Antiquariat
01.09.2010Online-Buchhandel
"Das Fenster zum Antiquariat"
Seit heute bewirbt das ZVAB den vor zwei Wochen angekündigten Büchermichel auf seiner Eingangsseite. Das ist nur konsequent, denn es war für die Tutzinger vorausseh- und kalkulierbar, dass ein Teil der Branche – es sind etwa zwölf Prozent der ZVAB-Anbieter – im Vorfeld gegen dieses Rechercheinstrument Widerstand leisten würde. Hinzufügen könnte man: Nachteilig für den Büchermichel ist ja nicht in erster Linie die bloße Anzahl der Widerspenstigen, sondern viel eher, dass sich darunter erhebliche Teile der Antiquariatselite befinden, deren Buchverkäufe nun nicht in die Datenbank einfließen. Das ist aber für den Nutzer nicht unbedingt zu erkennen.
Händler B bestimmt künftig das Preisniveau
Das führt allerdings zu einem in der Diskussion der vergangenen zwei Wochen vernachlässigten Aspekt; denn die Sperrung der eigenen Daten bedeutet im Zweifelsfall auch, Einfluss auf das vom Büchermichel präsentierte Marktbild zu verlieren. Sollte sich der Büchermichel bei Sammlern und Institutionen durchsetzen, bestimmen künftig diejenigen über die Preisgestaltung, die ihre Daten freigeben.
Wie das gemeint ist? Ein Beispiel: Ein renommierter Antiquar A verkauft Bücher eines gefragten Sachgebiets, auf das er spezialisiert ist, regelmäßig über das ZVAB für 280 bis 350 Euro. Seine Katalogbeschreibungen sind hervorragend, Bilder werden stets beigegeben, der ganze Auftritt spricht Sammler positiv an. Diese Verkäufe stehen aber – da A seine Daten nicht freigibt – nicht im Büchermichel.
Anbieter B, ein eher nachlässiger Kollege, hat zufällig einen günstigen Ankauf auf demselben Sachgebiet gemacht, das A seit 15 Jahren pflegt. B macht sich wenig Mühe mit Aufnahmen und Preisgestaltung, er braucht vor allem den schnellen Umsatz und Lagerumschlag. Am Ende kommen dabei ZVAB-Preise von 180 bis 220 Euro heraus, die Sammler schlagen zu, und auf diesem Niveau steht das Sachgebiet fortan im Büchermichel.
Beteiligung und Aufnahmekriterien
Eine solche Argumentation spricht einerseits gegen den Büchermichel (es gibt weitere Gegenargumente), andererseits müssen sich Händler wie A fragen lassen, ob eine kompromisslose Sperrung die klügste Option ist. Eine Interessenvertretung der 500 oder 600 ernsthaften Antiquare, die es hierzulande vielleicht gibt, hätte auf Beteiligung und qualitative Aufnahmekriterien für den Büchermichel bestehen können. Das setzte aber Weitsicht und politischen Gestaltungswillen voraus.
bb
- 19.08.2010
- Meinung: Der ZVAB Bücher Michel
- 18.08.2010
- Online-Buchhandel: ZVAB Bücher Michel kommt

1. Christoph Schäfer 01.09.2010 11:10h http://www.heineantiquariat.de/seiten/b-dot-t-w
Seit über einer Woche keine Antwort vom ZVAB auf unsere Aufforderung, unsere illegal gespeicherten Daten dort nicht anzuzeigen.
Christoph Schäfer
2. Christoph Schäfer 01.09.2010 11:18h www.heineantiquariat.de
So, nun inhaltlich:
Da wird sich nichts durchsetzen, weil wir (und ganz viele andere auch) dabei nicht mitmachen und wir dies dann auch alle unseren (!!!) Kunden erklären werden.
Wie sollte das dann zur Referenz werden ?
