Kommentar

Jahresbetriebsvergleich: Auf dünnem Eis

"Buchhändler schaffen die Möglichkeit, dass andere einen guten Schnitt machen können", schreibt Börsenblatt-Redakteurin Christina Schulte in ihrem Kommentar zum Jahresbetriebsvergleich.

Die Buchhändler haben im Geschäftsjahr 2009 ihre Handlungkosten gerade durch die erzielte Betriebshandelsspanne abgedeckt. Was so gespreizt klingt, bedeutet nichts anderes als: Sie erzielten ein Betriebsergebnis von durchschnittlich 0,0 Prozent des Umsatzes und haben damit nichts verdient
Was heißt das jetzt eigentlich, ein Betriebsergebnis von null? Zum einen eine Verbesserung gegenüber 2008, als im Schnitt ein Wert von minus 0,5 Prozent erreicht wurde. Ein Trost, immerhin. Die anderen Implikationen lesen sich weniger schön. Buchhandeln im stationären Sortiment ist – zumindest für die Buchhändler – nicht rentabel. Rücklagen für Investitionen oder für schlechte Zeiten können nicht gebildet werden. Die Inhaber sparen nach wie vor an ihrem Unternehmerlohn und beuten sich teilweise aus.

Warum es sich trotzdem lohnt, das Nullsummenspiel zu spielen? Aus einem betriebswirtschaftlichen Nutzen von null entsteht ein volkswirtschaftlicher Nutzen von deutlich größer als null. Die Buchhändler schaffen Arbeitsplätze, für sich und andere. Verlage bringen ihre Bücher unter die Leute und machen Umsatz. Die Logistiker verdienen an den Warenströmen. Wenn die Buchhändler schon nicht ihren eigenen Reichtum mehren, so schaffen sie immerhin die Möglichkeit, dass andere einen guten Schnitt machen können. Für den einzelnen Nullsummenspieler ist das aber ein zynischer Trost.

Die Branche geht jedenfalls auf dünnem Eis. Dass die wichtigsten Distributoren nur knapp über die Runden kommen, muss nachdenklich stimmen. Brechen sie ein, ziehen sie andere mit in die Tiefe.

Die Ergebnisse des Jahresbetriebsvergleichs finden Sie hier

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1 Kommentar/e

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  • H. Kraft

    H. Kraft

    Die Feststellung von Frau Schulte: ,Die Branche geht jedenfalls auf dünnem Eis` ist sicher berechtigt, wenn man auch leider erleben muss, dass im Buchhandel der Verdrängungswettbewerb immer weiter vorangeht. In größeren Städten, z. B. wo sich Großbuchhandlungen ausbreiten, müssen andere kleinere Buchhandlungen geschlossen werden.
    Bei manchen Buchhandlungen geht oft der Umsatz dann so zurück, dass es nur knapp zur Miete reicht.
    Doch welche Wege führen eigentlich aus dem ,dünnen Eis` wieder heraus?
    Möglich wäre, dass sich sehr kleine Buchhandlungen eventuell auf Nischen spezialisieren könnten, die eben von den Großbuchhandlungen nicht so berücksichtigt werden können.
    Es ist eben insgesamt gesehen auch anzumerken, dass gerade im Buchhandel und bei den Verlagen große Umwälzungen stattfinden.
    H. Kraft, München

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