Antiquariat

25.08.2010Online-Buchhandel

Abebooks-Tipps für eine optimale Buchbeschreibung

Wie beschreibt man als Anbieter ein antiquarisches Buch so, dass einem Käufer die Entscheidungsfindung möglichst leicht gemacht wird? Einige Empfehlungen von Abebooks.

Zuverlässige und einheitliche bibliografische Angaben, die die Recherche jedenfalls in Datenbanken für alle, Händler wie Kunden, bequemer gestaltete? Im (Online-)Antiquariatshandel gibt es verbindliche Vereinbarungen zu Katalogaufnahmen, Zustandsbeschreibungen und der Verwendung von Bildern nicht einmal im Ansatz, obwohl ein Branchenkonsens ohne Zweifel hilfreich wäre. Schon diese Aussage der Abebooks-Empfehlungen dürfte für manchen Anbieter diskussionsbedürftig sein: "Zustand des Schutzumschlags: Wir empfehlen Ihnen anzugeben, ob das Buch einen Schutzumschlag hat oder nicht. Es ist auch hier empfehlenswert, die Zustandsbeschreibung mit einem Adjektiv zu beginnen."

Zu den Abebooks-Tipps:

Schlagworte:
Abebooks

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17 Kommentar/e

1. Christoph Schäfer 26.08.2010 00:04h

Hier läßt sich seriös nichts mehr kommentieren. Es geht anscheinend nur noch darum etwas zu melden.

Der eigentliche Inhalt dieser Meldung ist lächerlich.

Eigenrecherche der Börsenblatt-Redaktion findet nicht statt, jede -noch so blödsinnige- Verlautbarung der online tätigen Firmen wird unkritisch wiedergegeben. Es gibt, und das ist der Redaktion bekannt, natürlich eine Nomenklatur, eine seit langen Jahrzehnten bewährte Fachsprache, die von ernsthaften Antiquaren und den Sammlern gesprochen und verstanden wird. Natürlich schließt diese Fachsprache zunächst den Novizen und die Laien aus, aber das ist immer und überall so.

Wer will denn solche Beschreibungen lesen:

"Ey Alter ! Vollgeiler, irgendwie lederner, supergut erhaltener Lederband, handgestempelte, gegerbte Haut vom Schwein, mit einer echt alten Messingschließe, die ganz toll funktioniert, alles aus der Zeit vom ollen Gutenberg. Inhaltlich irgendwie nicht mehr so ganz auf der Höhe der Zeit, irgendein lateinisch geschriebener Scheiß, sieht aber geil aus, so handgedruckt. Im Text sind sogar handschriftliche Striche eingemalt, die Anfangsbuchstaben sogar mehrfarbig. Hoch wie zwei gebundene Grishams, breit wie'n Harry Potter. Super Investition und megadekorativ. Natürlich kein Schutzumschlag weil ein sogenannter Windeldruck! Kein weicher, sondern ein harter Einband ! Kaufen, Leute ! Letzter Preis im AltpapierMichel 1000 Euro, hier nur 999 Euro, versandkostenfrei ! Verpackungspauschale und Entsorgungsanteil nur: 45 Euro weil Versand durch outgesourcteEx- Post'ler."

Wer will denn so was ? Wer so was will, wird bei der marktbeherrschenden Versteigerungsplattform fündig, wer so was nicht will, schaut dort nach, wo gewisse qualitative Mindeststandards eingehalten werden, also eher nicht bei den Marktführern.

Siebeck hat den Deutschen beigebracht, was gute Küche ausmacht und wie diese fachgerecht sprachlich beschrieben wird, wo ist der Siebeck des Antiquariats ?

Eine Inkunabel oder eine Heine-Erstausgabe muß völlig anders beschrieben werden, als Harry Potter 5 oder der letzte Grisham.

Auch eine 5. Ausgabe von Kants Kritik oder Goethes Farbenlehre verdient eine völlig andere, angemessene Beschreibung als irgendeine Krimi-Erstausgabe.

