Bezahlung wäre nett!

Deutschland im Jahr 2011: Alle Branchen haben begriffen, dass Absolventen der Universitäten wertvolles Leistungskapital in sich tragen. Alle? Nein, eine kleine, aber kulturell wichtige Branche vertritt stur die Ansicht, dass der Gewinn von Wissen und Erfahrung sowieso nicht mit Geld aufzuwiegen ist. Deswegen zahlt sie ihren Nachwuchskräften gleich gar nichts. Eine letzte Reflexion der Redaktion der Marginalglosse.

Marginalglosse-Redaktion

Marginalglosse-Redaktion © Cornelius Wachinger

In einen guten Lebenslauf gehört heutzutage mindestens ein Praktikum, besser noch mehr. Dieses sollte idealerweise mehrere Monate gedauert haben. Das ist wichtig, weil man in einem Praktikum erste Berufserfahrungen sammelt und spannende Dinge lernt. Probleme ergeben sich nur, wenn nicht gleich im Nachbarort ein Verlag sitzt, bei dem der geneigte Student ein Praktikum machen kann. Denn viele Praktika in der Buchbranche werden standardmäßig nicht bezahlt – woher also das Geld nehmen, um für die Dauer des Praktikums in der fremden Stadt Wohnung und Lebensmittel zu bezahlen?

Die Krönung des guten Lebenslaufs ist schließlich ein Einstieg in den Wunschberuf. In der Buchbranche gelingt dies idealerweise über ein Volontariat, das in der Regel ein bis eineinhalb Jahre dauert. Das ist wichtig, weil man auf derartigen Einstiegspositionen Berufserfahrungen sammelt, Kontakte knüpft und bereits ins Unternehmen integriert ist. Probleme ergeben sich nur, wenn man keines findet. Ein Grund dafür ist, dass der Ansturm groß ist. Ein weiterer Grund ist aber auch, dass viele Unternehmen ihren Volontären nur ein prekariäres Gehalt unter 1000 € bezahlen – wie soll ein Volontär mit 500 € monatlich seine Miete und weitere anfallende Kosten in einer Stadt wie München decken?

Romy Fröhlich konstatiert in ihrer Studie „Büchermenschen in Deutschland“ Prekarisierungstendenzen aufgrund einer Zunahme befristeter Arbeitsverhältnisse und eines überdurchschnittlich hohen Anteils an längerfristig beschäftigten Praktikanten und Hospitanzen. Zu großen Teilen sind dafür sinkende Gewinnmargen verantwortlich und auch das Nicht-Steigen der Ladenpreise seit einigen Jahren – aber ist das eine Rechtfertigung, den Nachwuchskräften nicht einmal genug Gehalt für ihr Überleben zu zahlen?

Einsteiger in der Buchbranche haben meist ein geisteswissenschaftliches, teils sogar ein buchwissenschaftliches Studium abgeschlossen. Sie verfügen ergo über analytisches Denken, kritische Reflexionsfähigkeit, konzeptionelle Herangehensweisen, gutes Allgemeinwissen, selbstständige Arbeitsweise, jede Menge Soft Skills, werden aber wie billige Hilfskräfte behandelt. Ein Kuriosum hierbei ist, dass sie sich so behandeln lassen – gerade wir, die wir politisch gebildet und sozial aktiv sind, sollten über derart ausbeuterischen Angeboten stehen und uns gar nicht erst bewerben. Dass wir es trotzdem tun, nutzen viele Arbeitgeber aus.

Es muss jedoch angezweifelt werden, ob sie sich damit einen Gefallen tun – ist wirklich der beste Kandidat für eine Stelle derjenige, der sich gnadenlos unterbezahlen lässt? Oder wäre es der gewesen, der seinen Wunsch vom Traumberuf aufgegeben und die Branche gewechselt hat? Es ist fraglich, ob eine Branche jemals höhere Gewinnmargen einbringen kann, wenn ihr Nachwuchs genauso idealistisch wie die letzten 50 Jahre ans Geschäft herangeht.

Persönliche Anmerkung

Um einmal deutlich zu werden: Wir sind wütend! Wir wollen in diese Branche, aber wir werden uns nicht mit einem Hungerlohn abspeisen lassen! Es ist ein Armutszeugnis, dass gerade diese kulturell tätige Branche den Wert eines gut ausgebildeten Geisteswissenschaftlers nicht erkennt. Ähnlich erschreckend ist, dass niemand wahrhaben will, dass Richtlinien für Mindestlöhne von Praktika und Volontariaten längst überfällig sind.

104 Kommentar/e

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  • Sebastian Sabors

    Sebastian Sabors

    Bravo, ihr habt es auf den Punkt gebracht! Ich hoffe sehr, dass einige Verantwortliche den Beitrag lesen, fürchte aber, das Thema geht dem Großteil der Branche, man muss es deutlich sagen, am Allerwertesten vorbei.

  • Claudia Feldtenzer

    Claudia Feldtenzer

    Gut geschrieben!

  • Stefan

    Stefan

    Einfach nur bravo!

    Hoffentlich lesen das auch die richtigen Leute und lassen es sich nicht, wie vieles sonst auch, am A vorbeigehen...

  • Snoodge

    Snoodge

    Stimmt genau! Doch wie mir (der Bewerberin) der Anbieter eines Verlags-Volontariats im teuren München so schön sagte: Da sie Leute kriegen, die ein 1,5jähriges Volo in prekären Zuständen annehmen und als Universitätsabsolventen trotz Anstellung erstmal zum Amt gehen, um Aufstockung zu beantragen, ist es ja nicht nötig, mehr zu bezahlen. Na dann!
    Leider wird sich wohl kaum ein geschlossener Widerstand aller Uni-Absolventen organisieren lassen. Denn das stimmt leider auch: Solange sich jemand dafür hergibt, wird sich auch nichts ändern. Eine Alternative gibt es für uns Betroffene dennoch kaum. - - - Zwickmühle par excellence.

  • henke

    henke

    Ich habe die Branche gewechselt, nach Ausbildung und Volontariat gabe es nur neue Volontariate und Praktika oder unterbezahlte Stellenangebote. Irgendwann hört der Idealismus auf. Wechselt in andere Bereiche, bevor es zu spät ist!

  • Koobe

    Koobe

    Ganz ehrlich - ich kann es nicht mehr hören. Wenn man in einer Stadt einen Studiengang studiert, in dem die Branche in der man Fuß fassen will nur marginal existiert, ist das natürlich schwierig.
    Ich habe ebenfalls Buchwissenschaft studiert - aber in München - und konnte schon während des Studiums als Werkstudent in verschiedenen Verlagen, aber auch Online-Startups etc., Kontakte knüpfen UND wurde gut dafür bezahlt.
    Im Studium habe ich mich auf gefragte Schwerpunkte (BWL, ePublishing) spezialisiert und konnte nach Abschluss des Studiums unter mehreren, sehr gut bezahlten Angeboten wählen - wie man sich bettet, so liegt man. Natürlich, mir wurden auch Volontariate für 1000 € angeboten - angenommen habe ich sie nicht. Man bekommt nichts, wenn man nichts fordert.

  • Jacqueline

    Jacqueline

    Es ist wirklich ein Armutszeugnis, dass es da draußen so viele junge und engagierte Studenten und Absolventen gibt, die darauf brennen ihre Leidenschaft für Bücher in der Branche ausleben zu dürfen, und dann aber eben von dieser in andere Bereiche vergrault werden. So kann man sich auch seine eigene Branche kaputt machen. Man sollte diese Entwicklung doch mal auf längere Sicht hin betrachten - Kommt es den Verlagen wirklich zugute nur billige/kostenlose Praktikanten und Volontäre einzustellen, die letztlich und berechtigterweise nur frustriert und unmotiviert sind? Wir investieren viel Zeit und Geld in unsere hohe Bildung und Ausbildung, die in keinster Weise gewürdigt wird. Wofür, fragt man sich dann? Es ist wirklich traurig...sowohl für uns Studenten, als auch für die Branche...

  • franz wanner

    franz wanner

    Mit Verlaub, eine Wortmeldung zu des Kaisers neuen Kleidern...
    Man läßt dies mit sich machen, weil scheinbar befristet dahinter der Lohn winkt und zudem wenig eben doch mehr als nichts ist
    Die andere, unmoralische Seite argumentiert mit der Marge.
    Um welches Produkt geht es? Um zunehmend verbilligte Beliebigkeit in Schüttgrößen im Wettbewerb um Unterhaltung und Heiterkeit. Auch da heißt es, lieber wenig als nichts an Aufmerksamkeit des Massenpublikums.

    Das ist das Teufelsrad. Bücher sind so billig, dass sie wertlos sind, weil zum Bockwurstpreis überall ersetzbar.
    Weil sie billig sein sollen, müssen es viele sein und viele Käufer gibt es nur, weil sie billig sind.
    Das durchzusetzen ist zwar schwierig, aber eben bis zum Refinanzierungspunkt über die Mindesabsatzmenge nicht kostendeckend. Von welchem Gewinn soll gezahlt werden?
    Existenzrechte leiten sich auch vom Selbstwert ab. Und objektiver Wert mißt sich an ungedeckter Nachfrage. Verbrauch sind nur Verluste an Material und Mensch.

    Wert entsteht immer aus Mangel.
    Mangelt es an Bereitwilligen?

  • Gesa Jung

    Gesa Jung

    Danke für diesen Beitrag! War mal überfällig, das so deutlich zu sagen. Damit sich was ändert, muss allerdings wohl mehr passieren. Komplexes Thema.

  • kate

    kate

    Besonders toll ist dann zu sehen, dass für andere Dinge plötzlich mal locker drei Volo-Monatsgehälter ausgegeben werden ...

  • Ines

    Ines

    Vielen Dank für diesen Beitrag in der Marginalglosse!

    Ich erinnere mich noch gut an eine Veranstaltung der Buchwissenschaft, bei der ein Vertreter eines Verlags stolz darauf war, dass überhaupt Volontariate angeboten werden. Und es wurde sogar versichert, dass es ab und zu auch vorkommen kann, dass Volontäre in ein (befristetes?) Angestelltenverhältnis übernommen werden.

    Mir ist klar, dass diese Situation durch Angebot und Nachfrage zustande kommt. Ingenieure oder Informatiker müssen sich diese Form der Ausbeutung nicht gefallen lassen. Oder sind diese im Gegensatz zu Geisteswissenschaftlern schon fertig ausgebildet? Daran kann es ja wohl nicht liegen, dass wir Buchwissenschaftler erst noch 1 - 2 Jahre (ja auch 2 Jahre Volontariat sind keine Seltenheit!) lernen müssen, wie die Arbeit eigentlich funktioniert.

    Und auch ich habe zwei unbezahlte Praktika in der Buchbranche absolviert. (Das dritte Praktikum war sehr gut bezahlt und nicht in einem Verlag oder einer Buchhandlung.) Bisweilen wird den Praktikanten nicht mal wirklich etwas beigebracht. Es gilt also nicht mal: deine (Arbeits-)Zeit gegen meine. Nicht mal 2/3 zu 1/3. Aber die Verlage wissen einfach, dass es trotzdem funktioniert, dass sie Praktikanten bekommen, die für den Namen im Lebenslauf und für ein kleines Stück Erfahrung in der Praxis auch die größte Zeit des Praktikums mit Ablage und Kopieren verbringen.

    Vielen Dank an die Schreiber der Marginalglosse auch für die Anmerkung, dass die Buchbranche durch dieses Verhalten viele wirklich fähige Mitarbeiter an andere Branchen verliert. Gerade Absolventen, die auch die Fähigkeit zu wirtschaftlichen Denken mitbringen (sei es durch ein Studium der Wirtschaftswissenschaften oder durch anderweite Vorbildung vor dem Studium) kehren der Buchbranche frustriert den Rücken, weil sie in anderen Branchen ohne den Umweg über ein Volontariat eine Anstellung finden.

    @Snoodge: Ja, es ist wirklich eine Schande, dass sich die Verlage ihre Volontäre bisweilen quasi vom Staat subventionieren lassen. Dass dies so ist, habe ich gerade von Volontären großer (!) Verlagshäuser in München schon öfter gehört.

