Sortiment

Umfrage: Auftrieb beim E-Book dank Amazon?© Fotolia

28.04.2011Zum Start von Amazons Kindle-Shop

Umfrage: Auftrieb beim E-Book dank Amazon?

Der Kindle ist da, inklusive E-Book-Shop und einem Vertriebskanal für Selbstverleger. Was die Branche darüber denkt - jetzt, wo sich der erste Staub gelegt hat?  boersenblatt.net hat sich umgehört, unter anderem bei kleinen Buchhändlern wie SoSch in Berlin, bei Thalia und der Osianderschen, bei Weltbild, Ciando, PagePlace, Pubbles. 

„Für alle durchaus auch positiv “

Beam-eBooks, Christoph Kaufmann (Geschäftsführer)       

Sicher wird der E-Book-Start von Amazon in Deutschland den E-Book-Markt weiter beleben und vergrößern. Das kann für alle Marktteilnehmer durchaus auch positiv sein. Trotz vieler neuer Mitbewerber konnten wir unseren Umsatz in den letzten Monaten stark steigern. Unsere Entscheidung nur E-Books ohne hartes DRM anzubieten wird von den Kunden sehr gut angenommen: Wir können uns über eine große Zahl zufriedener Stammkunden freuen. Solange die Preisbindung auch bei E-Books beibehalten wird, sind Kundenbindung und Kundenzufriedenheit sicherlich die wichtigsten Faktoren um Marktanteile zu sichern und ausbauen zu können. In dieser Hinsicht sehen wir der Zukunft für beam-eBooks recht positiv entgegen.


„Der Markt wird sich aufspalten“

Ciando, Werner-Christian Guggemos (Geschäftsführer)

Ciando erwartet zum einen eine weitere Beschleunigung des Marktwachstums. Zum anderen wird der Endverbraucher-Markt zweigeteilt werden, zwischen den herkömmlichen Buchhandelsanbietern mit relevantem Online-Auftritt einerseits und Amazon bzw. Apple andererseits. Drittens wird sich die Aufmerksamkeit im Endgeräte-Markt weg vom iPad stärker hin zu den Android-Plattformen richten.
Unsere Marktposition wird sich nicht verändern. Wir sind nach wie vor ein Barsortiment für eBooks, und bieten unseren Partnern sowohl E-Book-Inhalte als auch technische Lösungen an. Dies machen wir für Partner wie Thalia und Weltbild ebenso - wie nun auch für Amazon.

 

"Das Geschäft läuft eher verhalten“

Heymann Buchzentrum in Hamburg, Christian Heymann (Geschäftsführer)

Die Offensive von Amazon gibt dem E-Book den nächsten Kick. Power und Marktmacht hat das Unternehmen. Ob wir als Buchhändler davon profitieren, kann ich nur schwer beurteilen. Bei uns läuft das E-Book-Geschäft derzeit noch eher verhalten.


„Wir erwarten ein signifikantes Wachstum“

Libri, Moritz Hagenmüller (Geschäftsführer)
Unsere Sicht auf den E-Book-Markt bleibt sehr optimistisch. Nach wie vor erwarten wir weiteres signifikantes Wachstum - sowohl für den Markt als auch für unsere Angebote. Libri besetzt unverändert eine führende Marktposition und bietet mit Stand heute 47.000 Titeln auch ein führendes Angebot deutschsprachiger Titel an, das durch zahlreiche internationale Titel angereichert wird. Der Fokus von Libri als Großhändler liegt dabei auf der Verfügbarkeit dieser Inhalte für den Buch- und Einzelhandel. Dafür stellt Libri eine nutzerfreundliche Technologie, investitionsfreie Shop-Lösungen sowie ein markenübergreifendes Angebot an Lesegeräten zur Verfügung. Die Verlage und Contentanbieter können auf dieser Basis zahlreiche kraftvolle Vertriebskanäle für E-Books effizient über eine zentrale Plattform erreichen.


„Uns geht es um eine offene, unabhängige Lösung“

PagePlace, Lisa Machnig (Pressesprecherin der Deutschen Telekom)

Stimmt, Amazon ist mit einem Angebot von 25.000 deutschen Büchern für seinen Kindl gestartet. Bei PagePlace bieten wir bereits in der Betaversion 40.000 Bücher, darüber hinaus aber auch digitale Zeitungen und Zeitschriften. Dieses Angebot werden wir weiter ausbauen. Wie andere erwarten auch wir, dass der Markt für elektronische Bücher, Zeitungen und Zeitschriften in den nächsten Jahren stark wachsen wird. Im Gegensatz zu anderen Anbietern wollen wir mit PagePlace aber eine offene, zukunftsweisende und unabhängige E-Publishing-Lösung schaffen. Das heißt, unser Angebot ist verlagsunabhängig und offen für alle Technologien und Formate. Nach Apple-Geräten arbeiten wir nun daran, PagePlace in Kürze auch für Android-Geräte verfügbar zu machen. Insofern haben wir keine Angst vor der Zukunft und gehen davon aus, dass wir uns mittelfristig mit unserem Endgeräte-  unabhängigen Angebot eine gute Marktposition schaffen können.


