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Leitet das digitale Lektorat bei Bastei Entertainment: Jan F. WielpützLeitet das digitale Lektorat bei Bastei Entertainment: Jan F. Wielpütz© Privat

28.08.2011Sonntagsfrage, die erste

Warum brauchen digitale Bücher ein eigenes Lektorat, Herr Wielpütz?

Zum 1. September richtet Bastei Lübbe ein Lektorat für digitale Produktionen ein. Die Leitung des dreiköpfigen Teams liegt bei Jan F. Wielpütz, im Kölner Verlag bislang Buchlektor für Spannungsliteratur und unter dem Pseudonym Stefan Bonner selbst erfolgreicher Sachbuchautor („Generation Doof“). Unsere Frage an ihn: Kommen Verlage künftig auch ohne E-Lektorat aus?

„Ob Verlage eigene Lektorate für digitale Bücher brauchen – das muss jedes Unternehmen für sich entscheiden, und die Antwort wird von Fall zu Fall unterschiedlich sein. Die Abteilung Bastei Entertainment setzt sich seit über einem Jahr intensiv mit crossmedialer Verwertung und E-Publishing auseinander. Die Erfahrung in diesem Jahr hat nahegelegt, dass wir neue Wege gehen müssen: Wir brauchen ein Lektorat, das eigene Inhalte kreiert und diese multimedial und zeitgemäß aufbereitet. Das erfordert neue Arbeitsweisen bei der Kreation von Inhalten und bedeutet für uns auch, dass wir mit neuen Partnern zusammenarbeiten, wie App-Entwickler, Filmfirmen oder Animationsfilmer.

Ein E-Book ist bislang lediglich die Übernahme des physischen Inhaltes in eine virtuelle Simulation des Buches auf einem Tablet, Smartphone oder Reader. Die Aufgabe der neuen Content-Schmiede bei Bastei Entertainment wird es sein, Inhalte zu entwickeln, die die Möglichkeiten dieser Geräte auch tatsächlich ausschöpfen. In der digitalen Welt stehen seitenstarke Werke in einer unglaublichen Konkurrenz zu diversen anderen Unterhaltungsangeboten wie Musik, Spiele und Film. Reine Bleiwüsten haben es da schwer. Wir werden knappere, abwechslungsreichere Formate finden müssen, um den Leser in der digitalen Welt bei der Stange zu halten.

Dazu müssen wir unsere Produkte noch stärker auf die Vertriebsplattformen und deren Nutzer ausrichten. Wir produzieren deshalb primär für die digitale Verwertung – physische Produkte wie Buch und Hörbuch treten nach hinten und können eine zweite Verwertungsstufe sein. Trotz allem soll beim E-Book aber weiterhin das Lesen im Mittelpunkt stehen, das ist unser erklärtes Ziel.

Wir arbeiten bei Bastei Entertainment schon seit einiger Zeit an der Entwicklung von neuen digitalen Formaten. Im Oktober werden wir das Ergebnis präsentieren: Der erste digitale Serienroman für das 21. Jahrhundert, der speziell für Tablets und Smartphones entwickelt wurde. In ihm werden bisher getrennte Medien verschmelzen: Text, Film, Spiel, Animation, Fotografie und Audio. Wir veröffentlichen den Serienroman in vielfältigen Produktformen, um das gesamte Spektrum der digitalen Leser zu erreichen.

Dieses Projekt ist bei uns im Verlag in einem abteilungsübergreifenden Team entstanden und für unser digitales Lektorat der Wegweiser in die Zukunft: Wir haben das inhaltliche Konzept des Serienromans selbst entwickelt und gemeinsam mit einem Autor umgesetzt. Diese Strategie werden wir weiter verfolgen.

Durch solche Eigenproduktionen wollen wir auch das Rechteproblem lösen, das im digitalen Segment oft besteht. Es gibt zwar interessante Stoffe für eine digitale Vermarktung, aber oft liegen nur die Print- und vielleicht noch die Hörbuchrechte beim Verlag. Wir streben bei Bastei Entertainment aber eine 360-Grad-Verwertung an. Der Verlag muss in der Lage sein, die gesamte Verwertungskette auszuschöpfen, vom E-Book bis hin zu Film und Computerspiel.