  • Kathrin Huemer

    Kathrin Huemer

    Ich bin sehr froh, dass dieses Thema mal aufgegriffen und kritisch reflektiert wird, noch dazu vom Börsenverein! Vor allem finde ich es sehr bedenklich, dass beispielsweise vom Mediacampus und den Verbänden immer wieder die unqualifizierten Nachwuchskräfte bemängelt werden. Da wird uns doch wirklich allen Ernstes weisgemacht, die Branche hätte ein verstaubtes Image und müsse um ihre Zukunft bangen, weil es keinen geeigneten Nachwuchs gibt. Die Lösung wird dann in neuen Ausbildunsplänen gesucht. Keine Frage, das ist wichtig, aber ich sehe rings um mich hochqualifizierte und -motivierte Leute, die verzweifelt einen Platz in der Buchbranche herbeisehnen, und dafür bereit sind um 6 €/Stunde auf Honorarbasis eine volle Stelle als Presse- oder Vertriebskraft zu ersetzen!
    Lieber Börsenverein, bitte mehr zu diesem Thema! Machen wir der Branche klar, dass die Gefahr der Zukunft nicht in elektronischen Büchern liegt sondern in der Ausbeutung der Nachwuchskräfte! Auch, ja, vor allem die Politik ist hier gefragt, wir brauchen ein Gesetz für Mindestlöhne von Praktika und Volontariaten!

  • Lisa

    Lisa

    Ich kann henke nur beipflichten: Wechselt die Branche, wenn es Euch (auch) ums Geldverdienen geht. Schlecht bezahlt wird nämlich nicht nur der Nachwuchs! Nach 20-jähriger "Karriere" verdient man als Lektor nach Tarif ca. 3300 Euro (brutto), ein Müllfahrer bekommt in München um Einiges mehr. Eine Familie kann man damit mehr schlecht als recht durchbringen, die Hälfte des Gehalts geht für die Wohnung drauf. Das sind die Fakten.

  • O.Tekolf

    O.Tekolf

    Abgesehen davon, dass Praktika in anderen Branchen auch nicht bezahlt oder unterbezahlt sind - kann ich dem Beitrag nur voll und ganz zustimmen.
    Aber es stimmt eben leider - wenn alle mitmachen, ändert sich nichts. Aber da immer jemand Gewehr bei Fuß steht, der das Praktikum oder Volontariat nimmt, auch für lau oder wenig, sehen viele (nicht alle) Verlage keine Veranlassung, ihre Politik zu ändern. Denn die Qualität oder Qualifikation der Bewerberin oder des Bewerbers ist ja dann doch nicht so wichtig, will mir scheinen. Ich habe persönlich zwar gute Erfahrungen gemacht, aber ich höre immer wieder eben auch von anderen Erfahrungen.

    Und noch ein zweites: Geistige Arbeit wird in Deutschland eben nicht so wert geschätzt. Im Gegenteil: Der Fall Guttenberg hat doch gezeigt, dass bestimmte Kreise geradezu abschätzig von Akademikern denken, nach dem Motto: Eh egal, ob der das in seiner Doktorarbeit schummelt, ist doch nicht so wichtig, die sollen sich mal nicht so aufspielen, die Wissenschaftler. Und solche Denkweisen schlagen ja unmittelbar oder mittelbar auf die Lobby durch, die geistig Arbeitende in der Gesellschaft haben. Als "Künstler" und "Promis", die verehrt werden, zählen hierzulande TV-Schauspieler, TV-Pöbler und gewisse Schriftsteller, deren Romane als TV-Ereignis verfilmt werden.

    Aber das Lamentieren nutzt ja nichts: Leute, geht in die Verbände, Interessenvertretungen, in die Gewerkschaft meinetwegen, engagiert euch, ändert was!

  • Koobe

    Koobe

    @Kathrin Huemer: Doch! Gerade gestern sprach ich mit einer Personalberaterin, die händeringend jemand sucht, der eine Stelle im Business Development als "Querdenker, der neue, digitale Geschäftsmodelle im Start-Up-Modus aufbaut" sucht.
    Problem: die echten "Onliner" lachen über die Rückständigkeit, die Strukturen und nicht zuletzt über das Gehalt.
    Und der Verlagsnachwuchs ist hierfür wirklich schlecht ausgebildet, kann nicht zwischen XML und ePUB, SEO und SEM unterscheiden.

    Ich kann allen Absolventen nur raten: Spezialisiert euch auf gefragte Positionen und werdet nicht der x-te Typ, der nur hochliterarische Belletristik lektorieren will. Gerade im epublishing Bereich stehen in Zukunft viele Türen offen, hier müssen die Verlage außerdem mit Webfirmen und großen Medienhäusern um Talente werben und entsprechend ist das Gehalt. Wer allerdings der x-te Pressevolo werden will, der muss das für 1000 € tun.

    @Lisa: Ja, solche "Karrieren" mag es geben - aber es gibt genug andere Beispiele, v.a. auch Fachverlagen, im ePublishing etc. Also nicht gleich die Branche wechseln!
    Zwei Mitabsolventinnen sind in Fachverlagen mit 40.000 € Jahresgehalt eingestiegen, mein eigenes Einstiegsgehalt lag sogar noch etwas darüber.

  • Lia

    Lia

    Ich find, dass auch Universitäten mit die Schuld tragen, die in ihre Studienordnugn reinschreiben: ein Student im Fach Buchwissenschaft MUSS ein Praktikum machen. Ein interessierter Student wird sich eh um eines oder zwei bemühen. Aber durch das MUSS ist es schon hier nicht nötig wenigstens die Unkosten für den Praktikanten zu decken, denn sie MÜSSEN es machen und können keine Forderungen stellen. In dem Verlag, in dem ich mein Praktikum gemacht hat, hat mir der Chef selber erklärt, dass er früher allen Praktikanten 400€ Aufwandsentschädigung gezahlt hat - seitdem es aber in der Prüfungsordnung steht, hat er damit aufgehört.

    Ich habe nur 1 er in allen Prüfungen und ich werde definitiv nicht für einen Hungerlohn mich in der Buchbranche anstellen lassen! Zumal ich bereits aus anderen Branchen Angebote erhalten habe, werde ich nur bei meinem "Traum" bleiben, wenn ich auch davon leben kann.

  • Meike Julia Dahmen

    Meike Julia Dahmen

    Sehr guter Beitrag!
    Ich habe auch so einen Weg hinter mir (Praktikum, Volo ...) und schließlich die Branche gewechselt. Schön, einen Arbeitsplatz zu haben, bei dem meine Arbeitskraft nicht nur geschätzt, sondern auch angemessen vergütet wird. Und: die Arbeit macht auch noch Spaß! (Ja, das gibt es wirklich!)

  • Geisteswissenschaftler

    Geisteswissenschaftler

    Als Résumé bleibt: Finger weg von der Buchbranche! ein Praktikum in dieser Branche ist verlorene Zeit. Es lohnt sich nicht. Die Branche bietet keine Perspektiven und von den Gehältern kann man nicht leben. Es gibt weitaus attraktivere Branchen als Bücher!

  • franz wanner

    franz wanner

    @ Lia
    das ist der springende Punkt!
    Einerseits "mangelt" es an gebrauchten Kenntnissen, andererseits misstrauen die Ausbildungsstätten der eigenen Ausbildungsqualität und "verlangen" Praktika.
    Wundert es da?
    Wenn allgemein gilt: man ist gut oder man verhandelt gut oder beides - dann wird dies durch einen Pflichtfrohndienst ausgehebelt. "Verhandeln" ist nicht mehr. Da stehen dann Wirtschaftlichkeit gegen Moral.
    Und die Brancheneleven werden von hehren Idealen auf den Realitätsboden gezogen. Verkaufter Kram bringt eben das bessere Einkommen gegenüber unverkäuflicher Topqualität. Das Produkt ist vergleichsweise unwichtig gegenüber dem Fakt der Verkaufbarkeit. Schön, wenn beides zusammenpasst, aber man sollte das vor der Jobwahl bedenken...
    Und die Verbände sollten nicht "in Unschuld" machen, wenn Ausbildungsmuster festgelegt werden.

  • maria

    maria

    DANKE für diesen Artikel!

  • kate

    kate

    Frage an die Wechsler: In welche Branchen seid ihr denn gewechselt? Denn das stelle ich mir im Grunde sehr schwierig vor.

  • jules

    jules

    Mein Appell geht an die Jungen Verlagsmenschen: Was kann das Netzwerk denn hier tun?

  • Christine P.

    Christine P.

    Mit einem lachenden und einem weinenden Auge habe ich mich vor ein paar Tagen auch dazu entschlossen, meine Bewerbungsbemühungen in der Buchbranche nach über 100 verschickten Bewerbungen zu beenden.
    Ohne mehrere lange Praktika ist ein Unabschluss vollkommen wertlos - und wenn man keine reichen Eltern hat, die Studium und halbjährige unbezahlte Praktika inklusive Zweitwohnung bezahlen können, kann man sich den Wunsch, in der Verlagswelt Fuß zu fassen, abschminken. Schade, aber als Trost bleibt die Frage:

    "Will ich wirklich bei einem Verlag arbeiten, dem die finanziellen Möglichkeiten der Eltern der Bewerber wichtiger sind als deren fachliche und menschliche Qualifikationen?"

  • Christine P.

    Christine P.

    Ach, das könnte verbittert wirken, merke ich gerade. Aber das ist es nicht, sondern eher etwas resigniert und enttäuscht.

  • Jule

    Jule

    Bitte auch mal auf die Seite der Börsenblatt "Jobbörse" gucken- Fast nur noch Praktika werden angeboten und die meist unbezahlt. Jobs? Fehlanzeige! Macht doch bitte aus eurer Jobbörse wieder eine Jobbörse!

  • Koobe

    Koobe

    Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Es gibt sehr gut bezahlte Einstiegsjobs - auch in der Buchbranche.
    Richtig qualifizierte Leute werden auch keine Probleme haben, einen adäquaten Job zu finden.

    Bevor hier jetzt also alle schreien - "Branche wechseln" "Keine Perspektive" etc. muss ich doch nochmal bitten, etwas genauer hinzuschauen und sich eben nicht an der Berufswirklichkeit vorbei mit Germanistik, Komparatistik o.Ä. zu qualifizieren.

  • Susanne

    Susanne

    Danke für den Artikel, ich sehe das ähnlich. Es ist frustrierend, wenn man als Volontär weniger als der hauseigene Azubi bekommt. Ich habe nicht studiert, um reich zu werden, aber ich möchte nicht nach der Uni meinen Eltern groß auf der Tasche liegen. Während des Studiums konnte ich mich durch Nebenjobs gut über Wasser halten, aber bei einem Vollzeit-Volontariat noch nebenbei jobben und dass für ein oder zwei Jahre... ich weiß nicht, wie lange man das mitmachen möchte und auch kann.

    Keiner von uns erwartet ein Einstiegsgehalt von 50.000 Euro brutto. Aber in großen Städten mit hohen Mieten 500-800 Euro für einen Vollzeitjob zu zahlen ist schon etwas dreist. Wenn man als Putzkraft mehr verdient, als mit einem universitären Abschluß in dem gelernten Beruf, dann läuft doch was falsch. Ich persönlich habe mich daher auch nicht nur in der Buchbranche beworben.

    Wobei ich Kobee auch recht geben muss: eine gewisse Spezialisierung ist schon recht hilfreich. Wenn natürlich alle ins Lektorat in einem Kinderbuch- oder Belletristikverlag wollen, ist der Jobeinstieg wesentlich schwerer. Dabei bieten doch gerade die neuen Medien und Vertriebswege interessante Perspektiven.

  • lenny

    lenny

    Ist euch eigentlich aufgefallen, dass auf der Website gerade in Nachbarschaft dieses Beitrags eine Fortbildungsmaßnahme angeboten wird, die an die 3000 Euro kostet? Da lernt man dann das, was man eigentlich in der Ausbildung, sprich: dem Volontariat lernen sollte. Wir zahlen also schon vor dem Volo dafür, dass wir dann eine schon vor dem Volontariat ausgebildete Vollzeitkraft sind.
    Aber bei all der Jammerei sollte man eines nicht vergessen: Der Weg mag steinig sein, aber: oft ist von Seiten junger Geisteswissenschaftler (ich nehme mich da jetzt nicht aus) auch nach außen hin immer nur Gejammer über die Branche bzw. schon vorher über das Studium zu hören. Dabei sollten sich aber die, die wirklich dabei sein wollen, nicht auch noch gegenseitig einreden lassen, dass das, was sie tun, alles nutzloser, brotloser Unsinn ist. Auch wenn die breite Masse immer weniger bereit ist, Geld für gute Bücher zu bezahlen. Wir brauchen sie! Wer will schon in einer Gesellschaft leben, in der die Kultur so gar nicht mehr vorkommt. Und Handke, Bernhard und Co. sind nun mal nicht fü die breite Masse - und waren es aber auch nie.
    Mein steiniger Weg hat übrgens jüngst zum Traumjob geführt.