„Jedes neue Angebot ist eine Bereicherung“

Pubbles, Thomas Feinen (Geschäftsführer)

Pubbles entwickelt seit dem Launch im vergangenen Jahr den deutschen Markt für digitales Lesen. Unser Inhalte-Portfolio umfasst neben mehr als 30.000 E-Book-Titeln auch eine breite und steigende Anzahl von Zeitungs- und Zeitschriftentiteln. Wir sind überzeugt, dass ein erhebliches Marktwachstum des ganzen Segments noch vor uns liegt. Für die Entwicklung des digitalen Lesens ist jedes neue Angebot eine Bereicherung, denn nur so können die Kunden aus einer wachsenden Auswahl die für sie passende Art des digitalen Lesens entdecken. Wir sehen Pubbles für das digitale Lesen von Buch- und Presseinhalten ohne Festlegung auf bestimmte Geräte oder Systeme auf dem richtigen Weg.


„Auch damit werden wir fertig“

Osiandersche Buchhandlung in Tübingen, Herman-Arndt Riethmüller (Geschäftsführer)

Die Auswirkungen sind sehr schwer vorhersehbar. Ich habe es in diesem Bereich sowie so aufgegeben Prognosen zu stellen. Mit E-Books kann man im Moment in Deutschland kein Geld verdienen. Der Markt hat aber Zukunft. Was Amazon angeht, werden wir mit der neuen Offensive fertig werden, wie wir auch mit anderen Herausforderungen in der Vergangenheit fertig geworden sind.


„Mit einem so großen Namen lässt sich kaum konkurrieren“

SoSch Die Buchexperten in Berlin, Sonja Schwestka-Krause (Geschäftsführerin)

Die Verlage melden große Umsätze beim E-Book, während bei uns im Buchhandel E-Books nicht das große Thema sind. Daher müssen die Umsätze woanders herkommen - da wird sich ein Anbieter wie Amazon das größte Tortenstück abschneiden. Das zeigt auch die aktuelle Offensive. Dass wir Buchhändler davon profitieren, glaube ich eher nicht. Es ist schwer beim E-Book mit einem so großen Namen zu konkurrieren.


„Wir freuen uns, aber von einem Umbruch kann nicht die Rede sein“

Textunes, Simon Seeger (Geschäftsführer)

Es wird aus unserer Sicht nun insbesondere ein Wettstreiten zwischen Apple und Amazon geben, da diese – zumindest in unserem Marktbereich der Tablets und Smartphones – ähnlich aufgestellt sind. Von einem "komplett neu aufrollen" auf diesen Endgeräten kann aus unserer Sicht nicht die Rede sein, denn beide Anbieter handeln als klassischer "Shop" mit E-Books. Die Marktposition von textunes als Anbieter, der seinen Endkunden im Unterschied dazu eine Plattform zum Entdecken von E-Books über Community und Social Reading-Funktionen bietet sowie "klassische" E-Pub-Books mit Comics, Hörbüchern und weiteren "innovativen" und nicht im E-Pub-Standard abbildbaren Formen digitaler Verlagsinhalte verbindet, wird dadurch vielmehr bestärkt.

Nicht zuletzt profitieren wir von der kommunikativen Wirkung von Amazon. Denn E-Books insgesamt werden auf der Akzeptanzskala des Endkunden nun wiederum einen Schritt nach oben rutschen. Diesen Effekt konnten wir bereits bei der Einführung des iBookStores deutlich spüren. Wir freuen uns also darüber, dass Amazon nun auch auf dem deutschen Markt eintritt und kräftig Parole für E-Books machen wird!


„Wir fürchten den Wettbewerb nicht“

Thalia, Andreas Laabs (Geschäftsführer der Thalia Holding)
Mit dem Launch eines deutschsprachigen Kindle-Angebots durch Amazon wird einmal mehr deutlich, welche Relevanz das Thema digitales Lesen hier in Deutschland bereits besitzt und wie viel Potenzial es bietet. Mit dem OYO von Thalia sind wir am deutschsprachigen Markt bestens aufgestellt. Denn wir haben schon frühzeitig auf umfangreiche Inhalte und exzellenten persönlichen Service gesetzt, um dem hohen Beratungsaufwand gerecht zu werden. Ergänzend dazu verfügt unser E-Book-Shop über eines der größten deutschsprachigen E-Book-Angebote. Das Feedback unserer Nutzer bestätigt uns in unserem Vorgehen, und so fürchten wir den Wettbewerb nicht. Im Gegenteil: Eine Verstärkung des Wettbewerbs schätzen wir prinzipiell als positiv ein, da sich hierdurch auch der deutsche E-Book-Markt beleben wird.


