Antiquariat
20.08.2010Meinung
Antiquarische und antiquierte Bücherpreise
Die aktuelle Diskussion über das Angebot des sogenannten "Büchermichel" macht eine alte Binsenweisheit wieder deutlich: die Preise für antiquarische Bücher lassen sich nicht normieren. Jedes antiquarische Buch, das diesen Namen verdient, ist ein Einzelstück und jede Transaktion, also jeder An- und Verkauf, ist einzigartig und nicht wiederholbar. Zu viele Imponderabilien spielen dabei mit: von den kleinsten Eigenheiten des Buches selbst bis hin zu den genauen Umständen des Kaufs. Preisverzeichnisse können höchstens ungefähre, sehr grobe Hinweise geben, im welchem Spielraum sich die Preisentwicklung in der Vergangenheit abgespielt hat, für die Gegenwart oder gar Zukunft sind sie ganz irrelevant. Man muss nur die jeweils aktuellsten Auktionspreise mit denen früherer Jahre vergleichen, um diese Tatsache zu belegen.
Unverstand führt zu den falschen Schlüssen
Dazu kommt: wer Preisverzeichnisse studiert, muss über ein immenses, gewachsenes Wissen um den Büchermarkt verfügen, damit er die richtigen Schlüsse aus den gegebenen Informationen zu ziehen vermag. Jeder Auktions- und Verkaufspreis bedarf einer scharfsinnigen Interpretation, und die kann nur von Kennern geleistet werden. Es ist wie bei jedem Markt und an jeder Börse: laienhafter Unverstand führt zu den falschen Schlüssen, manchmal auch zu falschen Handlungen. Mit mangelnder Transparenz hat das nichts zu tun, aber man muss sich auskennen, wie in jeder anderen Materie auch.
Wenn sich die Preise für Lebenshaltungskosten, Mieten, Immobilien etc. schon regional stark unterscheiden, warum nicht erst recht die für antiquarische Bücher? Es war doch auch früher so, dass man auf dem Flohmarkt oder bei einem provinziellen Winkelantiquar Bücher entdecken konnte, die in den großen und vornehmen städtischen Geschäften (die heute überwiegend verschwunden sind) ein vielfaches kosteten, aber auch dort ihre Abnehmer fanden. Ein gediegenes Ladenlokal in der Innenstadt verursachte eben wesentlich höhere Kosten als ein Flohmarktstand, zog aber auch ganz anderes Publikum an. Ein hoher Buchpreis hatte unter den gegebenen Umständen dieselbe Berechtigung, wie ein niedriger unter anderen.
Ständiges Umdenken vonnöten
Das antiquarische Angebot und die Nachfrage ändern sich beinahe täglich, infolgedessen ändern sich auch die Preise. Als Antiquar musste man und muss man ständig umdenken. Preisverzeichnisse können dabei ein praktisches Hilfsmittel abgeben, wenn man nur im Stande ist, die dort gegebenen Informationen richtig zu bewerten. Anderenfalls sind diese Verzeichnisse nichts anderes als Makulatur und Datenschrott.
Eberhard Köstler

1. Jens Falk 20.08.2010 19:48h
Ein kleiner Denkfehler im letztem Satz: Makulatur und Schrott. Makulatur und Schrott kann verwertet werden, Klopapier, Gußeisen. Hingegen Müll nur begrenzt. Es müßte richtig Abfall und Datenmüll lauten, oder?
2. e.koestler 20.08.2010 20:39h
Sie bezeichnen es konkret, ich mehr bildlich. Aber so ist es.
3. Otto W. Plocher 20.08.2010 21:47h
Lieber Kollege Köstler,
Ihre Aussage
"Es war doch auch früher so, dass man auf dem Flohmarkt oder bei einem provinziellen Winkelantiquar Bücher entdecken konnte, die in den großen und vornehmen städtischen Geschäften (die heute überwiegend verschwunden sind) ein vielfaches kosteten, aber auch dort ihre Abnehmer fanden. Ein gediegenes Ladenlokal in der Innenstadt verursachte eben wesentlich höhere Kosten als ein Flohmarktstand, zog aber auch ganz anderes Publikum an. Ein hoher Buchpreis hatte unter den gegebenen Umständen dieselbe Berechtigung, wie ein niedriger unter anderen."
wird leider durch die Wirklichkeit des Internets konterkariert: Früher waren diese divergenten Geschäfte (die "Sphären", sozusagen) eben physisch getrennt: Mit der Rollmütze auf den Flohmarkt und mit dem Anzug ins edle Ladengeschäft, das waren zwei paar Schuhe. Das ist es aber ja gerade, was das Internet mit einer distinktionslosen Nebeneinanderstellung des Inkommensurablen aufgelöst hat: Die augenfälligen (Niveau-) Unterschiede zwischen den Anbietern. Stattdessen soll scheinbare Vergleichbarkeit und Parität über den denkbar banalsten Vergleichswert, den Preis, erzeugt werden.
Wasn't it a short way down since 1997 (oder wann ging's so richtig los mit dem Rummel?)
Freundliche Grüsse Ihr OW Plocher
4. krämer 20.08.2010 21:52h
Ha, ha.
5. e.koestler 20.08.2010 22:11h
Lieber Kollege Blocher,
ganz genau so, wie Sie es scharfsinnig beschreiben, ist es! Die ersten Verlierer der neu entstandenen Situation waren ja gerade die edlen Ladengeschäfte mit den Anzügen. Mit ihnen ging auch deren kaufkräftige Kundschaft weitgehend verloren. Aber kam dieser Terrainverlust dem Flohmarkt mit der Rollmütze zugute? Mir scheint es nicht so.
Ich wollte gerne darauf hinweisen, daß der Bücherpreis sich jeder Normierung entzieht, weil er von zu vielen Veränderlichen abhängig ist. Und daß der Wunsch, Unvergleichbares vergleichbar zu machen, zum Scheitern verurteilt sein muß. Und daß die Stunde, in welcher dieser Wunsch in Erfüllung geht, die Todesstunde unseres Standes sein wird, weil dann keine Wertschöpfung mehr stattfinden kann.
6. e.koestler 20.08.2010 22:13h
Verzeihung für den Tippfehler bei Ihrem Namen, lieber Herr Plocher
7. H. Kraft 21.08.2010 00:06h
Sehr geehrter Herr Antiquar Köstler,
ich danke Ihnen sehr herzlich für Ihre guten und klarstellenden Ausführungen über die Buchpreise im Antiquariat.
Ich gebe Ihnen da völlig recht, dass wir die Preise für antiquarische Bücher nicht ,normieren` können. Da gibt es so viele Aspekte, welche den Preis eines alten Buches beeinflussen.
Auch der Vergleich mit dem ,Anzug in das Ladengeschäft` und mit der ,Rollmütze zum Flohmarkt` ist sehr gut getroffen.
