Antiquariat
19.08.2010Meinung
Der ZVAB Bücher Michel
Die Idee ist auf den ersten Blick so einleuchtend, dass man sich fragt, warum sie nicht schon früher verwirklicht wurde, vielleicht sogar in Kooperation verschiedener Plattformen. Erstmals könnte es mit dem Büchermichel ein die Auktionspreisverzeichnisse ergänzendes Referenzwerk für den Antiquariatsalltag geben.
Der Widerstand, der sich gegen den neuen Büchermichel regt, ist allerdings erheblich. Nur einige Stimmen von ZVAB-Anbietern: "Nicht nur unnötig, sondern für Berufs-Antiquare schädlich", "Wie groß ist der Pool der Informationen wirklich, wie aussagekräftig? Ich für meinen Teil habe bisher fast alle hochpreisigen Werke über Kataloge oder direkte Kundenkontakte verkauft. Damit bin ich sicherlich kein Einzelfall!", "Ich halte nichts von dem Angebot, ich werde es nicht verwenden und habe bereits die Nutzung meiner Daten untersagt." "Mit erscheint das Projekt dreist, unausgereift und juristisch fragwürdig in den Details."
Grundsätzliche Ambivalenz
Eine grundsätzliche Ambivalenz des Büchermichels empfinden wohl diejenigen, die in der Vergangenheit überproportional zur Qualität des Preisarchivs beigetragen haben und nun für die Nutzung dasselbe bezahlen sollen wie die Kollegen, die das ZVAB mit oberflächlich kalkulierten und schlecht beschriebenen Büchern füttern. Hinzu kommen Einzelheiten der Umsetzung, die nicht überzeugen:
- Auch lieferbare neue Bücher, zu gebundenen Ladenpreisen über das ZVAB verkauft, werden offenbar angezeigt; das wäre ein Systemfehler.
- Die Datenqualität entspricht nicht immer dem Wünschenswerten, ohne entsprechende Standardisierungsbemühungen – von redaktioneller Bearbeitung nicht zu sprechen – entsteht leicht ein Informationswust.
- Viel Kritik zieht auf sich, dass das Sperren der eigenen Daten nur nach dem Opt-out-Verfahren funktioniert.
Auf der Büchermichel-Positivseite, die im Augenblick vielleicht zu wenig gesehen wird, steht aber auch etwas:
- Der Büchermichel sollte der Mehrzahl der Anwender wirtschaftlichen Nutzen bringen bei der Preisrecherche und -gestaltung.
- Der Büchermichel ist ein potenzielles Marketinginstrument. Verkäufern, die ihren Namen zur Anzeige freigeben, bietet er eine Verlinkung auf die aktuelle ZVAB-Katalogseite des Anbieters.
- Von privaten Sammler und Erwerbungsabteilungen von Bibliotheken kann der Büchermichel ebenfalls zur allgemeinen oder konkreten Preisrecherche genutzt werden, wiederum als Ergänzung der Auktionspreisverzeichnisse.
Ein Zwischenfazit (denn mehr scheint noch nicht möglich): Die Verwendung des Büchermichels muss schlicht abgewogen werden, im Einzelfall und auf das jeweilige Geschäftsmodell bezogen. Nicht jeder Kollege wird so ein Instrument in der Praxis benötigen, und je spezieller das Fachgebiet ist desto eher wird man vielleicht geneigt sein, seine Daten zu sperren. Andererseits kann der Büchermichel etwa für Einsteiger oder die Beschäftigung mit entlegeneren Themengebieten sehr hilfreich sein.
"Man schlägt den Sack und meint den Esel"
In der Diskussion über den Büchermichel überwiegt die Kritik, und man fragt sich, warum die Antiquare nicht nüchterner an die Angelegenheit herangehen. Eine denkbare Erklärung für die Welle der Empörung ist die Ambivalenz der Funktion der vermittelnden und mitverdienenden Plattformen, die an einem solchen Vorhaben besonders deutlich wird. Auflösen lässt sich diese Zwiespältigkeit wohl nicht mehr – diese Erkenntnis sorgt für Frust, und eine als unsensibel empfundene Kommunikation bietet Anlass, Dampf abzulassen. In den Worten eines erfahrenen Antiquars: "Endlich kann man es dem ZVAB einmal zeigen, hat man aktive Gestaltungsmöglichkeit durch Verweigerung. Das ZVAB ist ja der Buhmann schlechthin. Man schlägt den Sack und meint den Esel."
bb
- 18.08.2010
- Online-Buchhandel: ZVAB Bücher Michel kommt

1. H. Erlemann 19.08.2010 18:13h
Ich kann die sogenannte Innovation nur mit einem schmunzelnden lächeln begleiten. Als Extrembeispiel möchte ich nur auf die Absurdität der Preisbildung bei der herausragenden und vergriffenen Publikation von Jürgen Holstein hinweisen: "Blickfang", 2005 erschienen.
