Antiquariat
26.08.2010Online-Buchhandel
Von Kistenschiebern und Mulchkartons
"RazorOlli" (ein Händler aus Bremen) liefert zur Thematik im Geizmonster-Forum einen knappen, aber sehr lesenswerten Beitrag:
"RazorOlli" (ein Händler aus Bremen) liefert zur Thematik im Geizmonster-Forum einen knappen, aber sehr lesenswerten Beitrag:
1. Dumme Kartoffel 26.08.2010 19:18h
„Gesinnung“? Bin ich grad der Zeitmaschine entstiegen und in einer unlebbaren Vergangenheit gelandet?
Was bitte ist an dem Beitrag im Geizmonster lesenswert? Was wird darin bezüglich des o.g. Themas ausgesagt?
2. krämer 26.08.2010 21:33h
Das ist so das Statusgedöns, wo bekanntlich die Selbsteinschätzung von der sozialmetrischen Zuordnung abweicht.
Wer will schon zur Unterschicht gehören, wenn er damit ein negatives Image verbindet, oder die Verachtung der vermeintlich besser gestellten oder höher stehenden zu empfinden glaubt. Daher das Ergebnis in Befragungen bei der Selbsteinschätzung: Untere Mittelschicht.
@1
Die Gesinnung ist sehr wohl auch ein Unterscheidungsmerkmal, auf die Unterscheidung, die Abgrenzung kommt es dabei an. Ein Kistenschieber ist kein Antiquar, auch weil ihm die richtige Gesinnung fehlt.
Aber das ist alles fiktiv, soziale Konstruktion, und sollte auch Aufstiegsmöglichkeiten bieten. Man kann auch ein "richtiger" Antiquar sein, wenn man "nur" mit "Gebrauchtbüchern" handelt.
Nach dem zvab-michel ist die Grenze anscheinend durch den Verkaufspreis der Gebrauchtbücher gezogen, auch antiquarische Bücher sind ja Gebrauchtbücher, aber alles unter 30 EUR ist nicht im Michel enthalten, das ist dann das Gebrauchtbuchgebiet, bis runter zu 1.ct.
Doch wer für seine Gebrauchtbücher durchschnittlich 20 bis 30 Euro erzielt, ist nicht so einfach der Kategorie Kistenschieber zuzuordnen, weder sozialmetrisch, noch bei einer auf Abgrenzung bedachten Selbst- bzw. Fremdeinschätzung.
3. bookmarathon 26.08.2010 21:42h
@1 Die Einleitung vom boersenblatt ist nicht nur peinlich, sondern zeigt einfach, dass da offenbar überhaupt nicht mehr über irgendwelche Begriffe nachgedacht wird.
Sogar ein Kistenschieben würde so einen Müll entsorgen. Ich packe das noch nichteinmal für Flohmärte, verkaufe das aber erst Recht keinem anderen Händler.
Für die Tonne Mischpapier gibt es derzeit rund 45 Euro. Womit es pro Bananenkarton rund einen Euro gibt. (Und die Kartons darf ich behalten.)
Also, auch wenn das boersenblatt es nicht für möglich hält, auch Ramscher und Kistenschieber haben soetwas wie eine Berufsehre. Mich machen solche Diskussionen echt sauer, da ich selten soetwas von Ahnungslosigkeit gelesen habe. Ich würde jedenfalls nicht für 8 Kisten Bücher zu einem Händler fahren.
Womöglich verdienen wir nicht alle Millionen, und wir haben auch sicher nicht nur die Anspruchsvolle Literatur im Angebot, aber auch wir machen einen ehrlichen sauberen Job.
Die Abrenzung zwischen Antiquar und Gebrauchtbuchändler sehe ich spätestens bei solchen Meldungen.
@Razo
Nein, bei soetwas läuft sicher kein Pricetool. Denn wo sollte es denn starten, wenn der Müll schon nur mit einem Cent eingestellt werden kann.
4. Otto W. Plocher 26.08.2010 21:48h
Tja, liebe Redaktion, da haben Sie so mitten ins nordwestdeutsche Kistenschieberwesen hineingelangt. Keine Frage, daß auch in Mulchkreisen soziale Distinktionen herrschen (vgl. Pierre Bourdieu: Die feinen Unterscheide, passim).
Wenn ich einmal sehr viel Zeit habe und mir eine gepanzerte Limousine leisten kann und Samurai-Meyer als Leibwache, dann berichte ich Ihnen von den Heldentaten der nordwestdeutschen Schattenantiquariatshändler als da u.a. wären Schiet'n-Didi, der doofe Horst, NS-Ari, Priem-Ulli (die Bücher vor dem Ankauf nach braunen Flecken durchschauen!), Käpt'n Ahab, Meyer zwo, Sichelzellen-Kutzi, Günther die Springmaus, Mr. T. (auch: Der Golem) usw...
Oh, ich glaube, da klopft schon Jemand an die Tür...!!? !!!
5. krämer 26.08.2010 22:40h
Bourdieu hat sicher gute Forschung gemacht, war aber andererseits auch kein Freund der Oberschicht, sondern ist für das Funktionieren des Sozialwesens eingetreten, und das beruht letztlich nicht auf den Unterschieden, sondern auf den Gemeinsamkeiten.
Es ist einigermaßen alarmierend, wie so im Feld des Antiquariatswesens Verteidigungen der Oberen nötig scheinen. Es gehört ja immer zu dem höheren Status auch das höhere Einkommen, oder wenigstens die Möglichkeit dazu. Vielleicht muß man sich als Antiquar bald davon verabschieden, daß das Einkommen ein Distinktmerkmal ist. Die höheren Werte können sich dann umsomehr geltend machen, auch den Künstler interessiert der finanzielle Aspekt nicht wirklich.
Aber was wirklich in Gefahr ist, die in der Kultur des Antiquariates praktisch gewordene Versöhnung von wirtschaftlichen und kulturellen Interessen.
Diese besondere Verbindung von einem notwendigen Existenzerhalt mit kulturellem Engagement, und das ohne staatliche Bezuschussung, also frei, ist bedroht.
In Deutschland sind die Verhältnisse auch nicht so wie in Frankreich oder England. Deutschland ist egalitär, ist eine Mittelklassengesellschaft, jedenfalls vom Selbstverständnis her. Im Schulwesen läuft heute es nicht so gut, es produziert in seiner Mißfunktion 20 % aller Schüler ohne ausreichende Qualikation, um beruflich tätig werden zu können, noch Chancen zu haben, dazu zu gehören, zur Mittelschicht (und die entsprechende Lebensqualität).