Ja, es haben sich im Laufe der Zeit leider die ganzen Strukturen und die Situation im Antiquariat im Vergleich von früher und jetzt ganz verändert. Ich meine damit in erster Linie jetzt einmal den Bezug Ladengeschäft Antiquariat und Flohmarkt und dazu der ganze Handel auf Versandbasis über das Internet. Da werden doch gewaltige Veränderungen und Einschnitte in den letzten Jahren sichtbar. Hohe Ladenmieten erschweren immer mehr die Geschäftsgründungen von Antiquariaten in den Städten. Da sollte es wieder etwas mehr eine Transparenz im Preisgefüge der Geschäftsmieten geben. Es grenzt sicher an einer Übertreibung, wenn prinzipiell hohe Mieten, wie z. B. in den Städten München und Stuttgart verlangt werden. Es fehlen in unserer Gegenwart gewisse Rahmenbedingungen, die es eben nicht mehr gibt. So hat sich auch das Antiquariatsgeschehen auf verschiedene Säulen verlagert.
Es ist richtig, wenn Sie sagen, dass ,Unvergleichbares vergleichbar zu machen, zum Scheitern verurteilt sein muß`. Jedes Buch weist andere Bedingungen zu einer Preisfindung auf und ist in seinem Aussehen nicht mit anderen Büchern übereinstimmend.
Wie Sie erwähnt haben, ist für die Preisgestaltung alter Bücher viel Kenntnis und Erfahrung im Umgang mit Büchern notwendig. Dazu kommt noch eine sehr genaue Beobachtung des Marktgeschehens auf dem Antiquariatssektor. Ich meine abschließend, dass es vor allem auf die entscheidende jahrelange Bücherkenntnis und Erfahrung eines Antiquars mit Büchern ankommt, um für sich das Spannungsfeld der Buchpreise richtig einschätzen zu können.
H. Kraft, München
8. Jörg M. Nowicki-Hecht 21.08.2010 06:59h www.antiquariat-hecht.de
Auch wenn mein Kommentar sich nicht in erster Linie mit dem Thema befasst, will ich doch ein paar Zeilen zu dem Geschriebenenen hinterlassen.
"Es war doch auch früher so, dass man auf dem Flohmarkt oder bei einem provinziellen Winkelantiquar Bücher entdecken konnte, die in den großen und vornehmen städtischen Geschäften (die heute überwiegend verschwunden sind) ein vielfaches kosteten, aber auch dort ihre Abnehmer fanden."
Toll, dass hier der Flohmarktstand mit dem Antiquariat in der Provinz gleichgestellt wird. Da zeigt sich wieder einmal die Wertschätzung, die "kleineren" Antiquaren entgegegengebracht wird.
Zum Glück sehen dass die Kunden nicht so. Während der Saison kaufen in der Provinz die Urlauber aus Stuttgart, München, Bonn weil sie in der Stadt kein Angebot mehr finden. Und das liegt nicht nur an den hohen Mieten sondern auch an teilweise völlig überhöhten Preisen in den "gediegenen Ladenlokalen in der Stadt".
Herzliche Grüße aus einem gediegenen Ladenlokal in der Provinz
Jörg M. Nowicki-Hecht
9. Jörg M. Nowicki-Hecht 21.08.2010 07:19h http://www.antiquariat-hecht.de
Und noch ein kleiner Nachsatz:
Ich stimme Ihrer Aussage "aber man muss sich auskennen, wie in jeder anderen Materie auch" voll zu.
Ich sehe aber selbst, dass es schwierig ist, dahin zu kommen, dass man sich auskennt. Eine Ausbildung im Bereich Antiquariat findet so gut wie nicht mehr statt. Die 3-4 Lehrstellen sind durchaus zu vernachlässigen. Angebotene Seminare beschäftigen sich mit grundlegenden Dingen wie Software für den Antiquar, Einstellen in Datenbanken etc.
Fragen sie erfahrene Kollegen, ob sie bei der Preisfiindung eines Buches behilflich sein können, so ernten sie zumeist Häme.
Ich schreibe bewusst "zumeist", habe ich doch das Glück, einen erfahrenen Kollegen zu Rate ziehen können. Das hat aber auch 5 Jahre gedauert, bis ich so jemanden gefunden habe.
Von daher von hier nochmal ein herzlicher Gruß in die Wesermarsch und vielen Dank für zahlreiche Hilfestellungen lieber Kollege "Blocher"
Jörg M. Nowicki-Hecht
10. RF Meyer 21.08.2010 08:11h http://www.meyerbuch.com/
Ein schöner, rückwärtsgewandter Kommentar, der leider die Gegenwart kaum berührt – und das Thema Büchermichel, & was man daran besser machen könnte (-> Sammelanleitung/-hilfe), damit doch etwas daraus wird, garnicht.
11. Dumme Kartoffel 21.08.2010 08:57h
Sehr geehrter Herr Köstler, ich wage nicht Kollege zu sagen, vielen Dank, daß ich auf dem virtuellen Flohmarkt gleich neben ihrem Winkel stehen darf.
12. H. Kraft 21.08.2010 12:19h
Zu 11.)
Welcher Name steckt hinter ,Dumme Kartoffel`?
Aussagekräftig ist dies leider nicht.
Ich meine, dass jemand der einen Kommentar schreibt, schon aus seiner Anonymität herausgehen sollte und wenigstens mit einem Namen und der Angabe eines Ortes sich schon erkenntlich machen sollte (z. B. H. Kraft, München). So eine Angabe wird reichen.
Auf einen Kommentar mit einem Namen ,Dumme Kartoffel` kann leider niemand antworten, weil dies ja nur eine Bezeichnung darstellt.
- Also mehr Mut zur eigenen Namensnennung, denn sonst verbreitet sich noch mehr die Anonymität.
H. Kraft, München
13. Philobiblos 21.08.2010 13:45h
Ist "Winkelantiquariat" wirklich ein ausschließlich negativ besetzter Begriff? Man müsste mal ein paar Belege sammeln. Für Arno Schmid etwa sind Winkelantiquariate "geheimnisvoll" und "unschätzbar". In einem Buch über Richard Alewyn wird der "Zufall der glücklichen Entdeckung" hervorgehoben, den das "Winkel-Antiquariat" ermöglicht.
Google weist außerdem eine Aussage von "Heidi" vom Mai 2008 nach: "Das Antiquariat übrigens befindet sich in Frankreich nach wie vor in geradezu fürchterlichen Verhältnissen – die ILAB-Kollegen prassen und schwelgen, der Rest, zumal fern der Hauptstadt, betreibt verstaubtestes Winkelantiquariat à la 1980."
14. Dumme Kartoffel 21.08.2010 15:32h
Weitere Beispiele für Winkeliges:
Pekrun: "Das deutsche Wort" definiert:
Winkeladvokat: schlechter Advokat, nicht akademisch gebildeter Rechtsberater;
Winkelschule: Klippschule;
Winkelzug: (übertr.) ungerades, unlauteres Vorgehen.
Duden:
Winkelschreiber (abwertend).