Bei den Internet-Ankaufs-Firmen habe ich gerade als Höchstgebot € 1,80 als Angebot erhalten, 2 Firmen haben den Ankauf abgelehnt.
http.//www.eurobuch.com/buecher/isbn/3000147861/Juergen-Holstein-Blickfang.html
gibt ausführlichere Auskunft über die derzeitige Marktlage.
Aber was bringt das? Nichts! Ein solider Sammler kauft bei Antiquaren des Vertrauens.
2. Redaktion Antiquariat 19.08.2010 18:24h
Das ist doch mal ein konkretes Beispiel. Im Büchermichel finde ich unter Holstein + Blickfang zwei Exemplare, mit "F" und "D". Wird der Titel aktuell im ZVAB angeboten? Falls nein: welchen Verkaufspreis setzt ein eher "unkundiger Händler" dann für ein ihm vorliegendes gutes Exemplar fest?
(Die richtige Antwort lautet natürlich: er behält das Buch selbst)
3. H. Erlemann 19.08.2010 18:42h
@ 2
Sehr geehrter Herr Dr. Biester,
Eigentlich wollte ich darauf hinweisen, dass es den Bücher-Michel schon lange gibt und kostenlos, die Verkaufspreise für "Blickfang" zwischen € ca. 2800,00 und derzeit 980,00 schwanken.
Vielleicht können Sie die eurobuch http-Adresse noch verbessern, weil es mir nicht möglich ist.
Danke!
4. H. Erlemann 19.08.2010 18:55h
@ ihre letzte Frage habe ich leider nicht beantwortet.
Mein Standardpreis für das Buch ist € 400,00.
Das ist der Preis, den ich für angemessen halte. Natürlich habe ich auch ein Exemplar in der Handbibliothek stehen, über ZVAB auch weitere Expl. für den Preis verkauft. Man muß nicht jeden Irrsinn mitmachen.
Eine Erstausgabe von Heine, Goethe, Schelling, Lichtenberg kostet weniger. Aber das sind die Modalitäten der Marktwirtschaft.
5. Marcus Haucke, Berlin 19.08.2010 19:40h
Es ist eine kleine Schmockerei, zu meinen, daß solcher Michel ein wünschenswertes Verzeichnis für das Alltagsgeschäft der Antiquare darstellen könnte, welches den Auktionspreisverzeichnissen entsprechen und diese ergänzen würden. Ja auch noch Referenzwerke sollen aus solcher Ballung des Unverstandes entspringen. Die Ungleichwertigkeit der Arbeit besteht in diesen Auktionsergebnis-Verzeichnissen nicht wirklich, eine Fehleinschätzung wird durch den Auktionsfortgang wieder ausgeglichen. Würde hier jeder Möchtegern-Auktionator aufgenommen, wäre solch ein Verzeichnis in seiner Aussagekraft völlig entwertet. Diesen Preisjahrbüchern soll wohl das Wasser abgegraben werden. Ich kann dem Koll. Jaeger nur beipflichten, er hat richtig beobachtet, „dass sich die Interessen des ZVAB immer weiter von denen des seriösen Antiquariats entfernen.“ Ich denke, es ist eine sehr bewußte Entfernung. Diese Entfremdung könnte noch andere Ursachen haben, es könnte schlichtweg ein Ausdruck des Unvermögens sein, d.h. man weiß es einfach nicht besser und vertraut sich dann natürlich nicht den vielen einzelnen Könnern an, sondern sucht den „Publikumsjoker“, eine statistische Unbedarftheit relativiert die des Einzelnen, was dann auch dem Niveau der Käuferschicht entspricht. Dies hat allerdings eine fatale Tendenz solcher Unternehmungen, die Formierung der Unbedarften und Schlechten macht den seriösen Einrichtungen das Leben schwer. Für die gibt es nur einen Trost:
"Es schimmert unter schlechtem Zelt
Ganz klein, der Trost der neuen Welt" (Borchardt)
So genommen haben wir es mit einem außerordentlichen Trost zu tun, sozusagen: desto schlechter, desto Tröster! Schlechter geht kaum! Daß die Urheberrechte verhöhnt werden, ist ein anderer Aspekt. Die Kreativen werden enteignet, damit mit den Unwissenden Geld verdient werden kann. Na, ick weeß nicht!