6. krämer 27.08.2010 00:26h
@4 O.W. Plocher
"Oh, ich glaube, da klopft schon Jemand an die Tür...!!? !!!"
Die richtige Adresse ist Jesus Christus: Klopfet an, so wird euch aufgetan.
7. reinhard fey 27.08.2010 12:10h
wieso wird angenommen, der kumpel von razorolli sei ein "antiquar" oder auch nur "buchhändler"? für mich klingt die beschreibung eher nach flohmarkthändler. wozu also die aufregung ..:?
ps: "mulch" war mir neu - danke für die ergänzung meines wissens! ;-)=
8. Redaktion Antiquariat 27.08.2010 13:35h
Da geht es doch ziemlich sicher nicht um Antiquariat. Interessant ist an der Sache aber, dass da Leute im Netz (!) mit Büchern handeln, die andere Händler offenbar größtenteils (und aus guten Gründen) makulieren würden. Auf den Online-Plattformen stehen dann aber wieder alle nebeneinander – Antiquare; Halb-Antiquare; Gebrauchtbuchhändler aller Couleur; MA-Anbieter; mehr, weniger oder gar nicht verdeckte Verkäufer neuer Bücher. Was daran unter anderem problematisch ist: das zeigt das oben verlinkte Beispiel.
9. Arnim Beine 27.08.2010 13:53h
Kistenschieber?
Sind das welche?
www.youtube.com/watch?v=y7CrMtssCns
Oder diese, RIP?
www.dailymail.co.uk/news/article-1156973/Thousands-scramble-free-books-Amazon-supplier-abandons-warehouse.html
Oder gar die hier?
www.youtube.com/watch?v=i6H7nfHjHtY
Man blickt durch die verschiedenen Geschäftsmodelle einfach nicht mehr durch ;-)
10. bookmarathon 27.08.2010 18:26h
@8
Es wird wohl kaum ein ernsthafter Kistenschieber, schönes Wort, so einen Müll ins Netz stellen. Denn wie der Name schon sagt, werden Mengen bewegt.
Im übrigen arbeiten wohl die Meisten der Kistenschieber mit Antiquariaten, Sozialeinrichtungen usw. zusammen.
Das es Leute gibt, die 8 Kisten Müll eines Onlinehändlers KAUFEN, ist mir echt neu, wundert mich aber in Einzelfällen nicht. Räumer, Kistenschieber usw. zeichnen sich nicht zuletzt dadurch aus, dass sie oft feste Kontakte haben. Wie gesagt, oft sogar mit Antiquariaten da diese froh sind, wenn Überbestände oder auch Ware die nicht in deren Bestand passt abgeholt wird. Da wird sicher nicht nur Müll verschoben, da ich sonst sicher nicht öfter als einmal räumen würde. Und zumindest meine Kontakte sind bisher alle längerfristig gewesen.
Mir ist einfach nicht klar, was der Bremer Händler mit seinen Bericht sagen will: Seht her, ich habe Müll gekauft? Ungesichtete Ware verkauft kein Händler in 8 Kisten. Palettenweise aus Räumungen... ok, kann passieren, wenn es Platzprobleme gibt.
Ich bin eine Kistenschieberin, und mir macht der Job Spass. Allerdings habe auch ich mit Büchern aller Preisklassen zu tun. Mir ist es dabei völlig egal, wie mein Beruf bezeichnet wird.
Zum Glück gibt es auch noch normale Antiquare. Und es ist schön, wenn man dabei sogar Freunde hat. Komisch, dass diese nie auf so merkwürdige Diskussionen kommen.
In diesem Sinne, ich muss Platz schaffen.
11. RazorOlli 27.08.2010 19:04h
Ich glaube ich muß mich hier mal zu Wort melden.
Ich finde es erstaunlich und auch erschreckend, daß meine triviale Anekdote es ins Börsenblatt geschafft hat.
Ich wollte damit nichts weiter als die Kollegen aus dem Forum erheitern...
Die Begriffe "Mulch" und "Kistenschieber" sind nicht von mir, die habe ich nur aufgegriffen.
Der Typ war kein Kumpel von mir, sondern es ging um eine Kleinanzeige. Ich bin hingefahren, weil es nur ein paar Straßen weiter war. Und ja, als kleinerer Händler fahre ich auch mal für 8 Kisten los. Sehe nicht, was daran verwerflich sein soll.
Ich habe die Kisten übrigens nicht gekauft und auch nicht mitgenommen. Ich dachte, daß das aus meiner Erzählung hervorgeht. Ich bin auch ganz sicher niemand, der den Schrott anderer Händler abholt. Nach der telefonischen Aussage des Anbieters hatte ich ja auch nicht mit Schrott gerechnet, sondern mit stehengebliebener vorsortierter Ware.
Ich bin sicher niemand, der sich mit den hier anwesenden in irgendeiner Weise messen oder vergleichen kann, nur ein kleiner Händler, der aber versucht, ein gewisses Minimum an Qualität und Service mit seinem zugegeben trivialen (Amazon)Angebot zu erreichen.
Von daher fand ich es erschreckend, was ich da zu hören bekam.
Daß das ganze jetzt natürlich hier gegen MICH verwendet wird, damit muß ich wohl rechnen... es war ja auch nicht meine Absicht, daß das hier veröffentlicht wird.
Ich finde, die Leute vom Börsenblatt könnten einen mal fragen, bevor man hier so bloßgestellt wird. Ist ja schon fast wie im Boulevard-Journalismus hier.
12. Redaktion Antiquariat 27.08.2010 19:22h
@11 Es war nicht beabsichtigt, Sie hier bloßzustellen! Entschuldigung! Es geht doch um den Anbieter dieser Mulchkartons – ich fand Ihren knappen Geizmonster-Bericht so authentisch und auch bezeichnend für einen Teil des Gebrauchtbuchmarktes, weil ich davon ausgehe, dass das "Team", dem Sie begegnet sind, viele tausend Schrottbücher ins Netz gepumpt hat. Klar, ist nur eine Marginalie, trotzdem nicht uninteressant.
13. RazorOlli 27.08.2010 19:46h
Danke für die Rückmeldung. Leider hatte ein Teil der Kommentare die Tendenz, sich gegen mich zu richten, mir eine Gemeinsamkeit mit diesen beiden Typen zu unterstellen oder sich verächtlich über meine Ankaufsmethoden zu äußern.
Mit den Tausenden Schrottbüchern mögen Sie recht haben. Wobei ich noch heraushörte, daß angeblich nicht schlechtes Geschäft, sondern familiäre Gründe der Grund für die Geschäftsaufgabe gewesen wären. Naja, wer weiß, ob man das glauben kann.