Wir haben viel, eigentlich alles zu verlieren und wenn die Kolleginnen und Kollegen im Netz nicht mitziehen, dann stehen wir Laden- und Katalogantiquare auf verlorenem Posten.

Ich persönlich hasse Abkürzungen, deswegen benutze ich sie gar nicht, oder löse sie sofort wieder auf, aber selbstverständlich steht der Branche eigentlich ein ganzes Wörterbuch der Fachtermini zur Verfügung, welches auch angewendet werden sollte, die WARE verdient es !

Unangemessen beschriebene Ware kann man natürlich als Schnäppchen kaufen, aber im Hinterkopf haben, daß der Händler, der seine teuere Ware nicht adäquat, sondern stammelnd beschreibt, nicht eigentlich ein Fachmann sein kann, sondern ein Hökerer ist, der vielleicht den Preis seiner Ware kennt, aber keinesfalls ihren Wert.

Und um der letzten Kontroverse hier die Spitze zu nehmen, wenn ich meine Ware nicht schätze,sie nicht kenne, sie nicht -nun ja- liebe, spielt es keine Rolle, ob ich in der Metropole oder in der Provinz lebe, ob ich in diesem oder jemen Verein Mitglied bin, es hängt davon ab, wieweit mein eigener geistiger Horizont gespannt is und ob mich mein Handelsgegenstand eigentlich überhaupt irgendwie, ein bisschen interessiert.

Und genau hier, an dieser Stelle sollte der Börsenverein tätig werden: es geht darum die "Artenvielfalt" zu erhalten und nicht darum weitere unkritische und nur profitorientierte Konzepte zu befördern, man sollte dafür sorgen, das "klassische¨ Antiquariat zu fördern und nicht die Geschäfte der flotten Zwischenhändler und Neubuch- oder Massenanbieter.

Christoph Schäfer (Buchhändler und Antiquar)

2. Antiquarius 26.08.2010 08:14h

Der Vorredner mischt viele Aspekte durcheinander – es fällt schwer, den inhaltlichen Bezug zur Meldung zu erkennen. Jedenfalls lässt der Kommentar erkennen, dass die schlichte professionelle Pflege eines Datenbestands (denn um die Daten geht es ja heutzutage, auch für Laden- und Katalogantiquare) irgendwie schlecht ist. Die Berücksichtigung der Erfordernisse einer Datenbank schadet – der Zusammenhang wird nicht recht deutlich – der "Artenvielfalt" im Antiquariat. Und was ist mit den Kunden, die einfach ein Buch ("irgendeine Krimi-Erstausgabe" ) im Netz erwerben möchten, als "Laien"? Das sind dann wohl die ungesunden Esser, die besser gleich zum "Marktführer" gehen (das Beispiel Siebeck ist ziemlich retro…).
Indirekt könnte man aus einer solchen Stellungnahme ableiten, dass die Herausforderungen des Online-Antiquariats auch im 15. Jahr nicht angenommen werden. Der Buchhandel ist da in Sachen Grundlagendiskussion weiter – siehe zum Beispiel die aktuelle Debatte um das VLB.

3. RF Meyer 26.08.2010 08:56h

Es war von Anfang an falsch, die Bedürfnisse der Antiquare in Internet in fachfremde und beratungsresistente Hände zu geben. Dem Titel des Artikels fehlt ein Präfix vor optimal: ‚sub’.


Christoph Schäfer hat völlig recht, es gibt (tradierte) Standards, und sie sollten bei der Beschreibung antiquarischer Bücher angewandt werden. Dazu bedarf es der Kenntnis seitens des Antiquars. Anspruchsvolle Beschreibungen stehen nicht im Widerspruch zu Anforderungen von Datenbanken, dafür sind diese heute viel zu flexibel, die Zeiten von dBase3+ sind vorbei.

Beschreibungen von Gebrauchsbüchern lassen sich vielfach vereinfachen und teils automatisieren.

Der Fehler der Diskussion wie der Internetplattformen ist, daß beide Kategorien in einen Topf geworfen werden.

