03.02.2011
Kleine Autoren ganz groß
Konventioneller Verlag – ein Weg ohne Ziel
Leicht ist das nicht; für niemanden. Dabei gibt es doch so viele Verlage in Deutschland. Für die Verwirklichung eines bestimmten Buchprojekts kommen aber natürlich nur einige wenige infrage. Also schickt der namenlose Autor ihnen Leseprobe und Exposé. Und wird, wenn überhaupt, so mit allergrößter Wahrscheinlichkeit nur eines zur Antwort bekommen: eine Absage. Manchmal anhand der Mängel begründet, welche die eingesandten Unterlagen aufweisen. Meistens nicht einmal das. Und wer könnte den Verlagen eine solche Reaktion verdenken? Sich von der Manuskriptflut illusionierter Möchte-gern-Autoren mitreißen zu lassen, steht auf ihrer To-do-Liste zweifelsohne an einer der letzten Positionen.
So weit, so gut. Eine Untersuchung, die ich im Rahmen meiner Magisterarbeit vorgenommen habe, hat das nur noch einmal bestätigt. Indes gibt es für den einzelnen Autor auch andere Wege als den, bei einem „richtigen“ Verlag zu veröffentlichen.
Books on Demand – die bessere Lösung
Doch was ist das nun wieder, ein „richtiger“ Verlag?
Zunächst lässt sich vor allem sagen, was es nicht ist: einer der Druckkostenzuschussverlage, vor denen das Aktionsbündnis für faire Verlage (Ak Fairlag) so eindringlich warnt. Und ebenso wenig einer der Self Publishing-Anbieter, die wie BoD Norderstedt oder epubli auf Printing on Demand setzen.
Zwischen all diesen Unternehmen sind Unterschiede feststellbar, hinsichtlich der zu erbringenden Leistungen, aber ebenso im Bezug auf die Kosten, die bei deren Erwerb für den Autor entstehen. Konkrete Zahlen zu nennen, wäre daher nur bedingt aussagekräftig. Eine Tendenz kann allerdings festgehalten werden. Demnach lassen sich Druckkostenzuschussverlage ihre Auftragserfüllung mit einigen tausend, Self Publishing-Anbieter die ihre mit einigen hundert Euro bezahlen.
Aber wenn diese Verlage als „nicht richtig“ bezeichnet werden, sind sie dann falsch? Warum sollten sie das sein? Etwa, weil sie nicht im klassischen Sinne vorlegen? Es gibt Kleinverlage, die das ebenfalls nicht tun. Und doch müssen sie zu den „richtigen“ Verlagen gezählt werden – weil sie nicht alles von jedem annehmen, sondern eine Auswahl treffen. Programm und Profil bedeuten ihnen etwas, während BoD & Co. alleine als Dienstleister tätig sind. Was nicht heißen muss, dass das schlecht ist. Im Gegenteil, viele Hobbyschriftsteller können sich damit einen Traum erfüllen. Und etliche sind schon zufrieden, wenn sie nur die Möglichkeit bekommen, ihr eigenes, gedrucktes und gebundenes Buch in Händen zu halten.
Regionaler Kleinverlag – das vorläufige Optimum
Andere wollen mehr. Wollen, dass ihr Titel am Point of Sale zu finden ist. Allerdings nimmt das Sortiment die Bücher von Druckkostenzuschussverlagen oder Self publishing-Anbietern in der Regel nicht auf. Und so versucht es der Neuling weiter bei klassischen Verlagen. Vielleicht hat er ja doch noch Glück.
Befördern kann er es, indem ihn eine Literaturagentur vertritt. Die Quote, mit der literarische Agenturen ein unverlangt eingesandtes Manuskript annimmt, fällt jedoch, wie nicht zuletzt meine eigene, kürzlich durchgeführte Erhebung belegt, ebenfalls sehr niedrig aus. Also keine falsche Hoffnung. Glück alleine, das genügt oft nicht. Der Nachwuchsautor braucht mehr. Vitamin B vielleicht. Oder Geld, weil es etlichen regionalen Kleinverlagen selbst nicht möglich ist, die Druckereikosten zu übernehmen.