Ich muß wohl damit leben, daß es Antiquare gibt, die von oben auf mich herabsehen und mich mit Leuten wie den von mir beschriebenen in einen Topf werfen. Das finde ich natürlich auch nicht gerade gerecht oder erfreulich. Ich jedenfalls weiß, daß ich mich von solchen Leuten doch erheblich unterscheide - wohlgemerkt von Anfang an und nicht erst durch die Erfahrung der letzten 5 Jahre.
Wie weit oben ich auf einer Skala von 0 (die beschriebenen Typen) und 100 (k.u.k. Hofantiquar in 4. Generation) anzusiedeln bin, mögen andere beurteilen, ich bin jedenfalls nicht unzufrieden, wenn ich von meiner Position aus nach "unten" blicke und sehe, was sich da noch "unter" mir tummelt.
14. H. Kraft 27.08.2010 20:32h
zu 12.) Redaktion Antiquariat
An die Redaktion Antiquariat,
ich habe mich etwas gewundert, da Sie in diesem Fall sehr schnell - RazorOlli - antworten.
In meinem Fall - H. Kraft, München - ist eine Reaktion leider bisher ausgeblieben.
Es geht dabei auch um die Schreibkultur im boersenblatt.net und um die jetzt leider praktizierte Anonymität der Kommentare. Außerdem sind manche Kommentare viel zu lang, schweifen völlig vom eigentlichen Beitrag und Thema ab und greifen dann noch Leute an.
Da überlegt sich mancher, ob er sich nach einiger Zeit wieder meldet.
Mein Rückzug ist aus verschiedenen Gründen gekommen.
Da möchte ich auch jetzt nicht darauf eingehen.
Es ist aber irgendwie nachvollziehbar.
Jedenfalls bin ich niemand Rechenschaft schuldig (wie, warum, wieso usw.).
Ob ich mal wieder dabei bin, wird die Zeit zeigen.
- Sollte ich jemanden mit meinen Kommentaren verärgert
haben, so bitte ich um Nachsicht und um Entschuldigung.
- Besten Dank.
Mit freundlichem Gruß von
H. Kraft, München
- (Kommentare, die eventuell kommen werden,
beantworte ich leider nicht).
Rückzug ist jetzt eben mal Rückzug.
15. RazorOlli 27.08.2010 20:43h
zu 3: Liebe Frau bookmarathon, speziell auf den Beitrag möchte noch eingehen. Wo sehen Sie die Ahnungslosigkeit? Bei mir oder bei den anderen Typen?
Ich fahre schon mal für 8 Kisten los, warum sollte ich nicht? Ich rechnete ja aufgrund des vorher geführten Telefonats mit solider Ware. Meine Überlegung war, daß ein Händler seiner externen Erfassungskraft ja wohl vorsortierte Kisten hinstellen würde, was anderes lag (bisher) jenseits meiner Vorstellungskraft.
Der Typ mit dem ich sprach, hatte ja keinerlei Ahnung, weder vom Geschäft noch von den Preisen. Der war ja nur die Schreibkraft. Er wollte die Bücher jetzt loshaben wegen Renovierung, nachdem sein Kumpel sie auch nicht mehr haben wollte. Er hat auch nicht ausdrücklich versucht, sie einem anderen Händler zu verkaufen, sondern irgendwem, war ja eine Kleinanzeige.
Das alles wäre auch schon meinem Ursprungsbeitrag zu entnehmen gewesen. Ärgerlich, daß ich dann so mißverstanden und werde, daß es sich dann gegen mich wendet.
Ich bin auch jemand, der einen guten sauberen Job macht. Und ja, von SOLCHEN Typen grenze ich mich ganz klar ab, so wie sich Antiquare ja auch völlig zurecht von mir abgrenzen.
16. Roland Samsz 27.08.2010 21:25h http://geizmonster.de
Es doch doch nur eine Geschichte aus dem Leben, die (fast) jedem hätte passieren können.
Die Informationen in der Kleinanzeige waren dünn (wie hätte auch in 5 Zeilen mehr stehen können).
Das Telefonat hat ein anderes Bild geliefert.
Die Besichtigung brachte das wahre Bild zutage.
Ich würde für ein richtiges Buch zum richtigen Preis quer durch die Republik fahren.
17. bookmarathon 27.08.2010 22:24h
Lieber Herr RazorOlli,
wichtig und deshalb vorab: Ich hatte in keiner Form vor Sie anzugehen oder herabzusetzen. Ich habe tatsächlich vor jeden Respekt der vom Onlinehandel leben kann.
Ich muss zugeben, dass ich mich über die polemische Meldung im boersenblatt so geärgert habe, dass ich Ihren "Ehrfahrungsbericht" nicht wirklich gelesen habe, sondern nur überflogen habe.
Die Ahnungslosigkeit der Redaktion von Kistenschiebern ist echt beeindruckend. Und es tut mir wirklich leid, dass Sie sich dabei angegriffen fühlen. Sie sind ganz sicher kein Kistenschieber, dass wollte ich eigentlich schreiben. Denn ein Kistenschieber, meine Wenigkeit, würde sicher anders reagieren. Und darin soll keine Wertung liegen.
Konzepte sind nicht immer geplant, oft wächst man da rein. Ich hatte sicher auch nie vor solche Mengen an Bücher anzusammeln.
Machen Sie weiter so, es wird Ihren Rücken sicher schonen. Und ob andere Konzepte funktionieren muss auch die Zeit zeigen.
@16
Muss ich jetzt auch Sie zu Dir sagen?
Egal... Ich fahre für ein Buch auch 500 Km. Aber so ein Buch hat sicher keinen Kistenpreis. Ich würde dafür auch in die USA fliegen wenn es Geld bringt. Aber wenn mir etwas merkwürdig vorkommt, dann räume ich noch nicht einmal jemanden der seinen Laden 10 Km weiter hat. (Wir hatten für die Räumung gut Geld eingeplant. Allerdings wollte der "Kollege" nicht zurückrufen und ich konnte mir die Transportwege nicht vorher ansehen. Bei Ebay ergab die Versteigerung dann nur rund
30 % des eingeplanten Budget welches ich zur Verfügung hatte. Ich will damit sagen, dass ich auch auf ein Bauchgefühle höre..)