Dennoch werden wir im digitalen Lektorat nicht nur Eigenproduktionen entwickeln. Wir werden auch interessante Projekte einkaufen.“

 

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15 Kommentar/e

1. David Gray 29.08.2011 10:18h http://david-gray.blogspot.com/

Lieber Jan Wielpütz,

Ich kann nur sagen: endlich.
Endlich scheint man sich in einem der Publikumsverlage tatsächlich auf das besonnen zu haben, was das Ebook-Format nicht nur vom Standpunkt des Lesers her, sondern auch dem des Autoren erst wirklich zu einem vollwertigen neuen Medium macht: nämlich einen Crossover zwischen Text, Film, Animation, Bild und Internet herzustellen.
Ich bin jedenfalls sehr gespannt darauf wann und wie Bastei Lübbe dieses Konzept umsetzen wird und werde sicher einer der ersten sein, der sich solche Crossover-Titel zulegt.
Nur sehe ich eben auch gewisse Probleme dabei auf uns Autoren zukommen. Bislang war es ja eher so dass man Ebookrechte in Verlagsverträgen als Nebenrechte behandelte, und dem Autor nicht anders vergütete als man das mit den Printrechten tat, das heisst mit einer Marge irgendwo zwischen 8 und 12 % pro verkauftem Exemplar. Was offen gestanden nie viel war, angesichts der Tatsache dass die Ebookherstellung für den Verlag wesentlich weniger aufwändig war, als die eines Taschenbuches oder gar Hardcovers.
Doch falls ich als Autor schon in der Konzeption meines Textes / meines Plots wesentlich umfangreicher zu arbeiten haben werde – sprich: Film- Foto und Animationscontent in die Gestaltung meines Produktes einzufügen und anzupassen habe, dann reicht die bisherige Vergütung nicht mehr aus, um Autoren zu motivieren, diesen zusätzlichen Aufwand tatsächlich auf mich zu nehmen.
Zumal ja von mir dabei auch erwartet wird, mich für die Umsetzung meines Projektes mit dem Content und der Arbeitsweise anderer Künstler auseinanderzusetzen und diese in mein Projekt zu integrieren.
Mir scheint dass sich der klassische Schriftsteller in dieser Beziehung deutlich der Arbeitsweise des Drehbuchautors bzw. – warum nicht? – des Spiele-Entwicklers annähert. Und für dieses wesentlich veränderte Berufsbild und den deutlich erhöhten Arbeits- und Zeitaufwand des Autors kann die übliche Vergütung gar nicht einmal mehr auch nur kostendeckend sein.
Für die Leser wäre eine solche Entwicklung allerdings durchaus ein Quantensprung: sie bekämen damit endlich einen angemessenen Gegenwert für die Taschenbuch- oder gar Hardcoverpreise, die man derzeit immer noch für Ebooks verlangt.

2. Leser 29.08.2011 15:11h

Ob es wohl der richtige Weg ist, die Verteilungskämpfe zu eröffnen, bevor man die Produkte auf den Weg bringt?

3. Noch'n Leser 29.08.2011 18:12h

Anders formuliert: Das "klassische" e-book ist tot. Freut mich.

4. David Gray 29.08.2011 18:24h http://david-gray.blogspot.com/

Lieber Leser2

„Ob es wohl der richtige Weg ist, die Verteilungskämpfe zu eröffnen, bevor man die Produkte auf den Weg bringt?“
Gegenfrage: Wann denn sonst?
Etwa dann, wenn man in den großen Verlagen mit einigen Dutzend dieser Projekte Erfolge vorzuweisen hat und sich hinstellen und Bedingungen diktieren kann, da man behauptet: Das hat sich so eingebürgert, es ist jetzt schlicht und ergreifend so üblich, das es auch für Ebooks mit erweitertem Content (und daher erweitertem künstlerischen Konzept) dieselben Margen gibt, wie für Printbücher?
Es kann doch gar kein Zweifel daran bestehen, dass in der Verbindung aus verschiedenen medial aufzubereitenden Inhalten die Zukunft des Ebooks besteht. Ist Bastei Lübbe – wider erwarten – noch nicht wirklich erfolgreich mit diesem Plan, so wird es eher früher als später irgendein anderes Verlagsunternehmen sein.
Und eines wollen wir doch auch auf dem Sprung in die neue Verlagswelt 2.0 nicht vergessen: Ohne Autoren brennt in keinem Verlagshaus lange irgendein Licht. Wir Autoren sind es nämlich, die zuverlässig genau das Produkt liefern, das man in Verlagen verkauft – Geschichten / Texte.
Man verlangt schliesslich auch nicht von einem Dreher, Straßenkehrer, Mediziner oder wegen mir Müllmann, dass er sich für mehr Arbeit mit weniger Lohn zufrieden gibt. Weshalb sollten da gerade die Autoren so tun, als sei es angebracht in Bezug auf ihre Einnahmen, die Füße still zu halten? Zumal diese Einnahmen es Autoren ja überhaupt ermöglichen neue Inhalte zu erstellen, die man wiederum vonseiten der Verlage zum Verkauf anbieten kann.