4. Antiquarius 26.08.2010 09:53h http://www.boersenblatt.net/323725/

Noch etwas zur "Nomenklatur" - Schäfer: "eine seit langen Jahrzehnten bewährte Fachsprache, die von ernsthaften Antiquaren und den Sammlern gesprochen und verstanden wird" / Meyer: "(tradierte) Standards": der Kollege Wiedenroth hat letztes Jahr in einem Interview auf die Frage, was für ihn die größte Herausforderung bei der Bearbeitung des GIAQ-Gemeinschaftskatalogs war, geantwortet: "Ich hatte das Ziel, die einzelnen Katalogbeiträge rein formal anzugleichen, also einem durchgängigen Beschreibungsschema unterzuordnen, der bequemeren Lesbarkeit des Großen Ganzen wegen. Das ist teilweise geglückt, traf bei einigen Kollegen aber auch auf ungestümen Widerstand [...]"

Also doch mehrere "bewährte" Fachsprachen? Oder einfach nur die individuelle Unlust, sich "des Großen Ganzen wegen" an sinnvolle Vorgaben zu halten, womöglich noch von Dritten ausgegeben?

5. Defätist 26.08.2010 10:02h

Alles läuft von Anfang an falsch... Seit dem Urknall geht einfach alles den Bach runter.

6. Otto W. Plocher 26.08.2010 11:27h

Lieber Kollege Schäfer, lieber Kollege Meyer,

Sie haben absolut Recht mit Ihren Beiträgen, die ich aus vollem Herzen unterschreiben kann. Für den Abverkauf von Gebrauchsliteratur (nicht verächtlich gemeint), von dem auch ich teilweise lebe, sind weitgehende Vereinfachungen und Verknappungen in den Titelbeschreibungen (evtl. sogar Automatisierungen) nötig, da der geringe Warenwert es nicht mehr zulässt, sich dort jedem Detail liebevollst zu widmen - und trotzdem erwähne ich noch jedes Lesebändchen, das aus dem unteren Schnitt herauslugt. Muß aber vielleicht nicht zwingend sein.

Seit der Einführung des Internets im Antiquariatsbuchhandel -Kollege Meyer, wie wahr- hat es eine Bewegung gegeben, die für das eigentliche Antiquariat, das sich mit eher mit Heine-Erstausgaben als mit Potters Harry beschäftigt, äußerst bedenklich ist. Nicht die Tatsache, daß Jedermann, der eine Kiste Taschenbücher auf dem Speicher gefunden hat, einen Internetanschluß und eine Gewerbeanmeldung besitzt (früher war wenigstens noch eine Sackkarre und eine Art Auto vonnöten) nun "Antiquar" sich nennt ist bedenklich, sondern vielmehr die Geltungsansprüche, die solche Novizen und Laien (oft entwicklungsunfähig oder -willig) an die Praxis des traditionellen Antiquariats formulieren, sind zurückzuweisen. Wie jedes Handwerk ist das Beschreiben und Präsentieren von alten Büchern eine Praxis, die gelernt werden muß: Recherche, Materialkunde, Sensibilität beim Aufspüren verborgener Hinweise, schließlich adäquate Preisgestaltung, Präsentation und stilistisch & sachgerechte Beschreibung sind nicht in ein paar Wochen zu lernen, sondern stellen eine immer wieder neue Prüfung für den Antiquar dar. Die von Abebooks vorgelegten Tipps sind nichts mehr als Anleitungen für unbedarfte Heimwerker.

Mich erinnert die Haltung vieler Internethändler an mein Einführungsseminar Literaturwissenschaft an der Universität Oldenburg, in dem von Unberufenen sofort die Forderung gestellt wurde, über "den Sinn" des Disziplin und ihre "reaktionäre Methodik" zu diskutieren, statt von dieser überhaupt erst einmal Kenntnis zu nehmen.