Marcus Haucke
6. Redaktion Antiquariat 19.08.2010 20:08h http://www.eurobuch.com/buecher/isbn/3000147861/Juergen-Holstein-Blickfang.html
Hier noch einmal der Link aus Kommentar 1.
7. krämer 20.08.2010 00:07h
@ 4.
"Mein Standardpreis für das Buch ist € 400,00."
Durch das Internet, und andere vemeintliche vollkommende Märkte (bezügl. objektiver Preisbildung) und auch solche albernen Michel-Spiegel gibt es ein ganz falsches Bild, wie richtige Preise zu machen sind.
Vorbildlich diese Einlassung von Antiquar Erlemann, das Buch für 400 zu verkaufen, auch wenn ZVAB-Michel 4000 anzeigen würde.
8. mw203 20.08.2010 01:57h
Hm.
Holstein ist meines Erachtens aus verschiedenen Gründen kein so gutes Beispiel (das vielmehr sogar einige Fragen aufwerfen würde ...).
Büchermichel: Pate stand wohl der Briefmarken-Michel, eine Publikationsreihe, die schon zu Kinderzeiten nicht viel taugte. Reich rechnen konnte man sich mit seinen Gestempelten und anderer Massenware, ehe einen der erste Händler freundlich grinsend auf den Boden der Realität zurückholte. Abschläge von mindestens 50 % auf die ausgedruckten Preise waren das Minimum. Und selbst bei 90 oder 95 % Abzug: half es einem ja doch nichts, solange sich keiner fand, der das zahlen wollte... die Abwärtsspirale für das Sammelgebiet konnte der Michel dann bekanntlich eh nicht aufhalten ... Hauptprofiteur war und ist wohl seit jeher der Verlag. ... Für Altdeutschland, also ein etwas höherpreisiges Segment, fand sich justament damals, als es mit der Massenware abwärts ging, ein anderer Spezialist, dessen Kataloge neben Preisen dem Vernehmen nach auch sehr viel zusätzliche Qualität bieten sollen.
Fraglich also, ob die Namenswahl so glücklich ist.
Aussichten für den Büchermichel?
Für das zvab? Angesichts weniger verbliebener intensiver Sammler (die sich zum Teil auch bestens mit Vertretern der Gegenseite verstehen) dürfte sich die Nachfrage von Privatpersonen nach diesem Service in engen Grenzen halten.
Als vertrauensbildende Maßnahme (in die Seriosität der Preisbildung von Buchantiquaren) könnte der Büchermichel im Grunde durchaus Impulse auslösen, wobei bei häufigeren Büchern (also 95 % des im zvab versammelten Angebotes) das Kriterium des Niedrigstpreises schlagend genug ist. Bleiben die selteneren Bücher: a) die immer seltenen (hier werden die Preise, mit allen Schwankungen, weiterhin auf Auktionen gebildet werden und ein Michel ist dafür in den meisten Fällen sicher sehr nachrangig), b) die momentan seltenen. Nur um die geht es. Daß für "Blickfang" sich einmal Angebot und Nachfrage bei 2800 glücklich trafen, wird über anekdotischen Charakter vermutlich wenig hinauskommen. Eine jener vielen Kuriositäten in der Geschichte antiquarischen Buchhandelns. Mag sein, daß sich der Büchermichel eignet, die für alle Beteiligten unerfreulichen Auswüchse etwas zu reduzieren (also unseriöse Preisforderungen für irgendein zufällig gerade vergriffenes Taschenbuch von 100 Euro plus x oder 2800 für "Blickfang", ein vor wenigen Jahren erst erschienenes Buch, das nun schon mehr als das Zehnfache kosten soll). Umgekehrt führt es dann in ureigenste antiquarische Arbeit zurück, dem Kunden zu erklären, warum ein vergriffenes und derzeit nirgendwo erhältliches wissenschaftliches und gut erhaltenes Buch fairerweise 40 oder 48 Euro kosten sollte, auch wenn für das laut Büchermichel letzte verkaufte Exemplar vor zwei Jahren nur 10 Euro verlangt wurden.
