardisierte Lesbarkeit und Handhabbarkeit für den Leser und einfach technische Konvertierung für den Verlag. Der Buchhandel würde technisch damit für alle Verlage ein System zur Verfügung stellen, das auch von kleinen Verlagen genutzt werden kann, die sich solche Systeme ansonsten aus eigenen Kräften nicht leisten könnten und gleichzeitig einen Schritt Richtung Standardisierung (von Verlagsangeboten) unternehmen. Mit der OpenSource-Gemeinde im Rücken, würde ein solches System sich bald durchsetzen und auch wirtschaftlich rechnen...
Bernd, Buchhändler
14. Volkmar 13.08.2010 19:43h
Im ersten Absatz des Artikels steckt schon mal ein Fehler:
Man kann sich nicht über alle Bücher im Internet informieren und sie schon erst gar nicht
probelesen. Das geht zwar bei E-Books, bei Büchern findet man hingegen maximal den Klappentext.
Im zweiten Absatz dann das nächste Ding:
Es ist angeblich möglich, E-Books bei Amaz. einzureichen und sie über diese Plattform zu
verkaufen. Ich habe selbst dort nachgefragt, es ist NICHT! möglich!
Warum kann man bei Amaz. & Co. nicht einfach ein eigenes E-Book einreichen und dieses dort verkaufen?
Wenn das möglich wäre, würden täglich 100000 E.Books dort eingereicht werden. Diese alle zu
prüfen wäre unmöglich. Amaz. würde sehr schnell seinen guten Namen verlieren, wenn unerfahrene
Autoren fehlerhafte Bücher oder einfach nur Bücher mit Wortmüll einreichen würden und diese dort
verkauft werden.
Der dritte Absatz:
Alle Fragen kann ich mit Nein beatworten. Verlage kann man nicht umgehen. Wenn ein Autor so
perfekt und allwissend ist, dass er einen Verlag nicht braucht, dann wird er selbst zum Verlag- zum
Eigenverlag oder auch Miniverlag genannt und wird einen Teufel tun, sein Buch als E-Book einer
Internetplattform an
zubieten. Denn diese Plattformen wollen ja auch von etwas leben. Wie hoch die Magen sind, kann
ich leider nicht beantworten.
Der vierte Absatz (ich musste leicht schmunzeln)
Ich kam schon auf die Idee, alle Buchläden in meiner Stadt abzuklappern, um zu fragen, ob ein
Verkauf möglich wäre. Und es waren nicht nur Buchläden, sondern auch Tankstellen,
Geschenkeläden, Tourismusgeschäfte...
Dadurch sammelte ich viel Erfahrungen. Die Buchhändler erklärten mir unter anderem, worauf die
Leser wert legen würden. So war es mir möglich, eine interessante Marketigstrategie zu entwickeln,
welche jedoch nie zum Einsatz kam, da mein Buch bis heute niemals fertig geworden ist.
Der fünfte Absatz:
Die Werbung. Das Internet ist ein wichtiges Werbeinstrument. Doch man darf nicht vergessen, dass
es nicht das einzigste Mittel für Werbung ist. Setzt man Radiowerbung oder Werbung in Printmedien
spezieller Zielgruppen richtig ein, kann man mit Hilfe von raffiniert ausgeklügelten und aufgebauten
Webseiten im Internet viel mehr erreichen, als jeder E-Book Diskounter.
Mein Fazit:
Das Ebook wird sich niemals durchsetzen und schon gar nicht die Verlage verdrängen. Das E-Book
wird genau wie das Hörbuch zu einem kleinen Bruder des richtigen Buches. Die großen E-Book
Plattformen sind sich dessen auch vollkommen bewusst. Diese immer wieder auftretenden Diskussionen dienen nur einem Zweck: Marketing und Promotion, damit das E-Book
und deren Anbieter immer im Gespräch bleiben.
15. Wolfgang Lehner 26.08.2010 09:51h www.schriftbild.net
Nehmen wir doch mal die Filmindustrie als Beispiel: Seit über 20 Jahren kann sich jeder eine Kamera zulegen und Filme produzieren ("Blair Witch Project" und "Cloverfield" zeigen, dass sogar dieses schlichte technische Niveau kinotauglich und künstlerisch interessant wäre - ja, schon klar, mit dem entsprechenden Postprocessing). Aber was passiert tatsächlich: Wir werden auf YouTube & Co. mit Massen von Filmschnipseln zugeschüttet, wovon viele zwar kreativ sind aber nichts zu erzählen haben. Gelegentlich sind tatsächlich ein paar Perlen darunter. Selten entsteht daraus ein Star in der klassischen Film- und Fernsehwelt. Was hat das mit der Filmindustrie zu tun? Nichts. YouTube reduziert nicht den Kinokonsum, kein Amateur bekommt Leonardo diCaprio für die Hauptrolle und ein 90-Minuten-Film ist für die meisten nicht zu stemmen.
Als jemand der tagtäglich mit der Produktion unterschiedlichster Buchtypen beschäftigt ist, weiß ich, dass es technisch und logistisch heutzutage ziemlich einfach ist, sein Buch selbst zu produzieren und zu vertreiben ... so allgemein am Tresen dahingefaselt ... tatsächlich gibt es doch ein paar Dinge, für die wir den Verlagen danken sollten (obwohl ich ein großer Freund der Selbstvermarktung bin).