Leider hat man es in unserem Gewerbe zunehmend mit "Kollegen" zu tun, die von Buchbeschreibungen und bibliophilen Fragestellungen wie Blinde von der Farbe reden. Völlige Unkenntnis über die hohe Kunst, einen Katalog zu komponieren, Beschreibungen adäquat zu gestalten, die Kunst informativer Verknappung, sachlich-stilistischer Destille, der Anordnung des Materials usw.: Aber das Maul recht weit aufreißen, gell?

Vor vielen Katalogen, auch vor einigen Internetpräsentationen stehe ich immer wieder mit dem Hut in der Hand und höre mir brav an, was die Kollegen über die präsentierten Werke zu sagen haben, WIE sie es sagen, warum sie es nicht anders sagen usw. - Bei einigen Katalogen bewundere ich die feine Tektonik des Aufbaus, die sich entspinnende Intertextualität zwischen den angebotenen Werken, die Klugheit der Beschreibung und des Stils: Eine hohe Kunstfertigkeit, die im Eselsgeschrei unterzugehen droht. Man nehme sich Kataloge der Firmen Andreas Müller, Susanne Koppel, Erasmushaus, W. Braecklein, Chr. Schäfers "Buch als Gesamtkunstwerk" und Meyerns Homepage vor und lerne anstatt das eigene Unvermögen zu apologisieren! - Übrigens drückt sich in den Beschreibungen natürlich immer die Individualität des Beschreibenden aus, woraus folgt ("Antiquarius" sei's gesagt), daß zwar gewisse Standards für die Beschreibungen gesetzt sind, diese aber individuell, zuweilen idiosynkratisch, ausgeführt werden: Schadet nichts, wenn das Niveau nur ein recht hohes ist!

Daß man mit massenhaft verschleudertem, bescheiden beschriebenem Tinnef sehr viel Geld verdienen kann, vielleicht sogar mehr als mit seriös und aufwendig beschriebener Qualitätsware, entkräftet meine Argumentation nicht; es ist doch beinahe selbstverständlich, daß man mit billig zusammengeleimtem Dreck heutzutage leichter Millionär wird als mit kunstvoll ausgeführtem Handwerk, zu dessen Würdigung überhaupt erst einmal Auge & Hand gebildet werden müssen (der Schwed' macht's uns mit "Billy" vor, freilich falsch herum).

Noch für den Redakteur dieser Meldung in die Bresche gesprungen: Ziel war es ja wohl, mit der lakonisch hingeworfenen Notiz zu provozieren? Ist Ihnen gelungen, Dr. B.!

Hinsichtlich der anonymen Kommentatoren stellt sich allerdings schon die redaktionelle Frage (zumal nach der Vertreibung des Bibliothekars Kraft durch solche Stimmen), ob man Bemerkungen wie die unter (5.) tolerieren oder nicht doch mehr auf offenes Visier bestehen sollte.

Gruß! OWP

7. Horst-Werner Dumjahn 26.08.2010 16:47h www.dumjahn.de

Also, mit ein weing Struktur bei der Reihenfolge der einzelnen Datenbankfelder wäre es sicher einfacher mit dem Verkaufen. Kleines Beispiel gefällig? Bitte: Für das unten aufgeführte Buch, die Daten sind aktuell aus unserer Datenbank exportiert, wurde heute früh eine der drei Kartenbeilagen gesucht. Eine leichte Übung, dachten wir. Doch weit gefehlt. Im Buch ist im hinteren Deckel eine Lasche aus festem Papier eingeklebt, unübersehbar, da muß also mal was gewesen sein, wenn die Karten aktuell fehlen. Nicht erwähnenswert? Bei der "automatisierten" Aufnahme übersehen? Oder nur keine Ahnung?