...
Irgendwann wird bei den meisten Beteiligten vermutlich die Einsicht reifen, daß das Geschäft zum Glück/Unglück (je nach Sichtweise) mit älteren Büchern in einer über Amazon hinausgehenden Weise nicht mehr weiter groß standardisierbar ist.
9. RF Meyer 20.08.2010 08:11h http://www.meyerbuch.com/
Hat eigentlich jemand schon mal an einen Kunden gedacht, dem es aus gleich welchen Gründen – ich denke nur an Ehefrau, Steuerberater, Haustier – unangenehm wäre, selbst einen völlig korrekten Preis, den er beim Händler seines Vertrauens oder einem gleich qualifizierten für ein Buch bezahlt, nun – ordert er es nicht direkt, sondern (aus Versehen) über das ZVAB – in einem Verzeichnis wiederzufinden?
Könnte es nicht sein, daß der Michel einige unserer Kunden abschreckt?
Im Internetzeitalter scheint jeder so gewohnt, seine Daten in der virtuellen Welt auszustreuen, daß kaum mehr einer an die Folgen in der realen denkt.
Die ZVAB-Suchen, Häufigkeit, Suchobjekt etc. lassen sich nun von einer Drittfirma statistisch und so fort auswerten, womit sich über die Jahre ein Bild des Buchmarktes ergibt. Die Käufe lassen sich per Michel ebenfalls über eine Drittfirma samt Buchbeschreibung vermarkten, die scheint’s auch noch das Urheberrecht für jene Texte beansprucht, die sie eigentlich von Hilfskräften, meine: den Antiquaren, bezieht, die für die Benutzung des Michels dann noch löhnen dürfen.
Liebe Mitleser, das ist doch absurd! Google ist wenigstens bislang so freundlich, die Suchergebnisse und Digitalisate kostenlos ins Netz zu stellen; Google wird auch im Kopf der Html-Datei eingeladen oder ausgesperrt, je nach Gusto des Seitenbetreibers. Hier, im Falle des Büchermichels, sollte per Email eine Tatsache in die virtuelle Welt gesetzt werden, der ein betroffener Antiquar nur mittels Einloggen und ausdrücklichen Neinsagen in drei Feldern entgehen kann; der Käufer hat – außer der direkten Bestellung bei Antiquar – anscheinend überhaupt keine Möglichkeit, seine Erwerbungen von der Michelisierung zu befreien. Die rechtlichen Aspekte außer acht lassend, merkwürdige Umgangsformen allzumal.
Und jedes Verzeichnis lebt und erhält seinen Wert von den Beiträgern, wie Kollege Haucke völlig richtig festgestellt hat. Eben. Da hat das ZVAB durch die Aufnahme von wenig erfahrenen Pseudo-Antiquaren Leistungen vorzuweisen, die eher in die völlige Ahnungslosigkeit verweisen. Anzunehmen, wie es Herr Biester im obigen Text zu tun scheint, ein Michel helfe nun den Frischlingen bei der Preisfindung, geht reichlich an der Realität vorbei: es wird kopiert, was Maus & Tasten hergeben, der Lerneffekt ist gleich Null. In solchen Kreisen übernimmt (oder unterbietet) man Preis wie Beschreibung – letztere möglichst mit den Besonderheiten eines Exemplars wie Exlibris etc, den internen Angaben wie Lagerort oder auch mal Html-Code – und geht schnell zum nächsten Datensatz über.
Der Michel ist dem Antiquar kein Marketinginstrument, denn er verweist auf irgendwelche ZVAB-Seiten, nicht auf die Angebotseite des Antiquars – dies tut Google. Der Michel könnte Werbung für das ZVAB sein, wäre er nicht so dilettantisch in Angriff genommen; auch könnte er Sammelanreize schaffen, wären die Suchergebnisse inhaltlich dem Sammeln adäquat strukturiert – aber bereits die ZVAB-eigenen Sachgebiete/Kategorien sind am antiquarischen Buch ebenso wie an den Sammelgebieten vorbeigedacht und oktroyiert.