  • Kathrin Huemer

    Kathrin Huemer

    Die Annonce vom Mediacampus fand ich auch sehr passend!
    Insgesamt ja eine gute Sache, aber auch hier drängt sich der Anschein auf, dass man für den Einstieg in die Buchbranche bezahlen muss. Welcher Berufseinsteiger ohne entsprechenden familiären Background hat schon 3200 € übrig?
    Ich stimme aber auch zu, dass viele Leute zu naiv an die Sache herangehen. Warum nicht ein BWL Studium absolvieren um dann im Vertrieb eines Verlages zu arbeiten? Da bedarf es meiner Meinung nach besserer Aufklärung seitens der Verbände und Universitäten.

  • Frauke Ehlers

    Frauke Ehlers

    In diesem Zusammenhang möchten wir gerne auf eine Veranstaltung aufmerksam machen, die wir gemeinsam mit den Jungen Verlagsmenschen in Leipzig innerhalb des Karrieretags Buch + Medien organisiert haben:

    Unter dem Titel Zukunft jetzt! Perspektiven für den Branchennachwuchs diskutieren am 18. März 2011 um 17 Uhr Expertinnen aus den Personalabteilungen der Buchbranche mit BerufseinsteigerInnen darüber, was Verlage und Buchhandel dem Branchennachwuchs bieten, wie Berufseinstieg und der weitere Werdegang junger Fachkräfte unterstützt wird und was Auszubildende und VolontärInnen sich für ihre Ausbildung wünschen. Moderiert wird das Gespräch von der BücherFrau Katharina Gerhardt. Die Podiumsdiskussion ist eine Kooperationsveranstaltung mit den Jungen Verlagsmenschen e.V.

    Zukunft jetzt! Perspektiven für den Branchennachwuchs
    Wann: 18. März 2011, 17 Uhr
    Wo: Congress Center Leipzig – Mehrzweckfläche 2
    PodiumsteilnehmerInnen:
    Ida Roët de Campos, Personalleiterin vom Gräfe und Unzer Verlag
    Kathrin von Papp-Riethmüller, Bewerbungsmanagement Osiander
    Claudia Feldtenzer, Pressereferentin DVA, Pantheon, Manesse von Random House
    Andreas Wetekam, Buchhändler bei Thalia

    Moderation:
    Katharina Gerhardt, freie Lektorin, Hamburg


  • Tippgeber

    Tippgeber

    @ Christine P.

    Mein Tipp an Sie wäre, es einmal im Ausland zu versuchen. Deutsche Verlage sind nicht mehr interessant für guten Nachwuchs, weil nur noch für den schnellen Konsum produziert wird. Titel rein in den Markt und wieder raus damit. Zudem ist die Bezahlung lächerlich.

  • Snoodge

    Snoodge

    @Geisteswissenschaftler, Meike Julia Dahmen, Lia, henke, Lisa...

    Mich würde auch interessieren, in welchen alternativen Branchen "Aussteiger" und Wechsler bessere Berufsaussichten sehen und erhalten - leider fehlt mir anscheinend genug Fantasie.

  • Divya

    Divya

    Es ist (erschreckender weise muss man schon sagen) heutzutage echt kein Wunder mehr, dass Praktikas und Volontariate mies oder gar nicht bezahlt werden.
    Dass es in der Buchbranche ähnlich schlecht ist wie in anderen, wundert mich nicht, ist aber dennoch nicht tragbar!

    Wie soll es denn mit der Branche voran gehen, wenn man jungen, engagierten und gebildeten Leuten so eine Chance verwehrt, indem man kein anständiges Gehalt zahlt?!

    Ich habe mir auch schon mal überlegt ein Praktikum zu machen, um auch mal andere Erfahrungen zu sammeln, aber letztendlich bekommt man ja auch von niemanden Unterstützung. Also wozu? Nur damits hübsch im lebenslauf aussieht?

  • Dr. Dark

    Dr. Dark

    Sie schreiben, manche hätten "sogar ein buchwissenschaftliches Studium" absolviert.
    Äääh - ist dieser Studienabschluss demnach "besser" als andere?
    Ich denke, diese Abqualifikation anderer Diplomierter/Bacheleors/M.A.s etc liegt nicht in Ihrer Absicht, oder.

  • Hanna Hartberger

    Hanna Hartberger

    @ Dr. Dark

    Nein, das lag wirklich nicht in unserer Absicht. Es ist aber so, dass wir - im Gegensatz zu allgemein ausgebildeten Geisteswissenschaftlern wie Germanisten - spezifische Kenntnisse der Branche haben. Sprich, wir sind auf Buchpreisbindungsgesetz, Zwischenbuchhandel etc. sozialisiert und müssen diesbezüglich nicht erst groß eingearbeitet und u.U. desillusioniert werden. Und bringen darüber hinaus eigene Kenntnisse und Meinungen mit, die wir uns gerade im Hinblick auf die Buchbranche angeeignet haben.

  • skempa

    skempa

    Zu diesem Thema habe ich vor einiger Zeit ein spannendes Gespräch mit der Vorsitzenden von Fairwork e.V. geführt. Nachzulesen hier:
    http://www.utopia.de/ratgeber/tipps-fuer-einsteige r-sozialstandards-wofuer-steht-das-fairwork-praedi kat-praktikum-beruf

  • Volontär

    Volontär

    Danke für diesen Beitrag! Bitte mehr davon! Leider ist es die traurige Wahrheit, dass man ohne den langen Weg durch un- bzw. unterbezahlte Praktika und Volos kaum Möglichkeiten hat, in der Branche Fuß zu fassen.
    @ Koobe: Schön, dass es Ihnen nicht so ging, aber leider wohnt nicht jeder, der in die Buchbranche will, in München. Was sind das für Argumente? Nur, weil Sie Glück gehabt haben, können Sie doch nicht davon ausgehen, dass jeder selbst Schuld an unterbezahlten Volontariaten ist. Sollen alle lieber zu Hause bleiben und hartzen?

  • Ines

    Ines

    @ Dr. Dark:

    Ich bin ebenfalls der Meinung, dass es einen deutlichen Unterschied macht, ob ein Germanist oder ein Buchwissenschaftler eingestellt wird.

    Ich habe allerdings das Gefühl, dass die Branche da oft keinen Unterschied macht und viele nicht darüber informiert sind, was Buchwissenschaftler während des Studiums lernen. Die Inhalte, die in diesem Studium vermittelt werden, sind nicht nur rein theoretisch oder auf historische Themen bezogen. Viele Studenten setzen sich schon während des Studiums intensiv mit dem Buchmarkt und seiner Zukunft auseinander.

  • Jennifer

    Jennifer

    Endlich spricht mal jemand aus was wir uns alle schon lange denken. Ich finde es nämlich auch ein Ding der Unmöglichkeit, dass man Pratika machen soll aber diese nur bekommt, wenn man es sich leisten kann, sprich man vorher genug gespart hat um während dem Praktikum über die Runden zu kommen. Es kann schließlich, egal wie viele tolle Erfahrungen man gesammelt hat, nicht sein, dass man nach einem zweimonatigem, unbezahlten Praktikum mit 200€ Miese nach Hause fährt!

  • Hanna Hartberger

    Hanna Hartberger

    Zuerst einmal im Namen der Redaktion vielen Dank für die zahlreichen Rückmeldungen!

    Die Frage, die sich mir stellt: Was können wir tun? Soweit ich das überblicke, beteiligen sich hier fast ausschließlich junge Leute an der Diskussion, während sich die Arbeitgeberseite in Schweigen hüllt. Wie können wir die Verantwortlichen aus der Reserve locken?

  • Dennis Schmolk

    Dennis Schmolk

    Ich kann Hanna (#40) nur beipflichten, sowohl, was den redaktionellen Dank betrifft, als auch die Einschätzung, dass das Arbeitnehmerlager hier überrepräsentiert ist. Und ich würde gerne noch die Überlegung von Lia (#16) aufgreifen: Auch die Verantwortlichen von Universitäten sollten sich hier äußern. Denn sie schwächen durch die Einrichtung von Pflichtpraktika unsere Verhandlungsposition. Und nicht zuletzt wäre hier sicher auch ein Kommentar der Ausbildungs- und Personalexperten des Börsenvereins wünschenswert.

  • Kunsthistoriker

    Kunsthistoriker

    Vor 13 Jahren hatte ich meine Dissertation geschrieben und wollte eigentlich in einem Kunstmuseum anfangen. Der Einstieg wäre nur über ein zweijähriges Volontariat für ein Monatsgehalt von 1.500 DM mit sehr ungewissen Zukunftschancen möglich gewesen. Ein Kunstbuchverleger, für den ich bereits neben der Promotion als freier Mitarbeiter zu einem fairen studentischen Stundensatz gearbeitet hatte, bot mir eine feste Stelle für 5.000 DM. Will nur sagen: andere Berufsfelder sind noch schlimmer - und hinter den Museen steht der Staat. Solange der so etwas macht, kann man den Verlagen, die das Geld verdienen müssen, nicht wirklich böse sein.

    Das Problem liegt in Angebot und Nachfrage. Solange Jahr für Jahr mehr Geisteswissenschaftler ihr Studium abschließen als der Markt benötigt, werden nur diejenigen Geld verdienen, die entweder herausragend sind UND Glück haben oder diejenigen, die seltene, gerade benötigte Fähigkeiten haben, derzeit beispielsweise im online-Bereich.

    Drei Umstände tragen besonders zu der prekären Situation der Geisteswissenschaftler bei und werden auch noch länger verhindern, dass sich daran viel ändert:

    1. Es gibt zu viele Absolventen. Da die Geisteswissenschaften im Studium einfach mehr Spaß machen als Wirtschaft und Mathe, könnte sich das nur durch eine viel selektivere Aufnahme von Studenten ändern, die es ja in anderen Bereichen (z.B. Kunst) auch gibt.

    2. Viele Studenten der Geisteswissenschaften (außer Lehramt) beginnen das Studium wohlwissend, dass sie damit nicht viel Geld verdienen werden, im Vertrauen auf das finanzielle Polster ihrer Eltern. Auf dieses greifen dann natürlich auch die Arbeitgeber der Berufseinsteiger gern zurück.

    3. Viele Geisteswissenschaftler haben wenig Affinität zu Geld und Wirtschaftlichkeit. Dass diese Haltung zu schlechter Bezahlung führt, kann man auch in Berufen beobachten, wo es darum geht, anderen Menschen zu helfen.

  • firalotta

    firalotta

    Auch ich kann mich nur den Vorrednern anschließen: Guter, überfälliger Artikel, der wohl einigen aus dem Herzen spricht.
    Auch ich habe mich von dem Gedanken verabschiedet, als Berufseinsteiger in die Buchbranche zu gehen. Vielleicht ist es später, nach Erfahrungen in affinen Bereichen (Pressearbeit, Journalismus o.ä.), einfacher, respektiert zu werden. Oder man gründet mit entsprechendem Kapital selbst was... Sich allerdings von den "Etablierten" ausbeuten zu lassen, mache ich nach unbezahlten Praktika, die für mich mit nebenbei Jobben und Studieren und einer Menge Stress einhergingen, nicht auch noch in einem Volo mit. Vom dem Gefühl, inhaltlich nicht wirklich von der Praktikantenzeit profitiert zu haben, ganz zu schweigen.

  • Ines

    Ines

    Mir stellt sich außerdem die Frage: Wie viel wird während der Volontariate ausgebildet? Gibt es Seminare? Interne und externe Fortbildungsmöglichkeiten? Erfährt man auch etwas über die Arbeitsweise in anderen Abteilungen? Oder arbeitet man sich so schnell wie möglich in die eigene Arbeit ein und funktioniert nach wenigen Monaten praktisch als volle Kraft, die aber nicht mal so viel bekommt, wie ein Azubi, der ja auch noch in die Berufschule geht und normalerweise in allen Abteilungen mal arbeiten sollte und da ja jeweils neu angelernt werden muss.
    Wie läuft das in der Regel so ab?
    Wird in Volontäre wirklich viel Zeit und Geld investiert? Lässt sich damit ein Teil des unwürdigen Gehaltes erklären? Ich befürchte, dass dem nicht so ist.
    Andere Berufsanfänger besuchen auch Seminare oder langfristige teure Fortbildungen und werden so an Unternehmen gebunden. Aber die erhalten ein volles (Einstiegs-)gehalt.