Und der Erfolg? Nun, Erfolg ist immer relativ. Reich kann der Autor jedenfalls nicht werden, solange er den Druck bezahlt. Aber im Gegensatz zu manch anderem, bieten ihm die regionalen Kleinverlage wahrscheinlich faire Konditionen an. Neben der eigenen Infrastruktur stellen sie dem Autor ihren Namen zur Verfügung. Ihren Ruf, den sie mit der Veröffentlichung von 20, 30 oder auch 50 Büchern in der näheren Umgebung bereits erlangt haben. Darüber im Bilde, zögern die Buchhandlungen vor Ort oftmals auch nicht, den Titel ins Sortiment zu nehmen; zumal die Kleinverleger zuvor gründlich lektoriert und korrigiert haben. Kostenlos, versteht sich. Bei Books on Demand-Anbietern muss der Autor extra dafür bezahlen. Gleiches gilt für Marketingmaßnahmen. Regionale Kleinverlage vermögen auch da an den richtigen Fadenenden zu ziehen. Denn kennen sie nicht beispielsweise Zeitungsredakteure, die das neue Buch besprechen könnten? Und am Ende bietet der Verleger seinem Schriftsteller vielleicht auch noch die Möglichkeit, sein Werk im Rahmen der einen oder anderen Lesung zu inszenieren.


1. Hanna Hartberger 03.02.2011 13:02h
D.h. beim regionalen Kleinverlag übernimmt der Autor die Druckkosten und den Rest erledigt der Verlag?
Ich bin nicht sicher, ob ich das wirklich gut finde. Vielleicht bin ich zu verbohrt, aber Verlag kommt ja eigentlich von "vorlegen", sprich, es ist die ureigenste Aufgabe des Verlags, dem Autor die Kosten vorzustrecken. Dass der Autor die Kosten selbst übernehmen soll, leutet mir nicht ganz ein.
2. Max Franke 03.02.2011 18:42h http://www.twitter.com/max_franke
Ich kann mich Frau Hartberger nur anschließen. Bitte nicht falsch verstehen: ich bin ein großer Freund von kleinen Verlagen, die in ihrer Nische hervorragende Arbeit leisten und für so manchen Autor eine sehr gute Lösung bieten können. Das von Ihnen, Frau Preiß, angesprochene Modell jedoch riecht für meinen Geschmack dann doch zu stark nach DKZV.
Bei epubli arbeiten wir mit verschiedenen kleinen Verlagen zusammen und hebeln als Dienstleister das finanzielle Risiko einer hohen Auflage durch effizienten und ressourcenschonenden Digitaldruck aus. Die Grundüberlegung ist, dass gerade kleine Verlage in ihrem Segment oft Profis für Lektorat und Vermarktung sind und sich hier besser auf ihre Kernkompetenzen besinnen. Aufwändige Produktionsprozesse und hohe Vorabinvestitionen gehören mit Sicherheit nicht dazu.
Der Fairness halber möchte ich noch eine Sache anmerken: Ja, es gibt große Unterschiede zwischen den Print-on-Demand- und Self-Publishing-Anbietern. Ja, manch einer lässt sich seine Dienste durch monatliche Gebühren, vertragliche Fußangeln oder durch Marketingpakete - deren Wirkung mal dahingestellt sei - bezahlen. Nichtsdestotrotz hab ich als Autor heute die historisch einmalige Möglichkeit mein Buch in Top-Qualität zu drucken und einfach zu veröffentlichen, auch ohne hohe Kosten. Ein Preisvergleich lohnt sich hier allemal!
Schöne Grüße,
Max Franke
3. Daniela Preiß 07.02.2011 14:08h
Hallo Herr Franke, hallo Hanna,
vielen Dank für Ihren bzw. Deinen Kommentar. Ich kann diese Ansicht gut verstehen. Und grundlegend teile ich sie auch, denn es stimmt ja, dass Verlegen von Vorlegen kommt. Trotzdem würde ich es nicht mit einem DKZ-Verlag vergleichen, wenn ein Autor – und es ist ja nicht gesagt, dass das so sein muss, sondern nur, dass es auch so sein kann – den Druck bezahlt. Zum Einen, weil sich ein Kleinverlag nicht an dem bereichert, was der Autor überweist. Und zum Anderen wegen der Dienstleistungen, die, wie ich ja in meinem Artikel unterstrichen habe, bei Kleinverlagen über die von Books on Demand-Anbietern hinausgehen. Nicht zuletzt bedeutet die Veröffentlichung bei einem Kleinverlag auch eine bessere Reputation. Und es ließen sich weitere Argumente dafür anführen oder auch eine hypothetische – und jetzt sicherlich überspitzt formulierte – Fragenreihe: Wie viele Kleinverlage generieren große Umsätze? Und wie können sie sich auf dem Markt halten, den Autoren ihre Strukturen und Kontakte zur Verfügung stellen ...?
So nichtssagend das jetzt auch klingen mag, denke ich doch, kurz gesagt, dass am Ende jeder für sich gründlich abwägen sollte zwischen dem, was man zu investieren bereit ist und dem, was man dafür bekommt; und dass es da keine ideale Lösung gibt, sondern die Entscheidung je nach Autor und je nach konkretem Buchprojekt unterschiedlich ausfallen dürfte.