Hier das fragliche Buch aus dem Jahre 1960:
Autorenkollektiv (Hrsg.): Uns gehören die Schienenwege. Eine Festschrift des Ministeriums für Verkehrswesen der Deutschen Demokratischen Republik zum 125jährigen Jubiläum der Eisenbahn in Deutschland. - 1960. 376 S. mit zahlr. Fotos und Faksimiles sowie 3 Kartenbeilagen in Lasche, Literaturverzeichnis (S. 373-376). - 28,5 x 22 cm. Ln, Schutzumschlag. (transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin : Dumjahn-Nr. 0004373) EUR xx,xx inkl. MwSt.
Schutzumschlag mit leichten Gebrauchsspuren, sonst tadellos. Mit den oft fehlenden drei Kartenbeilagen, diese tadellos. Die gesuchte Darstellung zur deutschen Eisenbahngeschichte und zur frühen Geschichte der Deutschen Reichsbahn in der ehemaligen DDR.

Im ZVAB mal eben (Schnellsuche) "Schienenwege" und "transpress" eingeben. Das Ergebnis (30 Treffer) wird Sie überraschen! Was uns das sagt? Die einfachsten "Spiellregeln" für eine Titelaufnahme scheinen sich noch längst nicht überall herumgesprochen zu haben.

Schade, und die Sache mit der gesuchten Karte gestaltete sich wegen der nötigen E-Mails deutlich aufwändiger als geplant. (Wir hatten übrigens mehrere Bücher mit den Karten bestellen wollen!)

8. Knigge 26.08.2010 18:06h

"Im (Online-)Antiquariatshandel gibt es verbindliche Vereinbarungen zu Katalogaufnahmen, Zustandsbeschreibungen und der Verwendung von Bildern nicht einmal im Ansatz, obwohl ein Branchenkonsens ohne Zweifel hilfreich wäre."

Der Branchenkonsens findet sich bei: Wendt/Gruber: Der Antiquariatsbuchhandel. 4. Aufl. Stuttgart, Hauswedell, 2003. S. 89-117 (Aufnahmetechnik für Bücher nach 1500).

Jeder "Antiquar" - auch der aus dem "Winkel" - sollte den Band nicht nur besitzen, sondern zumindest zu Beginn seiner Tätigkeit auch gelesen haben.

9. Orangenbaum 26.08.2010 18:48h

@ 8. Knigge

Tach, Herr Freiherr,

das ist ja dann so, als wenn man zur Reparatur seines neusten 2010er Mercedes-Modells die Reparaturanleitungen des alten W123 zur Hilfe nehmen würde ...

10. Roman Heuberger 26.08.2010 19:04h

@ Orangenbaum

Antiquare handeln halt eher mit einem W123 als mit einem 2010er Mercedes. Das ist schon berufsbedingt.

Außerdem heißt es nicht "Herr Freiherr", sondern nur "Freiherr". Weil dieser für "Herr" steht.

Heuberger

11. Orangenbaum 26.08.2010 20:16h

@10 Heuberger

Ach, Heuberger,

das ist doch noch gar nicht Ihre Zeit...

Herr Freiherr ist in diesem Fall schon ganz richtig, handelt es sich doch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht um den Freiherrn, oder sind Sie da anderer Meinung? Das wäre dann aber doch bedenklich ...

Was das Thema "W123" angeht, so haben Sie meinen Beitrag leider einfach nicht verstanden.

12. Christoph Schäfer 26.08.2010 20:26h www.heineantiquariat.de

@9:

Ich vermute mal, daß der Freiherr kein Pseudonym benutzt hat, sondern so heißt, wie er geschrieben hat.

Wenn das so ist, dann handelt es sich um einen äußerst fachkundigen Kollegen, dessen Rat man durchaus annehmen könnte, einmal ganz davon abgesehen, daß Sie - "Orangenbaum" -, einen Mercedes neuester Produktion mit Sicherheit nicht selbst reparieren können, es sei denn Sie wären so etwas wie Mechatroniker und nicht Antiquar.

Und der vom Kollegen Gruber überarbeitete und der heutigen Zeit angepaßte Wendt ist mit Sicherheit ein, ich gebrauche diesen Ausdruck in Buchbeschreibungen im Netz nie, aber hier paßt er, ein durchaus lesenswertes Buch für jeden, der versucht alte Bücher zu verkaufen, benutzen wir mal den kleinsten gemeinsamen Nenner. Selbst wenn man nur die erste Auflage besitzen würde und das Kapitel zum Thema Katalogaufnahme lesen, verstehen und umsetzen würde, wäre das schon einmal nicht verkehrt.