5. David Gray 29.08.2011 19:33h http://david-gray.blogspot.com/

Lieber „noch n Leser“

Zitat: „Das klassische Ebook ist tot“
Mitnichten ist es das.
Es wird nur grundsätzlich zwei Arten von Ebooks geben: solche zu einem Preis, der unter dem einer Taschenbuchausgabe liegen wird, und in welchem dem Leser „nur“ genau das angeboten wird, was ihm bislang mit einem Paperback oder Hardcoverbuch auch angeboten wird: nämlich ein Text, lektoriert und korrigiert.
Daneben wird es jedoch – zu einem deutlich höherem Preis – auch Ebooks geben, die für diesen höheren Preis auch mit einem erweiterten Content, sprich Fotos, Animationen, Filmeinspielern und Musik, daherkommen werden.

6. Artificial Intelligence 30.08.2011 07:37h

@ David Gray

>>>Daneben wird es jedoch – zu einem deutlich höherem Preis – auch Ebooks geben, die für diesen höheren Preis auch mit einem erweiterten Content, sprich Fotos, Animationen, Filmeinspielern und Musik, daherkommen werden. <<<

Dieses wird dann ein Produkt sein, welches eher auf die Gamescom nach Köln gehört, als auf die Buchmessen nach Frankfurt/ Leipzig.

Während man sich bisher die Zeit z.B. auf Reisen mit Printprodukte die Zeit vertrieb, sieht man dort zunehmend SmartPhones und Tablets im Gebrauch. Eine Zeitung in einem ICE zu lesen, ist aufgrund des Platzbedarfs nicht ganz einfach und zunehmend komme ich mir antiquiert vor.

Hier wird sichtbar, dass es alle Inhalte, die nicht über diese Kanäle zum Leser kommen, zunehmend schwer haben werden. Noch ist die Infrastruktur bei diesen Geräten dünn, die Geräte haben diverse Nachteile (Strom, Licht, Verbindungsqualität) und Sie sind vergleichsweise teuer.

Das aber sind nur noch zeitweilige Hindernisse, die die Entwicklung für den Gebrauch digitaler Inhalte etwas verlangsamen.

Wie attraktiv der Konsum von Büchern in diesen Kanälen den Nutzern erscheint, lässt sich schwer vorhersehen. Zu glauben, dass die bisherigen Bücher in E-Buch Form ihren Platz behalten werden - das ist ein schon jetzt auf Reisen zu beobachtender Irrtum.

7. David Gray 30.08.2011 11:51h http://david-gray.blogspot.com/

Lieber Leser AI,

Zitat: „Dieses wird dann ein Produkt sein, welches eher auf die Gamescom nach Köln gehört, als auf die Buchmessen nach Frankfurt/ Leipzig.“

