Antiquariat
03.09.2010Meinung
"Gauner-Wrterbuch Fr Den Kriminalpraktiker"
"Kistenschieber", kürzlich hier verhandelt, hat in der Gaunersprache des 19. Jahrhunderts noch eine ganz andere, heute vergessene Bedeutung. Darauf verweist ein knapper Eintrag in der Buchsuche eines amerikanischen Suchmaschinenbetreibers, der auf Wilhelm Polzers "Gauner-Wörterbuch für den Kriminalpraktiker" von 1922 führt. Man sucht weiter und findet über den KVK nicht nur Bibliotheksexemplare, sondern auch im ZVAB das vernünftig ausgezeichnete Ex-Bibliotheksexemplar eines Berliner Antiquariats. Daneben steht jedoch ein nicht nur hier, sondern etwa auch bei Booklooker und Amazon angebotener Nachdruck mit der schlichten Anmerkung "Gebraucht aber Wie Neu, für Überseesendungen Innerhalb 30 Liefertagen. […] Format: Other Condition: Like New".
Käuferirreführung?
Der Name des Anbieters ist in der Branche inzwischen bekannt. Auch das Phänomen, Nachdrucke von nicht selten mangelhafter Qualität (siehe hierzu den Beitrag von Hans Baumann unter www.boersenblatt.net/384410; auch "Aus dem Antiquariat" wird sich in einer der nächsten Ausgabe mit diesem Aspekt befassen) in die Antiquariatsplattformen einzuspeisen, hat bereits zu erheblichem Unmut unter Antiquaren geführt, besonders vernehmbar in den USA und in Großbritannien; schließlich erkennt der Besucher einer Antiquariatsplattform erst auf den zweiten Blick, dass ihm keine Originalausgabe verkauft werden soll, sondern bestenfalls ein Leseausdruck (er könnte natürlich, wie im vorliegenden Fall, bereits über Titeleinträge ohne Umlaute stolpern).
Das Argument, dass für manche Interessenten eine Leseausgabe als Arbeitsgrundlage ausreiche, zählt nicht. Solche 'Medien' müssten auf den ersten Blick sichtbar vom eigentlichen Antiquariatsangebot getrennt werden. Und sollte das aus "technischen Gründen" auf Schwierigkeiten stoßen, bleibt immer noch der einfache Weg, entsprechende Anbieter ganz von der Plattform zu nehmen. Im Interesse der Besucher der Plattform.
bb
- 19.07.2010
- Online-Buchhandel: POD-Titel bei Abebooks

1. Ruth Schell 03.09.2010 17:14h
"bleibt immer noch der einfache Weg, entsprechende Anbieter ganz von der Plattform zu nehmen. Im Interesse der Besucher der Plattform"
Warum sollte dies eine Plattform tun? Es würde Einstellgebühren wegbrechen. Besucher meiden immer mehr die Plattformen (auch wegen PoD, aber nicht nur). Der Wegfall von Provisionserlösen wird so wett gemacht.
Ob nun PoD, oder gemeinnützige Haushaltsauflöser, Quallität gibt es doch weder bei ZVAB noch bei Abebooks und Co.
Vor allem der Charme der Web 0.1 - Seiten lockt sicher enorm viele Besucher auf die Seiten. ;-)
2. Hans-Joachim Schulz 03.09.2010 18:12h www.fabula-online.de
Schon wieder unnütze Maschinenstürmerei: Hier wird gemacht, was gemacht werden kann weil es machbar ist. Solches verbieten zu wollen wird nur verzögern, aber nicht auf Dauer aufhalten, denn bisher hat der Mensch noch immer alles gemacht nur weil es möglich war.
Das ist Fortschritt und der ist nicht aufzuhalten....(egal ob es uns passt oder nicht)
3. Redaktion Antiquariat 03.09.2010 18:22h http://www.degruyter.com/cont/glob/ebooks.cfm
"unnütze Maschinenstürmerei": Ich bin ja gar nicht gegen "Fortschritt", im Gegenteil. Es gibt viele gute Beispiele, die auch Antiquare zur Kenntnis nehmen sollten (siehe de Gruyter-Link, willkürlich herausgegriffen); aber das sind doch ganz andere Konstellationen als beim "Gauner-Wrterbuch" aus Florida.
4. Markus Groß 04.09.2010 08:38h
Ja, da gibt es eine Menge PoDs die das Geld nicht Wert sind, weil sie automatisch gescannt sind, oft in erbärmlichen Zstand und wohl auch immer mal mit fehlenden Seiten, Karten die nicht richtig kopiert wurden etc ..
Auch mit meinem kleinen Verlag nutzen wir den on-demand Druck. Es ließen sich Kleinstauflagen vergriffener Bücher von den Kosten her sonst nicht darstellen. Von der Druck- und Einbandqualität sind BoD Bücher sicherlich beschränkt, auch wenn sich das in den letzten Jahren positiv verändert hat.
Bücher die zu Recht angeboten werden sind es trotzdem.
Ich möchte mich aber ausdrücklich dagegen verwahren, dass Nachdrucke wie die von uns und auch anderen kleinen Verlagen herausgebrachten Nachdrucke mit den kritisierten automatisierten PoDs auf eine Stufe gestellt werden... selbst wenn Sie wie bei uns im PoD Verfahren gedruckt werden.
Unsere Ringelnatz Bücher sind zT nur bei uns in der Originalversion erhältlich, Bücher wie Lindaus 'Erinnerungen eines Soldaten aus den Feldzügen der Königlich - deutschen Legion' sind mühsam erstellt, und wie 'Vulkane der Eifel' oder ' Der Zug der Freischärler unter Kinkel, Schurz und Annecke behufs Plünderung des Zeughauses in Siegburg' auch antiquarisch (fast) nirgends erhältlich...
Ich hoffe auch, dass der Beitrag in "Aus dem Antiquariat" da differenzieren wird!
Markus Groß, Aurel Verlag Daun
5. Andreas Praefcke 17.09.2010 09:20h
@Markus Groß: Das mag ja alles sein, aber so etwas hat auf einer Antiquariatsplattform m. E. nichts verloren, da es sich um nicht vergriffene Neubücher handelt. (Das gilt natürlich für viele andere dort vorhandene Neubücher auch.)
6. Markus Groß 17.09.2010 12:16h
Die Rede war von Amazon - darauf bezog ich mich. Dort stehen Neu- und Gebrauchtbücher gleichermaßen
auf ZVAB etc liste ich unsere Neubücher nicht