13. Orangenbaum 26.08.2010 20:41h

@ 12

Lieber Herr Schäfer,

der heutigen Situation angemessen wäre es, wenn eine zeitgemäße Standesorganisation der Antiquare jährlich aktualisierte Qualitätsstandards beschließen würde, und dann, die große Mehrheit der hauptberuflichen Antiquarinnen und Antiquare hinter sich, einen entsprechenden Druck auf die Portale ausüben würde, damit das dortige Angebotsniveau den Qualitätsstandards angepasst wird.
Dazu bedarf es eines hauptberuflichen Lobbyisten, mit einer Truppe von mehr oder weniger eitlen Amateuren ist das nicht zu lösen. Von Interessenskonflikten mal ganz abgesehen!

14. Karl-Heinz Eisenbach 26.08.2010 21:17h

In meiner Antiquariatsbrust schlagen zwei Herzen,

die eine Seite ärgert sich ständig über Anbieter, die ihre Bücher in folgender Form beschreiben: Hardcover, Softcover, gut abgerieben, Seiten: viele, Bilder vorhanden, altersgemäßer Zustand, oder ganz korrekt für einen banalen Allerweltstitel: Bibliotheksband, gestempelt, mit Folie überzogen, Rücken eingerissen, Papier stark gebräunt, durchgehend mit Anstreichungen versehen, Seite 11-15 in Kopie ersetzt, Register fehlt, Euro 3,50 (gibt es dort keine blaue Tonne).

Dazu gibt es noch eine Menge Anbieter, die nicht bei A…n, Bücher für 1 Cent anbieten, sondern bei E…y, Titel wie Konsalik und dergleichen mit Preisen von beispielsweise Euro 65,67 bis Euro 155,87 etc. auspreisen.

Nun, was sagt meine zweite Brusthälfte, nachdem sich der Ärger gelegt hat und ich bei reiflicher Überlegung des „Besserwissers“ tief Luft geholt habe, lasst sie doch einfach. Diese Anbieter werden doch einen Teufel tun und sich Ratschläge von „erfahrenen Antiquaren“ anhören, oder auch nur von ihrem Plattformbetreiber annehmen, die können einfach nicht anders oder wollen es nicht. Wozu sollen wir sie auch belehren. Ich gehe davon aus, dass dies der Markt schon richten wird.

Diejenigen Anbieter, die etwas von der Materie verstehen, sowohl ihre Kunden, wie auch die Ware pflegen, die sollen es weiterhin vernünftig tun. Denkt immer daran, dass es wirklich gute Bücher nur in begrenzter Zahl gibt, lasst die Massenware einfach das was sie ist, eben Massenware. Die Plattformbetreiber brauchen diese Mitanbieter, ohne deren Gebühren sind sie nicht überlebensfähig.

Die Anbieter, die „fertige“ Buchbeschreibungen von Kollegen in ihr Angebot kopieren, sollten nach einer freundlichen Aufforderung dies zu unterlassen, bei Nichtbefolgung abgemahnt werden. Das wird sich auswirken.

Viel wichtiger als diese ganze Diskussion ist jedoch die Tatsache, dass ein Internetantiquariatsmarkt letztendlich ohne eine Basis an Antiquariatsmärkten, Ladengeschäften und Messen nicht überlebensfähig ist.

