Antiquariat
18.08.2010Online-Buchhandel
ZVAB Bücher Michel kommt
Nach Aussage des ZVAB wird die neue Datenbank, die alle über die Plattform verkauften Bücher ab 30 Euro erfasst (sofern zur Anzeige frei gegeben), die Preisermittlung wesentlich vereinfachen. Das diene langfristig der Marktstabilität, so das ZVAB. Der Datenbestand reicht bis Januar 2007 zurück und wird künftig unter Berücksichtigung des maximalen Stornierungszeitraums monatlich aktualisiert.
Hauptzielgruppe des Büchermichels sind professionelle Anwender. Allerdings können auch Bibliotheken, private Sammler und sonstige Interessenten die Datenbank nutzen.
Partner des Projekts ist der Schwaneberger Verlag (Unterschleißheim), der über zehnjährige Erfahrungen mit ähnlichen Online-Verzeichnissen für Briefmarken verfügt. Die Höhe des Jahresabonnements orientiert sich an Nutzerstatus und Freigabe der eigenen Daten. Ausschließlich für ZVAB-Anbieter soll es eine Büchermichel-Premiumvariante geben; nur hier werden die erzielten Verkaufspreise entschlüsselt angezeigt, in allen anderen Versionen beschränkt sich die Anzeige auf mit Buchstaben bezeichnete Preisspannen von K (30 bis 50 Euro) bis A++ (über 10.000 Euro).
Weitere Informationen:

1. Riepenhausen 18.08.2010 13:15h
wer denkt sich nur immer diese buchfremden, moskauinkassoähnlichen, superschlauen sachen dort aus!
ich als preis-LIEFERNDER antiquar darf für die pistole an meiner stirn auch noch bezahlen!!! ICH liefere die preise, ICH habe das buch verkauft, hier der nur an mitgliedsantiquare sichtbare text der rundmail aus tutzing:
Ab dem 1. September haben Sie dann die Möglichkeit, sich für ein Abonnement beim ZVAB Bücher MICHEL anzumelden. Für Sie als Antiquar ergeben sich erhebliche Preisvorteile. Während externe Nutzer für das Abonnement 15 Euro im Monat (Mindestlaufzeit 12 Monate) zahlen, wird für Antiquare lediglich ein geringer Beitrag zur Deckung der Wartungs- und Betriebskosten von 3 Euro im Monat (Mindestlaufzeit 12 Monate) erhoben - wenn Sie der Datenfreigabe zustimmen.
fassungslos volker riepenhausen
2. Ruth Schell 18.08.2010 13:42h
Super Geschäftsidee von Herrn Bernd Heinisch (Business Developmenter) Daten fremder Leute an Dritte liefern.
Wie sieht der Vertrag mit dem Schwaneberger Verlag aus?
Bezahlen sie die Mediantis AG pauschal, oder je Abovertrag? Welche Konditionen?
Wäre ja fair darüber zu berichten, die Daten gehören bekanntlich nicht der Mediantis AG.
Lohnt sich das Geschäft auch für die Zulieferer der Daten? Werden nun die Provisionspreise fairer gestaltet?
Oder wurden die Antiquare (die Datenzulieferer) bei dem Geschäft nicht berücksichtigt.
Jedenfalls tolle Idee die man sicher noch weiter ausbauen kann. Z.Bsp. Welche Kunden haben welche Bücher gekauft. Marketing: Hier können Sie als Kunde nachprüfen, welche Bücher sie je gekauft haben. Sie können dadurch Doppelkäufe vermeiden.
Wir Antiquare könnten dann vom "ZVAB", bzw. dem Partner davon (Adress-Schober) die E-Mail-Adressen kaufen und die Kunden je nach Interessenschwerpunkt bespamen.
3. Thomas Paulitz 18.08.2010 13:55h http://www.storm-antiquariat.de
Nun ist es also soweit! Der ZVAB-Beirat hatte es bis zu seiner Absetzung noch zu verhindern versucht. Peter Mulzer wird sich eine gute Flasche Rotwein aufmachen, war doch der Bücher-Michel ein von ihm seit Jahren propagiertes Wunschkind ( siehe auch: http://broschur.blogspot.com/ )
4. Wolfgang Höfs 18.08.2010 15:46h
Es ist gelinde eine Frechheit die betriebsinternen Daten ohne die Zustimmung der Antiquare zum Handel freizugeben. Die angegebene Opt-Out-Funktion (zumal erst nach Registrierung auf der Seite zu finden) widerspricht allen datenschutzrechtlichen Regeln.
Ich hoffe, dass das ZVAB unverzüglich seinen Informationspflichten nachkommt und nur ausschließlich aktiv legitimierte Daten für den Buch-Michel verwendet.