Der letzte Absatz obigen redaktionellen Beitrages ist indiskutabel, weil einseitig polemisch und nicht sachdienlich: man findet stets eine desavouierende Äußerung irgend jemandes, man muß sie nicht als krönenden Abschluß einer Argumentationskette anführen.
.
10. Riepenhausen 20.08.2010 08:40h
Zu Kommentar 8 (die immer seltenen (hier werden die Preise, mit allen Schwankungen, weiterhin auf Auktionen gebildet werden und ein Michel ist dafür in den meisten Fällen sicher sehr nachrangig):
ich wäre da nicht so optimistisch, selbst sehr rare und hochwertige Auktionsware kann durch solch ein Instrument preislich vernichtet werden. Es muß doch einfach nur irgendwo mal auftauchen, irgendein Wahnsinniger setzt das Werk zu einem Preis X ins ZVAB, weil er ggfs. keinerlei Referenz finden kann oder will (weil er eben NICHT die Bibliographien konsultiert, weil er sie nicht besitzt) und das Werk ist für alle Zeit preislich vernichtet!
Zu Kommentar 9 (Google ist wenigstens bislang so freundlich, die Suchergebnisse und Digitalisate kostenlos ins Netz zu stellen),
exakt das ist auch eine meiner Hauptkritikpunkte. Wieso soll gerade der kleine Antiquar die Zeche blechen um ein Bibliographieinstrument auch für den Sammler zu entwerfen, für das er die größte Arbeit abgeliefert hat, nur damit zwei Parteien und eine davon ist doch durch seine restriktive Bedingtnutzung seiner Online-Kataloge geradezu internetfeindlich?
Wenn schon dann absolut frei zugänglich für Alle! Selbst 3 Euro im Monat sind eine Frechheit.
11. Antiquariat Michael Eschmann 20.08.2010 09:28h http://www.antiquariate-rhein-main.de/
10 freche Bemerkungen:
Bei jeder Preisbildung sollte man grundsätzlich bedenken, dass die Ankaufssituationen
im Antiquariat unterschiedlich sind und Gott sei Dank auch unterschiedlich bleiben (werden).
Genauso verhält es sich mit der Kostenstruktur eines Unternehmens.
Jeder Kollege muss anders kalkulieren und insofern sind unterschiedliche Preise *normal*.
Alleine aus diesen zwei Gründen kann es einen „Preis-Einheitsbrei“ nicht
geben.
Ob nun Radtke oder Büchermichel, beide lösen das Problem nicht, dass Bücher
verkauft werden müssen und eben nicht nur preislich angezeigt werden (können).
Was nützt mir der *beste* Preis, wenn ich trotz diesem, keinen Kunden finde?
Der Preis von Gestern kann, muss aber nicht (auch) der Preis von Morgen sein.
Ich fürchte mich vor dem Tag, wo die ersten (Kunden-) Anrufe eintreffen:“ Ja, aber
im „Büchermichel“ steht das Buch doch für 180,00 Euro…:“
Es gab Zeiten, lange vor Radtke, Datenbänken und Büchermichel, da konnten Antiquare
auch vernünftige Preise ohne diese Hilfsmittel finden.
Wer fragwürdige Unternehmen wie „Büchermichel“ als berufliche „Nachhilfewerke“ für „(Jung-)
Antiquare“ versteht, verkennt diesen Beruf.
Der leidige Versuch den Antiquar in eine standardisierte „Zwangsjacke“
zu stecken, wird nicht funktionieren.
12. RF Meyer 20.08.2010 11:05h http://meyerbuch.wordpress.com/2010/08/18/bavz-da-kam-der-bucher-michel/
Nützlichkeit des Büchermichels. Fassen wir zusammen.
Für häufige Bücher: unnötig, die sind sowieso im Netz. Preisfindung wie gehabt aus Erfahrung oder durchs Abschreiben. Manche schauen auch mal ins Buch und stellen Tatsachen fest, die neu sind, woraus dann eine völlig andere Beschreibung folgt.