18. Redaktion Antiquariat 27.08.2010 22:34h
@17 "Ich muss zugeben, dass ich mich über die polemische Meldung im boersenblatt so geärgert habe, dass ich Ihren 'Ehrfahrungsbericht' nicht wirklich gelesen habe, sondern nur überflogen habe." Na, klasse, nicht den Zusammenhang erlesen wollen (inkl. der Kleinigkeit, dass RazorOlli die Mulchkisten ja gerade NICHT gekauft hat), aber einfach mal munter drauf los kommentieren.
Kistenschieber: spätestens morgen folgt hier ein Versuch zur Begriffsgeschichte (von den PC-Discountern bis zu Kellers "ZVAB suckz!" etc.). Kommentare hierzu gern schon heute.
19. bookmarathon 27.08.2010 23:07h
@18
Mein Kommentar war auch so Ok, Aber es ist schon armselig, was Sie da derzeit als Meldungen rausbringen.
Na, dann hat eben ein Händler 8 Kisten Müll angeboten bekommen und NICHT genommen. Wow, was für eine Erfahrung!!! Respekt!!! Aber Ihre Schlussfolgerungen daraus sind schon lustig. Sie sollten mal überprüfen welchen Müll Antidquariate im ZVAB haben. Sie werden sich wundern. Oder noch besser, übernehmen Sie doch einfach mal ein Antiquariat. Oder kaufen Sie bei ebay "antiquarische Posten", machen Sie Wohnungsauflösungen etc. Manchmal würde ich gern über Einzelfälle schreiben, aber zumindest ich habe Respekt vor meinen Kunden. Sie schmeissen da mit Vermutungen um sich, die durch nichts zu belegen sind. Ich kenne jedenfalls keinen Händler, der so einen Müll in größeren Stil listet. Auf mich wirkt es einfach nur so, als ob man sich selbst auf ein noch etwas höhren Sockel stellen möchte: "Seht her, ich habe sotwas nicht nötig und die da unten müssen den Müll sortieren."
Aber bevor Sie sich jetzt auf mich einschiessen, lesen Sie mal Ihre eigene Meldung und den "Erfahrungsbericht" von RazorOlli. d
Schön wäre übrigens, wenn die Redaktion mit guten Beispiel voran gehen würde und den Namen desjenigen veröffentlicht der Antwortet.
Die Begrifflichkeit eines Kistenschiebers können Sie definieren wie Sie wollen. Keine Ahnung, ich räume jedenfalls und habe rund 6.000 Bananenkartons Bücher auf Lager. Also bin ich wohl irgendwie ein Kistenschieber, glaube ich jedenfalls. Ich habe Hornhaut an den Fingern und arbeite für mein Geld. Nicht mehr und nicht weniger.
Jeannine Rathjen
bookmarathon
20. krämer 27.08.2010 23:26h
bookmarathon hatte sich ja in @17 bei razorolli entschuldigt.
Die Redaktion ist anscheinend mit der Moderation etwas überfordert.
Was ist Kellers "ZVAB suckz!" ?
21. RazorOlli 27.08.2010 23:44h
"bookmarathon hatte sich ja in @17 bei razorolli entschuldigt."
Und in @19 schon wieder ein bißchen nachgetreten. Ich habe den Bericht im Geizmonster-Forum (der auch nur für dort gedacht war, wer hätte denn ahnen können, daß sich das Börsenblatt für so etwas interessiert) sicher nicht geschrieben, um mich selbst auf einen Sockel zu stellen, sondern nur, weil ich schockiert darüber war, wie diese Typen offensichtlich gearbeitet haben.
Ich sehe ja auch das Problem der Übersättigung des Marktes mit Billigware, zudem oft noch in schlechten Zuständen. Erschien mir halt insofern exemplarisch und daher habe ich es halt dort erzählt.
Daß man einen Posten erstmal VORSORTIERT, bevor man die besseren Teile daraus im Netz anbietet, scheint wohl doch nicht jedem Marktteilnehmer geläufig zu sein.
Was ein "Kistenschieber" ist, wußte ich leider auch nicht so genau, es war eine reine Vermutung von mir, daß solche Leute damit gemeint sein könnten.
Daß sich jemand 6000 BK Bücher ans Lager legt, das konnte ich mir nun wiederum bis heute auch nicht vorstellen, auch da mußte ich mein Vorstellungsvermögen also erweitern.
22. krämer 28.08.2010 00:00h
>"bookmarathon hatte sich ja in @17 bei razorolli entschuldigt."
Und in @19 schon wieder ein bißchen nachgetreten.<
Überhaupt nicht, bookmarathon beschimpft die Redaktion. Und sie sagt ja selbst, daß sie Kisten schiebt. Ist eine gute Alternative für das bescheuerte Jogging, Nordic Walking und dergleichen.
23. Klaus Erthal 28.08.2010 00:08h
Allerlei Befindlichkeiten treten hier zutage. Alles wirkt etwas getrieben vom menschlichen Geltungsdrang, der bei jedem, wenn auch in unterschiedlich starker Ausprägung vorhanden ist. Wie wäre es denn mit Paletten-Schieben statt Kistenschieben? Das ist wesentlich effizienter.
Davon abgesehen, sollte doch jeder selbst am Besten wissen, was er tut, warum er das tut und ob er das ordentlich oder schlampig macht. Wie er denn von seinem Umfeld wahrgenommen und bezeichnet wird, sollte eigentlich für einen selbstbewußten Menschen einerlei sein.
@ 16:
Ich habe mehrere richtige Bücher auf Lager.
P.S.: Ich bin auch wegen 20 Bananenschachteln 20 km gefahren, war ja ganz in der Nähe, passt gerade in den Kombi, auf ebay im einstelligen Euro-Bereich ersteigert. Ich habe Sie auch wieder zurück gefahren, und mein Geld zurück verlangt und bekommen. Die nette Antiquarin oder Kistenschieberin konnte gar nicht verstehen, daß ich so sauer war, es wäre ungesichtete Ware gewesen, selten so gelacht. Es gibt Antiquare und auch Kistenschieber, die Ihren Schrott über ebay loswerden wollen, wusste ich seitdem. Müßig zu erwähnen, daß in der einen Kiste, die offen auf dem Photo zu sehen waren, 3 interessante Bücher oben lagen. Das waren aber leider die einzigen 3 interessanten Bücher bei diesem Posten.
24. Otto W. Plocher 28.08.2010 00:56h
@14 H. Kraft
Lieber Herr Kraft,
jeder, der sich ein bißchen intensiver im Internet tummelt, hat sicherlich schon einmal die Erfarung gemacht, auf den großen Krakeel zu treffen und von diesem veralbert / doof angemacht / parodiert oder sonstwie geärgert zu werden. Bitte nehmen Sie dies doch nicht zum Anlaß, zu retirieren. In der Redoute gibt's doch nur Malzkaffee und es ist auf Dauer langweilig.
