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So könnte er aussehen: Der Bildkalender für den Kalender-UmsatzSo könnte er aussehen: Der Bildkalender für den Kalender-Umsatz© fotolia / Montage: Ralf Dinse

16.05.2011

Wieder schön zugelegt

Auf Kalender ist Verlass. Jahr für Jahr steigen die Gesamtumsätze der Warengruppe, diesmal um 6,3 Prozent. Auch für die 2012er sind die Verleger guter Dinge – viele haben ihr Programm noch einmal kräftig aufgestockt.

Gut gelaufen! Die Branche blickt wieder auf ein starkes Kalenderjahr zurück: Laut Media Control GfK International wurde in den Vertriebswegen Sortimentsbuchhandel, E-Commerce und Warenhäuser im Vergleich zum Vorjahr in der Warengruppe Kalender nach gut 10 Prozent im Vergleichszeitraum ein schönes Plus von 6,3 Prozent erzielt (April 2010 bis März 2011). Brancheninformationen zufolge entspricht das Umsatzvolumen mit Kalendern in diesen Vertriebs­wegen gut 140 Millionen Euro. 

»Der Buchhandel bestreitet das Kalendergeschäft immer professioneller«, lobt Korsch-Verlagsleiterin Andrea Röder. Das sei ein Grund für das jahrelange überproportionale Wachstum des Kalenderumsatzes. Der Vollanbieter aus Gilching bei München (465 Titel) verzeichnete in der abgelaufenen Saison im Fachhandel ein Plus von drei Prozent. Bei teNeues ist der Umsatz mit den 2011er Kalendern mit 20 Millionen Euro annähernd gleichgeblieben, ebenso im Fink Verlag. Die KV&H-Verlage Harenberg, Heye und Weingarten haben zusammen 36 Millionen Euro umgesetzt, das ist ein Plus von 2,9 Prozent. Der Bielefelder Maritimspezialist Delius Klasing hat im Kalendersegment leicht um zwei Prozent zugelegt (Anteil Kalender am Gesamt­umsatz: unter zehn Prozent). Etwas besser als im Vorjahr lief die Saison der Umfrage des Börsenblatts zufolge auch für DuMont. Das Kalender-Know-how der Kölner wird künftig übrigens auch von Gerstenberg genutzt. Die 2012er Titel werden von DuMont produziert und vertrieben; die Kalender erscheinen unter den Verlagslogos beider Häuser. »Bei dem guten Renommee, das DuMont im Buchhandel genießt, rechnen wir mit einer deutlichen Markterweiterung für unsere Kalender«, kommentiert Gerstenberg-Vertriebsleiter Hajo Schwabe die Kooperation. Zusammen mit dem Marktführer KV&H, Korsch, teNeues und Ackermann gehört DuMont zu den Top-5-Verlagen, die im Sortiment als unverzichtbar gelten.

Einsamer Gewinner bei der Umsatzverteilung nach Vertriebswegen war in der letzten Saison allerdings das Internet. Eis und Schnee im November und Dezember hatten den Einkauf außerhalb der Einkaufszentren zum Abenteuer werden lassen. – profitiert hat der Versandhandel. »Als Kalendermacher waren wir hier besonders betroffen und haben gemeinsam mit dem Buchhandel gelitten«, zeigt sich KV&H-Geschäftsführer Michael Bork solidarisch. Der Einbruch bei der Laufkundschaft sei den Nachbestellungen anzumerken gewesen, hat teNeues-Vertriebsleiter Ulf ­Doering beobachtet. Auch DuMont-Kalender-Chefin Anette Philippen verzeichnete ein überdurchschnittliches Wachstum des Versandhandels – zulasten des Sortiments. Teilumsätze hätten mit einem starken Januargeschäft allerdings aufgefangen werden können, sagt Philippen.

Nicht nur für den Umsatz, auch im Hinblick auf die Preisentwicklung hält Media Control GfK International gute Nachrichten bereit. Nach den Berechnungen der Marktforscher lag der Durchschnittspreis in der abgelaufenen Saison bei 10,42 Euro – nach 10,10 Euro im Jahr zuvor. Mit der 2012er Produktion dürfte das Preisniveau weiter angehoben werden. Nach Jahren relativer Stabilität haben die Marktführer die Ladenpreise leicht angehoben (siehe Tabelle Seite 10): ein unausweichlicher Schritt, um für die Verlage weiterhin rentabel zu wirtschaften, heißt es. Bei DuMont seien »leichte Preiskorrekturen« und die Anhebung des Ladenpreises auf 99 Cent unvermeidlich gewesen. Die KV&H-Verlage gehen mit durchschnittlich 2,5 Prozent teureren 2012er Kalendern auf den Markt, auch Ackermann hat ein wenig aufgeschlagen. Vor allem im höherpreisigen Segment sei die Luft dünn, weiß Hermann Ludewig, Marketing- und Vertriebsleiter bei Delius Klasing. Sein Haus bleibt deshalb weitgehend preistreu, ebenso wie teNeues, Korsch und Mohn Media Kalender & Promotion. Das Verlagshaus Gera Nova Bruckmann hat gar den Rotstift angesetzt und seine großformatigen Wandkalender von 29,95 Euro auf 27,95 reduziert – der Entwicklung der Papier- und Energiepreise zum Trotz.