Das glaube nich nicht. Es wird – wie bereits auf den beiden Buchmessen in den letzten Jahren zu beobachten war - nur eine noch engere Verknüpfung zwischen Spielen, Comics und Film stattfinden. Falls man diese Entwicklung vonseiten der Verlagshäuser mutig angehen sollte, kann das nur zu Nutzen der Buchbranche sein – und damit derjenigen Autoren, die sich auf das neue erweiterte Medium Ebook mit erweitertem Content einzulassen vermögen. Nur dass die sich auch in Zukunft mit dem halben Preis für wesentlich erweitertes Arbeitsvolumen abspeisen lassen werden, bezweifle ich.
Was mich darin so sicher sein lässt sind zwei Gründe: a) jeder Autor hat genug unpublizierte Texte in der Schublade die er als Ebook selbst publizieren kann – sicher ohne viel Zusatzcontent, aber auch zu einem wesentlich geringeren Preis als die Verlagshäuser, das derzeit tun wollen.
Und die Preise für die Lesegeräte befinden sich gerade in einem Abwärtstrend, bzw, sieht man sich bei Amazon und Apple einer immer stärkeren Konkurrenz von anderen eReader und Tablet PC Herstellern ausgesetzt, welche die Preise nach unten zwingt. Umso mehr solcher Geräte gekauft werden, umso mehr Ebooks werden auch gekauft werden.
b) doch sobald nicht mehr nur einige wenige Autoren bewiesen haben, dass man als Selbstpublizierer pro verkauftem Buchtatsächlich mehr verdienen kann, als mit jedem Verlagsvertrag, obwohl zugleich der Preis, zu dem man seine Texte anbietet, dennoch weit unter dem bleibt, zu dem die Verlage ihre Titel anbieten, wird noch bei viel mehr Autoren ein Umdenken einsetzen.
Früher oder später werden dann immer mehr und mehr Autoren erkennen, dass ihre Titel selbst zu publizieren eine sehr lukrative Alternative zum klassischen Verlagsvertrag darstellt. Spätestens das wird der Moment sein, in dem die Verlagshäuser reagieren müssen, wollen sie nicht ihre entscheidenden Zulieferer – die Autoren nämlich – verlieren.
Ich gebe zu, dass diese Entwicklung Zeit brauchen wird. Aber: sie ist auch nicht mehr aufzuhalten.
Denn mit jedem Tablet-PC und eReader, der irgendwo in Dtl, Österreich und der Schweiz verkauft wird, wächst der Markt für Ebooks – und zugleich der für selbstpublizierende Autoren, solange die etwas von ihrem Handwerk verstehen.
Ein guter eReader hält jetzt schon fast vier Wochen ohne aufgeladen werden zu müssen. Dese Zeitspanne wird sich auch weiterhin mit jeder neuen Generation von eReadern und Tablet-PCs noch mehr erhöhen – und damit noch attraktiver für den Käufer werden. Den Käufer, der für mich als Autoren mein eigentlicher Kunde ist – denn er liest meine Bücher und er hat selbst auf dem derzeit billigsten eReader Raum für ungefähr 500 verschiedene Bücher. Diesen Raum gilt es zu füllen – mit guten und gut gemachten Geschichten.
Wie ich aus persönlicher Erfahrung sagen kann, ist es dem Leser dabei jetzt schon relativ egal, ob auf dem Cover des Buches, das er sich von Amazon oder Apple herunter lädt, ein Verlagslogo prangt oder nicht.
Solange Text, Cover und Plot jenes Buches - vor allem aber dessen Preis - stimmen, wird er nicht lange darüber nachdenken, ob er beim Kauf sein Geld direkt einem Autoren zukommen lässt, oder es den Umweg über einen Verlag nimmt bevor es (deutlich reduziert) bei dem Autoren anlangt.

8. Roman 30.08.2011 21:40h

Solange E-Books in erster Linie von solchen Autoren begrüßt werden, denen die basale Beherrschung von Grammatik, Orthographie und einigermaßen stringenter Argumentation fehlt, wird man sie für die Lieblingsplattform von Stümpern halten.

9. Tessie 31.08.2011 17:59h

Genau das. Es wäre wirklich schön, wenn es nicht mehr hieße "vom Schreiben kann man nicht leben". Andererseits gehen die erfahrenen Autoren im Wust der Hobbyautorentexte im Internet unter - der potentielle Leser tut sich das meist nicht an, geduldig im Heuhaufen nach der Nadel zu suchen. Gäbe es doch nur eine Plattform, die die Texte wenigstens nach formaler Qualität ein wenig vorsiebt und dann noch das Suchen erleichtert... Der Käufer verlässt sich darauf, wenn er eine Buchhandlung betritt, dass die Texte einem Minialanspruch genügen - und dass er das filtern nach "akzeptabel" und "Spam" nicht selbst übernehmen muss, wenigstens nicht in diesem Ausmaß.
Wer könnte so eine Plattform ins Leben rufen? Ein Autorenverband?