5. Jaeger 18.08.2010 17:27h
Es bestätigt sich einmal mehr, dass sich die Interessen des ZVAB immer weiter von denen des seriösen Antiquariats entfernen. Mit dem neuen "Angebot" sollen Hobby-Händler und Gebrauchtsbuchhöker zur Mehrung der Einstellgebühren zahlenden Mitglieder ins ZVAB gelockt werden, damit sie dort Beschreibungen und Preisbildungserfahrung von Antiquaren kopieren können. Wer der Freigabe seiner Daten zustimmt, trägt selbst die Folgen. Verwendung der Altdaten durch das ZVAB ohne Zustimmung wäre Vertragsbruch. Fazit: Das Ganze stornieren! Es gibt genügend Baustellen, denen sich das ZVAB widmen kann. So wurde auf dem letzten workshop in Berlin gemeinsam mit den anderen Plattform-Anbietern die Bereitstellung aussagekräftiger statistischer Zahlen zum online-Antiquariatshandel zugesagt. Bisher dazu (eigentlich erwartungsgemäß) keine Mitteilung ...
6. RF Meyer 18.08.2010 18:05h http://meyerbuch.wordpress.com/2010/08/18/bavz-da-kam-der-bucher-michel/
Was mich erstaunt ist, daß man im Hause nicht fähig war, dies selbst zu programmieren – eigentlich nur eine weitere Datenbank mit Abfragemöglichkeit – und wie bei den Suchvorschlägen auf einen externen Anbieter zurückgreifen mußte, der damit Zugriff auf die entsprechenden Daten erhält.
Wozu beschäftigt das ZVAB eigentlich Programmierer.
7. Markus Gross 18.08.2010 18:25h
Liebe Kollegen,
Ich verstehe die Aufregung nur bedingt.
Zunächst, lieber Herr Riepenhausen, Sie liefern doch nicht die Preise. Mindestens mal liefern die Käufer und ZVAB dabei mit. Das Argument kann ich nicht verstehen. Was Sie (wie wir alle ) liefern ist die Buchbeschreibung - da bin ich der Meinung, dass ZVAB diese nicht ohne das Einverständnis des Antiquars nutzen darf - und zwar ohne das der Antiquar dafür bezahlen muß. Es fehlt also eine kostenlose opt-out Möglichkeit hinsichtlich der von Antiquaren erstellten Beschreibungen und der persönlichen Daten. Das wird ZVAB auch ganz schnell einführen, sonst bekommen sie rechtliche Probleme.
Die reine Darstellung von Preisklassen oder erzielten Preisen durch ZVAb bzw Michel für Bücher halte ich für völlig legitim.
Das von mir zum Thema Daten.
Aber ich bin völlig anderer Meinung hinsichtlich der bisher zu lesenden Fundamentalkritik an einem solchen Tool.
Was befürchten Sie denn alle eigentlich? Transparenz! Davor haben Sie Angst! Sie wollen keinen mündigen Kunden/Sammler der Preise vergleichen kann. Warum wollen Sie nicht, dass sich Sammler/Kollegen etc ein Bild davon machen können, welche Bücher wie häufig, zu welchen Preisen und in welchem Zustand gehandelt wurden?
Ich werde den Verdacht nicht los, dass einige Kollegen den alten Zeiten nachtrauern, als man noch Preise machen konnte wie man wollte, mangels Transparenz.
Beschreibungen kopieren?? Dazu braucht kein Mensch den Michel den man noch dazu bezahlen muß. Da gehe ich doch einfach zu ZVAB und kopiere die tollen Beschreibungen die die Kollegen dort bereit halten ...
(Auch das Fachkauderwelsch das in Beschreibungen oft benutzt wird führt nur dazu, dass Spezialisten unter sich bleiben. Das verringert Verkäufe hält aber vielleicht die Preise hoch. Da aber die Sammler+Spezialisten aussterben, schiessen sich die werten Kollegen damit ins Knie. )
Ich finde die Transparenz die ein solcher Michel schaffen kann - für Antiquare und Sammler - gut!
Einen Überblick über den Markt zu bekommen (und auch der Michel ist nur ein kleiner Ausschnitt) ist positiv. Dem antiquarischen Buchkauf kann das nur helfen.
Aber wie gesagt: ZVAB muß hinsichtlich der opt out Mögl. nachbessern.