  • Frithjof Klepp

    Frithjof Klepp

    Das sollte zu denken geben, wie groß das Echo auf diesen Artikel ist. Aber die Unternehmen nehmen den BrainDrain in anderen Branchen anscheinend (viel zu oft) hin.

  • Hans-Uwe

    Hans-Uwe

    @ firalotta 04.03.2011 19:19h

    "Oder man gründet mit entsprechendem Kapital selbst was..."
    -----------
    Das ist auf jeden Fall eine interessantere Alternative als für ein mickriges Gehalt seine Zeit in der Buchbranche zu vergeuden!

  • Enttäuschter

    Enttäuschter

    Das ist kennzeichnend für die Buchbranche... hohe Ansprüche stellen aber nicht vernünftig zahlen wollen.

  • Salim Zitouni

    Salim Zitouni

    Sehr gut, wenn auch, zurecht, sehr emotional geschrieben.

    Ich greife einen Punkt auf: Viele lassen sich ja so behandeln. Solange das der Fall ist, wird es auch weiterhin schwarze Schafe in der Branche geben, die für harte Arbeit in ihrem Unternehmen NICHTS oder nur wenig bezahlen. Ich stehe schon bald vom Praxissemester und werde penibel schauen, was MIR angeboten wird. Dass ich dem Unternehmen eine Menge biete, davon bin ich überzeugt. Absolventen, die sich zu schlecht bezahlen lassen, sind meines Erachtens wirklich selbst schuld.
    "Ich arbeite den ganzen Tag für dich - bezahl mich gefälligst genug dafür." Es geht nicht um Traumjobs oder Lebenserfüllung (doch davon gehen die Personaler aus) - sondern um eine faire Entlohnung der Leistung.

    We make money - not art!

  • Sabine Hafner

    Sabine Hafner

    An dieser Stelle möchte ich kurz auf einen unserer früheren Artikel hinweisen: Praktikum –
    viel Arbeit für nichts? (http://www.boersenblatt.net/325714). Dort hat sich bei den Kommentaren zumindest die Geschäftsführerin einer Personalagentur für Verlage zu Wort gemeldet. Der Beitrag ist auch für die aktuelle Diskussion von Interesse, kann aber kein Ersatz für die ausbleibende Arbeitgeberbeteiligung sein.

  • Hanna Hartberger

    Hanna Hartberger

    @ Kunsthistoriker

    In einem Punkt muss ich entschieden widersprechen. Man kann doch eine Branche nicht damit entschuldigen, dass andere noch weniger zahlen. Es gibt schließlich auch umgekehrt Branchen, die mehr zahlen! Hier greife ich auch gerne das Argument der verpflichtenden Praktika auf: Viele technische (FH-)Studiengänge haben integrierte, verpflichtende Praxissemester, die die Studenten extern bei Firmen ableisten. Und diese werden angemessen bezahlt, weil die Firmen hier eine Chance sehen, sich frühzeitig gute Nachwuchskräfte sichern zu können.

  • Julia Minderlein

    Julia Minderlein

    Vielen Dank für diesen lange überfälligen Artikel!
    Als gelernte Buchhändlerin und anschließend studierte Buchwissenschaftlerin war es immer mein Traum, in der Buchbranche zu arbeiten.
    Jetzt bin ich sehr froh, dass ich -trotz der stark auf die Buchbranche begrenzten Ausbildungen- eine Anstellung außerhalb der Buchbranche bekommen habe.
    So schade es ist, aber wie die Branche mit Absolventen umgeht, ist echt der Wahnsinn! Schlechte Bezahlung, unfaire Stellenausschreibungen, keine Reaktionen auf Bewerbungen - die Liste ist noch lange nicht zu Ende.

    Ich wünsche allen Absolventen viel Erfolg, dass sie das Richtige finden. Und ich wünsche der Buchbranche, dass sie sich mal wirklich Gedanken über ihren Nachwuchs macht. Denn so kann es nicht weitergehen.

  • Karin

    Karin

    An Hanna Hartberger: Sie schreiben: "Viele technische (FH-) Studiengänge haben integrierte, verpflichtende Praxissemester, die die Studenten extern bei Firmen ableisten. Und diese werden angemessen bezahlt, weil die Firmen hier eine Chance sehen, sich frühzeitig gute Nachwuchskräfte sichern zu können." Und dann schauen Sie sich mal bitte die Anzahl der Studienabgänger im technischen Bereich und dann in den Geisteswissenschaften an. Angebot und Nachfrage ist Ihnen ein Begriff? Ich will damit sicher nicht Ausbeutung verteidigen. Aber wenn sich für diese unbezahlten Stellen genug Leute finden, warum sollte ein Arbeitgeber zahlen? Schauen Sie sich doch mal die Überschrift dieses Artikels an: "Bezahlung wäre nett" Das ist eine Formulierung, auf die man nur antworten kann : "Ja, ja, nette Formulierung, die Wirtschaft ist aber nicht "nett", sondern will Profit machen.

  • Hanna Hartberger

    Hanna Hartberger

    @Karin:

    Als Mitautorin dieses Artikels kann ich nur sagen, dass die Überschrift ironisch und keinesfalls wörtlich gemeint ist! Und natürlich ist mir Angebot und Nachfrage ein Begriff, aber m.E. differenzieren Unternehmen in der Flut der Geisteswissenschaftler zu wenig. Das haben wir auch mit dem vorletzten Abschnitt gemeint: Idealisten findet man als Unternehmen immer, diese vermitteln auch ohne Weiteres die Illusion einer besetzten Stelle. Aber wenn alle Stellen mit Idealisten besetzt wären, würde man noch weniger Gewinn machen, als man in der Branche sowieso schon macht, weil dann nämlich niemand mehr nach dem Gewinn des Unternehmens schauen würde. Es geht m.E. darum, dass Geisteswissenschaftler nicht pauschal über einen Kamm geschert werden - es gibt hier geeignetere und ungeeignetere und viele Unternehmen begnügen sich hier ziemlich schnell mit denen, die sich schlecht bezahlen lassen. Aber damit tun sie sich u.U. keinen Gefallen. Topkräfte bindet man nicht mit unbezahlten Praktika und schlechtbezahlten Volontariaten an sich. (Ich möchte damit keinesfalls implizieren, dass Idealisten schlechter qualifiziert wären als Bewerber mit rationalistischerer Einstellung. Was ich sagen möchte, ist: Es hätte bei anderer Entlohnung noch weitere Bewerber gegeben, die die Unternehmen von vorneherein ausgeschlossen haben. Die Auswahl verkleinern ist sinnvoll, aber das Kriterium "Wer lässt das mit sich machen?" langfristig absolut unökonomisch.)

  • H. Kraft

    H. Kraft

    Zur Feststellung: ,Bezahlung wäre nett` und ,Geisteswissenschaftler` :
    Dazu ist nach meiner Kenntnis zu sagen, dass es je nach Bundesland einen unterschiedlichen Tarifvertrag für den Beruf des Buchhändlers gibt. Dies beginnt bereits bei den Ausbildungsvergütungen.
    Ein Geisteswissenschaftler mit einem abgeschlossenen Studium wird in einer Buchhandlung (ich nehme mal jetzt eine kleinere Buchhandlung) nicht so glücklich werden, da er ja seine Fähigkeiten und Wünsche dort nicht einsetzen kann.
    Nicht nur in der Buchbranche, sondern in manchen anderen Berufssparten, ist ein großer Verdrängungswettbewerb festzustellen.
    Was läuft jetzt in der Buchbranche eigentlich schief oder anders? Zählt der Absolvent einer Fachklasse für Buchhändler einer Berufsschule? Oder gibt es jetzt mehr Geisteswissenschaftler in den Buchhandlungen?
    Wie ist die Ausbildung zum Buchhändler/Buchhändlerin in
    der Fachschule in Frankfurt/Seckbach zu werten?
    Im Sommer tritt das neue Berufsbild Buchhändler/Buchhändlerin in Kraft. Ich denke, dass dies doch ein guter Ansatz ist, um Praxisnähe in Verbindung mit dem Lernstoff zu vermitteln. Buchhandlungen, die ausbilden, sollten in diesen Prozess eingebunden werden. Da wird dann auch die Ausbildung etwas transparenter.
    Geisteswissenschaftler haben sicher auch eine Chance. Aber diese liegt nun mal nicht direkt im Buchhandel. Vorstellbar wäre, dass ein Geisteswissenschaftler (also ein Buchhändler/Buchhändlerin) mit diesem Studium die Fachabteilung Geisteswissenschaften in einer großen Buchhandlung leiten könnte.
    Jetzt kommt dann für dieses Wissen der nicht so hohe Verdienst. Da klafft dann die Schere zwischen Wissen und Gehalt etwas weit auseinander.
    Jetzt bleibt die Frage eines Volontariats in einem Verlag nach vorne offen.
    Gewiss, Fachkräfte werden auch im Buchhandel längerfristig gesucht werden. Doch es sollte bei vielen Diskussionen über die Ausbildung einmal klar werden, welche Prioritäten die Buchbranche da setzen will.
    Die ganzen Berufsbilder haben sich in ihren Anforderungen in den letzten Jahren verschoben. Es ist aber auch festzustellen, dass gerade im Buchhandel die Geschäftsschließungen im letzten Jahr zugenommen haben. Die Gründe dazu sind sehr verschieden. Wohin manche berufliche Wünsche letztendlich gehen, ist oft mit einem großen Durchhaltevermögen verbunden. Schnelle Lösungen gibt es da nicht. In der Zukunft müssen sicher manche Dinge anders behandelt werden. Manche Ausschüsse innerhalb der Landesverbände des Börsenvereins müssten da sich zusammensetzen. Nur sollten Probleme nicht zu einseitig gesehen werden. Auch bei diesen beruflichen Sachfragen und Besprechungen sollte auch Verständnis und Geduld
    in den Gremien vorhanden sein.
    Zuletzt müssten die Informationen und Chancen eines Buchwissenschaftlers/Buchwissenschaftlerin offener gestaltet werden. Wo sind mit diesem Abschluss die Einsatzgebiete?
    H. Kraft, München

  • Irene

    Irene

    Interessant finde ich ja auch immer, wenn die Medien oder Interessenvertreter, die die Praktikantenausbeute anprangern selbst kein Deut besser sind.

    Beispiel Börsenverein: Wer im Landesverband Berlin ein Volo machen will, muss die ersten drei Monate unbezahlt arbeiten und bekommt dann 800 Euro.

  • Karin

    Karin

    An Frau Hartberger:
    Sie schreiben es doch selbst: "Und natürlich ist mir Angebot und Nachfrage ein Begriff, aber m.E. differenzieren Unternehmen in der Flut der Geisteswissenschaftler zu wenig." Es ist ein Faktum, dass es eine Flut von Geisteswissenschaftlern (und vor allem Geisteswissenschaftlerinnen) gibt, die ins Lektorat der Verlage wollen. Und glauben Sie mir, ich habe Universitätsabsolventinnen erlebt, die NICHT den Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn kannten, ebenso Lektorinnen mit geisteswissenschaftlichem Abschluß, die nicht wissen, was mit dem Ausschießen des Druckbogens in der Druckerei gemeint ist. Im Artikel steht: " ...verfügen ergo über analytisches Denken, kritische Reflexionsfähigkeit, konzeptionelle Herangehensweisen, gutes Allgemeinwissen, selbstständige Arbeitsweise, jede Menge Soft Skills..." sorry, DAS für alle Uniabsolventen zu behaupten, entbehrt jeder Grundlage. Und die, auf die es zutrifft (kritische Reflexionsfähigkeit!!), würden niemals ohne Bezahlung arbeiten. Nochmal, damit ich nicht falsch verstanden werde: Selbstverständlich ist Ausbeutung niemals gutzuheissen. Aber wir reden hier nicht von Kinderarbeit in bolivianischen Zinkminen, sondern von gebildeten Menschen, die sich darüber klar sein müssen, dass ihre Berufwahl auch eine finanzielle Komponente hat.

