Medien
01.03.2011E-Books
Telekom präsentiert Online-Kiosk PagePlace, libreka! liefert E-Books
„Mit der Partnerschaft eröffnet sich für die Verlage der Buchbranche ein wichtiger Vertriebskanal für ihre digitalen Inhalte. Sie erhöhen damit ihre Präsenz auf dem digitalen Markt – und können darüber hinaus neue Zielgruppen ansprechen“, sagt Ronald Schild, Geschäftsführer der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH, die libreka! betreibt. „Wir freuen uns, mit libreka! der zentrale Partner von PagePlace für E-Books zu sein“, so Schild.
Über den Online-Kiosk PagePlace können E-Books, Magazine und Zeitungen für PCs, Tablet-PCs oder Smartphones gekauft werden. Die Inhalte werden in einer persönlichen Online-Bibliothek auf PagePlace vorgehalten und können jederzeit auf verschiedenen Endgeräten gelesen werden.
Als Distributionsplattform bietet libreka! laut MVB das zentrale, gebündelte E-Book-Angebot der deutschen Verlage, auf das alle Marktteilnehmer und Online-Shops zugreifen können. Die Verlage müssen lediglich ihre E-Book-Titel auf der libreka!-Plattform einstellen, woraufhin sie an die verschiedenen nationalen und internationalen Anbieter – neben der Deutschen Telekom unter anderen Apple, Barnes & Noble und
Toshiba – ausgeliefert werden. libreka! liefert derzeit nach eigenen Angaben über 70.000 E-Books sowie mehr als 15.000 Audio-Books an die Partner aus.
Die Telekom sieht PagePlace nach eigener Einschätzung als ergänzendes Angebot zur klassischen Mediennutzung und will die Verlage bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle zur Vermarktung ihrer Inhalte unterstützen. Darüber hinaus stellt die Telekom nach eigenen Angaben ihre enorme Kundenbasis von 24,7 Millionen Festnetzkunden und 34,7 Millionen Mobilfunkkunden in Deutschland für das neue Angebot zur Verfügung. Diese neuen Geschäftsmodelle böten künftig Potenzial für interessante Bundleangebote mit Geräten, Tarifen und möglicherweise Verlagsinhalten, teilt die Telekom mit.


1. Johannes 01.03.2011 14:33h http://www.lesen.net
"Die Telekom hat heute nach eigenen Angaben auf der Cebit den digitalen Kiosk und die Online-Bibliothek PagePlace vorgestellt." >> Nach eigenen Angaben <<? Es gab eine öffentliche Pressekonferenz!
2. Alte Unke 01.03.2011 16:25h
Ein wunderschöner neuer Vetriebskanal für die Verlage, den Libreka dort füttert. Nur schade, daß er so ganz am Buchhandel, der Libreka direkt und indirekt mitfinanziert, vorbei geht. Welche Verkehrsnummer hat die Telekom eigentlich?
3. Salim 02.03.2011 02:54h http://www.salimzitouni.de
Hallo Alte Unke,
ich erkenne Zynismus am Horizont. Ich denke, Sie meinen "am stationären Buchhandel", nicht? Das mag wohl sein. Der Börsenverein, und somit auch libreka!, handelt im Sinne des kompletten Buchhandels, zu dem eben auch die Verlage als herstellender Part gehören.
Es ist doch gut, dass solche Deals angestossen werden, denken sie langfristig, Alte Unke. Haben Sie es lieber, dass Verlage, wie es zur Zeit geschieht, all ihre eBooks in den Amazon Kindle-Store hochladen? Da hat der Börsenverein als Verband nicht den Dauemn drauf. libreka macht das schon gut so, sich der starken Konkurrenz im digitalen Markt zu stellen. Verkehrsnummer, also, entschuldigen Sie bitte...