Es gibt ohnehin viel zu wenig Leute, die den Veranstaltern einer Messe, dem Herausgeber eines Kataloges o.ä, einfach einmal ein unbefangenes "Danke" zurufen, so wie Sie es getan haben. Machen Sie das doch bitte einfach weiter und panzern Sie sich ein wenig, wenn ich Ihnen das so sagen darf, gegen gelegentlichen Pfeilregen, der nun einfach auch einmal zum Schlachtgetümmel dazugehört (ich weiß, Sie lieben solche Metaphern nicht, aber...).
Freundliche Grüsse, Ihr OW Plocher
25. Redaktion Antiquariat 28.08.2010 07:13h http://www.boersenblatt.net/210236/
@20 Was ist Kellers "ZVAB suckz!" ?
Wolfgang Keller: ZVAB suckz! Antiquadratische Begebnisse. Berlin: Sparsonne, 2005 (Die wichtige Broschüre 1). 86 S. ["Antiquadratische" Ausführungen über ZVAB, Prolibri & Co.; Rez. von Torsten Sander; Aus dem Antiquariat Neue Folge 5 (2007), S. 62 f.]
Anscheinend aber vergriffen.
26. bookmarathon 28.08.2010 10:01h
@21
"Und in @19 schon wieder ein bißchen nachgetreten."
Offenbar liest Du meine Beiträge ähnlich gut wie ich Deine.
@23
Geltungsdrang? Stimmt, ich möchte soetwas über andere stehen, weshalb ich mittlerweile meine Bananenkartons auf die höhe von 20 aufschichte.
Nein, mal Ernsthaft: Uns Gebrauchtbuchhändler wird immer schön vermittelt, dass man Antiquar nicht so einfach wird und dieser Job über Jahre erlernt werden muss. Stimmt, aber nicht anders ist das im Gebrauchtbuchhandel. Deshalb habe ich mir erlaubt meinen niederen "Berufsstand" ein wenig zu verteidigen.
Untertänigst und sich ihres Standes voll bewußt, erlaube ich mir Dir Grüße zu entsenden
Uriah Heep ...äh, nee, doch lieber Jeannine
von
bookmarathon
27. Helmer Pardun 29.08.2010 16:58h
Mir wird zunehmend klarer, das sich "die Antiquare" immer mehr in Lager auflösen werden. Meiner Meinung nach könnte dem ein durchaus kantiger Berufsbegriff oder selbst ein milchglasgetrübtes Berufsbild entgegenwirken. Ich möchte eine Begründung versuchen.
>>> 28.08.2010 Antiquariat Wer ist Kistenschieber? "Antiquare nennen sich stolz Antiquare und andere Antiquare verächtlich kistenschiebende Gebrauchtbuchramscher, die wiederum gereizt von rosinenpickenden Edelantiquaren sprechen." Das trifft den Kern. >>> Welchen - z. B. hier herausgearbeiteten - Kern?
>>> "Der Konflikt zwischen "echtem" Antiquariat auf der einen Seite und dem florierenden Gebrauchtbuchhandel auf der anderen kratzt an der Identität des Berufsstands." An welcher wie und wo - z. B. redaktionell zur Diskussion gestellten- Identität?
>>> "...wer fragt, auf welcher Seite er steht, hat sich die Antwort selbst gegeben." Welche Antwort? Welche Seite? ("Entschuldigung, können Sie mir sagen, wo die andere Strassenseite ist?" - "Ja, da drüben über die Strasse rüber." - "Kann nicht sein. Da habe ich auch schon gefragt. Die schicken mich immer wieder hierher zurück!")
Was ist (wäre) Kern des Antiquariats? Was ist (wäre) Identität des Berufsstandes? Welche Antworten auf die Frage nach seinem eigenen Standort kann (könnte) man kriegen?
Hier ist eine - vorweggenommen: Antiquariate modernen Zuschnitts sind schon heute qualitätsorientierte Schnittstellen für die mit Kaufkraft versehene Deckung vielfältiger Informationsbedarfe je nach Interesse, Ziel und Geldbeutel.
Antiquare sind in Deutschland nach wie vor keine durch eine Berufsausbildung und ein erkennbar durchgängiges Berufsbild gekennzeichnete Gruppen von am Erwerbsleben beiteiligten Personen. In den meisten Fällen ist es das eigene Selbstverständnis, der Habitus, die Signatur durch Branchenorganisationen oder das Schild an der Ladentür, die den Nachweis erbringen, dass man kenntnisreich mit gebrauchten Büchern umgehen kann. Vor allem aber sind es die eigene Fortentwicklung und die Kunden und die Klientel des Antiquars, die über Jahre hinweg treu zum Antiquariat standen.
Die praxisorientierte Diskussion der Funktionstüchtigkeit und Funktionsfähigkeit eines Berufbegriffs und eines Berufsbildes zur Verbesserung der sozialen Sichtbarkeit und der Produzenten-Konsumenten-Beziehungen wird derzeit bei uns von der "Relevanz des pathologischen Falles" bestimmt (Katastrophen, Unfälle, Abweichungen, Ausgrenzungen) und sind weniger von einer ganzheitlichen und kohärenten Konzeption im Sinne des logisch-zusammenhängend und nachvollziehbar-funktionierenden Regelfalles getragen. Auf den aber zielen akkurate Berufsbeschreibungen ab, allein schon aus Interesse von Anbietern und Nachfragern an einer mittel bis langfristigen Prosperität gemeinsamer Beziehungen.
Die Anfälligkeit einer offenen Berufsdiskussion für gedankliche Leistungen ideenflüchtiger Kritiker, sozio-ökonomischen Solipsismus und geschäftseigenen Lobbyismus ist daher genauso evident wie die permanente Infragestellung des gesamten Systems oder die Verlagerung einer wirklichen Berufsdiskussion auf Diskriminierungs- und Diskreditierungsebenen oder gleich auf einen St.-Nimmerleins-Tag, trotz der öffentlich Verantwortung einer ganzen Branche für ihre Kunden, für Teile der allgemeinen Kultur, Bildung, Wissenschaft und Information und der privaten für die Zukunftsperspektiven des eigenen Unternehmens.
Wir brauchen eine soziale Sicht auf den Beruf von Antiquar und die moderne Funktion des Antiquariats, um ein gedankliches Abbild zu haben, vor dem Entwicklungen abgebildet, geprüft und, wenn nötig korrigiert, praxisorientiert fortgeschrieben werden können.