  • Hanna Hartberger

    Hanna Hartberger

    @Karin:

    Ich werde das Gefühl nicht los, dass wir aneinander vorbei reden. Natürlich gibt eine Flut an Geisteswissenschaftlern und natürlich sind viele von ihnen mit einem praktischne Berufsleben (erstmal) überfordert, da ihnen das wirtschaftliche Denken fehlt. Hier wäre insbesondere die selbstständige Arbeitsweise von Geisteswissenschaftlern gefragt, um sich bestimmte Kenntnisse anzueignen - dass dies viele nicht tun und sich beim Wechsel vom Studium ins Berufsleben dementsprechend schwer tun, lässt sich (leider) nicht abstreiten. Aber umgekehrt tun sich auch Unternehmen keinen Gefallen, genau diese Geisteswissenschaftler einzustellen.

    Ich will den Schwarzen Peter auf keinen Fall nur den Unternehmen zuschieben, die Bewerber sind sicher oft genauso "schuld". Was man den Unternehmen allerdings vorhalten kann, ist, dass sie - im Gegensatz zu den Absolventen - schon einige Jahre Berufserfahrung haben und auf die Situation entsprechend gereifter reagieren müssten.

  • Karin

    Karin

    An Frau Hartberger:
    Wir reden eigentlich nicht aneinander vorbei, wir ziehen nur unterschiedliche Schlüsse aus den Gegebenheiten. Es ist ein Faktum, dass der Arbeitsmarkt (in diesem Fall die Buchbranche) eine bestimmte Anzahl an Mitarbeitern braucht und sucht. Wenn diesem Angebot an Arbeitsplätzen die mehrfache Anzahl an Arbeitssuchenden gegenübersteht, bekommen nur die allerbesten einen gutbezahlten Job, der Rest "wurschtelt" sich durch.

    Ich zitiere Sie: "Natürlich gibt eine Flut an Geisteswissenschaftlern und natürlich sind viele von ihnen mit einem praktischen Berufsleben (erstmal) überfordert, da ihnen das wirtschaftliche Denken fehlt." Warum sollte ein Verlag so einem Arbeitnehmer, der mit dem praktischen Berufsleben überfordert ist, ein hohes Gehalt zahlen? Der Verlag MUSS nämlich wirtschaftlich denken, sonst gibt es ihn ganz schnell nicht mehr.

    Mag sein, dass ich desillusionierend wirke... Aber zu glauben, nur weil jemand ein geisteswissenschaftliches Studium abgeschlossen hat, ist er oder sie eine qualifizierte Arbeitskraft und automatisch ein Gewinn für jede Firma, ist ein großer Irrtum.

  • Hanna Hartberger

    Hanna Hartberger

    @Karin:

    Ich zitiere Sie jetzt auchmal: "... bekommen nur die allerbesten einen gutbezahlten Job ..." Kriegen Sie den in der Buchbranche wirklich? Ich will gar nicht abstreiten, dass viele Geisteswissenschaftler kein Gewinn für eine Firma sind, aber der Eindruck, den wir (die Verfasser des Artikels) haben, ist der, dass es auch für die gut qualifizierten Geisteswissenschaftler nur im Ausnahme-/Glücksfall eine gutbezahlte Arbeitsstelle gibt.

  • Hanna Hartberger

    Hanna Hartberger

    Entschuldigung, das zweite "Sie" gehört natürlich klein *vermisst eine Korrektur- oder Löschfunktion*

  • Leser

    Leser

    entdecken die gut qualifizierten Geisteswissenschaftler mit ihrer kritischen Reflexionsfähigkeit erst nach Abschluss ihrer Ausbildung, dass sie sich da für eine Branche haben ausbilden lassen, in der sich fast keiner goldene Nasen verdient?
    Dass die Bilanzen von Buchverlagen ganz anders aussehen als die von IT-Firmen, Banken oder Pharmakonzernen?
    Dann sollten Sie auf die ausbildenden Universitäten und Hochschulen schimpfen, die ihnen das nicht früher verraten haben und nicht auf die goldnasenfreie Realität!

  • Hanna Hartberger

    Hanna Hartberger

    @Leser:

    Es geht nicht darum, sich eine goldene Nase zu verdienen, sondern darum, vom Gehalt überhaupt leben zu können. Mit 500€ im Monat kommt man einfach nicht weit.

  • Cornelia Weileder

    Cornelia Weileder

    Wenn man von der Sicht eines wirtschaftlichen Unternehmens aus geht, dann ist die breite Masse der Geisteswissenschaftler tatsächlich nicht für das Verlagswesen/Lektorat ausgebildet, allein schon deshalb, weil die Masse nie die Fähigkeiten mitbringt, die verlangt werden. Aus der Sicht eines einzelnen Geisteswissenschaftlers und im Gespräch mit vielen anderen "geisteswissenschaftlichen Individuen" wird das Wissen, das wir haben, unterbezahlt bzw. gar nicht bezahlt. Und wie soll man sich denn aktiv, kreativ und lernfreudig in ein Unternehmen einfügen, wenn die Gedanken nur darum kreisen, wie man mit den letzten 10,- Euro noch über die letzten 7 Tage des Monats kommt. Deshalb pflichte ich Hanna nur bei, wenn es heißt: Wir wollen nur davon leben können.

  • Karin

    Karin

    An Frau Hartberger

    Dass man mit 500.- im Monat einfach nicht weit kommt, stimmt. Trotzdem kann jemand damit überzahlt sein, wenn er oder sie "mit einem praktischen Berufsleben (erstmal) überfordert ist, da ihnen das wirtschaftliche Denken fehlt", wie Sie selbst es auf den Punkt gebracht haben.
    Sie wollen (oder können) einfach nicht verstehen, dass es auf dem Arbeitsmarkt für bestimmte Fähigkeiten einen Marktwert gibt.
    Praktisches Beispiel: Ein großer Kinderbuchverlag hat zwei Positionen zu besetzen: 1. Programmierung und Betreuung der Website, sowie die Adaption von Print-Bilderbüchern als App für das iPad. 2. Lektorat Jugendbuch.
    Was glauben Sie, wieviele Bewerbungen für welche Position eintreffen? Und was glauben Sie, wer das höhere (viel höhere!) Gehalt bekommt?

  • Karin

    Karin

    An Frau Welleder:

    Das Wissen, das Sie haben, hat erst dann einen Wert, wenn es in einem Unternehmen verwertet werden kann. Hört sich banal an, ist es aber nicht. Denn Sie können noch so klug sein, noch so viel Wissen haben und mit summa cum laude promovieren, wirtschaftlich wird es erst dann interessant, wenn Sie ein Unternehmen finden, das mit Ihrem Wissen etwas anfangen kann. Oder Sie machen sich selbstständig. Dann werden Sie blitzschnell merken, welchen Wert Ihr Wissen hat.

  • Sebastian Sabors

    Sebastian Sabors

    Wird dieses Thema dieses Jahr im viel beschworenen und hochgelobten Nachwuchs"parlament" der Buchtage diskutiert? Sicher nicht. Das würde z. B. dem Verlegerausschuss sicher nicht gefallen! Wir haben keine Lobby. Oder sagt die Nachwuchssprecherin was dazu?

  • Cornelia Weileder

    Cornelia Weileder

    An Karin:

    Dass nicht jedes Wissen Geld wert ist, ist mir klar. Der Punkt war: Wie soll man sich mit sämtlichen Fähigkeiten, die man hat - auch wirtschaftlichen - in ein Unternehmen einbringen, wenn das Unternehmen nicht einmal genügend zahlt, damit man davon leben kann?

    Und der eigentliche Punkt des Artikels ist, ob es für einen Verlag sinnvoll ist, nur den Nachwuchs in Betracht zu ziehen, der sich für ein unbezahltes Praktikum hergibt. Wie viel kreatives Potenzial (kreativ in jedem Sinne, auch im wirtschaftlichen) geht ihnen dadurch verloren?

  • Hanna Hartberger

    Hanna Hartberger

    Ich kann mich Cornelia Weileders Worten nur anschließen und möchte betonen, dass es hierbei auch und vor allem um die gut qualifzierten Geisteswissenschaftler geht. Wichtig fände ich auch die Beantwortung von Sebastian Sabors' Fragen in Kommentar Nr. 66.

  • Koobe

    Koobe

    @Volontär: Dann sollen die Unternehmen also dorthin ziehen, wo Sie wohnen? Ich wohne auch nicht zufällig in München, sondern bin hierher gezogen, weil hier die Branche tickt.
    In meinem Fall war es außerdem sicher nicht nur Glück:
    Ich habe mich schon während meines Studiums gefragt, mit welchen Qualifikationen ich nachher bei den Verlagen Punkten kann.

    @Fr. Hartberger: >>"... bekommen nur die allerbesten einen gutbezahlten Job ..." Kriegen Sie den in der Buchbranche wirklich? <<

    Dazu nochmal mein Kommentar: Zwei Mitabsolventinnen sind in Fachverlagen mit 40.000 € Jahresgehalt eingestiegen, mein eigenes Einstiegsgehalt lag sogar noch etwas darüber (in einem Publikumsverlag).
    Weitere Mitstudentinnen meines Jahrgangs sind in München in verantwortlichen Positionen in Agenturen, als Assistenz der Geschäftsführung etc. eingestiegen - die wenigsten mit weniger als 30.000 € Einstiegsgehalt.

    Was ich damit sagen will: Das geht, und ist auch nicht unbedingt die Ausnahme.

    Aber eins muss ich zugeben: Ich persönlich musste beim Jobeinstieg aber lange überlegen, ob ich wirklich in die Buchbranche will - denn mit entsprechenden Qualifikationen bieten andere Medienhäuser oder Online-Firmen mindestens ebenso gute Stellen mit mehr Gestaltungs- und Aufstiegsmöglichkeiten. Letztlich habe ich das dann aber auch in der Buchbranche gefunden.

  • Karl-Michael

    Karl-Michael

    Ich studiere derzeit die Fächer Mathematik/Physik (nicht vertieft) und habe somit auch nichts mit der Buchbranche zu tun. Trotzdem will ich zu diesem Thema kurz meine Meinung äußern:
    Karin hat erläutert, dass das Wissen eines Geisteswissenschaftlers nicht automatisch ökonomisch wertvoll ist, sondern dass das nötige Wissen erst angeeignet werden muss. Da stimme ich Ihnen ohne weiteres zu. Allerdings frage ich mich, welches Wissen Mathematiker mit in einen Betrieb nehmen, dass Einstiegsgehälter von ca. 45000€ gerechtfertigten? Uns wird zwar logisches Denken nachgesagt, trotzdem müssen wir uns erst in den beruflichen Bereich einarbeiten. In einen Mathematiker muss also auch erstmal kräftig investiert werden, bevor er ökonomisch effektiv arbeitet.
    Die Naturwissenschaftler haben lediglich den Vorteil, wie auch Karin schon erläutert hat, der sich durch die Marktwirtschaft ergibt. Die Anzahl an potenten Arbeitern liegt unterhalb der benötigten. Das treibt den Preis nach oben.
    Trotzdem denke ich, ist es für einen Verlag sinnvoll, für einen guten Bewerber mehr Geld auszugeben. Zwar muss er dadurch zu Beginn mehr investieren, kann dann aber in naher Zukunft die „dickeren Früchte ernten“. Das weiß auch jeder Verlag.
    Somit liegt es auch an den Bewerbern nicht jedes unter-bezahlte Angebot anzunehmen. Das würde das allgemeine Preisniveau für gute Neueinsteiger anheben. Denn gute Mitarbeiter sind immer gesucht!