Lassen wir den (technisch) schlichten Roman beiseite, der erfordert ja "nur" Talent und etwas Handwerk, der Rest ist dann schnell gemacht, und betrachten Ratgeber, Reiseführer, Sach-, Fach- und Kochbücher:
1. Autoren schummeln gelegentlich (jawohl, sie schreiben ab!) und ein guter Lektor entdeckt dies. Damit wird Schaden vom Autor, vom Verlag, vom Vertrieb, vom Leser abgewendet.
2. Verschiedene Gerichtsurteile der letzten Jahre zeigen, dass Meinungsfreiheit sehr wohl Grenzen hat. Es gibt sogar Bücher mit Schwärzungen weil auch der Verlag glaubte, dass das durch geht.
3. Außerhalb der Belletristik brauchen wir Fotografen, Ilustratoren, Kartografen, Foodstylisten, Grafiker ... und die wollen bezahlt werden, meist lange vor dem Verkauf des Buches. Für Verlage kein Problem. Bei entsprechender Gewinnerwartung finanzieren sie gerne vor.
4. Manche Autoren glauben, was ihnen geholfen hat, hilft auch der Menschheit. Ein Heilmittelgesetz ist ihnen nicht bekannt. Krebs wurde in Ratgebern schon so oft besiegt, dass es ihn eigentlich nicht mehr geben dürfte.
5. Und dann gibt es da noch den Typus Weltverbesserer, dessen Werke besser in der Schublade blieben wenn es sich nur um Esoterik handelt, vor dem die Welt aber beschützt werden muss, wenn es sich um rassistischen, diskriminierenden oder volksverhetzenden Dreck handelt. Letzteres ist für Online-Shops dank der Bildungsmisere hierzulande nur schwer erkennbar bzw. überhaupt als "falsch" geläufig - das ist durch eigene Erfahrung belegt.
Es sind diese angreifbaren Inhalte, die letztlich einem Buchhändler den Betrieb eines eigenen E-Book-Shops für Nicht-Verlagsware vermiesen. Denn das Risiko, unzulässige, juristisch angreifbare oder schlicht geklaute Inhalte zu verbreiten und mit zu haften ist groß und lässt sich durch ein paar Paragrafen in den AGBs nicht verhindern. Schon eine Prüfung der Inhalte auf rein juristische Sauberkeit ist kaum machbar, auf inhaltliche Korrektheit ist es unmöglich - vielleicht ausgenommen bei Spezialisierung auf ein scharf umrissenes Thema (z.B. Kochen für Diabetiker) mit einem Experten als Lektor.
Eigentlich will ich hier kein Plädoyer für die Verlage abgeben, denn tatsächlich sind sie heutzutage nur noch eine von mehreren Quellen für mediale Inhalte. Aber im Augenblick garantieren sie (meist) für eine verlässliche Qualität. Mir ist keine Online-Plattform bekannt, die dies in ähnlicher Weise tun würde. Apples Idee in den Inhalten maschinell nach Wörten aus dem Sexualbereich zu suchen ist ein - für Europäer - peinlicher Filter, der nicht zwischen Kunst und Porno unterscheiden kann.
Ich habe E-Books innerhalb von Stunden aus Shops wieder verschwinden sehen, nachdem Proteste von Usern beim Betreiber eingingen und weit mehr Produkte in E-Book-Shops würde ich als äußerst unseriös einstufen, als mir dies in einem Bücherladen passieren würde (wo es mir trotzdem häufig genug passiert - auch mit ehrenwertem Verlagslogo auf dem Umschlag). Die Schmuddelware wird lange die Käufer von E-Books verunsichern. Die Blockade von Schmuddelkram wiederum ist für einen offenen Buchshop aber nicht machbar. Es bräuchte einen TÜV für literarische Werke. Ein Qualitätssiegel, das unabhängig vom Buchshop vergeben wird, und dessen Erhalt Sache des Autors ist (die entsprechende Gebühr für dieses Siegel wäre der Filter für den Mist, der wirklich entbehrlich ist). Für diese Idee beanspruche ich kein Urheberrecht und schlage den Börsenverein für eine schnelle Realisierung vor.
16. Patrick Meier 22.09.2010 17:50h http://www.meiersworld.de
Kelvan schreibt "Der Autor müsste nur noch Zeit in Social Media Marketing investieren."
Das ist eine sehr idealistische Vorstellung von der Strahlkraft die Social Media besitzt. Sicherlich ist es möglich über eine gute Vernetzung auf Social Media Plattformen eine gewisse Reichweite zu schaffen, aber diese wird nie komplett ausreichen um klassische Wege der Absatzvermarktung zu ersetzen.
Erfolgreiche Blogger, Facebooker oder Twitterer haben bis zu 1400 Freunde bei facebook oder 5000 Follower bei Twitter. Mit diesen Zahlen kann innerhalb der Community einges erreicht werden, aber Social Media ist kein Allheilmittel, es ist ein Teil des Marketingmix, aber bein Ersatz.