Markus Gross, Daun
8. Riepenhausen 18.08.2010 18:38h
lieber herr gross,
und ob ich die preise liefere! ich habe mir zu diesem zweck folgende bibliographien angeschafft:
radtke, jap als erstes, heute zur preisfindung einer sehr seltenen orig.-photographie von jitka hanzlova den parr konsultiert (guckense mal was dies hübsche photobibl.-werk kostet!), kleinigkeiten wie den wilpert / g., massenhafte auktionskataloge, online-auktionsrecherchemöglichkeiten....ich könnte mind. 2 buchregale weitermachen, fragen sie mal kollege plocher was der gerade in sein neues lager geschleppt hat, kurzum: all dies und mein feines näschen und 20 jahre erfahrung werden hier in staub und asche zerbröselt, ich bleibe dabei: ICH LIEFER DIE PREISE, nach diese diskussion können wir dann ja mal über die buchbeschreibungen reden, das werden dann noch längere kommentare und ich bin mir sicher: auch dafür gibt es schon irgendwelche willigen die sich in den schützengräben auf uns antiquare stürzen.
mit freundlichen grüssen
volker riepenhausen
9. Markus Gross 19.08.2010 08:08h
Lieber Herr Riepenhausen,
dann liefert doch aber der Radtke (als Beispiel) die Preise - und der Radtke* ist nix anderes als ein Michel .. wo liegt der Unterschied zwischen Radtke_Michel und ZVAB_Michel?
Bei beiden geben Sie Geld aus um betsimmte Informationen zu erhalten. Bei beiden werden bestimmte Informationen gesammelt (und falls Sie im entsprechenden Jahr bestimmte Auktionen beschickt haben, haben Sie doch ebenfalls Daten geliefert - sogar ohne opt-out Mögl. - nur eben dem Radtke_Michel)
Warúm sehen Sie nicht die Chancen die im ZVAB Angebot liegen? Und warum 'in Staub und Asche zerbröselt'? Der ZVAB_Michel ist ein selbst-referentielles System - das kann doch Ihre oder Plochers Handbibliothek höchstens marginal ergänzen, aber doch nicht in Frage stellen oder ablösen.
Viele Grüße
Markus Gross
*Radtke: Taschenbuch der Auktionspreise alter Bücher Ausgabe 1983, Band 9. Eine systematische Zusammenstellung der Ergebnisse aus den Buchauktionen in der Bundesrepiblik Deutschland, in Österreich und in der Schweiz
10. Riepenhausen 19.08.2010 08:32h
wie schon angedeutet sind es ja nicht nur die reinen preislisten, sondern auch die anderen referenzwerke, das nachforschen ob und wenn ja in wievielen bibliotheken ggfs. ein buch steht, dann das schon erwähnte näschen und die erfahrungen, kurz es sind diverse dinge und wenn nun ein preiskatalog daherkommt auch noch mit dem namen michel (jede dumpfbacke weiß, daß wenn omma ne dolle bunte briefmarke hat man die im briefmarkenmichel nachguckt), glaubt jeder überraschungseiersammler-oder händler, männo, wenn das da so steht ist das fakt, die weiteren züge ziehen sie bitte selbst. das zvab hat lange daran gearbeitet eben gerade NICHT für seriöse preisgestaltung und NICHT für einen vernünftigen antiquariatsmarkt zu sorgen. hunter s. thompson würde sagen: die preise sind in einer abwärtspirale des irrsinns, und dazu hat die inflationäre aufnahme von buchtiteln im zvab mehr als nur deutlich beigetragen. beste grüsse volker riepenhausen
11. Idefix 19.08.2010 11:11h
Sehr geehrter Herr Gross,
der Radtke ist ein "gutes" Beispiel. Nach dessen Einführung kam es zu den ersten Einbrüchen auf dem Antiquariatsmarkt. Zum Preis von damals unter 100,- DM konnte sich das jeder Sammler leisten.
Nebenbeibemerkt hat Herr Radtke aber noch echte Handarbeit für die Erstellung des Taschenbuches geleistet und die Daten nicht einfach "geklaut".
Bei den gedruckten Auktionspreisverzeichnissen lagen in der Regel 1 1/2 Jahre zwischen Auktion und Veröffentlichung. Ausreichend Zeit für einen Händler auf der Auktion einzukaufen und mit Gewinn weiterzuveräußern.
Es gibt durchaus auch heute noch Händler, die davon leben, zu günstig angebotene Titel bei Kollegen auch über das ZVAB zu kaufen und mit Gewinn weiterzuverkaufen. Dies wird jetzt mit dem BücherMichel unterbunden, wo Preise bereits einen Monat später veröffentlicht werden sollen.
Im Gegensatz zu den gedruckten Auktionspreisverzeichnissen, die keine oder nur knappe Zustandsbeschreibungen enthielten, wird durch die kompletten Buchbeschreibungen im BücherMichel jedes Exemplar nachverfolgbar.
Ich hoffe einmal, daß es ausreichend Kollegen gibt, die etwas von sich und ihren Beschreibungn halten und ihre Daten zur Freigabe verweigern, um das ganze Gespinst zum Einsturz zu bringen.