Grimm:
Winkeladvokat, m., volksläufige bezeichnung für einen, 'der das amt eines sachwalters ... unbefugt und geheim ausübt'
winkeldruckerei, f., eine der 'in kleinen städten oder geringen örtern, und besonders ohne vorwissen und bewilligung der obrigkeit angelegten druckereyen, welche aber nach den reichsgesetzen nicht geduldet werden sollen'
WINKELHAUS, n., 'schlechtes haus, herabgekommenes wirtshaus, kneipe',
WINKELPREDIGER, m., ein im verborgenen, unrechtmäszig lehrender prediger,
WINKELSACHE, f., unbedeutende angelegenheit, lappalie:
winkelschlupfer, m., 'der im geheimen sein wesen treibt'
winkelschriftsteller, m., kleiner unbedeutender schriftsteller:
winkeltheater, n., kleines, unbedeutendes theater:
Lennhoff/Posner kennen noch:
Winkelloge & Winkelmaurerei: Der Ausdruck hat im Deutschen eine besondere Schärfe (Winkelschreiber, Winkeladvokat!) und wäre daher besser durch: unregelmäßige Loge zu ersetzen.
15. Markus Gross 21.08.2010 15:55h
"Leider befinden sich im Text Wörter, welche bei uns auf der schwarzen Liste stehen. Bitte korrigieren Sie Ihre Eingaben."
Nu werd ich mal mehrere Beiträge hintereinander psoten - die gehören zusammen, aber da ich die werte Kollegenschaft zitiere und diese Zitate unsäglich sind, muß ich erst mal ausfiltern welche Worte denn auf der schwarzen Liste stehen könnten ..hm ..Edel Antiquar vielleicht .. Nun denn .. hier gehts los
Man schaue sich einmal die Kommentare der versammelten Edel-Antiquare oder sich für solche Haltenden Herren an, die nur bei den Kommentaren zu den 3 auf ZVAB-Michel bezogenen Artikeln in den Kommentaren verwandt werden.
Ja, Sie meinen mich mit diesen Kommentaren. Ich ziehe mir den Schuh an .. und nehme das persönlich!
Im Gegenzug zum 'seriösen Antiquariats ' (Jaeger) das sind die mit 'feines näschen und 20 jahre erfahrung ' (Riepenhausen) werde ich offenbar von den versammelten Herren Antiquaren, die sich für etwas besseres halten mit jeder Menge an Beschreibungen/Abwertungen/Beleidigungen eingedeckt: 'Hobby-Händler und Gebrauchtsbuchhöker' bin ich (Jaeger) der natürlich 'Beschreibungen und Preisbildungserfahrung von Antiquaren kopieren' (Jaeger) einer der 'üblichen Verdächtigen, Garagen- und Flohmarkthändlern' (Plocher .. das Sie da auch mit tun :( ) vor denen sich die feinen Herren schützen müssen, und als solcher ist man ja zu unterbemittelt 'den eigentlichen Wert des Titels (zu) erkennen und einen beliebigen Durchschnittspreis ansetzen' (Plocher). Als 'unkundiger Händler' lege ich 'einen zu niedrigen Preis' (Plocher) fest, oder bin als 'zweiter Heros' unterwegs, 'unterbietet den ersten, und wenn das dritte Genie innerhalb kurzer Zeit dazustößt ..., ist das Buch eine im Mondschein schillernde Halbleiche.' (Plocher) Ich: büchermördernder Halbwissender also, naja. Natürlich unwert, denn 'solider Sammler kauft bei Antiquaren des Vertrauens' (Erlemann) und das bin ich ja augenscheinlich nicht. Das ich den Michel als durchaus sinnvoll für meine Arbeit empfinde, ist in den Augen (Hauckes) eine 'kleine Schmockerei' - 'Möchtegern-Auktionator'en wie ich (Haucke) bekommen auch gleich ihr Fett weg. Wenn sich nun laut (Haucke) das 'ZVAB immer weiter von denen des seriösen Antiquariats' entfernt, frage ich mich was die Herren *Haucke *Plocher *Jaeger(?) *Riepenhausen *RF Meyer da überhaupt zu suchen haben, denn Sie sind doch alle im ZVAB vertreten. Wie können solch abgehobene, edle Antiquare denn überhaupt in irgendeiner Geschäftsverbindung mit dem ZVAB noch stehen...? dass sich 'die Interessen des ZVAB immer weiter von denen des seriösen Antiquariats' (hier liegt die Definitonshohheit selbstverständlich ausschließlich bei den Hauckesjaegersplochersriepenhausensmeyeretc.) entfernen kann laut (Haucke) natürlich nur 'Ausdruck des Unvermögens' des ZVAB sein, 'was dann auch dem Niveau der Käuferschicht entspricht' (Haucke) - so haben Sie alle gleich auf einmal erledigt, die Schmocks, das ZVAB und das ganze Kundengesock das bei solchem Volk wie mir kauft. Nun brauchen wir aber dringend Hilfe für Herrn Haucke, denn 'die Formierung der Unbedarften und Schlechten macht den seriösen Einrichtungen das Leben schwer' und - das zeigt schon seine Wortwahl - er gehört ja nun zu den seriösen Einrichtungen hierzulande. Und zum Schluß haut er noch mal richtig zu: 'Die Kreativen werden enteignet, damit mit den Unwissenden Geld verdient werden kann.' wow ... nun hat er mirs aber gegeben. Was zum Donner einer wie ich mit den so wunderbar kreativen, sich in langen Rotwein(?) Nächten abgerungenen, ja sozusagen dem Leben abgelauschten Auktionsbeschreibungen anfangen sollte ist mir schleierhaft. Ein 'OKtn. mit illustr. OU' (Haucke ZVAB Artikel 18846) ist das gleiche auch für mich - obwohl ich nicht weiß, ob mir eine solch wunderbar poetische Abkürzung eingefallen wäre, noch ob ich sie meinen Kunden zumuten wollte und ansonsten bezieht sich eine Beschreibung doch immer auf ein konkretes Buch und da entstehen automatisch unterschiedliche Beschreibungen. Und ansonsten gilt das Urheberrecht. (Wie wohltuend eine sachliche Stellungnahme wie die von MW203 mal dazwischen zu lesen, auch wenn ich mit seiner Einstellung zum Briefmarkenmichel nicht übereinstimme).
Nun kommt RF Meier, dessen Beiträge ich eigentlich (wie die Plochers) schätze, aber auch den sticht der Hafer und er hat mich doch glatt durchschaut, der ich doch auch bei ZVAB anbiete: 'Da hat das ZVAB durch die Aufnahme von wenig erfahrenen Pseudo-Antiquaren Leistungen vorzuweisen, die eher in die völlige Ahnungslosigkeit verweisen' (RF Meyer) - nicht etwa würde durch einen Michel 'Frischlingen bei der Preisfindung' geholfen, nein, selbstverständlich bin ich und meinesgleichen gleich ertappt ('Pseudo-Antiquare), denn: 'es wird kopiert, was Maus & Tasten hergeben, der Lerneffekt ist gleich Null' (RF Meyer). Noch dazu sind solche wie ich blöd, denn 'In solchen Kreisen übernimmt (oder unterbietet) man Preis wie Beschreibung' ... Gut dass RF Meyer nicht deutlicher wird und genauer beschreibt, was 'solche Kreise' denn tun und was für Gelichter dazu gehören .. aber als Halbkrimineller fühle ich mich gleich mal eingestuft.