Die überkommenen Vorstellungen der Allgemeinheit von den Antiquariaten als Hort und Handelsplatz geronnenen Kulturerbes, das als Reichtum menschlicher Ausdrucksformen und kultureller Vielfalt zwischen Buchdeckeln und in anderer Form seinen konservierten Niederschlag gefunden hat, werden auf Dauer revidiert und novelliert werden müssen, sollten Antiquariate nicht als reine Reduktion auf das Alte nivelliert im Wertbewusstsein der Bevölkerung verblassen oder als Teilbereiche in anderen Handelseinheiten aufgehen.
Die Aufrechterhaltung und die Erhöhung der sozialen Sichtbarkeit, das ist nicht Aufgabe der Bevölkerung, das ist Aufgabe der Antiquare und Antiquariate selber. Sie selbst werden dafür sorgen müssen, dass sie in einer modernen Gesellschaft klarstellen, dass die aktuellen Aufgaben von Antiquariaten weit über die Aufbewahrung, die Archivierung, die Dokumentierung und den Handel mit früher gedruckten Publikationen hinausgehen.
Moderne Antiquare sind in ihrem möglichen ungehinderten Zugriff auf Wissen, Gedanken, Kulturen, Information früherer Epochen, oder sie versuchen es zu sein, außer Partner für die Sammler, auch Ansprechpartner für Bezugsgruppen aus Lesenden, Lehrenden, Lernenden, Wissenschaft, Bildung, Kultur, deren Institutionen und Organisationen. Um mit diesen als Antiquar ins Gespräch und als Antiquariat ins Geschäft zu kommen gilt es insbesondere hier, aus fachspezifischer Sicht eine Bewußtmachung für das kulturelle Erbe, die Wertschätzung der Künste, der Bedeutung wissenschaftlicher Errungenschaften in ihrer Tradition für alle Neuerungen der Gegenwart zu wecken.
Gerade weil Antiquare ein Wissen über das Wissen haben, wie man zum Beispiel Bücher macht, Bücher pflegt, mit antiquarischen Werten umgeht, könnten sie im Selbst- wie im Fremdbild im Konzert mit anderen (z. B. Handel, Handwerk, Kunstgewerbe) eine derjenigen Berufsgruppen sein, die nicht nur für Erhalt materieller Kultur stehen sondern sich auch für den Wert immaterieller Kultur und ihres Erbes einsetzen - Kultur ist sowohl Erhalt als auch Genuss derselben, aber zu ihrem Erbe gehört auch das lebendige Vermögen sie immer wiederherzustellen durch die Vermittlung und die Wertschätzung für das Wissen um Kulturtechniken, Warenkunde und die Eigenheiten frühere Gewerbe und Gewerke.
Selbstverständlich werden sich Antiquariate und mit ihnen die Antiquare in digitalen Zeiten auch in Richtung Internet weiterentwickeln werden. Mit einem dem veränderten Bildungsbewusstsein und Nachfrageverhalten der Konsumenten entgegenkommenden gewerblichen Teil werden sie das Aufgabenspektrum des Antiquariats insofern diversifizieren, als man sich zumindestens im unternehmerischen Sinne den technischen und sozialen Entwicklung des digitalen Zeitalters zu stellen hat und aus den veränderten Anforderungen in deren Einlösung auch wirtschaftlichen Nutzen zieht. Der sich kenntnisreich in der digitalen Welt bewegende zusatzqualifizierte Webantiquar, der sich mit Spezialkenntnissen im Bereich Elektronischer Geschäftsverkehr und offener Online Publikation in der Ausweitung seines Vertriebswegemixes erkennbare Wettbewerbsvorteile verschafft, ist in greifbare Nähe gerückt
Objektiv gesehen bewegt sich der Beruf und auch der Antiquar selber als Buchliebhaber, Fachmann und Unternehmer in einer ständigem Ausgleichsleistung zwischen den Schwerpunkten des Dreiecks "Passion-Profession-Profit", um gemäß seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten (Kompetenzen) und seinen Vorstellung von den globalen Anforderungen (Kohärenz) mit Beruf und Geschäft auch erfolgreich im Wettbewerb zu bestehen. Aber diese ständige Ausgleichsanforderung ist auch Aufgabe und Ansporn zugleich. Deshalb ist "Antiquar" und "Antiquariat" im je Einzelfall keine zeitlich festgeschriebene und auch nicht festzuschreibende fachlich und sachlich umrissenen Einheit, vielmehr ist es eine beständig in Bewegung befindliche Leistungsstruktur. Als strukturiertes Berufsbild jedoch ist "Antiquar" als Konturiereung auch eine Reduktion von Komplexität im Informationsüberfluss des Alltagslebens zur besseren Wiedererkennung des eigenen Wertes und des eigenen Werkens für Dritte. In beiden Fällen ist Stillstand aber nicht Standhaftigkeit sondern oft Endstation.
Antiquariate modernen Zuschnitts sind, siehe oben, schon heute qualitätsorientierte Schnittstellen für die mit Kaufkraft versehene Deckung vielfältiger Informationsbedarfe je nach Interesse, Ziel und Geldbeutel.
28. h.meinke 29.08.2010 18:17h
Sehr geehrter Herr Pardun,
ich verstehe nicht, was Sie in diesen vielen Worten konkret sagen wollen. Ich verliere beim Lesen ununterbrochen den Faden.
Könnten Sie Ihre Aussage in zwi oder drei kurzen Sätzen usammenfassen?
Danke im voraus
H. Meinke
29. H. Kraft 29.08.2010 18:59h
zu 27.)
Sehr geehrter Herr Pardun,
vielen Dank für Ihren interessanten Beitrag über den Antiquar, dessen Berufsverständnis und den Handel mit Büchern allgemein.
Vielleicht als Abschluss des Ganzen ein Ausspruch des Antiquars Wilhelm Junk (siehe dazu in: Wendt, Bernhard:
Der Antiquariatsbuchhandel, 3., überarb. u. erw. Aufl. 1974): Gelehrter als der Kaufmann,
kaufmännischer als der Gelehrte:
Das nenne ich den Antiquar.
Zusatz:
Gefreut hat es mich auch, dass Sie in Ihrem Kommentar sachbezogen geblieben sind.
H. Kraft, München
30. Orangenbaum 29.08.2010 20:11h
"...- Eine Antwort von mir wird es nicht mehr geben.
H. Kraft, München - Dies war es dann...."
Und ich dachte es wäre ein Versprechen ...