Christoph Schäfer
3. Christoph Schäfer 01.09.2010 11:21h www.heineantiquariat.de
Und abschließend zur Organisationsfrage:
zu diesem Thema habe ich schon mehrfach hier und andernorts etwas ausgeführt.
Mich würde interessieren, wie sich denn z.B. die Arbeitsgemeinschaft der Antiquare positioniert und wie sie die Interessen der Antiquare in dieser Frage vertreten hat, vertritt und vertreten wird.
Mit freundlichen Grüßen,
Christoph Schäfer
4. Christoph Schäfer 01.09.2010 12:12h www.heineantiquariat.de
Aha, geht doch. Prompte Reaktion von Herr Wufka, immerhin. Insofern funktioniert das web2.0 bestens,
CS
5. RF Meyer 01.09.2010 12:25h http://meyerbuch.wordpress.com/2010/09/01/alle-die-nicht-alle-sind/
Alle, die nicht alle sind.
Was bleibt?
6. e.koestler 01.09.2010 12:32h
* "Eine Interessenvertretung der 500 oder 600 ernsthaften Antiquare, die es hierzulande vielleicht gibt"
- Wieso "vielleicht"? Gibt es sie nun oder nicht? Ich würde letzteres annehmen.
* "hätte auf Beteiligung und qualitative Aufnahmekriterien für den Büchermichel bestehen können"
- Wenn schon der ZVAB-Beirat daran gescheitert ist, wie hätte dann eine fiktive "Interessenvertretung" einwirken können?
* "Das setzte aber Weitsicht und politischen Gestaltungswillen voraus."
- Wenn sich die AG Antiquariat im Börsenverein so attraktiv umgestalten würde, dass "500 oder 600 ernsthafte Antiquare" einen Grund zum Beitritt hätten, dann gäbe es "vielleicht" eine Interessenvertretung. Das setzte aber Weitsicht und politischen Gestaltungswillen voraus, und die sind gegenwärtig dort kaum erkennbar.
Der Kommentar von bb scheint mit sehr heißer Nadel gestrickt worden zu sein und entbehrt daher nicht einer gewissen Redundanz.
7. Emil Lerner 01.09.2010 17:46h
Was soll mir als Kunde dieser "Michel" bringen??? - Testanfrage nach einem Autor ergab 1 Treffer (ca. 100 Ex. in der dtv Ausgabe) damit kann ich überhaupt nichts anfangen. Detailergebisse werden mir erst angezeigt, wenn ich mich registriere. Beschränke ich mich wie gehabt auf zvab Abfrage, kriege ca. 580 Titel im Detail angezeigt, ohne mich registrieren zu müssen.
8. mw203 01.09.2010 23:09h
# 7: ???
Ich würde eher sagen: der Michel ist fast schon geschäftsschädigend, da man den Eindruck bekommen kann / den Verdacht bestätigt bekommt, daß bei manchen Autoren kaum Bewegung herrscht.
Natürlich muß man die Trefferliste "lesen" können, also: sich im klaren sein, daß das ein oder andere direkt verkauft wurde, sei es über einen Laden, eine Messe, Katalog oder weil das zvab nur als Türöffner fungierte oder weil einige Anbieter dem Buchmichel die rote Karte gezeigt haben.
Nur: wie reagiert der Interessent, wenn er merkt, dass beim Marktführer ein Titel seit 3 Jahren nicht gehandelt wurde?
Vermutlich mit Abstinenz.
Der Laie, weil er nicht zu Unrecht davon ausgeht, dass es das Buch in einem halben Jahr vielleicht billiger gibt.
Der Sammler, den ja häufig das schwer Erreichbare, Besondere, das von Anderen Begehrte reizt?
...
Wie wird alles in ein paar Jahren wirken, wenn man, den Büchermichel konsultierend, merken sollte, dass die Preise weiter gefallen sind?
Summa summarum kann ich mir für den Büchermichel in seiner derzeitigen Form keine Zukunft vorstellen.