Nun wieder (Riepenhausen) der seine geheimsten Ängste offenbart: 'selbst sehr rare und hochwertige Auktionsware kann durch solch ein Instrument preislich vernichtet werden. Es muß doch einfach nur irgendwo mal auftauchen, irgendein Wahnsinniger setzt das Werk zu einem Preis X ins ZVAB' ... hm .. setzen wir nicht alle Bücher zu einem Preis X ins ZVAB? Außerdem: Darf ich bitte meine Preise selbst kalkulieren? Darf ich sie bitte u.a. davon abhängig machen, wie schnell ich etwas verkaufen möchte, wie ich die Marktlage einschätze, wie dringend meine Frau neue Schuhe braucht, zu welchem Preis ich eingekauft habe etc etc .. und können endlich auch die Herren Antiquare akzeptieren, dass ich - wie sie alle auch - meine Preise selbst festsetze - und dann kann es sein, dass ich einen Catlin oder Barth wie gerade im Moment ab 1 Euro in ebay starte einfach um sie loszuwerden..oder wegen der Schuhe..oder weil ich das einfach so will...oder weil die Einstandspreise so niedrig waren etc ...
Heissa ..nun wieder mal RF Meyer .. dessen so wunderbar leichte Unterscheidung zwischen 'wenig erfahrener ‚Kollegen’ (und) erfahrener Kollegen ' (man beachte die Tüddelchen) mich endgültig fertig macht .. natürlich nur, weil ich alter Neidhammel immer schon so sein wollte wie Seinesgleichen und nun merke dass ich - mit oder ohne Michel - niemals an diese Leute heranreichen werde.. ah ja .. 'Flohmarktritter' in einem 'sublunares Milieu von Halbwissen' (kennt der (Plocher) Worte ..doll) das beschreibt was aus mir wird, wenn ich Radtke oder nun den Michel nutze... dass ich aber dem Plocher meinen 'zerfledderten Radtke von 1987 stolz-religiös als "Handbibliothek" präsentierte' das wird dann doch nicht geschehen... nicht mal wenn wir uns auf dem Flohmarkt treffen (was machen Sie da eigentlich??)
16. Markus Gross 21.08.2010 15:59h
zweiter teil:
Dann (Köstler), der ja Recht hat mit 'die Preise für antiquarische Bücher lassen sich nicht normieren. Jedes antiquarische Buch, das diesen Namen verdient, ist ein Einzelstück' weshalb der Büchermichel höchstens ein kleines Mosaiksteinchen in der täglichen Arbeit sein wird. Aber auch hier schimmert sie durch, die Arroganz der Alt-Antiquare: 'wer Preisverzeichnisse studiert, muss über ein immenses, gewachsenes Wissen um den Büchermarkt verfügen, damit er die richtigen Schlüsse aus den gegebenen Informationen zu ziehen vermag. Jeder Auktions- und Verkaufspreis bedarf einer scharfsinnigen Interpretation, und die kann nur von Kennern geleistet werden' ... am besten solche wie ich gebens gleich dran .. so hätten sies gerne .. statt dessen gehört den Alt-Antiquaren die da hoch zu Ross sitzen Feuer unterm Po gemacht, durch Markt- und Preistransparenz im Kundensinne etc etc .. Klar stöhnen die alten Recken da auf, wird es ihnen doch schwerer gemacht (seit es das Internet gibt und Privatleute die Omas alte Bücher verkaufen statt sie für Pfennige dem Edel-Antiquar zu überlassen), die Sammler und Kunden mit selbst ausgedachten Phantasiepreisen über den Tisch zu ziehen... Konkurrenz und Transparenz belebt das Geschäft ... und scheucht die saturierten alten Katzen auf... nun jammern sie wieder... Wohlan ..
17. H. Kraft 21.08.2010 16:00h
Herr Antiquar Köstler wollte sich in seinen Darlegungen nicht direkt zu diesem ,Büchermichel` äußern. Er hatte eigentlich eine ganz andere Intension. Ihm ging es um das Aufzeigen wie verschiedenartig das Preisgefüge von antiquarischen Büchern sein kann.
Ich danke nochmals Herrn Antiquar Köstler für seine guten Ausführungen.
H. Kraft, München
18. Otto W. Plocher 21.08.2010 16:06h
Sehr geehrte Kartoffel,
weiten Sie Ihren sprachlichen Horizont gen Westen und werfen Sie einen Blick auf den Blog eines möglicherweise verschollenen niederländischen Sammlers, der unter dem Begriff "Winkel" ganz einfach ein (kleines) Ladengeschäft versteht und mit einiger Sentimentalität an die vielfach eingegangenen Winkels der Antiquare zurückdenkt: http://kuyperdelft.blogspot.com/
Aber nicht nur das Antiquariat leidet unter einer Strukturkrise.
"Trotz Regen seit Ende Juli bleibt die Lage bei den Kartoffeln angespannt. Bundesweit werden niedrige Erträge erwartet. Hinzu kommt, dass die Anbaufläche für Speise- und Veredlungskartoffeln um rund 3 Prozent eingeschränkt wurde. In diesem Jahr ist eine scharfe Trennlinie zwischen beregneten und unberegneten Flächen zu ziehen. Während auf gut beregneten Flächen nur 10 Prozent niedrigere Erträge zu verzeichnen sind, werden auf unberegneten Flächen teils Einbußen zwischen 30 und 40 Prozent erwartet. In Niedersachsen sind kurz vor Ende der Frühkartoffelsaison bis zu 15 Prozent Ertragseinbußen gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen." (zit. Proplanta.de)
Freundliche Grüsse OW Plocher
19. Markus Gross 21.08.2010 16:10h
letzter Teil
Nun wieder (Plocher): 'Mit der Rollmütze auf den Flohmarkt und mit dem Anzug ins edle Ladengeschäft' .. so hättet ihrs gerne ...denn: ein Antiquar ist nur dann einer, wenn er im edlen Ambiente seines Großstadt-Geschäfts mit gesalzenen Preisen seine wohlhabende Sammlergemeinde (die doch auf ihn als 'Händler' herabblickt) ausnimmt .. alles andere sind nur... Flohmarktgestalten ... mann, .. Plocher, Sie sind doch gar nicht so .. doch sie klingen so .. oder irre ich mich? Ich WILL nicht in einem Edelantiquariat herumsitzen ... denn ich trage NIE Anzug und Krawatte .. die Ladeneinrichtung ist aus Schweden.. und wird auch dann nicht edler werde, wenn denn erst der antiquarische Bereich wirklich in Angriff genommen wird.
Ja, im internet, bei ZVAB und anderswo kommen wir nebeneinander vor mit unseren Angeboten, der arrivierte Goldknopf aus der Großstadt und ich ... sorry, dass ich nicht nach Veilchen dufte, aber der überhebliche Geruch der mir hier in so vielen Beiträgen entgegen weht ist kaum erträglich.
Dünkel führt zu diesen ganzen Abwertungen Unterstellungen etc die ich mir hier anhören muß und die ich mir anziehe. Denn was immer Sie sagen: Sie meinen mich. Kein Wunder, dass Kartoffel' sich nicht outet. für mich sehr gut nachvollziehbar.