31. Helmer Pardun 29.08.2010 23:16h
Lieber Herr Meinke,
vielen Dank für die Frage. Hier die Antwort: Ja, kann ich: "Eins weiß ich aber sicher, der vor sich hin allein wurschtelnde Antiquar wird im Spagat zwischen Massenware über Datenbanken und dem Bewahrenwollen seiner herbeigebeteten Autonomie verhungern oder sich spätestens dann lächerlich machen, wenn er seinen Anspruch in der Öffentlichkeit präsentiert und mit mittelmäßiger Ware oder fragwürdiger Preisgestaltung aufwartet."
Und die Zukunftsperspektive? Hier ist eine: "Aber vielleicht hat er Glück und wird im Netz einfach nicht gefunden. Dann stirbt er wenigstens nicht öffentlich und macht sich zum Gespött."
Hier ist meine: "Aber er hat Glück, wird auch einfach im Netz gefunden. Dann stirbt er nicht und macht sich nicht zum Gespött." Und weiter: "Es gibt Unternehmer, die sorgen dafür, dass etwas geschieht; es gibt solche, die zusehen, was alles passiert; es gibt solche, die sich wundern, was alles passieren konnte...Der quantitative Gebrauchtbuchhandel und der qualitative Handel mit antiquarischen Büchern werden sich als Geschäftsmodelle mehr und mehr voneinander trennen und wenn gemeinsam, dann nur in Kombination durch die geeignete Person des Unternehmers und die Persönlichkeit des Antiquars unter einem Dach zusammen Erfolge verbuchen.
Zitatquellen bekannt? http://www.boersenblatt.net/379544/ vom 19.04.2010
Verehrter Herr Kraft, vielen Dank für Ihre Rückkehr und den Zugewinn. In der von @30 sehe ich keinen.
32. Idefix 30.08.2010 00:29h
Sehr geehrter Herr Pardun,
dem Kommentar von Kollegen Meinke kann ich mich nur anschließen. Habe ich Ihren ersten Kommentar schon nicht verstanden, so kann ich Ihre Antwort erst recht nicht verstehen.
In Ihrem Antwort auf den Kollegen Meinke schreiben Sie:
"Eins weiß ich aber sicher, der vor sich hin allein wurschtelnde Antiquar wird im Spagat zwischen Massenware über Datenbanken und dem Bewahrenwollen seiner herbeigebeteten Autonomie verhungern oder sich spätestens dann lächerlich machen, wenn er seinen Anspruch in der Öffentlichkeit präsentiert und mit mittelmäßiger Ware oder fragwürdiger Preisgestaltung aufwartet."
Richthofen, Manfred von - Der rote Kampfflieger – 1917 – Jahr der Erstveröffentlichung - Verlag Ullstein und Co, Berlin-Wien, 1917, 185 Seiten und 6 Bildtafeln,1 Portrait-Fotografie. 160x110x14 mm, Einband Pappe (evtl. nachgebunden), Exlibris Stempel eines Besitzers auf Schmutztitel, Papier altersgebräunt; Erstausgabejahr, Auflage 401.- 450. Tausend - Sammlerstück
168,00 EUR
Meinten Sie mit dem Zitat sich selber, denn die Beschreibung habe ich Ihrer Hompage entnommen.
Das Exemplar ist übrigens nicht nur eventuell nachgebunden, sondern, wie man auf dem Bild sehen kann, ganz bestimmt privat bzw. durch die Bibliothek nachgebunden, aus der es stammt.
33. Helmer Pardun 30.08.2010 17:24h
Lieber Idefix,
das ist doch das Schöne, wenn ich hier etwas schreibe,
1. können Sie mich mit Familiennamen anreden;
2. können Sie mich darüber als Homepage oder solo antiquar finden;
3. können Sie mich ernst beim Kommentar-Link zu Meinke nehmen und sehen, dass im Rück-Kommentar Zitate aus einem seiner fühereren Beiträge angesprochen sind, der in anderen Worten ähnliche Problematiken anspricht wie ich, die ich in der Analyse in manchen Bereichen auch teile, in der Beurteilung der Sachlage und den Konsequenzen jedoch nicht so sehe;
4. können Sie mich gerne, auch als Idefix, anrufen, wenn es etwas Grundsätzliches zum Thema zu diskutieren gilt;
5. können Sie mich immer gerne zu meinem Nutzen und dem meiner Angebote korrigieren, und natürlich werde ich Ihre Hinweise zu meinen Erfassungstexten aufgreifen und sobald ich Gelegenheit habe, diese auch ändern.
Letzendlich kann ich mich in Kommentaren und Foren mit der Höflichkeit vor der knappen Zeit der anderen nur immer an die wenden, die lesen wollen, die Zusammenhänge verstehen und herstellen möchten, die zum Teil meine Sprache sprechen und ich muss immer davon ausgehen, dass man in der Unterbreitung neuer Perspektiven Reibungswiderstände und Reibungsverluste erlebt. Da wo Fäden reißen, kann man sie z. B. telefonisch oder anderen Gesprächsformen wieder knüpfen.
Ich habe in den letzten 8 - 9 Monaten, seitdem ich mich intensiver mit dem Beruf, dem Berufsbild und der Situation von Antiquar und Aniquariat in der Zukunftsperpsketive beschäftige, weit über 100 Kollegengespräche geführt, wo es sachliche, z. T. sogar heftige Differenzen gab, sprachliche aber keine.
Ich denke, ich habe in meinem Leitbild zum SOLO ANTIQUAR und dort zusätzlich in meiner Vita hinlänglich klar gemacht, welche mehrfachen Interessen ich aus meiner beruflichen Herkunft für meine berufliche Zukunft am Beruf des Antiquars, am Antiquariat als Geschäftsform und an der Antiquariatskunde als Grundlage einer prosperierenden Branche habe.
Der komplette Berufstext steht auf diese Site auch als Diskussionsangebot in mehreren Kurzbeiträgen.
34. H. Kraft 30.08.2010 18:18h
zu 33.)
Sehr geehrter Herr Pardun,
ich danke Ihnen sehr für Ihre Darlegungen und auch die Ausführungen zu 27.) zum großen Themenbereich Antiquar und Antiquariat.
Sie schreiben in Ihrem Beitrag 33.) ,wo es sachliche und z. T. heftige Differenzen gab`. Insgesamt ist dies schon traurig, wenn man von den Kollegen keine guten Ratschläge bekommen kann.
Da bleibt dann nur noch übrig sich für seine eigene Sache stark zu machen.