10. David Gray 01.09.2011 13:43h http://david-gray.blogspot.com/

Liebe Tessie,

Ich bin sicher keiner im Autorenverband muss sich die Mühe machen eine garantierte Qualitätsgesicherte Plattform für Ebooks ins Leben zu rufen.
Der Grund für meine Sicherheit in dieser Frage?
Diese Plattformen existieren bereits. Und sie funktionieren ganz ausgezeichnet. Sie nennen sich Amazon.de, Beam.de, iTunes Store, Thalia, Kobo und, und, und …. Und was die Art und Weise betrifft wie man dort für Qualitätssicherung sorgt, ist auch diese recht einfach erklärt: durch Leserrezensionen.
Und selbst, falls man denen ja nicht ganz trauen mag, so schießen eben jetzt in diesem Moment, in dem ich diesen Kommentar schreibe, sicherlich ein halbes Dutzend neue Blogs und Webseiten im Internet, wie Pilze aus dem Nährboden, die sich mit nichts anderem beschäftigen, als für ihre Leser die Ebook-Spreu vom Ebook-Weizen zu trennen und ihnen dann Empfehlungen für den Kauf guter und spannender Ebooks anzubieten.
Dass sich in den Kindle Top Hundert auf Amazon.de so einige Indie-Titel befinden, ist entgegen anders lautender Gerüchte eben KEIN Zufall. Sondern hat etwas damit zu tun, dass einige Kollegen, die ihre Titel selbst veröffentlichten, durchaus wussten, was sie da taten. Es kann darüber hinaus auch kein Zweifel daran bestehen, das in den nächsten Wochen und Monaten mehr und mehr Kollegen ihre Schubladen öffnen werden, um ihre bislang „verborgenen Schätze“ zu heben und auf Amazon.de, Beam.de, Kobo oder im iTunes Store zu veröffentlichen. Und sie werden auf den Webseiten auch gefunden werden und eher früher als später, mit ihren Ebook-Titeln auch sehr gutes Geld verdienen.

11. Tessie 01.09.2011 22:28h

Wäre es nicht schön, wenn ein zunehmender Erfolg von Selbstverlegern die Verlage zwingen würde, ihren Autoren hinterherzulaufen, statt umgekehrt? Vielleicht müssten sie sich ihnen gegenüber mehr wie Agenten verhalten, da sie ihnen ein "Mehr" bieten müssten - über all das hinaus, das zumindest kundige Autoren für sich selbst tun könnten?
Ich frage mich aber, ob gegenwärtig ein Autor ohne Marketingkenntnisse etc. sich wirklich auf Mund-zu-Mund Propaganda verlassen kann und darauf, dass Qualität schon ihren Weg zum Leser findet. Und wenn ich das richtig verstehe, müsste er sein Ebook auf x verschiedenen Seiten einstellen? Mit "Qualitätsprüfung" hinterher, durch Leser, falls sich jemand zu einer Rezension herablässt? Hmm... Vielleicht irre ich mich ja, aber das kommt mir sehr gebastelt vor.

12. David Gray 02.09.2011 11:25h http://david-gray.blogspot.com/

Liebe Tessie,

Amazon.de alleine beherrscht derzeit so etwas um die 50 bis 60 % des deutschsprachigen Ebookmarktes. Du könntest also mit Deiner Präsenz nur auf einer einzigen Webseite, mehr als die Hälfte der potenziellen Leser in Deutschland, Schweiz und Österreich erreichen.
Ich bin auch kein Marketinggenie, dennoch habe ich meine Bücher auf gute Chartplätze gehievt, das ist definitiv KEINE Zauberei.
Und – ja: die Leute reden über Bücher, die sie gelesen haben, sie bloggen und kommentieren und rezensieren diese Bücher. Sie tun das bei Printbüchern und sie tun das bei Ebooks derzeit noch weit mehr.
Keiner kann doch irgendeinem anderen den Erfolg garantieren – in unserem Individualisten Geschäft schon gar nicht. Aber das ist doch auch gar nicht der Punkt, oder? Der Punkt ist doch dein Ebook kostet Dich kein Geld während es bei Amazon.de und Co auf Käufer wartet. Und keiner wird es wie im herkömmlichen Buchhandel nach zwei oder drei Monaten aus dem Regal nehmen, um dessen Platz mit irgendeiner gerade gehypten Neuerscheinung zu belegen. Im Gegenteil: bei Amazon und Co steht Dein Buch hierarchisch neben dem des letzten bejubelten Bestsellerautors und falls Dein Klappentext und Dein Cover stimmen, wird der Leser nicht einmal bemerken, dass Du ohne Verlag dort „unterwegs“ bist. Und wenn Dein Preis dann auch noch unter dem des Titels aus dem Publikumsverlag liegt, hast Du erst recht Chancen gefunden zu werden.