  • Sebastian Sabors

    Sebastian Sabors

    @Hanna: Wollt ihr den Link vielleicht nochmal explizit an Katharina Scholz, Frau Schmidt-Friderichs vom Ausschuss für Berufsbildung, Frau Kolb-Klausch und/oder die Referentin Patricia Fritzsche mailen? Vielleicht müssten wir da nochmal aktiv nach vorn gehen, statt zu hoffen, dass sie diese Diskussion hier lesen?! LG

  • Katharina Scholz

    Katharina Scholz

    Liebes Marginalglossenteam,

    vielen Dank für eure klaren und deutlichen Worte. ch denke da gibt es nichts misszuverstehen und sicherlich seht ihr an den zahlreichen Kommentaren die Resonanz eurer Worte. Trotzdem habe ich folgendes Problem (richtet sich auch an Sebastian):
    Ich habe in München gemeinsam mit den Bücherfrauen eine Veranstaltung organisiert, die sich mit der Nachwuchssituation in der Buchbranche (Bezahlung, Förderung, Weiterbildung) beschäftigt hat und thematisch analog zur Veranstaltung am Karrieretag in Leipzig am 18.3. um 17.00 Uhr (siehe Frauke Ehlers comment) ausgelegt war. Die Einladung wurde über Facebook, Börsenblatt, Buchmarkt, Buchreport, LMU, Junge Verlagsmenschen, Bücherfrauen, CLAUS (Börsenverein) und meinen Nachwuchsnewsletter gestreut. Wir hatten Platz für 30 Zuhörer und gekommen sind 10! Leute. Nur 10 Leute haben sich dafür interessiert, was die Verteter aus Buchhandel und Verlagen zu sagen hatten. Was bitte soll ich davon halten und wie soll man das bewerten?
    Ich versuche immer wieder ein Podium zu schaffen, damit sich möglichst Viele einbringen. Wenn diese Möglichkeit dann aber nicht genutzt wird, bin ich irgendwann am Ende mit dem Latein.
    Wie bereits in der Glosse gesagt, letztendlich ist jeder gefragt und muss sich an die eigene Nase fassen und die Angebote auszuschlagen, die nicht annehmbar sind (oder zu einer Podiumsdiskussion zu gehen und dort mal nachzufragen und seine Meinung zu vertreten)!!!!
    Das können auch Frau Schmidt-Friederich, Frau Kolb und ich nicht ändern.
    Zur Info an dieser Stelle: Es gibt erstmalig einen Termin auf der Buchmesse mit der Nachwuchssprecherin und Herrn Skipis. Euer Meinungsbild nehme ich mit und sehr gerne weitere Vorschläge zur Zusammenarbeit (katharina_scholz@mx.de) - ich würde mich über Vorschläge freuen.

    Viele Grüße
    Katharina

  • Katharina

    Katharina

    Zum Glück habe ich den Kommentar 66 von Sebastian erst jetzt gelesen! Und ich kann wieder sagen, das ist echt mal wieder richtig daneben!!! Du hast meine Mailadresse und bekommst meinen Newsletter und wenn du meine Meinung hören möchtest dann komm zu einer meiner Veranstaltungen oder schreib mir! Bisher hast du dich noch nicht getraut, aber postest hier fleissig Vorwürfe!

    PS: Es gibt ein Nachwuchsparlament und wenn du dort etwas diskutieren willst lieber Sebastian. Dann bewirb dich, komm hin und tritt endlich mal ans Mikro.

  • Sebastian Sabors

    Sebastian Sabors

    Hallo Katharina,
    so einen Ausbruch an Ärger wollte ich nicht auslösen und ich wollte Dir persönlich auch keine Vorwürfe machen. Ich poste auch nicht "fleißig Vorwürfe" - ich habe mich lediglich zweimal kurz zu Wort gemeldet. Okay, nun ganz sachlich:
    Erstmal war ich froh und dankbar, die Chance zu bekommen, 2009 am Nachwuchsparlament teilzunehmen, das kam in meinem damaligen Artikel in der Marginalglosse auch rüber, denke ich. Allerdings war ich enttäuscht von der Form der Zusammenkunft. Es war doch mehr eine Podiumsdiskussion als ein Parlament, es wurde auch nichts demokratisch abgestimmt, vor allem nicht das, was dann von Dir auf der Hauptversammlung gesagt wurde. Sicher, man konnte sich einbringen und Du hast recht, das hätte ich damals tun sollen. Ich habe den Zeitpunkt verpasst, aufzustehen und das Thema, was hier nun diskutiert wird und mir damals schon am Herzen lag, zur Sprache zu bringen. Ich frage einfach mal ehrlich: Bist Du mit dieser Veranstaltung 100 % zufrieden? Wäre es nicht besser, die einzelnen Gruppen innerhalb des Nachwuchses, Azubis (Sortiment, spezielle Sortimente, ZwiBu, Verlag, was auch immer), Studis und Young Professionals würden sich erst untereinander abstimmen, was ihre Gruppe für wichtig erachtet und diese Themen dann in ein Veranstaltung einbringen, die Raum für die ganz unterschiedlichen Probleme bietet? In den Beiträgen 2009 kam bspw. das Thema Berufsschullehrpläne auf - da kann ich nichts zu sagen, wenn mich das Thema auch generell interessiert. Einem Azubi wird es bzgl. des oben diskutierten Themas ähnlich gehen. Nach der Vorstellung der Ergebnisse jeder Gruppe könnte dann abgestimmt werden, welche Themen kurz zusammengefasst in der Hauptversammlung präsentiert werden sollen. Sonst spiegelt deine Ansprache doch nicht die wirklichen Sorgen und Meinungen der Leute wider und kommt somit über Allgemeinheiten nicht hinaus. Statt nach der Podiumsdiskussion Exkursionen und am nächsten Tag Workshops anzubieten - so interessant das auch ist - wäre es meines Erachtens wichtiger, länger zu diskutieren und fassbare Ergebnisse zu erarbeiten. Das ist meine Meinung und der Grund, warum ich "Parlament" geschrieben habe finde, dass es als etwas dargestellt wird, das es nicht ist. Und 2010, hörte ich, war das Konzept ja noch das gleiche wie 2009.
    Gut, nun zum zweiten Punkt: Tatsächlich, und dafür muss ich mich entschuldigen, wusste ich nichts von deiner Veranstaltung, auch wenn ich die Branchenmedien lese - ich habe sie vielleicht schlichtweg übersehen. Und es ist schade, dass so wenig Leute gekommen sind. Ich verstehe deine Wut, sind die JVM hier in Franken doch aus demselben Grund gescheitert. Es ist frustrierend, wenn man etwas organisiert und keiner kommt. Bei einer deutschlandweiten Vernetzung, wie es bei Dir der Fall ist, kommt natürlich erschwerend hinzu, dass nicht jeder Mal locker einen Abend nach München kommen kann. Auch wenn Erlangen nicht gar so weit weg ist, das überlege ich mir doch zweimal - so geht es sicher vielen.
    Vielleicht sollten wir uns einfach mal kennenlernen, wir haben sicher beide ein falsches Bild voneinander. Zu den Buchtagen kann ich nicht kommen, da in dieser Zeit meine Magisterprüfungen liegen. Ich würde gern mal mit Dir diskutieren und lade dich herzlich ein, mal nach Erlangen zu kommen - ich zeige Dir auch gern Nürnberg. Du hast ja meine E-Mail-Adresse, mail mir doch mal. Oder ich komme bei der nächsten Veranstaltung nach München. Ich würde auch gern hören, was Herr Skipis und Du besprochen haben.
    Also, dann sende ich, trotz Meinungsverschiedenheiten, versöhnliche Grüße!
    Sebastian

  • Hanna Hartberger

    Hanna Hartberger

    Ich gehe mit Sebastians sachlicher und konstruktiver Kritik in allen Punkten konform - Näheres habe ich dir, Katharina, per Mail geschrieben, da es hier ja vor allem um die Bezahlung von Nachwuchskräften geht.

    Ich bin froh, dass du bei diesem Thema auf unserer Seite stehst. Kannst du denn branchenpolitisch etwas dazu sagen? Ist das bereits ein Thema oder wird das noch komplett dazu ausgeklammert? Wie ist die "gängige" Meinung des Börsenvereins und der Arbeitgeber dazu?

  • Alexandra Jäger

    Alexandra Jäger

    Ihr sprecht mir aus der Seele. Hier wurde mehrmals erwähnt, dass es möglich ist in eine andere Branche zu wechseln - zu welchen anderen Branchen kann als man denn wechseln, wenn man Germanistik oder Buchwissenschaft studiert?

  • Julia Minderlein

    Julia Minderlein

    @Alexandra: Es ist verdammt schwer, aber nach sehr vielen Bewerbungen ist es mir gelungen.
    Ich drück' Dir die Daumen - denn es gibt auch außerhalb der Buchbranche Leute, die Wert auf gute Sprache, branchen- und disziplinübergreifendes Denken legen.

  • Karin Schmidt-Friderichs

    Karin Schmidt-Friderichs

    Liebe Praktikant/innen und Volontäre,
    "irgendwas mit Medien" ist der häufigst genannte Berufswunsch einer Generation. An den Hochschulen platzen die Hörsäle geistes- und buchwissenschaftlicher Studiengänge aus allen Nähten, während die Pharmaindustrie und andere Naturwissenschaften alles daran setzen, für Sie attraktiv zu werden. Dort werden Einstiegsgehälter gezahlt, die wir in der Buchbranche auch im Verlauf der Karriere nicht immer erreichen. Haben wir uns also falsch entschieden? Meines Erachtens nicht. Entweder wir richten an die Studiengänge die klare Forderung "bildet so und nur so viele aus, dass Absolventen den Unternehmen bessere Einstiegskonditionen wert sind" und verlieren damit einen großen Teil des Reizes des Studiums. Oder wir sehen Praktikum und Volontariat als Bestandteil dieses Studiums.
    Als Verlage sollten wir dennoch alle darüber nachdenken, ob unsere Bücher - und unser Nachwuchs! - nicht mehr wert sind. Denn mit zu günstigen Buchpreisen schaffen wir das Problem, dass @Julia Minderlein uns vor Augen führt: Für guten Nachwuchs gibt es dann in anderen Branchen mehr Gehalt - und weg ist unser High Potential!

  • Leser

    Leser

    Wie wäre es denn, wenn man mal Roß und Reiter nennt?
    Werden denn in allen - insbesondere den Müchner - Verlagen Volontäre zu Konditionen wie in indischen Steinbrüchen beschäftigt? Ist das die Realität der Häuser GU, Kosmos, BLV, Hanser, Suhrkamp, Rowohlt und all der anderen?

  • Emily

    Emily

    Für Autoren/Autorinnen übersteigen die Unkosten für die jeweiligen Recherchen oft bereits den Verlagsvorschuss um ein Vielfaches. Ohne eine ansehnliche backlist kann ein Autor/eine Autorin in Deutschland noch nicht einmal ansatzweise von seiner oder ihrer Arbeit leben.
    Der Satz (Zitat) "Es ist fraglich, ob eine Branche jemals höhere Gewinnmargen einbringen kann, wenn ihr Nachwuchs genauso idealistisch wie die letzten 50 Jahre ans Geschäft herangeht" ist insofern geradezu der blanke Hohn. Ohne Idealismus aufseiten - insbesondere - der jungen AutorInnen könnte sich die Buchbranche vom Markt verabschieden!
    Es gibt unter AutorInnen ein geflügeltes Wort: "Du schreibst Bücher? Ach? Hast Du geerbt oder reich geheiratet?"
    Das PraktikantInnen-Elend sollte man von daher meines Erachtens nicht als isoliertes Phänomen betrachten: Kultur- und Geistesarbeit wird in kaum einer Branche noch einigermaßen angemessen bezahlt.
    Und um nicht missverstanden zu werden: Ich habe eine studierende Tochter (Medienwissenschaften) und kenne das PraktikantInnen-Ausbeutungselend aus nächster Nähe. Ich bin also absolut solidarisch!

  • Heinz

    Heinz

    @ Karin Schmidt-Friderichs

    Als Verlage sollten wir dennoch alle darüber nachdenken, ob unsere Bücher - und unser Nachwuchs! - nicht mehr wert sind. Denn mit zu günstigen Buchpreisen schaffen wir das Problem, dass @Julia Minderlein uns vor Augen führt: Für guten Nachwuchs gibt es dann in anderen Branchen mehr Gehalt - und weg ist unser High Potential!
    ------------------------
    Die Annahme, mehr Attraktivität durch mehr Gehalt für die Buchbranche über höhere Buchpreise generieren zu wollen zeugt von einer Fehleinschätzung des Marktes. Gerade die hohen Preise z.B. für Hardcover Titel lassen in einer Zeit des sparens immer mehr Konsumenten vom Kauf zurückschrecken. Eine solche Rechnung wird auf dem deutschen Markt nicht aufgehen.