Ich habe zu Beginn der Michel Diskussion meine Meinung zum Michel gesagt und bleibe dabei: Der Michel kann mehr Transparenz schaffen, kann ein zusätzliches Hilfsmittel für Händler sein und muß was die Möglichkeit des opt - out angeht nachgerüstet werden, das muß für jeden kostenlos möglich sein.
Herr Jörg M. Nowicki-Hecht - danke für Ihre Beitrag!
Markus Groß, Daun
Antiquar, Buchhändler, Verleger
20. Otto W. Plocher 21.08.2010 17:34h
Herr Gross!
Als Vorsitzender der Jugendabteilung des Vereins standesbewußter Alt-Antiquare (VSAA) bleibt mir leider nichts anders übrig, als Sie als Ehrenmann zu forden. Die Wahl der Waffe sei Ihnen freigestellt; ich werde mit den beiden jüngst beim Kollegen Laywood erworbenen Halbmaroquinbänden der Niederdeutschen Bibliographie (Borchling/Claussen) aus der Bibliothek Bernhard H. Breslauers antreten. Breslauer pflegte seinen Buchbinder anzuweisen, die Lederecken der Einbände mit japanischem Tamahagane-Stahl zu unterlegen, wodurch mir der Sieg gewiß sein wird - da können Sie mit so vielen Radtke-CDs werfen, wie Sie wollen!
Interim fiet aliquid.
Gruß! Ihr OW Plocher
21. krämer 21.08.2010 17:36h
@Marcus Groß
Ihnen fehlt es etwas an Selbstbewußtsein. Das ist für den Beruf aber nötig. Sie sind viel zu empfindlich, besser kühl die Möglichkeiten des Geschäftes sondieren, und dazu gehört auch die Repräsentation, Imagepflege, Hokuspokus, usw., die ganze Philosophie des Antiquariatswesens, der Überbau geistiger Elemente auf den Geschäftsinteressen, ist notwendig, und dazu gehört auch die von Ihnen kritisierte Hierachie, das ist ganz im Interesse auch des Winkelhändlers, denn der Glanz des großen Antiquariates scheint auch in solcher Winkel-Bude, und hilft dem Absatz.
22. Klaus Erthal 21.08.2010 18:59h
Hallo Herr Gross,
es ist für Sie langsam an der Zeit, gewissen Tatsachen ins Auge zu sehen. Als Alt-Frauenversteher sage ich Ihnen ganz direkt, ohne wo auch immer nachzuschlagen:
Frauen brauchen IMMER neue Schuhe.
Damit wäre dann wohl der Preisverfall endlich einmal hinreichend und plausibel erklärt, vielen Dank dafür, natürlich, das Weibsvolk hat Schuld. Und jetzt wird auch sofort klar, daß die Alt-Edel-Antiquare das wichtigste menschliche Grundbedürfnis der Fortpflanzung sträflich vernachlässigen und kläglich versagen, wenn es um so einfache Dinge geht, wie dem holden Weib hinreichend zu huldigen. Bei Ihnen muss ich mir da aber wohl keine Sorgen machen.
Ein schönes Wochenende und immer locker bleiben
Klaus Erthal
23. orbis pictus 21.08.2010 21:10h
inhaltlich, vielleicht etwas abseits aller bisherigen einträge, möchte ich mich doch an dieser stelle, auch einmal als langjähriger sammler zu worte melden - kurzgefasst - schon seit einigen jahren sind es wahrhaft traumhafte zeiten für käufer - mögen diese jahre niemals enden ........ !!!!!!
24. Kartoffel 21.08.2010 21:21h
zu 19,16,15
Hallo Herr Gross,
die besten Kommentar in der ganzen Liste.
Gruß
Auch eine Kartoffel
25. Markus Gross 21.08.2010 21:31h
@plocher
Ich wähle die virtuelle Waffe - den ZVAB-Michel :) dem können auch ihre Tamagotchi-Stahlkanten nix anhaben ..
Difficile est satiram non scribere.
@krämer
Ich bin gar nicht so empfindlich .. im Gegenteil, so eine lustvolle Auseinandersetzung macht doch Spaß ... aber ob die edlen Herren Antiquare das Wort 'Hokuspokus' in diesem Zusammenhang schätzen ...
..und ich soll also stille sein und mich mit meinem Winkeldasein begnügen und dankbar sein, wenn ein wenig des Lichtes der Erhabenen auch in meine duinkle Ecke fällt ..hm ..
Bonus vir semper tiro.
@Klaus Ehrthal
Woher kennt er die stattliche Zahl der hiesig auszuhaltenden Weiber ? .. Kürzlich noch waren es 5 + eine (natürlich auch weibliche) Katze .. nun sind 'nur' noch 3+1 ... und die wollen alle dauernd was.. nicht nur SCHUHE ...
Nil martalibus arduum est.
26. Chriatoph Schäfer 22.08.2010 00:12h http://www.sueddeutsche.de/kultur/mcdonalds-und-asterix-die-spinnen-die-amerikaner-1.990891
Liebe Kollegen,
Kolleginnen haben sich hier m.W. noch nicht beteiligt, mit Grund.
Derzeit geht es hier wieder zu wie im gallischen Örtchen bei der üblichen Dorfschlägerei und es ist kein Wunder, daß ein(e) N.N. hier unter "Idefix" schreibt.
Die Quote stimmt, durch die Hintertür wird der verbannte Freiburger von der Redaktion eingebracht, der sich ins Fäustchen lacht, weil die dummen Römer seine Schnapsidee programmiert haben, aber einige, die weder angesprochen wurden, noch gemeint waren, fühlen sich, so vorhanden, auf den Schlips, oder sein Äquivalent getreten.
Ich betreibe mit meinem Kompagnon seit fast zwanzig Jahren ein Ladenantiquariat, sogar ein schönes, wie nicht nur wir beide finden, wir tragen beide nie Anzüge und haben dennoch viele schöne Bücher gekauft, verkauft, ersteigert, manchmal auch versteigern lassen, wir haben auf Messen gekauft und verkauft, auf Flomärkten, sogar im Internet. Ich kenne Flohmarkthändler und Kollegen abseits der Metropolen mit und ohne Läden die wohlhabend sind und es gibt welche, die in feinem Zwirn daher kommen, manche haben auch Läden und teuere Autos und nichts, noch nicht einmal die Bücher, die sie auf Messen anbieten, gehört ihnen.
Was will ich Ihnen nun erzählen, ohne Wein im Blut, dafür mit viel Adrenalin ?
Unsere Branche, die sich immer mehr zur Brache entwickelt, lebt von dieser Vielfalt und manchmal auch von der Einfalt der schweigenden Mehrheit.
Um im Bild des gallischen Dorfes zu bleiben, laßt uns gemeinsam ein Festbankett feiern, Wildschweine schlachten und den Troubadour wie üblich fesseln und knebeln, mir scheint, daß derjenige Anonymus, der sich weiter oben als Sammler ausgegeben hat, mehr an Wahrheit kundgetan hat, als die meisten seiner Vorredner, es ist ein KÄUFERMARKT und das ist gut so !
Nie war es so einfach und so billig schöne Bücher zu KAUFEN, also beklagt Euch nicht, sondern tut es !