Zumindest im Vorjahr lagen die höherpreisigen Titel in der Gunst der Kunden vorn. »Die sehr güns­tigen Titel zeigen eher keinen Zuwachs; hauptsächlich die mittleren und höheren Preissegmente bei ausgezeichneter Qualität werden vom Kunden sehr gut angenommen«, sagt Ute Hammer, die bei der Cornelsen-Tochter KV&H für Harenberg und Weingarten zuständig ist. Auch DuMont hat seine 25-Euro-Kalender überdurchschnittlich gut verkauft.

Quer über alle Formate haben zumindest die großen Kalenderverlage ihr Titelvolumen noch einmal aufgestockt. So erscheinen bei Korsch nun 465 Kalender, 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Geschuldet ist die Steigerung der neuen Namenskalender-Reihe, die gleich zum Start 96 Namen umfasst. DuMont hat durch neue Kooperationen zugelegt (neben Gerstenberg, Oetker, Turnowsky und Bayer Leverkusen; insgesamt 16 Titel), darüber hinaus ist der Anteil immerwährender Kalender gewachsen. teNeues produziert 560 statt wie im Vorjahr 500 Titel, Harenberg stockt um 17 Titel auf 179 auf, bei Weingarten sind es 16 Titel mehr als im Jahr zuvor. Kleinere Verlage wie Ars Vivendi oder Verlagshaus Gera Nova Bruckmann fahren die Produk­tion für 2012 dagegen ein wenig zurück. »Wenn man kein Hauptkalenderverlag ist, finden die Entscheidungen viel zu spät statt, sodass man nicht mehr reagieren kann«, schimpft Fink-Verleger Stefan Scheibel – er hat deshalb zehn Titel aus dem 2012er Programm wieder gestrichen.

Bei den neuen Titeln zeigen sich die Verleger innovativ wie nie. DuMont zeigt Flagge und widmet mit »DuMont Kalender us Kölle« der »Stadt am Rhing« eine eigene Kalenderreihe. Im Heel Verlag erscheint für 2012 ein Mustang- und ein VW-Bus-Kalender – beide Themen haben den Vorteil, dass sie sich in Buchform bei Heel bereits wunderbar behauptet haben. Auch im Bremer Palazzi Verlag, der über Artfolio ausliefert, gibt es mit dem »Starke Typen«-Tier-Kalender wieder mal ein Programm-Highlight. teNeues hat für 2012 die Kult-Blondine Daniela Katzenberger und das royale Brautpaar William & Kate neu im Programm. Außerdem gibt es den Domberger Wandkalender »Punkt für Punkt« fürs nächste Jahr auch im Format 30 mal 30 Zentimeter. Fazit: Die Verlage haben abgeliefert, jetzt ist der Handel dran.

Dort spielt die Warengruppe Non-Books eine immer größere Rolle – und Kalender gehören dazu. Noch ist der Sack nicht zu, aber für die Saison 2012 sind die Verleger entsprechend optimistisch. Das Zutrauen in die Warengruppe habe sich, bedingt durch die guten Zuwächse der letzten Saison, noch verstärkt, meint Anette Philippen und freut sich auf ein – zumindest leichtes – Wachstum. »Die Sortimenter werden weiterhin die Aufbautermine zeitlich nach vorn ziehen, tendenziell wird auch weiterhin mehr Raum für Kalender zur Verfügung gestellt«, meint teNeues-Vertriebsleiter Ulf Doering. Korsch-Verlagsleiterin Andrea Röder ist von den Vormerkern »positiv gestimmt«. Michael Bork plant für KV&H mit einem einstelligen Plus. Und Corinna Röger vom Heel Verlag verzeichnet bei den Aufträgen, die bisher eingegangen sind, schöne Zuwächse. »Wir rechnen mit einer stärkeren Erstauslieferung als im Vorjahr«, sagt sie. Alles nur Zweckoptimismus? Abgerechnet wird im nächsten Frühjahr. 

Sabine Schwietert

Schlagworte:
Kalender, Marktzahlen

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