Für seltene Bücher: schwierig. Kauft ein Kunde, weil er es dringend benötigt, ein Taschenbuch, das einzige Exemplar im BAVZ, für sagen wir 30 EUR, ein paar Wochen später, der neue Michel ist noch nicht online, steht es dort für 5 EUR. Noch später im Michel dann beide Preise. Ich würde frustiert sein – oder wird man dann sagen: gemichelt?
Für wertvolle Bücher: Schrott, weil die (internationalen) Auktionen und deren schon lustig schwankende Zuschläge genügend Anhaltspunkte – und das über einen längeren Zeitraum – liefern. Und weil Zustand, Herkunft, Einband viel stärker ins Gewicht fallen als bei gewöhnlichen Büchern.
Bei Einträgen (ich sag es in PC) wenig erfahrener ‚Kollegen’: recht nutzlos, es sei denn, sie hätten aus besserer Quelle kopiert.
Bei Einträgen erfahrener Kollegen: ja, machen die denn mit im Michel?
13. Redaktion Antiquariat 20.08.2010 11:37h
So wurde übrigens Radtke Bd. 1 im Jahre 1976 in "Aus dem Antiquariat" besprochen:
Ein neues Auktionspreisverzeichnis
Taschenbuch der Auktionspreise alter Bücher. Bd. I. Ausgabe 1975. Aachen: S. Radtke Verlag für Büchersammler 1976. 420 S. Kartoniert.
Das 1950 begründete, renommierte Jahrbuch der Auktionspreise des Verlages Hauswedell in Hamburg hat Konkurrenz bekommen. Zumindest kann dies auf den ersten Blick so scheinen. Ob aber der rote, kartonierte Band in Zukunft neben der etablierten langen, grünleinernen Reihe bestehen und sich vermehren kann, muß sich erst erweisen. Für ein viel zu benutzendes Gebrauchsbuch ist jedenfalls ein dünner Karton im Verein mit einem gelumbeckten Rücken unmöglich. Die Verlegerin Sabine Radtke wollte den Preis offensichtlich bewusst niedrig halten – vermutlich im Kontrast zum Jahrbuch –, um ein neues Käuferpublikum anzusprechen. Trotzdem könnte der Satz besser lesbar sein; die Zweispaltigkeit des Jahrbuchs hat viel für sich, weil das Auge weniger rasch ermüdet.
Dies würde aber bei der wesentlichen Preisdifferenz der beiden Publikationen immer noch in Kauf genommen werden können, wäre nicht der Einwand, daß beim Taschenbuch nur eine Auswahl deutscher Auktionen (inklusive einer Schweizer) des Zeitraumes Oktober 1974 bis November 1975 verwertet wurde. Was nützt einem die Tatsache, daß es keine untere Preisgrenze wie beim Jahrbuch gibt, wenn die Auktionen von Firmen wie Bassenge, Brandes oder Hauswedell nicht berücksichtigt wurden. Zwar hat die Verlegerin auf Rückfrage der Redaktion dieser Zeitschrift versichert, daß nicht prinzipiell eine Auswahl von Auktionen vorgesehen sei, sondern daß vielmehr der zweite Band "wesentlich erweitert und damit auch hinsichtlich der vertretenen Auktionen vervollständigt werden" wird. Daß dann allerdings der Rahmen gesprengt und der Preis wesentlich höher werden wird, was wieder am anvisierten Käuferpublikum vorbeigehen würde, ist unschwer vorherzusehen.
Hier taucht nun der wichtigste Einwand auf: Ist das Taschenbuch nicht überhaupt überflüssig, wo es doch bereits die grünen Jahrbücher gibt. Wer letztere bis jetzt bezogen hat, das heißt vor allem Händler und ernsthafte Sammler, wird sicher nicht zu dem neuen Erzeugnis überwechseln. Der Käuferkreis der grünen Bände kennt inzwischen ihre Vorteile und Tücken. So erfuhr die Rezensentin nach Rücksprache mit seriösen Händlern, dass sie nie allein den im Jahrbuch angeführten Preis als Grundlage für ihre eigene Preisbildung nehmen würden. Man müßte immer an die Zufälligkeit der Auktionspreise denken, an die Möglichkeit von Scheinzuschlägen und als wichtigen Punkt an den Zustand des einzelnen Exemplars. Deswegen haben ernst zu nehmende Händler die einzelnen Auktionskataloge neben den grünen Bänden im Regal stehen und kontrollieren die Ergebnisse anhand der Titelaufnahmen.