Bücher sind derzeit zu billig, das heißt nicht, daß das so bleiben wird, und um ein letztes Mal Asterix zu bemühen, da paßt doch die Meldung ins Bild, daß die Rechteinhaber der amerikanischen Bulettenbraterei die Erlaubnis gegeben haben mit unseren Helden zu werben, man folge dem o.g. link.
Das Motto der Kampagne, die fast menetekelhaft für die eigentlich anstehenen Bedrohungen unserer eigenen unternehmerischen Freiheit ist, paßt zum oben gesagten:
"Venez tous comme vous etes !"
Ich möchte es etwas abwandeln: "Bleiben wir trotzdem alle die, die wir sind !"
Wir sollten stolz auf unseren schönen, leider sich radikal verändernden Berufsstand sein und nicht versuchen, die mit Gewalt mißzuverstehen, die nicht nur ihre Freizeit, sondern oft auch noch ihr Ansehen in die Wagschale werfen, um uns allen zu nutzen.
In diesem Sinne grüßt,
Christoph Schäfer
27. Otto W. Plocher 22.08.2010 02:24h
Welch versöhnliches Ende durch Düsseldorfs Donnerwort! Also auf zum Festbankett, bella gerant alii!
28. RF Meyer 22.08.2010 09:28h
Wissen definiert Eliten, nicht Geld.
Praktisch gesehen: selbst wenn es dem Herrn Gross gelänge, gestärkt durch den Büchermichel, den arroganten Antiquaren den Garaus zu machen, würde er sich irgendwann genötigt sehen, den Bildungsgenerator samt Handbibliotheksakkumulator anzuwerfen, die Bücher nicht in Massenbuchhaltung zu bearbeiten, sondern einzeln und genau, samt Blätterzählen (kollationieren), buchökologisch korrekt, sozusagen.
Und schau an, dann wäre er doch noch ein Antiquar geworden – und würde gezwungenermaßen seine Position gegenüber anderen, die diesen Erfahrungsprozeß nicht durchgemacht haben, verteidigen. Wissen weist dem Wissenden also einen Standort zu.
Und Wissen samt Kultur, hier speziell als Bezug zu Geschriebenem bzw. Gedrucktem, definiert den Bibliophilen, der egal ob Händler oder Sammler, seinesgleichen in Augenhöhe gegenübertritt, der Gemeinsamkeiten wegen. Und: diese Loge ist unsichtbar, ihre Mitglieder kennen sich, begegnen sie sich, Äußerlichkeiten wie Schildchen, Signets &c sind unwesentlich, Reichtum ist so wenig Kriterium wie Schlips oder Goldschnitt.
29. Buchknut, westlich der Oder 22.08.2010 11:37h
immer wieder bin ich von den Kommentartouren im Bereich der Antiquariate begeistert. Eine Lanze für den stationären Laden, ein Stahlkante gegen das Netz! Hallo!! Wir sind im Netz! Und verdienen gut Geld!
30. Markus Gross 22.08.2010 13:26h
@26
Festbankett immerzu ... aber es wird nicht reichen den einen Troubadour zu fesseln .. wenn sie weiter auf dem hohen Roß sitzen, dann müssen etliche Alt-und-edel-Antiquare dem Herrn Troubadour Gesellschaft leisten ..:)
@27
•Antiquar (von lat. antiquarius) ist ein Buchhändler, der auf den Handel mit gebrauchten, alten, vergriffenen oder seltenen Büchern, teils auch Handschriften, Autographen, Zeitungen, Landkarten und Kunst, insbesondere Graphiken spezialisiert ist
Neben neuen Büchern, (denn ich kombiniere Neu- und Altbuch in meinem Ladengeschäft) handele ich genau damit, mit gebrauchten, alten auch vergriffenen und mehr oder weniger seltenen Büchern sowie gelegentlich mit Grafiken und Landkarten. Damit bin ich Antiquar, obs passt oder nicht.
Ich will überhaupt gar keinem arroganten Antiquar den Garaus machen, mir würde es schon reichen, der bei manchen alten Recken verbreiteten Herablassung und Arroganz den Garaus zu machen.
..und ob und hinsichtlich welcher Bücher ich Massenbuchhaltung betreibe..oder Bodenhaltung (oh Gott die vielen Stapel hier) ..oder sogar Freilandhaltung vor dem Laden...oder eben nachhaltige Biohaltung mit Einzelbehandlung bis hin zum kollationieren, das mache ich ganz alleine mit meinen Büchern aus...
Jeder einzelne Antiquar hat sich seine eigenen Schwerpunkte herausgearbeitet, sei es hinsichtlich der Haltungsformen oder der Themen oder des Preissegmentes oder oder .. ich habe damit kein Problem, auch nicht mit Edel-Antiquaren die nach Veilchen duften. Ich habe allerdings etwas gegen arrogante Herablassung, Beleidigungen und Unterstellungen...und gegen Versuche, mich und meinesgleichen durch Diffamierung etc. aus dem Geschäft zu halten.
Dass sich Edelrecken die ihr Lager (aus heutiger Sicht) überteuert eingekauft haben über den Preisverfall ärgern, kann ich nachvollziehen. Dass diese Kollegen sich ihre alte Geheimnistuerei zurückwünschen, Transparenz hinsichtlich Preisen ablehnen und versuchen neue Kollegen auch mit Diffamierungen aus dem Markt zu halten mag verständlich sein, wird aber nicht gelingen.
Ich muß nicht alle Besonderheiten handgeschöpften
Büttenpapieres kennen oder floralverzierte Seidenstoffschließen am Geruch erkennen können.
Ich will das auch nicht! Und doch bin ich Antiquar. Mich interessieren bestimmte Gebiete einfach nicht, ich kaufe in denen nicht an und wenn sie mir unterkämen, dann hätten Kollegen ihre helle Freude, weil ich sie bestimmt weit unter Preis anbieten würde. Ich bin was ich bin nicht weil ich so gerne den Staub der Jahrhunderte einatme und alte Handschriften in stundenlanger Arbeit untersuche und einordne (Kollegen die solches tun bewundere ich durchaus .. nur meins ist es eben nicht) sondern weil mir Bücher wichtig sind, Themen nahe sind usw.
Mir macht auch die unternehmerische Freiheit Spaß, das handeln, günstige Gelegenheiten suchen, Chancen erkennen, die andere übersehen, Dinge ausprobieren, scheitern und gelingen erleben, Neues lernen, Dinge unerwartet finden, Kundenbedürnisse erfüllen können, eigenen Themen und Interessen pflegen etc etc .. manchmal habe ich das Gefühl, die klagenden Alt-Antiquare haben diese Seite unseres Berufes ein Stück weit vergessen ... die sind doch auch unter den Gegebenheiten des Internets, der Preistransparenz, des Käufermarktes und des ZVAB-Michels etc. weiterhin vorhanden ...