13. Tessie 02.09.2011 22:08h

Das mit der Kurzlebigkeit der Bücher im herkömmlichen Buchhandel ist ein sehr gutes Argument. Es erfüllt mich mit Unbehagen, wie ein Titel für ein halbes Jahr im Regal steht, getarnt in der Flut beliebiger Neuerscheinungen, schließlich remittiert wird - und dann ist es so, als ob es ihn nie gegeben hätte, da sich nur noch wenige Verlage eine Backlist "leisten". Möglicherweise hat der Verlag mit diesem Titel auch nur eine Programmlücke gefüllt, er stand in der Vorschau unter "ferner ist da noch" und die Vertreter haben es während ihres Besuchs beim Buchhändler noch nicht einmal erwähnt - so dass er gar nicht erst im Buchhändlerregal landete. Verkauf von Übersetzungsrechten und Ähnliches erübrigt sich dann auch, wegen Erfolgsmangels.
Ja.
In solchen Fällen hat das Erscheinen eines Buches in einem Verlag fast nichts dem Selbstpublizieren voraus (außer, dass es vermutlich denn doch lektoriert wurde... oder?).
Wenn sich die Selbstpublizierer durchsetzen, was ich in der Tat hoffe, werden die Verlage gezwungen sein, sich wieder stärker durch Qualität statt Quantität und Einsatz für ihre Autoren auszuzeichnen - schließlich ist schon jetzt absolut jeder in der Lage, Texte in welcher Form auch immer unter die Leute zu bringen (BoD etc.).
Vermutlich hängt alles davon ab, dass die Selbstpublizierer ihr Ansehen erhöhen durch ein paar richtig große Erfolge - und vielleicht wirklich auch von einer Community, die die Latte für Erstautoren ein wenig hoch hält.
Bisher habe ich mich nicht für Ebooks interessiert, aber jetzt werde ich die Entwicklung mal im Auge behalten. Amazon, wie? 70% Tantiemen, meine Güte...

14. Tessie 04.09.2011 11:05h

Jetzt habe ich mich mal umgesehen und nein, die Situation ist unbefriedigend. Zum einen WERDEN die lohnenden Texte im Wust des Mülls untergehen und sich niemand mehr die Mühe machen, sie zu finden. Zum anderen springen viele Firmen auf diesen Zug auf, die eigene Ziele haben: an der Eitelkeit verdienen, Kunden binden etc. Sogar ein großer Verlag, der damit lockt, dass ggf. u.U. mglw. ein ebook, das von den Usern genügend hochgejubelt wird, ins Programm aufgenommen werden könnte.
Soll das Unabhängigkeit sein? Hahaha...
Hier ein blauäugiger Vorschlag: Eine neutrale Plattform von einem großen Autorenverband, die hinreichend an die anderen Institutionen des Buchhandels angebunden und somit integriert ist, auf der sich möglichst viele "echte" Autoren mit "echten" freien Lektoren einfinden. Es gelten einige Richtlinien für alle, die noch festzulegen wären. Die freien Lektoren werden am Erfolg prozentual beteiligt, so dass sie ein echtes Interesse an diesem haben. Dann werden die Möglichkeiten der Plattform genutzt, ebook-Vertrieb auch auf allen anderen Buchhandelsplattformen plus PoD mit Anbindung an VLB und Zwischenbuchhandel etc.; natürlich müsste diese Plattform allgemein anerkannt sein, insbesondere auch beim Publikum (Werbung), und sich da eine echte für Qualität und Unterhaltung stehende Community herausbilden, bei der alle Beteiligten AN EINEM STRANG ziehen - aus eigenem Interesse. (Und natürlich dürfte diese Plattform nur soviel für sich selbst einfordern, wie für ihren Erhalt notwenig wäre.)
Dass Einzelkämpferautoren ihre Erzeugnisse auf den Markt werfen und davon ausgehen, dass diese schon überleben werden, kann, falls überhaupt, nur denjenigen nutzen, die bereits einen für Qualität bürgenden Namen haben.

15. Tessie 04.09.2011 12:58h

Freie Graphikdesigner, Illustratoren und Multimediatüftler könnten in gleicher Weise an der Plattform teilnehmen.
Nun, liebe Berufsgruppen, Verbände und Leser hier, haltet ihr das für abwegig?

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