Daß dies auch beim neuen Käuferkreis, den Frau Radtke erschließen will, der Fall sein wird, darf angezweifelt werden. Vielmehr muß man annehmen, dass sich viele Benutzer lediglich auf den einmal erzielten Preis stützen, um sich eine Pseudo-Kenntnis des Marktes zu verschaffen (und die beim Verkauf schlechter Exemplare den Preis eines Super-Exemplars erzielen wollen).
Die geradezu groteske Unvollständigkeit des im Anhang gegebenen Verzeichnisses deutscher Antiquariate läßt sich wohl nur dadurch erklären, daß es sich um bezahlte Einträge handelt; offensichtlich gibt eine Reihe führender deutscher Firmen der neuen Unternehmung keine große Chance für die Zukunft.
Barbara Koppenmüller
14. Detlef Gerd Stechern 20.08.2010 11:47h
Ein "Urheberrecht" an den von uns Antiquaren gemachten Preisen kann ich nicht erkennen. Die Preise sind öffentlich, hier im Schaufenster ausgepreist und ebenfalls im Internet veröffentlicht.
Ein wie auch immer gearteter Preisindex ist für Sammler und Händler hilfreich. Allerdings: Schaut ein Esel hinein, wird kein Philosoph zurück blicken.
Der Name "zvabmichel" ist unfreiwillig komisch. Aber auch daran wird man sich gewöhnen.
In 2-3 Jahren wird sich das Werkzeug etabliert haben.
15. Otto W. Plocher 20.08.2010 11:49h
Danke für diesen Rezensions-Neuabdruck; und genau das ist es denn auch, was der Radtke hervorgebracht hat: Ein sublunares Milieu von Halbwissen (i.e. "Pseudo-Kenntnis des Marktes" ), da Bücher unter einem gewissen Wert ohnehin immer schon von 1 bis 100 gehandelt wurden und die wertvolleren Stücke eingehender Charakteristik und Prüfung bedürfen, die natürlich nicht erfolgt.
Mir haben sich immer schon die Nackenhaare gesträubt, wenn (wie hier im Nordwesten notorisch) einige Flohmarktritter mir ihren zerfledderten Radtke von 1987 stolz-religiös als "Handbibliothek" präsentierten.
16. Redaktion Antiquariat 20.08.2010 11:49h
Radtke gab es immerhin fast drei Jahrzehnte (bis 2004?). Ende leider schlecht dokumentiert, weiß hier jemand was?
17. RF Meyer 20.08.2010 12:55h http://meyerbuch.wordpress.com/2010/08/18/bavz-da-kam-der-bucher-michel/
@14.
Urheberrecht an den Preisen nicht, an eigenen (Kommentar-) Texten schon.
Siehe Christoph Schäfers Kommentar in meinem Blog.
18. Horst-Werner Dumjahn 20.08.2010 16:08h www.dumjahn.de
Wozu all die Aufregung? Schaut man sich nur mal die "Preiskategorien" an
Preiskategorien
Folgende Preiskategorien werden
verwendet:
A++ über 10000 €
A+ von 5001 € bis 10000 €
A von 3201 € bis 5000 €
B von 1601 € bis 3200 €
C von 801 € bis 1600 €
D von 451 € bis 800 €
E von 351 € bis 450 €
F von 201 € bis 350 €
G von 151 € bis 200 €
H von 101 € bis 150 €
I von 71 € bis 100 €
J von 51 € bis 70 €
K von 30 € bis 50 €
so wird doch schnell klar, wie wenig die Leute vom ZVAB vom Alltag im Antiquariat wissen! Selten so gelacht!
Dagegen: Kein Eingehen auf Briefe oder Vorschläge, wie z.B. die Anregung, endlich 'ne App. fürs iPhone/iPad zu machen, siehe Amazon bzw. eBay. Es gab nicht mal eine Antwort ...
19. krämer 20.08.2010 20:42h
Bei den Briefmarken ist der Michel für einen tatsächlichen realisierbaren Verkaufspreis nicht geeignet, sondern für den Vergleich des Wertes verschiedener Briefmarken, für den Tausch unter Sammlern.
Der Briefmarken-Michel ist ein Vergleichsmichel. Und er ist geschaffen für Sammler, nicht für Händler.