  • Karin

    Karin

    Ich kann Heinz nur beipflichten. Die Idee, die Buchpreise zu erhöhen, um die Flut an Geisteswissenschaftlerinnen in Jobs unterzubringen, bzw. deren Gehälter zu erhöhen, ist geradezu grotesk.

    Wenn sich junge Leute, die laut Eigendefinition "über analytisches Denken, kritische Reflexionsfähigkeit, konzeptionelle Herangehensweisen, gutes Allgemeinwissen, selbstständige Arbeitsweise, jede Menge Soft Skills verfügen" für völlig überlaufene Studiengänge entscheiden, kann doch nicht die Lösung sein, die Preise des Produkts zu erhöhen! Sondern es gehört hinterfragt, wie es zu dieser Entscheidung kommt?

  • Christina Müller

    Christina Müller

    Ich finde es sehr gut und wichtig, dass dieses Thema endlich diskutiert wird, wenngleich der Ausgangsartikel teilweise einseitig klingt. Prinzipiell finde ich unbezahlte kürzere Praktika während des Studiums nicht so schlimm, da die gesammelte Erfahrung dem Praktikanten oft mehr bringt als seine noch ungeübte Arbeitskraft dem Arbeitgeber. Aber das gilt noch lange nicht für halbjährige (oder noch längere) Praktika, die eigentlich schon Kurzvolontariate sind, aber beileibe nicht so bezahlt werden. Volontariate an sich sind ebenfalls prinzipiell eine gute Sache, denn Studiengänge wie Germanistik bereiten einfach überhaupt kein bisschen auf den Beruf im Verlag vor (nur bei Lektoratsstellen mag das etwas anders sein), selbst Buchwissenschaften scheinen dafür je nach Schwerpunkt kein Garant zu sein. Daher wäre ein Direkteinstieg in den festen Job wohl schwierig - ein Volontär müsste aber einen Arbeitnehmerstatus bekommen, der mindestens dem des Azubis entspricht, dafür gibt es bisher meines Wissens keine verbindliche Regelung.

    Dabei stellt sich aber eben auch die Frage, warum denn so viele Absolventen (meist sind es eben keine Studenten mehr) noch Praktikumsstellen annehmen und sich so unter Wert verkaufen? Die Flut an Geisteswissenschaftlern ohne finanzielles Selbstbewusstsein, aber mit geduldigen Eltern, macht es den Verlagen eben wirklich leicht, ausbeuterisch zu sein. (Um mal die Frage nach Ross und Reiter anzusprechen: der marebuchverlag hat 2006 500,- EUR brutto für ein einjähriges Volontariat geboten (in Hamburg reicht das nicht mal für die Miete), bei Suhrkamp gab es 2005 das gleiche Geld für ein halbjähriges Praktikum.) Natürlich gilt das nicht nur für Verlage, sondern auch für andere in der Kulturbranche, z.B. Museen oder Agenturen. Zur Frage der Redaktion, was man tun könnte: wie wäre es denn, mal eine kritische Befragung von Arbeitgebern für einen ernsthaft kritischen Artikel in Gang zu setzen? Der letzte Artikel über Volontariate im Börsenblatt war leider eher romantisierend.

    Auch nach dem Volontariat wird die Stellensuche im Verlagswesen übrigens leider nicht leichter, da die meisten Stellen gar nicht ausgeschrieben, sondern durch Beziehungen vergeben werden. Insofern ist es leider nicht so, dass, wie oben jemand schrieb, die Besten auch die guten Stellen bekommen, sondern eben doch meist diejenigen, die die richtigen Leute kennen.

  • Lisa Maier

    Lisa Maier

    Also ich kann nicht wirklich verstehen, warum Absolventen aus den Geisteswissenschaften wie Absolventen zweiter Klasse behandelt werden: Kaum ein Universitätsabschluss, mit ein paar Ausnahmen wie Medizin, vielleicht Pharmazie ... bereiten direkt und konkret auf eine spätere Tätigkeit vor, BWL und andere doch auch nicht. Eine Bekannte von mir, Mathematikerin, hatte Null Ahnung von dem Programmierprogramm, mit dem Sie in ihrer Stelle zu arbeiten hatte und wurde eben eingelernt, so einfach war das. Bei bester Bezahlung. Nur den Geisteswissenschaftlern wird erfolgreich suggeriert, Ihr könnt ja noch nichts, Ihr müsst erst mal von Grund auf lernen, auch wie man Briefe schreibt und andere einfache Tätigkeiten...

    Ich finde es ein bißchen arrogant, ständig von einer "Flut von Geisteswissenschaftlern" zu sprechen. Wie eine Epidemie oder unerwünschte Einwanderer...Meiner Ansicht nach werden Generalisten in der Wirtschaft durchaus gebraucht und zwar durchaus in Mengen.

  • Lisa Maier

    Lisa Maier

    Teil 2:

    Es ist dringend notwendig, einen Mindestlohn für Praktikanten und Volontäre gesetzlich zu verankern, damit das mal ein Ende hat. Ich kenne einen Münchener Verlag, der zu exakt einer Hälfte aus unbezahlten Praktikanten und sehr schlecht bezahlten Volontären besteht.
    In vielen Verlagen wird so getan, als ob es bei der Buchproduktion um eine große und gute Sache ginge und an der darf man gnädigerweise teilnehmen, aber nur wenn man alles gibt und nichts fordert. Und viele Verlage tun auch permanent so, als ginge es jetzt und wirklich jetzt gerade um das Überleben, nur dass dieses permanent suggeriert wird und oft schlichtweg nicht wahr ist: Vorne rackern die gutgläubigen Praktikanten und Mitarbeiter um ihr berufliches Überleben oder glauben an ein Fortkommen, die Verlagsgruppe und ihr Inhaber indes verdienen ein Vermögen. Natürlich geht auch mal ein Verlag Pleite, wie das bei jedem Unternehmen möglich ist, nur Verlage tun die ganze Zeit so als ob, um ihre Mitarbeiter ständig unter großen Leistungsdruck zu setzen.

  • Bücher-Millionär

    Bücher-Millionär

    @ Lisa Maier:
    Sie schreiben: "die Verlagsgruppe und ihr Inhaber indes verdienen ein Vermögen."
    Sie Ahnungslose haben aber nicht unbedingt Volkswirtschaft studiert, mmmh? Nur ein Tipp: Schauen Sie sich mal die Struktur von Verlagen an: 80% sind Kleinst- und Kleinunternehmen, die sich selbst ausbeuten.
    Auch schön, folgender Satz von Ihnen: "Kaum ein Universitätsabschluss, mit ein paar Ausnahmen wie Medizin, vielleicht Pharmazie ... bereiten direkt und konkret auf eine spätere Tätigkeit vor." Doch, doch, alle technische Berufe bereiten sogar sehr konkret vor, im Gegensatz zu den Geisteswissenschaften. Und jeder Verlag muss dem Programmierer der Homepage viel mehr Geld zahlen als der Texterin derselben... und warum? Weil es circa 20mal soviele Texterin (Lektorinnen, etc. ergo Geisteswissenschaftlerinnen) gibt wie Programmierer. Aber träumen Sie nur weiter von "ein Vermögen" verdienenden Verlagsinhabern.

  • Der liebe Onkel Bernd

    Der liebe Onkel Bernd

    @ Bücher-Millionär

    "die Verlagsgruppe und ihr Inhaber indes verdienen ein Vermögen. Sie Ahnungslose haben aber nicht unbedingt Volkswirtschaft studiert, mmmh? Nur ein Tipp: Schauen Sie sich mal die Struktur von Verlagen an: 80% sind Kleinst- und Kleinunternehmen, die sich selbst ausbeuten."
    -----------------------
    Nun ja, das ist eine sehr standardisierte Sichtweise. Es ist ganz klar: Wer sich als Unternehmer (auch als Klein- und Kleinstunternehmer) krumm arbeitet und am Ende des Monats nichts oder nur wenig verdient hat, macht etwas falsch! und wenn das über Jahre passiert, dann sollte man sich die Frage stellen, ob man als Unternehmer geeignet ist oder nicht lieber wieder als Angestellter arbeiten sollte. Und jetzt bitte nicht wieder die Ausrede "die großen" oder der "Markt" ist Schuld.

  • Bücher-Millionär

    Bücher-Millionär

    @ Bücher-Millionär
    Schön, dass der liebe Onkel Bernd genau weiß, dass Kleinunternehmer, die wenig verdienen, etwas falsch machen! Leider verrät der Onkel nicht, wie´s richtig geht. Ist aber sowieso egal, weil diese Unternehmer nicht jammern. Jammern tun die Geisteswissenschaftler, deren Marktwert (auch) von der Anzahl der Arbeitssuchenden abhängt und denen so ein Kleinverlag nicht mehr zahlen kann.

  • Der liebe Onkel Bernd

    Der liebe Onkel Bernd

    @ Bücher-Millionär

    "Schön, dass der liebe Onkel Bernd genau weiß, dass Kleinunternehmer, die wenig verdienen, etwas falsch machen! Leider verrät der Onkel nicht, wie´s richtig geht."
    ------------------------
    Wenn ich einem Unternehmer noch verraten muß, "wie es richtig geht", ist der Unternehmer erst recht nicht zum Unternehmertum geignet! der Unternehmer muß(!) wissen wie es geht, sonst wird er scheitern. Oder möchten Sie sich z.B. von einem Chirurgen operieren der nicht weiß wie es geht? Ich für meinen Teil nicht!

  • Kunsthistoriker

    Kunsthistoriker

    Das Problem der Verleger ähnelt dem Problem der Geisteswissenschaftler: Es gibt zu viele, da die Tätigkeit als solche (wie bei den Geisteswissenschaftlern das Studium) zu attraktiv ist. Dadurch nähert sich der Durchschnittsgewinn einer schwarzen Null an. Oberhalb dieses Durchschnitts gibt es vom Programmzauberer über den Marketingprofi und den knochenharten Kaufmann bis zum klassischen Ausbeuter alles. Darunter auch. Hier reicht das Spektrum vom vermögenden Sponsor und Liebhaber ("Wie mache ich mit guten Büchern ein kleines Vermögen? Ich nehme ein großes und gründe einen Verlag.") über den erfolglosen Manager im querfinanzierten Konzern bis hin zum kleinen Selbstausbeuter und schlimmstenfalls Zerstörer der eigenen wirtschaftlichen Existenz.

    Zumindest bei Kapitalgesellschaften (GmbHs und AGs) kann jeder, der Bilanzen lesen kann - und das sollten auch Geisteswissenschaftler in diesem Geschäft schnellstmöglich lernen - sich unter http://www.ebundesanzeiger.de ein Bild davon machen, ob der Verlag, von dem er sich ausgebeutet fühlt, Gewinne oder Verluste macht. Bei den beiden von Christina Müller angesprochenen Häusern dürfte auch noch das knapp bemessene Volontärsgehalt letztlich aus der Privatschatulle der Verleger stammen. Ist das jetzt Kultursponsoring oder Ausbeutung?

  • Silke Meyer

    Silke Meyer

    An den Herrn, der folgenden Satz geschrieben hat:
    "Es ist ganz klar: Wer sich als Unternehmer (auch als Klein- und Kleinstunternehmer) krumm arbeitet und am Ende des Monats nichts oder nur wenig verdient hat, macht etwas falsch!"

    Genau, die machen etwas falsch und sind selber schuld an ihrem Scheitern... z.B. die Buchhändlerin, die endgültig den Laden schliessen muss, weil sie von einer großen Kette an die Wand gedrückt wird. Der hochgebildete "freie" Lektor, der als Einpersonen-Unternehmen nach Abzug aller Kosten feststellt, dass er zum Sozialamt gehen muss. Die Autorin, die sich von Stipendium zu Stipendium hangelt. Der Verleger, der sich selbst soviel wie den Praktikanten zahlt, damit die nächsten zehn Bücher finanziert werden können... Die sind alle selber schuld, "es ist ganz klar"!
    Denn, so sagt der liebe Onkel Bernd "der Unternehmer muß(!) wissen wie es geht, sonst wird er scheitern."

  • Julia C

    Julia C

    @ #78 + Lösungsansatz
    Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich unbeliebt mache:
    ja, ich denke tatsächlich, dass genau wie viele andere Studienbereiche die geisteswissenschaftliche Lehre durch Studiengebühren z.B. und härtere Auswahlverfahren vielleicht verkleinert werden sollten. Das wäre jedenfalls ein sicherer Lösungsansatz aus der "Flut" der Geisteswissenschaftler eine kleinere Gruppe hochqualifizierter Abgänger zu machen. Anständige Stipendien und Finanzierungsmodelle vorausgesetzt.