„Das beschert dem Markt neue Impulse – auch uns“

Weltbild-ebooks.de, Klaus Driever, Verlagsgruppe Weltbild  (Geschäftsführer)
Durch den Kindle-Start erhält der Markt für elektronische Bücher in Deutschland neue Impulse. Es bleibt spannend. Weltbild bietet bereits heute ein umfassendes E-Book-Angebot, ergänzend zum klassischen Buch und unseren günstigen Sonderausgaben. Mit derzeit 50.000 deutschsprachigen Titeln im Weltbild E-Book-Shop, darunter ein großer Teil der aktuellen Bestseller, zählen wir sicherlich zu den Anbietern mit dem größten Angebot hierzulande. Erfreulich ist das gute Wachstum der Kundenzahl wie auch der Zahl der abgesetzen E-Books. Auch unsere preisgünstigen E-Reader zeigen stetig steigenden Absatz. Dazu trägt sicher die einfache Bedienbarkeit der Geräte mit einer deutschsprachigen Menüführung bei.

 

Mehr zum Thema lesen Sie in unserem Archiv - und im Börsenblatt, das heute erscheint.


 

Mehr zum Thema

Anzeige

1 Kommentar/e

1. A. Huber 28.04.2011 15:14h www.LuuBooks.de A. Huber

TOLL !!!
Lulu.com hat ca. 1 Million Autoren und 1.000 Neuerscheinungen/Tag nach eigenem Bekunden. Amazon bietet kostenlos für Autoren im Direktmarketing ebenfalls an, seine Bücher als E-Book hochzuladen an. In Deutschland haben wir ca. 100.000 Neuerscheinungen mit ISBN. Und da reden obige Geschäftsführer mit stolz geschwellter Brust von lächerlichen 25-50.000 Titeln in Sortiment.
Und hier ist naturgemäß jede Menge altes Zeug dabei um überhaupt eine nennenswerte Anzahl an E-Books an den Start gehen zu lassen.

Meine Vorhersage lautet: Wenn das E-Book ca. über 30-40% kommt, wird auch definitiv weniger gelesen.

Die Hugendubels sprechen eh schon von immer mehr unverkäuflichen Titeln (sh. Interview in Süddeutsche Ztg. v. Montag, 14. März 2011). Es werden noch mehr Buchhandlungen als Thalia vorausgesagt verschwinden. 2005 waren es noch ca. 6.300 Buchhandlungen, 2011 sind es noch ca. 3.800 (gerne würde ich eine genau Anzahl wissen vom Börsenverein) deren Hauptgeschäft überwiegend Bücher verkaufen ist.
Weltbild hat immer noch Schwierigkeiten nicht noch mehr Filialen schließen zu müssen, denn warum wohl gerade jetzt 1 Million Bücher für 1 Euro auf den Markt schmeißen?
Kasse machen bevor Schluss ist?

Und wenn E-Books einen gewissen Marktanteil für sich behaupten können, dann wird es nicht nur 100.000 Neuerscheinungen geben, sondern bis zu 500.000 im Jahr.
Gleichzeitig tritt noch ein anderer Bücher-Fakt zutage, aus dem Auge, aus dem Sinn.
Es wird weniger gelesen.
Denn im Internet finden sie immer nur das was sie schon kennen. Da hilft auch kein großes Stöbern mehr. Oder wollen Sie etwa ca. 20.000 Verlagsseiten im Internet studieren, wo es wann etwas Neues gibt. Da hilft dann möglicherweise neuebuecher.de auch nicht mehr weiter.
Schlussendlich und dies kann kein Internet bieten, wird der verbliebene Buchhändler wieder umso mehr gefragt sein durch seine hohe Beratungskompetenz, seine Servicekräfte (also Mitarbeiter) und letztendlich Freundlichkeit und Menschsein im Umgang mit seinen Kunden!

Kommentar schreiben

Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden offline gestellt. Netiquette
Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

Ihr Kommentar

(E-Mail wird nicht veröffentlicht)

Bitte geben Sie diese Buchstabenfolge hier noch einmal ein:. Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination. TIPP: Zwischen Klein- und Großbuchstaben müssen Sie nicht unterscheiden.

* Pflichtfeld