4. Alte Unke 02.03.2011 09:37h
Geehrter Herr Zitouni,
Zynismus ist nicht am Horizont, sondern mitten drin. Er trifft die Situation aus meiner Sicht auch eher als ein naiver Glaube, Libreka handele stets im Sinne unserer drei Sparten. Nachdem dem Projekt von vielen Seiten, auch seitens der Verlage übrigens, vorgeworfen wurde, konzeptionslos Geld zu verbrennen und keiner Sparte gerecht zu werden, muß es nun Erfolgsgeschichten vorweisen. Aber um welchen Erfolg handelt es sich hier? Verlagsinhalte werden mittels Libreka zur Verwertung an ein branchenfremdes Unternehmen gehandelt, damit die Verlage endlich ein wenig Rückfluss für das Geld erhalten, das sie seit Jahren in Libreka gesteckt haben. Die anderen Branchensparten gehen dabei leer aus, wenngleich sie doch ebenfalls durch ihre Mitgliedschaft im BV an Libreka beteiligt sind. Ich zitiere dazu gern den Kollegen Ehling aus dem Buchmarkt (http://www.ehlingmedia.com/blog/?p=444)
"Da werden sich die deutschen Zwischenbuchhändler, die mit hohem finanziellen Einsatz Ebook-Plattformen aufgebaut haben, sicherlich mitfreuen darüber, dass ihnen ihr Branchenverband ein lukratives Geschäft weggeschnappt hat. Und die deutschen Buchhändler dürften sich bestimmt auch ganz doll darüber freuen, dass ihr Branchenverband den Verkauf von elektronischen Büchern an seinen Mitgliedern vorbei organisiert."
Und was macht die Telekom besser bzw. weniger gierig als Amazom, Goggle etc.?
Der grosse Hype darüber, daß süße kleine Gadgets endlich elekronische Inhalte an jederfrau bringen können und damit soooviel Geld zu verdienen sei, zieht am Buchhandel vorbei. Libreka wurde mit dem Anspruch aus der Taufe gehoben, dem Buchhandel UND den Verlagen eine Chance zu geben, an diesem Hype zu profitieren. Spätestens jetzt wird aber Ersterem klar sein müssen, dass diesem hohen Anspruch leider nicht entsprochen werden konnte, auch Libreka lieber dicke branchenfremde Player partizipieren läßt und damit hohen Schaum darüber schlägt, dass es seiner eigentlichen Aufgabe nicht gerecht wird. Das Argument, über solche Ventures würden die Ausschüttungen der Wirtschaftsbetriebe gesichert, zieht hier ebenfalls nicht. Dann könnte sich der Börsenverein auch Wirtschaftsbetriebe leisten die Sahnetoffees und T-Shirts verkaufen, die echte Profitabilität ergibt sich erst, wenn ein Wirtschaftsbetrieb als Werkzeug FÜR die Sparten profitabel ist. Und dies nachhaltig und langfristig.
5. Bücher-Fritz 02.03.2011 10:14h
Man brauch nicht viel Fantasie was der weitere Erfolg der E-Bücher für den Buchhandel + Verlage bedeutet. Vergleicht mal mit der Musikbranche in den 90er.
6. Salim 02.03.2011 12:03h http://www.salimzitouni.de
Alte Unke,
ich kann in Ihrer Kritik noch immer keinen Ansatz für eine Alternative erkennen. Sie bemängeln vor allem, dass das Geschäft mit elektronischen Büchern an Zwischenbuchhandel und stationärem Buchhandel vorbei geht. Ich bin jedoch der Meinung, dass dieses Geschäft ohnehin am Sortimentsbuchhandel vorbeigehen wird. Oder können Sie sich vorstellen, in einer Fussgängerzone unterwegs zu sein und sich zu denken "Achja, ich wollte mir ja die neue Guttenberg-Biografie auf mein iPad ziehen, geh ich doch mal in die Buchhandlung hier" ??? Seien Sie ehrlich. Digitale Medien werden über digitale Vertriebswege bezogen werden. Und da sollte libreka jedes Mittel recht sein.
Wenn Sie einen Vorschlag für eine Einbindung des stationären Buchhandels haben, bin ich ganz Ohr [schreibe gerade eine Hausarbeit über dieses Thema].
Viele Grüße
7. Alte Unke 02.03.2011 13:03h
Geehrter Herr Zitouni,
"Dass das Geschäft mit elektronischen Büchern an Zwischenbuchhandel und stationärem Buchhandel vorbei geht", habe ich nicht bemängelt, sondern eher konstatiert. Bemängelt habe ich, dass dies hier auch noch aktiv von denjenigen betrieben wird, die eigentlich zusammen mit "allen" Mitgliedern gegensteuern und Lösungsansätze finden sollten. Eine derartige Augenwischerei unter Hurra-Rufen zu publizieren ist frech.