Noch eine Bitte an die Redaktion, beleidigende Beiträge ohne Namensnennung sollten entfernt werden, das Beispiel wie man mit Herrn Kraft umgegangen ist, sollte keine Schule machen.
Karl-Heinz Eisenbach / Taunus-Antiquariat

15. Christoph Schäfer 26.08.2010 22:54h http://www.euroda.eu/

@13
Notwendig wäre eine Händlervertretung, als Organisationsform der Plattformbeschicker. Diese wählt Sprecher die dann dem Betreiber mitteilen was sich ändern sollte. Voraussetzung wäre allerdings eine gewisse Größe dieses nicht neu zu gründenden Vereins, oder aber eine qualifizierte Minderheit an beteiligten Firmen, die über soviel gute Ware und Bekanntheit verfügen, daß die Plattform ungern auf sie verzichten würde. Und natürlich Solidarität untereinander.
Mit dem derzeit auf Eis gelegten ABOEV stünden die Strukturen dafür zur Verfügung, das Gehäuse müßte nur noch personell mit Leben gefüllt werden.

16. Idefix 26.08.2010 23:22h

Lieber Kollege Schäfer,

Ihre Vorstellung ist (leider) gleich in zweierlei illusorisch.

a) das ZVAB hat über 4000 Händler, davon nur 1900 aus D, A und CH. Von denen haben vielleicht gerade 500 interessante antiquarische Ware. Von diesen 500 könnten sich vielleicht gerade mal 100 einen Ausstieg aus dem ZVAB leisten, weil die Umsätze dort für sie nur Peanuts sind, weil sie über Kataloge oder Ladengeschäfte ihren Hauptumsatz machen. Da würden die Rheinbabens nur müde lächeln, wenn man mit einem Boykott droht, machen sie doch allein mit Libri sicherlich mehr Umsatz als mit diesen 100 zusammen, da die Kunden bei wirklich teuren Titel den Antiquar direkt kontaktieren werden und nicht einfach über die Plattform bestellen werden.

b) es gibt schon jetzt zu wenige Kollegen, die sich aktiv in den Berufsorganisationen engagieren. Wo sollen da plötzlich neue Leute herkommen?

Trotzdem noch einen schönen Abend

17. Roman Heuberger 27.08.2010 00:49h

Werte Redaktion,

ich schließe mich dem Schlußwort des Kollegen Plocher in Beitrag N° 6 an und plädiere ebenso dafür, die Kommentarfunktion den Mitstreitern mit offenem Visier vorzubehalten. Letztendlich zeigt sich, daß die qualifiziertesten Beiträge ohnehin von Kollegen stammen, die mit ihrem Namen unterschreiben, im Kommentar-Strang dieser BB-Nachricht beispielsweise von CS, RFM, OWP, Herrn Dumjahn und Herrn Eisenbach.

Aus meiner Sicht unqualifizierte oder schlicht und einfach nur doofe Beiträge werden zumeist anonym geschrieben. Natürlich gibt es die auch von offen Schreibenden (ich selbst nehme da auch nicht immer aus) und umgekehrt.

Dennoch geht die Tendenz eher dahin, daß anonyme Schreiberlinge gerne "die Sau rauslassen" und schlicht und einfach durchaus diskussionswürdige Themen mit ihrem Blödsinn ad absurdum führen und vor allem andere, unter ihrem wahren Namen schreibende Kommentatoren aus der Anonymität lächerlich machen und sie dadurch vergrätzen. Siehe das Beispiel H. Kraft aus München, dessen Kommentare durchaus lesenswert, themenbezogen und vor allem für das Antiquariat im eigentlichen Sinn gut sind. Einen solchen Menschen, der mit seinen Beiträgen auf dieser Seite eher Produktives leistet , anonym und mit Häme zu begegnen, halte ich für infam und verwerflich. Daß die Redaktion hier nicht eingreift, zeigt, daß sie sich doch eher auf einem Weg unkritischem und sensationsheischenden Bildzeitungsniveau befindet.

Ich bin der Meinung, daß die virtuelle Version der Antiquariatsbeilage des Börsenblatts durchaus an Qualität gewinnen könnte, wenn die Beiteiligten sich unter ihrem wahren Namen austauschen könnten. Wie auch in der Wirklichkeit. Oder würden Sie sich mit einem Menschen unterhalten wollen, der mit einer Aldi-Tüte überm Kopf Ihr Antiquariat beträte und anfangen würde, Ihnen beispielsweise etwas über Obst zu erzählen?

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