Vor allem sollte das stationäre Antiquariat wieder etwas belebt werden. Doch Etablierungen in großen Städten, wie z. B. in München usw., scheitern an den hohen Mieten. Auch eröffnen zumeist Antiquariate als eine ein Mann-Firma, weil es sich wegen der Kosten nicht lohnt, sich personell zu vergrößern. Und noch ein anderes Thema ist der Nachschub, der ja auch immer irgendwie kommen sollte. Wie setze ich selber als Antiquar meinen Schwerpunkt: Möchte ich einen Versand über das Internet in einer Plattform starten? Bekomme ich in irgendeiner Stadt einen günstigen Standort um ein kleineres Ladenantiquariat zu eröffnen?
(Ihren angegebenen Link zu Meinke habe ich mir angesehen).
Das Antiquariat wird überleben.
Alles Gute
von Ihrem H. Kraft, München
35. H.Meinke 30.08.2010 19:31h
Sehr geehrter Herr Pardun,
Ihr Beitrag 27 ist mir einfach zu verwaschen in inhaltsleeren Floskeln:
Antiquariate modernen Zuschnitts sind schon heute qualitätsorientierte Schnittstellen für die mit Kaufkraft versehene Deckung vielfältiger Informationsbedarfe je nach Interesse, Ziel und Geldbeutel.
Ich bitte Sie, das ist verquastes pseudo-wissenschaftliches Geschwätz, das sich zwar inhaltsschwanger gibt, aber nur warme Luft ist. Und in dem Tenor geht es weiter, als ob Sie ein Vortrag für Existenzgründer liefern, der vom Arbeitsamt gesponsert wird.
Auf meine Bitte hin, Ihre Position auf zwei oder drei Kernsätze zu konzentrieren, antworten Sie mit Zitaten aus einem meiner früheren Beiträge – und geben als Schlussbemerkung dann das, was ich als Berliner nur als Wischi-Waschi bezeichnen kann:
Der quantitative Gebrauchtbuchhandel und der qualitative Handel mit antiquarischen Büchern werden sich als Geschäftsmodelle mehr und mehr voneinander trennen und wenn gemeinsam, dann nur in Kombination durch die geeignete Person des Unternehmers und die Persönlichkeit des Antiquars unter einem Dach zusammen Erfolge verbuchen.
Natürlich wird das Antiquariat in irgendeiner Form weiter existieren, nur weiß in der aktuellen Situation offensichtlich keiner mehr, wie diese Zukunft aussehen wird. Es geht hin und her in rückwärtsgewandter Utopie und Zweckoptimismus.
Ich will niemand etwas Böses, dieses Aufeinanderhetzen von Kistenschieber (ein meines Erachtens hübscher Begriff) und Edelantiquar ist nicht produktiv und bringt nichts. Wichtig ist, ob jemand seine Arbeit ernsthaft und seriös betreibt. Und das tun die meisten Kistenschieber wie die so genannten „richtigen“ Antiquare.
Aber unter den „richtigen“ Antiquaren kenne ich ein paar, die von den Inhalten ihres Gewerbes nicht unbedingt viel Ahnung haben, dafür aber ein gutes Gespür für Besonderheiten und ein hervorragendes Gedächtnis, wann was für welchen Preis wo aufgetaucht ist. Da kann ich vor der Leistung, die erbracht wird, nur Hochachtung zeigen – auch wenn dies nicht mein Modell sein könnte. Ich bin halt anders.
Sie schreiben, dass Sie sich jetzt schon seit 9 Monaten mit dem Berufsbild des Antiquars beschäftigen – das bedeutet aber noch nicht, dass was von den Büchern verstehen! Und Bücher bracht man, wenn man Antiquar sein will (egal ob Kiste oder Edel…).
Normalerweise messe ich Antiquare an der Ware, die sie anbieten und wie sie sie beschreiben. Sollte das Angebot zu Richthofen von Ihnen sein, erlaube ich mir dieses Angebot als unseriös und dilettantisch zu bezeichnen – oder einfach nur als peinlich.
Zum Abschluss kann ich nur noch einmal sagen, dass die wie auch immer sich fühlende oder sich selbst bezeichnende Szene des Handels mit Altpapier glücklich schätzen darf, dass nur wenige ihrer Käufer dies Diskussionen zur Kenntnis nehmen. Wenn sie das täten, würden sie sich mit Grausen abwenden.
Hochachtungsvoll
H. Meinke in Berlin
(der sich jetzt zurücklehnt und einen seltenen Band Tarzan-Geschichten liest, von dem er auch nach 30 Jahren im Gewerbe nicht einmal gewusst hat, das es ihn auf Deutsch gibt).
36. bookmarathon 30.08.2010 20:50h
Sehr geerhter Herr Meinke,
Sie schrieben:
"Zum Abschluss kann ich nur noch einmal sagen, dass die wie auch immer sich fühlende oder sich selbst bezeichnende Szene des Handels mit Altpapier glücklich schätzen darf, dass nur wenige ihrer Käufer dies Diskussionen zur Kenntnis nehmen. Wenn sie das täten, würden sie sich mit Grausen abwenden."
Ich würde Ihnen gern Widersprechen: Nicht der Kunde eines Müllhändlers, noch nicht einmal die Kunden von uns Gebrauchtbuchhändlern würde sich bei der Diskussion mit Grausen abwenden, sondern wohl eher Antiquariatskunden, die für ein 5 Euro Buch mit 168 Euro zur Kasse gebeten werden.
Wir Gebrauchtbuchhändler können uns dabei wenigstens noch mit unserer Software rausreden. Aber wie erklärt ein Antiquar solche interessanten Preise? Und glauben Sie bitte nicht, dass dies die Ausnahme ist. Im ZVAB finden Sie zig Antiquariate, (Keine Ahnung, ob das dann wirklich welche sind...), bei denen Sie Preise finden, die schon spannend sind. Einziger Unterschied zum Müllhändler? Oftmals sind es Sachbücher die recht interssante Preise aufweisen und nicht Simmel & co.
Unsere Kunden, ich sehe mich als Gebrauchtbuchhändler, wollen zuersteinmal einen guten Preis, einen guten Service und das in allen Preisklassen.
Und nochmals: Müllhändler haben am Markt keinen Chance und fallen normalerweise schon innerhalb ganz kurzer Zeit wieder raus. Warum sich der Myhtos von ECHTEN Müllhändlern so hartnäckig hält verstehe ich nicht. Grade bei Amazon ist der Wettbewerb knallhart, und Müll lässt sich auch nicht mit Technik verbessern.
Viel Spass bei Tarzan. Standesgemäß mache ich mich jetzt über einen Terry Pratchett Roman her. Das Leben ist hart genug, da will ich wenigstens Abends etwas zum lachen haben.
J.Rathjen
bookmarathon