Es gibt bereits -wenn auch nicht ganz ausgereift- Systeme, die den eBook-Verkauf durch Buchhandlungen unterstützen und in das Tagesgeschäft integrieren. Auch wäre es eine Alternative, Alerting-Apps über Neuerscheinungen, RSS-Feeds etc. für die diversen Kunden-Profile zu entwickeln und den Mitgliedern anzubieten, statt davon zu träumen, als MVB auch in der ganz grossen eBook-Wolke zu schweben und auf die strampelnden Sortimenter herabzusehen. Und dafür 'jedes rechte Mittel' zu nutzen, über das im Zentralorgan dann im Nachhinein berichtet wird. Ich bemängele die Politik der MVB in Sachen Libreka, die dazu führt, dass sich zwei Sparten zu Recht übergangen fühlen und die dritte auch nicht glücklich ist.
Ebenfalls viele Grüsse
8. Salim 02.03.2011 13:44h http://www.salimzitouni.de
Liebe Alte Unke,
ich bin fest der Überzeugung, dass die noch nicht ausgereiften Systeme zur eBook-Verkaufsunterstützung, selbst wenn sie ausgereift sind, den stationären Buchhandel mehr Kosten bereiten werden als sie letztlich einbringen.
Eine Alerting-App ist ein guter Ansatz. Doch diese sollte alle Neuerscheinungen in allen Formaten miteinbeziehen, dann kann das was werden.
Die zentrale Frage, die ich mir stelle, ist: wohin geht der Sortimentsbuchhandel mit all diesen Massnahmen? (auch das Angebot von Non-Book-Artikeln löst bei mir einen Verlust an Atmosphäre im Buchhandel aus). Buchhändler verstehen nicht jedes Bit oder Byte, das sich hinter den digitalen Produkten verbirgt. Und viele stellen sich auch bewusst gegen diese Formate. Daher schlage ich eher ein Rückbesinnen auf das Epizentrum des Sortimentbuchhandels vor: Bücher. Wenn mir ein Buchhändler genug über die angebotenen Bücher erzählen kann und eine Atmosphäre schafft, die das unterstützt, bin ich persönlich viel glücklicher als wenn er bei der Frage nach digitalen Details ins Stottern gerät.
Freue mich sehr, dass dieser Artikel Anlass gegeben hat, dass hier verschiedene Meinungen zusammengekommen sind. Die Alerting-App werde ich im Hinterkopf behalten.
9. d-g-u 02.03.2011 19:20h
Es ist nicht nur peinlich, was libreka und Telekom da veranstalten, es ist geradezu unverschämt. Das Angebot von libreka allein ist schon so beschämend, dass es eh jeder Beschreibung spottet (hat jemand da eigentlich mal nachgesehen?) Nicht einmal die Sprachauswahl funktioniert, bspw. serbische, russische, bulgarische Titel sind ganz leicht zu finden - nämlich gar nicht, weil libreka zwar irgendwie irgendwas "digitalisiert", seine eigenen Zeichensätze jedoch nicht lesen kann - weshalb die krudesten Titel-Angebote und -Abbildungen zustande kommen (Bsp.: http://www.libreka.de/9783655104996). Den ganzen Mist, der aus ein paar wenigen Tausend "Titeln" besteht, hat Telekom alias www.pageplace.de nun 1:1 in sein neues Angebot aufgenommen (https://www.pageplace.de/tep/de/-.html): DAS nenn' ich innovativ, DAS nenn' ich zukunftsträchtig! Leute, verbockt Digitalisierungsprojekte, setzt Vereinsgelder in den Sand, macht eine Öffentlichkeitspolitik, gegen die diverse Veröffentlichungen gewisser Doktoren geradezu transparent erscheinen und vermietet das Ergebnis an die Telekom! Früher wollte jeder Guru werden, weil sich da egal-wie-dubios viel Geld verdienen lässt, heute nimmt man sich die Telekom. Derartige Geschäftspraktiken, und dass dies alles irgendwie und irgendwo auch mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels zusammenhängt (versteht irgendjemand noch wirklich, wie?), machen mich nachgerade zornig.
10. Frithjhof Klepp 11.03.2011 14:29h
Interessant auch, dass auf der ganzen PagePlace-Site "libreka" weder als Logo noch als Partner noch irgendwo erwähnt auftaucht... Das sieht nicht unbedingt nach win-win aus. Ganz abgesehen von der wirklich verbandspolitisch absurden Entwicklung von der VTO (Volltext-Suche-Online) in 2005 bis zur heutigen Vollintegration von libreka in PagePlace (Seitenplatz = hört sich nicht nach einer Marke an, die man sich merken wird...)