12. Otto W. Plocher 19.08.2010 13:28h
@11 (Idefix)
Ihre Argumentation ist gerade bei selteneren und gesuchten wissenschaftlichen Titeln gut zu belegen. Wenn ein solcher Titel den üblichen Verdächtigen, Garagen- und Flohmarkthändlern, in die Hände fällt (was eine rein stochastische Frage ist), werden diese den eigentlichen Wert des Titels nicht erkennen und einen beliebigen Durchschnittspreis ansetzen, falls es nicht gar der Genosse Preisrobotnik erledigt. Dieser Preis wird dann via Büchermichel dokumentiert und zugleich objektiviert. Der "preisbewußte" Kunde, der das Werk nun recherchiert, wird ungerne die angemessenen 90 Euro bezahlen wollen, wenn er dasgleiche Werk einige Male in der unteren Preiskategorie dokumentiert sieht.
Im Prinzip ist der Büchermichel somit die diachrone Schmerzverstärkung einer bereits bestehenden, synchronen Krankheit: Ein unkundiger Händler legt einen zu niedrigen Preis fest, ein zweiter Heros unterbietet den ersten, und wenn das dritte Genie innerhalb kurzer Zeit dazustößt (was selbst bei selteneren Titeln geschehen kann), ist das Buch eine im Mondschein schillernde Halbleiche.
Für Online-Auktionsdatenbanken, die Rückgänge dokumentieren, gilt übrigens Ähnliches: Man weiß manchmal nicht mehr genau, ob die Werke auf Auktionen zurückgehen, weil keine Nachfrage nach ihnen besteht, oder ob die Nachfrage durch das Wissen der sensibel registrierten Rückgänge nicht erst zum Erliegen kommt. Andererseits kann natürlich mit stetig steigenden Zuschlägen (die zufällig sein mögen) bekanntermaßen auch eine künstliche Aufwärtsspirale für angeblich besonders begehrte Werke erzeugt und bestimmte Objekte gehypt werden.
Nach einer ersten Inspektion des Michels muß allerdings bemerkt werden, daß das Programm so wenig aussagekräftige Daten auswirft, daß es kaum zu der skizzierten Preisdepression und Gefährdung des internen Handels beitragen düfte.
13. dr. pinel 26.08.2010 17:40h
«Keine vom Geld geschwärzte Hand greift je nach den Büchern;
Fern bleibt ihnen ein Herz, welches dem Mammon verfiel.
Niemand kann sich zugleich dem Gold und den Büchernverschreiben…
Mammonsknecht und Bücherfreund vertragen sich nimmer;
Nie fasst, glaube mir dies, beide das nämliche Haus.»
Aus: Richardus de Bury: Philobiblon
14. Geisenheyner 26.08.2010 21:30h www.geisenheyner.de
Mir scheint die ganze Aufregung bzgl. des Bücher-Michel absurd! Klar erkennbar ist doch folgendes:
1 - Das ZVAB hat eine Geschäftsidee entwickelt womit sich sehr viel Geld verdienen läßt. Als Kaufmann finde ich das in Ordnung.
2 - Die Grundlage dieser Geschäftsidee sind Daten, die das ZVAB nicht selber recherchiert, sondern von den Mitgliedern des Pools erhalten hat. Nicht nur das, es verlangt sogar noch eine Gebühr dafür (die sogenannte Einstellgebühr). Und da fragt sich der Geschäftsmann, der das nun nicht mehr so in Ordnung findet: wo bleibt mein Anteil? Diesen Anteil bietet das ZVAB nicht an, ergo gebe ich meine Daten nicht frei!!
3 - Es besteht allerdings die Möglichkeit - wie ich den Geschäftsbedingungen entnommen habe - die eigentlich wichtigen Daten, nämlich die Kommentare, die für die Preisfindung relevant sind, sperren zu lassen. Also sperre ich diese Kommentare!!
4 - Die dann noch übrigen Stammdaten: Autor, Titel, Preis etc. findet man in jedem Auktionspreisverzeichnis und bei Büchern mit hoher Verfügbarkeit in unendlich vielen Internetplattformen. Eine Auswirkung auf den Markt wird der "Michel" also nicht haben, eher eine zusätzliche Verunsicherung im Kundenbereich. Abschreibende Kollegen können mit den Rumpfdaten wohl wenig anfangen.
5 - Die entscheidende Frage an das ZVAB ist allerdings, ob sich die Herren bewußt sind, dass sie mit dem "Michel" eher zu einer Kundenverunsicherung als zu einer "Stabilisierung des Markes" beitragen. Gedrucktes in dieser Hinsicht wie Hinrichs (Bädeker), Mück etc. gibt es genung; diese zeitbezogenen Preiseinschätzungen sind vielleicht einmal für den Buchhistoriker von Belang, für den Sammler bringen sie nichts und genau so wird es dem "Büchermichel" auch ergehen.
W.Geisenheyner