Über manche Kommentare ärgere ich mich - nicht weil jemand anderer Meinung ist als ich, sondern weil er meint mich (und nochmal: Die zitierten Kommentare haben immer auch mich gemeint) diffamieren zu müssen. Auf einen grobe Klotz gehört ein grober Keil - ich mache da gerne weiter mit... ich bin aber auch jederzeit zum Festbankett bereit ..
so..und nun den Sonntag genießen... und ein bischen in den neu hereingekommenen Kisten stöbern .. ne, keine Inkunabeln von vor 1500 .. sondern handfest geschichtliches und politisches und pädagogisches aus dem 18 und v.a. 19 Jhd.
.. eben eher so mein Ding
Markus Gross Daun
31. Klaus Erthal 22.08.2010 14:13h
Hallo Herr Gross,
aus vertrieblicher Sicht gibt es nicht den geringsten Grund, Preistransparenz zu fordern, fördern oder zu begrüßen. Geheimniskrämerei ist eine feine Sache. Es ist banal, aber es gibt nur einen Königsweg: Man kauft zum geringstmöglichen Preis ein und verkauft zum höchstmöglichen Preis.
Das ZVAB handelt also mit der Michelei prinzipiell gegen die Interessen seiner Mitglieder, völlig unabhängig davon, daß die Transparenz bei antiquarischen Büchern gar nicht möglich ist, da nur eine individuelle Betrachtung Sinn macht. Und das ist ebenso völlig unabhängig vom Wissensstand des Betrachters. Aber es wird unweigerlich dazu führen, den Preisverfall weiter zu beschleunigen. Wie das geht und in welchen Bereichen das geht, hat amazon längst gezeigt. Und wie man die Daten auswertet und nutzt, können Sie an Momox sehen.
Schönen Sonntag
32. mw203 22.08.2010 15:42h
@ # 31: Ich glaube eher nicht, daß der Büchermichel den Preisverfall weiter beschleunigen wird.
Vielfach ist die Nullinie ja bereits erreicht (0,01 plus Portopauschale), Käufe unter 30 Euro werden vom Michel nicht erfaßt, das sehr breite und meistgefährdete Segment darüber (sozusagen die untere, mittlere, obere Mittelschicht) würde vermutlich durch weiteren Sammler- und Kaufkraftschwund ebenso wie durch das Voranschreiten der Digitalisierung, Sparzwänge der öffentlichen Einrichtungen, Unterbietungsverhalten vieler Antiquare, die Effizienz der Datenbanken, die Verblödung der Bevölkerung etc., also durch den ganzen seit längerem bekannten Abwärtsmechanismus auch ohne Michel sukzessive weiter dahinschrumpfen.
Habe in den letzten Tagen ein bißchen im MIchel gesurft: ein großes Problem scheint mir in der Gratis-Schnupperversion tatsächlich zu sein, daß alles in einem Topf steckt: inkomplette Exemplare, normale Ausgaben, Bücher mit Schutzumschlag, Widmungsexemplare ... Hier sollte der Erfinder nachbessern, um die Seriosität gegenüber preissensiblen Kunden, die man eigentlich ja wohl eher befördern wollte, nicht mit einem Schlag (und endgültig) einzubüßen.
Es bleibt sowieso die Frage, ob man das Projekt - ungeachtet gewisser Reize - nicht besser wieder einstampfen sollte, da mir die Erfahrung zu lehren scheint, daß sehr viele Menschen hierzulande mit wenig so schlecht zurechtkommen wie mit sehr großen Preisdifferenzen.
33. Jörg M. Nowicki-Hecht 22.08.2010 18:00h http://www.antiquariat-hecht.de
@ 29.
Werter Buchknut, westlich der Oder,
auch ich bin im Netz, breche aber jederzeit eine Lanze für den Laden. Denn erstens sind die Umsätze gar nicht schlecht, zweitens habe ich seit Ladenöffnung nicht eine Anzeige a la "Kaufe Bücher" schalten müssen und drittens geht - zumindest mir - nichts über den persönlichen Kontakt zum Kunden, sei es der Schüler, den ich beraten kann, welchen Klassiker es zu lesen lohnt, sei es der Stammkunde, der sich an manch bibliophiler Ausgabe erfreut oder der Kunde, mit dem ich ein wenig fachsimpeln kann.
Jederzeit breche ich eine Lanze für das Ladenantiquariat (auf niederländisch übrigens winkelantiquariaat) ohne dabei das Internet vernachlässigen zu wollen. Es gibt auch noch ein (Geschäfts-)leben neben dem Netz.
Herzliche Grüße
Jörg M. Nowicki-Hecht, westlich der Weser
34. H. Kraft 22.08.2010 18:37h
Zu 33.)
Sehr geehrter Herr Antiquar Nowicki-Hecht,
besten Dank für Ihren Kommentar, bei dem Sie sich für das Ladenantiquariat einsetzen. Da sind also zwei Schienen möglich. In dieser Beziehung erscheint mir wichtig, einmal festzustellen, dass in manchen Städten (ich nehme jetzt als Beispiel einmal München) die Mieten einfach sicher zu hoch sind. Da bleibt für manches Antiquariat einfach nur die zweite Schiene im Versand und das Geschäft zu beenden. Manchem Antiquar tut so ein Entschluss in der Seele dann weh. Dabei wäre es sicher gut, wenn die Infrastruktur in den Städten wieder besser belebt würde. Rezepte dazu gibt es auf die Schnelle leider nicht. Im Ladenantiquariat sind eben noch Kontakte vom Sammler zum Antiquar möglich, die es im Netz nicht gibt.
Eine Beratung im Ladenantiquariat zwischen Antiquar und den Buchsammlern ist oft ein guter Weg um Verkäufe abzuschliessen.
H. Kraft, München
35. Idefix 22.08.2010 23:57h
Werte Mitlesende,
ich mache jetzt einfach mal ein fiktives Fallbeispiel auf.
Händler A bekommt einen Titel von sagen wir mal Franz Werfel, der derzeit nicht im Internet angeboten wird und überlegt sich einen Preis. Nun, Werfel wir nicht unbedingt teuer gehandelt, also traut er sich mal 90 Euro zu fordern, denn einen Vergleichpreis hat er auch auf den Auktionsergebnissen nicht gefunden, da der Titel nicht so wertvoll ist, um einzeln auf Auktionen zu laufen.
Ich als Händler B kenne mich ein wenig aus und verkaufe auch eher über Kataloge als über das Internet, obwohl meine Kunden durchaus das Internet nutzen und wissen, daß ich keine überzogenen Preise nehme. Den Titel hatte ich in den letzten 20 Jahren dreimal und immer schnell und zu einem guten Preis verkauft. Also bestelle ich beim Kollegen und verdoppele den Preis. Das Buch wird dann nicht über meinen Katalog sondern über die Datenquelle des Michel verkauft.
Ein paar Monate später bekommt nun Händler C ein weiteres Exemplar des Titels. Kein Exemplar im Internet angeboten, keines in den Auktionsergebnissen, also schaut er in den Büchermichel. Ein Verkauf mit 90,- und einer mit 180,- Euro. Aha, er will ja schnellen Umsatz, also verlangt er mal die Mitte: 135,- Euro.
Für mich ist das jetzt zu teuer im Ankauf, zumal der Händler keine Mehrwertsteuer ausweist und ich dann nichts mehr verdienen kann. Also kaufe ich den Titel nicht erneut.
