Singapore BookFest

Singapur liest

Den tropischen Stadtstaat am Südchinesischen Meer verbindet man eher mit Hochhausdschungel und Einkaufsparadies als mit Büchern. Doch jährt sich 2010 zum fünften Mal das Singapore BookFest. Ein Bericht von Edith Werner.

Bestseller-Autor Lee Kuan Yew 

Bestseller-Autor Lee Kuan Yew  © Edith Werner

Chairman Chou Cheng Ngok bei der Eröffnung

Chairman Chou Cheng Ngok bei der Eröffnung © Popular Holding

Gedränge auf dem BookFest

Gedränge auf dem BookFest © Popular Holding

In einer Halle des Suntec Convention Centre bietet Popular Holding, die Buchhandelskette mit Verlag, auf 9.300 Quadratmetern Fläche 200.000 chinesische und englischsprachige Titel sowie Papierwaren an. Partner ist die China Publishing Group aus der Volksrepublik.

Marketingchefin Lynn Lee zählt die asiatischen Aussteller auf: 95 aus China, 47 aus Taiwan und 28 aus Hongkong, daneben einige englische und amerikanische. Die Verlage erscheinen jedoch nicht unter ihrem Namen. Die Messe ist nach Sprachen und Sachgebieten geordnet. Sie ist eher eine Verkaufsschau. „Mein Großvater hat als chinesischer Buchhändler angefangen“, sagt CEO Wayne Chou. Heute sei das eine Arbeit den Berg hinauf. 76 Prozent aller Singapurer sind ethnische Chinesen, aber die junge Generation spricht englisch. Dafür hat Lee Kuan Yew, der Architekt der Erfolgsstory, die Singapur heißt, gesorgt. Ein Buch über ihn ist denn auch der Renner, billig auf Chinesisch, teurer auf Englisch. So nimmt das BookFest zunehmend die Chinesen in Nachbarländern wie Malaysia und Taiwan in den Blick. In den nächsten Jahre will man sich auch Partner in Indonesien suchen.

Das Geschäft mit China sei nicht einfach. Für einen kleinen Partner wie Singapur sei das Gewicht der schieren Masse fast erdrückend. Man versucht, die Dynamik zu nutzen, ohne sich ganz vereinnahmen zu lassen. Doch der Riese im Norden gibt den Ton an. Als Benchmark für das Singapore BookFest sieht Wayne die Hongkong Book Fair, die größte in Asien. 2009 war er auf der Frankfurter Buchmesse als Vertreter der chinesischen Buchbranche außerhalb Chinas. Messen will und kann man sich nicht. Wenn Verlage in Taiwan oder Hongkong Lizenzen verhandeln wollen, kommen sie nicht zu uns, sie gehen gleich nach Frankfurt, gibt er sich bescheiden, obwohl sich das bilinguale Singapur als Tor zum Westen versteht.

Nicht nur Chinesisch oder Englisch geht es auf dem BookFest zu. In der Kassenschlange stehen drei junge Mädchen mit zartfarbigen Kopftüchern, einen Stapel Comics unter dem Arm. Sie haben sich mit Lesestoff in Bahasa Malayu eingedeckt. Auch die Malaien, die größte ethnische Minderheit Singapurs, wissen allerdings, dass sie für den sozialen Aufstieg an Englisch nicht vorbeikommen. Und Aufsteigen will man mit aller Macht. Die Obsessionen Singapurs, Geld verdienen und Lernen spiegeln sich in Titeln wie "God is my CEO“ und "Increase Your Childs IQ“. Ganze Familien sind angerückt, um für ihre Kinder Wissen einzukaufen. 480.000 Besucher erwartet man in diesem Jahr, die meisten aus dem Inselstaat selbst. Wayne sieht die Messe trotzdem eher als Werbeinstrument, denn als Beitrag zum Umsatz des Konzerns. Das neue Spielkasino an der Marina Bay verdient ein Vielfaches, aber Wayne will bei den Büchern bleiben, obwohl er über die schwach entwickelte Lesekultur klagt. Welcher Buchhändler tut das nicht.

 

Edith Werner ist Reiseschriftstellerin und lebt seit kurzem in Singapur, wo sie für ein Buch über das Tor zu Südostasien recherchiert.

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