    Und übrigens habt ihr ja alle Recht - aber wie viele von uns denken: DASS DIE ARBEIT MIT BÜCHERN DAS ERFÜLLENSTE AUF DER WELT IST?
    so ca. 98 % - wette ich
    Fragt mal die Chemiker, Mathematiker, Physiker: die verdienen hauptsächlich Geld...
    Diese Diskussion hat auch sehr viel mit persönlicher Erfüllung zu tun - die hier noch nicht so viel zur Sprache gekommen ist. Wir LIEBEN, was wir tun. Deshalb werden viele von uns unterbezahlt.

  • Der liebe Onkel Bernd

    Der liebe Onkel Bernd

    Silke Meyer 14.03.2011 19:06h

    z.B. die Buchhändlerin, die endgültig den Laden schliessen muss, weil sie von einer großen Kette an die Wand gedrückt wird. -> Könnte es nicht auch so sein, das es der Buchhändlerin nicht(!) gelungen ist, sich über die Zeit Stammkunden zu erarbeiten, welche ihr die Treue halten? Und sie nicht auf jeden Laufkunden angewiesen ist?

    Der hochgebildete "freie" Lektor, der als Einpersonen-Unternehmen nach Abzug aller Kosten feststellt, dass er zum Sozialamt gehen muss -> sollte sich der Lektor dann nicht fragen, ob sein Preis zu niedrig ist oder er zu wenig Aufträge erhält und woran das liegt bzw was man dagegen tun kann?

    Der Verleger, der sich selbst soviel wie den Praktikanten zahlt, damit die nächsten zehn Bücher finanziert werden können. -> Warum produziert der Verleger dann 10 Bücher, wenn er sich das eigentlich gar nicht leisten kann? Warum macht er nicht 2 oder 3 weniger wenn er weiß, das 10 seine Möglichkeiten übersteigen?

    Die sind alle selber schuld, "es ist ganz klar"! -> stimmt, es ist ganz klar.... immer sind die anderen Schuld. Selbstverständlich nie man selbst!

  • Cornelia Weileder

    Cornelia Weileder

    Der folgende Link ist eine Reaktion auf unseren Artikel:
    http://www.litaffin.de/literaturbetrieb/bezahlung- ist-normal/
    Darauf möchte ich gerne hinweisen.

  • Karl-Michael

    Karl-Michael

    @Julia C:
    ich studiere selbst Mathematik & Physik. Und du wirst es nicht glauben: Auch das kann das Erfüllendste auf der Welt sein. Das gute Gehalt ist noch ein netter Bonus :-)

  • Karin

    Karin

    @ Julia:
    Zitat: "Fragt mal die Chemiker, Mathematiker, Physiker: die verdienen hauptsächlich Geld...
    Diese Diskussion hat auch sehr viel mit persönlicher Erfüllung zu tun - die hier noch nicht so viel zur Sprache gekommen ist. Wir LIEBEN, was wir tun. Deshalb werden viele von uns unterbezahlt. "
    So ein Quatsch, viele von Ihnen werden unterbezahlt, weil Sie eben so viele sind – Angebot und Nachfrage, Wirtschaftskunde, 5. Klasse. Und im übrigen ist es dieser genau der geisteswissenschaftliche Dünkel, den alle Naturwissenschaftler so "lieben". Wenn jemand Mathematik und Physik studieren, macht er (oder sie) das niemals aus der Motivation, viel Geld zu verdienen. Nur mit dieser Motivation schaffen Sie ein Studium der Mathematik nie.


  • Hanna Hartberger

    Hanna Hartberger

    Im Zusammenhang der Diskussion sollte wohl auch auf folgendes Interview mit der Nachwuchssprecherin Katharina Scholz hingewiesen werden, in dem das Problem der Bezahlung kurz erwähnt wird: http://www.boersenblatt.net/421539/

  • Lisa Maier

    Lisa Maier

    @Onkel Bernd: Nein, ich hab tatsächlich nicht VWL studiert, sonst würd ich mich wahrscheinlich eher nicht über die schlechte Bezahlung von Geisteswissenschaftlern ärgern.

    Also, ich denke nicht, dass es zu viele Geisteswissenschaftler gibt. Die Leute, die hier ständig von einer "Flut" sprechen, die man unbedingt verringern und deren schlimme Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt bekämpft werden müssen haben glaub ich irgendwelche Komplexe- keine Ahnung was das ist. Ansonsten müssten Sie nicht ständig darauf hinweisen, welche fatalen Folgen ein geisteswissenschaftliches Studium hat und wie unnütz und weltfremd die Absolventen der Geisteswissenschaften sind. Ich glaube da sind auch Neid und Missgunst denjenigen gegenüber, die vielleicht vielleicht mehr ihren persönlichen Neigungen und Wünschen als irgendwelchen fremden Wirtschaftsinteressen gefolgt sind.
    Also ich hab keine Panik vor Naturwissenschaftlern und ich muss deren Spezialwissen auch nicht ständig anprangern.

    Das Geisteswissenschaftler im Verlagswesen, von vielen anderen Branchen spreche ich hier jetzt nicht, gebraucht werden steht fest: In vielen Verlagen stellen diese die Mehrheit der Belegschaft. Das machen die Verlage ja auch nicht aus Nettigkeit, um die armen Geisteswissenschaftler aufzunehmen, die ja nicht wissen, wohin sonst mit sich.

    Das Problem liegt immer noch darin: In unserer Gesellschaft zählt das Messbare und Konkrete viel mehr als das nicht so einfach Messbare, was ein Geisteswissenschaftler kann. Bezahlt wird der Spezialist, nicht der Generalist. Dazu kommt noch, dass technischer Fortschritt uns viel wichtiger ist, als unsere Kultur, deswegen wird im ersten Bereich gut gezahlt, im zweiten nicht. Absolventen der Geisteswissenschaften müssen daher für ihr Interesse an nicht allein wirtschaftsrelevanten Fragestellungen und Entwicklungen bezahlen.

  • Leser

    Leser

    der letzte Kommentar von Lisa Maier ist ein guter Beleg für einen Teil der Problematik.
    Wenn man es in den Verlagen bei Praktikantinnen und Volontärinnen mit Rechtschreib- und Zeichensetzungsgepflogenheiten zu tun bekommt, wie Frau Maier als "Generalistin" sie hier dokumentiert, dann sind auch 500 Euro im Monat noch viel zu viel Geld.

  • Marcus Kullmann

    Marcus Kullmann

    @ Lisa Maier

    "Das Problem liegt immer noch darin: In unserer Gesellschaft zählt das Messbare und Konkrete viel mehr als das nicht so einfach Messbare, was ein Geisteswissenschaftler kann. Bezahlt wird der Spezialist, nicht der Generalist. Dazu kommt noch, dass technischer Fortschritt uns viel wichtiger ist, als unsere Kultur, deswegen wird im ersten Bereich gut gezahlt, im zweiten nicht."
    ----------------------------
    Bei allem darf man eines nicht vergessen. Die Gesellschaft in Deutschland ist streng ökonomisch ausgerichtet. D.h., nur was Umsatz, Rendite, Gewinn also sprich Geld bringt, wird gefördert, entwickelt und protegiert. Alles andere fällt als nicht "rentabel" hinten runter. Nicht umsonst wird in der Öffentlichkeit der Fachkräftemangel bei Ingenieuren beklagt und nicht der Fachkräftemangel z.B. bei Buchhändlern. Ingenieure entwickeln neue Technologien mit denen sich Geld verdienen läßt. Buchhändler eben nicht. Analog dazu stehen die Geisteswissenschaften. Und dieses Prinzip wird sich in den nächsten Jahren respektive Jahrzehnten nicht so schnell ändern.

  • Sara

    Sara

    Ihr sprecht mir aus der Seele! Gut, dass das Thema aufgegriffen wird. Ein Tarif muss her, das wäre die einzige Lösung, die übergreifend funktioniert. Und mal ganz ehrlich: Wenn schon Volo, dann reicht 1 Jahr dicke. Her mit den Einsteigerstellen, die wirklich welche sind!

  • Vertrieblerin

    Vertrieblerin

    Ich stimme voll und ganz zu, dass die Branche nicht gut bezahlt. Das ist aber kein Problem der Berufseinsteiger, sondern aller Angestellten im Buchhandel bzw. Verlagswesen!
    Ich bin bereits 10 Jahre berufstätig (erst Buchhandlung, jetzt Verlag) und verdiene genauso viel wie viele andere nach nur wenigen Jahren Berufserfahrung in anderen Berufszweigen.
    Für all die Leute, denen es vor einem sicher schlecht bezahlten Volontariat "graut", hier der Verdienstverlauf meiner Wenigkeit:
    Im ersten Lehrjahr gabs 500 ,- (+ Kindergeld in Höhe von 150,- und ohne Amtszuzahlungen, die bekommt man nämlich nicht so einfach) , davon musste auch ich als Zugereiste Unterkunft und Unterhalt in München aufbringen - das war hart aber möglich! An Ende der Ausbildung gabs 700 Euro. Als ich als eine der wenigen meines Jahrgangs übernommen wurde, blieben mir von meinem Anfangsgehalt ganze 1200,-. Wow.
    Dies blieb so bis vor ca. 4 Jahren (also nach insgesamt 6 Jahren beruflicher Tätigkeit). Erst als es mir (und auch nur durch das Unglück anderer) möglich war, mich "hochzuarbeiten" und die Position / Firma zu wechseln, wurde das etwas besser.
    Für unbezahlte Praktikas bin ich auf keinen Fall, aber dass ein Volontariat nicht gut bezahlt ist, hängt nun mal einfach damit zusammen, dass ein Hochschulabsolvent trotz aller Theorie nicht die praktische Erfahrung mitbringt.
    Und die Erfahrung erwirbt man nun mal erst nach einiger Zeit in der Praxis...
    Zur Fortbildungsmöglichkeit: Zahlen tut man für jegliche Fortbildung immer viel, egal ob hier am Mediacampus oder für eine Fortbildung an einer IHK o.ä. Tipp: Jeder, der Geld verdient, kann eine Steuererklärung machen und da kann man sowas schön absetzen. Und 2000,- - 3000,- € ist auf alle Fälle ein Betrag, den man sich entweder in der Familie oder im schlimmsten Fall bei einer Bank leihen kann.
    Zudem gibt es auch viele Förderprogramme.
    Ich habe den Weg anders herum gewählt, erst die Ausbildung und Beruf und jetzt nebenbei (!!!) die Weiterbildung für eine bessere Stellung, also bitte irgendwo einsehen, dass aller Anfang schwer ist.
    Tarif und bessere Bezahlung ja, aber das Problem der Bezahlung in der Branche nicht nur für Hochschulabsolventen behandeln!

  • Lisa Maier

    Lisa Maier

    @ Leser: Schade, dass Sie mir inhaltlich gar nichts zu sagen hatten. Ihre Rechtschreibfehler will ich mal sehen, wenn Sie, wie ich, neben dem Schreiben des Kommentars zwei Kleinkinder zu betreuen hätten... Ja sicher, das wussten Sie nicht, aber einfach mal losposaunen, oder?
    Dass Sie mir immerhin noch 500 Euro Gehalt anbieten, finde ich sehr nett von Ihnen!

  • Leser

    Leser

    doch Frau Maier, ich hatte Ihnen inhaltlich was zu sagen.
    Ein Teil des Problems der "Geisteswissenschaftler-Schwemme" liegt darin, dass es einen gewissen Anteil (ich weiß, das sind absolut nicht alle) Absolventen gibt, die Dinge, die essentiell für eine vernünftige Verlagsarbeit sind, wie Rechtschreibung, Zeichensetzung, aber auch profunde Computerkenntnisse, für überflüssige Sekundärtugenden hält und stattdessen das "Generalistentum" predigt.
    Und nein, ich wusste nicht, dass Ihre Orthografie durch die Betreuung von zwei Kleinkinder gehandicapt ist, ich weiß aber auch nicht, ob ich Ihnen noch 500 Euro Gehalt anbieten würde, wenn damit rechnen müsste, dass derartiges auch im Praktikum vorkommen könnte.

    • ...

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