Nun bekommt ein nächster Kollege den Titel ins Haus und muß sich an Händler C orientieren, da dessen Exemplar noch online ist. Hmm, seines ist ein bischen schlechter erhalten, also verlagt er nur 120,- Euro. Das geht dann an eine Bibliothek, die nicht so auf Erhaltungszustände achtet und das Exemplar von Händler C anschließend an einen Sammler.
Händler E, der nun auch ein Exemplar des Buches bekommt sucht auch im Michel, da ja nun keines mehr für einen Preisvergleich online ist. Hmm, der Preis ist aber gefallen, da verlangt er dann für sein leicht beschädigtes Exemplar nur wieder 90,- Euro.
Kreislauf geschlossen, denken Sie jetzt vielleicht. Irrtum, denn ich kann jetzt dies Exemplar nicht mehr kaufen, da inzwischen Preise unter 180,- Euro hinlänglich per Michel dokumentiert sind und ich ja meine Kunden nicht verärgern will, wenn sie meinen dann "überzogenen" Preis sehen würden.
Also geht die Spirale weiter nach unten. Titel für Titel, Autor für Autor, Sammelgebiet für Sammelgebiet.
Einige wenige Sammler, die bei der Stange bleiben und die Marktmechanismen durchblicken können, wird es freuen.
Händler C auch noch, da er durch die Info des Michel 45,- Euro mehr eingenommen hat, als er sich sonst vielleicht getraut hätte. Der restliche Mrakt kann nur einen weiteren Wertverlust feststellen.
Es ist mir völlig unverständlich, wie das ZVAB seinen Beraterrat aus erfahrenen Antiquar(inn)en hat ziehen lassen, die genau davor gewarnt zu scheinen haben und damit schon bewußt einen Imageschaden in Kauf genommen hat.
Wie kann man sich nur für mögliche kurzfristige Gewinnzuwächse aus einem Büchermichel den Ast der Hauptverdienstes, der Provision, abschneiden?
Noch ein Beispiel, diesmal aber konkret: Jüdisches Adressbuch für Gross-Berlin. Reprint arani 1994.
Derzeit von einer Privatperson für 259,- Euro über Booklooker angeboten. Preisrecherche über Eurobuch/ISBN Schnittpreis in den letzten Jahren 160,- Euro, zuletzt aber 680 Euro in diesem Jahr.
Ich werde 150,- Euro verlangen, da das die Verdoppelung des ursprünglichen Verlagspreises ist und ich da für durchaus angemessen halte.
Will sagen, daß zwar Kollege Koestler in seinem ursprüglichen Kommentar in gewisser Weise recht hat, im Großen und Ganzen aber leider an der Gegenwart des Internets vorbeiargumentiert hat.
36. krämer 23.08.2010 22:36h
Ja, volle Zustimmung. Bewegt eure Gehirnzellen ... (denken, nicht labern).
37. Christoph Schäfer 24.08.2010 00:10h http://www.rp-online.de/hps/client/opinio/public/pjsub/production_long.hbs?hxmain_object_id=PJSUB::ARTICLE::621309&hxmain_category=::pjsub::opinio ::/buch_film/buchrezensionen/sonstiges
Nachtrag (s.o.) als Zustimmung zu #35:
"Es ist gewissermaßen die moderne
Form eines Antiquariats, bei dem man
allerdings das Portemonnaie zu Hause
lassen kann."
Noch moderner als der AltpapierMichl, twitter und facebook, oder ein-Cent-amazon-Bücher !
@krämer: Lassen Sie uns teilhaben an Ihrem Denken ...
Grüße,
Christoph Schäfer
38. krämer 24.08.2010 00:53h
"@krämer: Lassen Sie uns teilhaben an Ihrem Denken ..."
Denken ist nicht privat.
39. Kröte 26.08.2010 10:06h
Ich finde ein Fachbuch welches ich noch vor 10-15 Jahren regelmäßig gehandelt habe, zu einem relativ hohen Preis angeboten. Da ich weiß, dass dieses Standardwerk in den letzten Jahren nahezu völlig vom Markt verschwunden ist, kaufe ich es trotz des hohen Einkaufspreises an. Ich mache eine sehr ausführliche Beschreibung, zitiere nicht nur aus gängigen Bibliographien, sondern auch aus Spezialbibliographien von denen ich mir sicher bin, dass sie kein anderer Kollege, auch wenn seine Handbibliothek noch so umfangreich ist, im Regal stehen hat.
Danach verdopple ich meinen Einkaufspreis, er ist damit nur unbedeutend höher als der vor 10-15 Jahren übliche Verkaufspreis und stelle das Werk ins Internet, wo ich weltweit der einzige Anbieter bin.
Kurz darauf finde ich das Werk von einem Kollegen zu etwa 70% meines Preises im Netz angeboten. Meine durchaus arbeits- und zeitintensive Beschreibung wurde einfach komplett kopiert. Zwar ist dieses Konkurrenzexemplar nur in einen privaten Einband, im Gegensatz zu meinem Exemplar welches im seltenen illustrierten Originaleinband vorliegt und es ist auch schlechter erhalten, aber das kümmert heutzutage ja kaum jemanden mehr.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass der betreffende Kollege für sein Exemplar maximal 10% - 20% meines Einkaufspreises bezahlt hat (wenn überhaupt) und es ohne das Wissen welches im durchs Internet quasi mühelos zugeflogen ist, sicher nicht teurer angeboten hätte als zum Einkaufspreis meines Exemplars.
Ich hätte also dieses zweite Exemplar auch noch angekauft und vom Markt genommen. Nun aber werden sich zukünftige Anbieter an dem niedrigeren Preis orientieren und diesen unterbieten, es ist also nur eine Frage der Zeit, bis der Verkaufspreis im Netz bei meinem Einkaufspreis angekommen ist.
Der Händler der die Freundlichkeit besaß meine Beschreibung einfach zu kopieren war übrigens keiner der so viel und oft gescholtenen Amazon-Ramschhändler,sondern ein angesehener Antiquar mit Ladengeschäft, regelmäßiger Aussteller auf Antiquariatsmessen und Mitglied diverser Standesorganisationen.
Zum Büchermichel – Hätte ich mein Exemplar innerhalb weniger Tage verkauft, wäre es aus dem Netz verschwunden und sowohl die Preisinformation, als auch meine Beschreibung wären dem o.g. Kollegen nicht mehr so einfach zugänglich gewesen. Vermutlich wäre sein Preis also zu niedrig oder aber zu hoch angesetzt, beides wäre mir recht.
Nun aber sollen sowohl mein Preis als auch die Beschreibung dauerhaft im Büchermichel abgespeichert werden.
Jetzt fehlt nur noch, dass W+H sich dieser Kooperation von ZVAB und Michel anschließt.
Das stückweise Kopieren fremder Beschreibungen, um sie dann Zeile für Zeile in die whBook Eingabemaske einzufügen ist wirklich ziemlich zeitraubend. Eine Verknüpfung von Büchermichel und whBook, ein Button „Beschreibung übernehmen“, das wäre es doch.
TOLL!!!!