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Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des BörsenvereinsAlexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins© Stephan Sasek

09.09.2011Zukunftskonferenz

"Es war großartig"

Die Zukunftskonferenz in Frankfurt endet mit einen durchdringenden Applaus. Und mit einem positiven Signal:  Die Branche schlafe nicht - sondern erkenne ihre Chancen, sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins. 

15 Jahre in die Zukunft zu schauen sei "ein geradezu unglaubliches Unterfangen - aber auch unglaublich spannend", sagte er zum Abschluss der zweitägigen Veranstaltung. Der Erkenntnisgewinn sei für ihn "überdurchschnittlich hoch" gewesen. "Es war großartig."

Aller Input werde nun gesammelt und ausgewertet, so Skipis. Sein Appell: "Gestalten Sie den Verband mit - der Verband bin nicht ich, sondern Sie."

Von der Konferenz ginge ein sehr postives Signal aus, betonte Skipis. Weil sie - erstens - dokumentiere, dass die Branche in Sachen Zukunft alles andere als zögerlich sei. Weil sie - zweitens - deutlich gemacht habe, dass der Markt insgesamt größer werde, und sich das Prinzip Buch und die Faszination, die vom gedruckten Buch ausgehe, auch auf das Internet übertragen lasse. Und weil - drittens - klar geworden sei, dass die Branche gute Chancen habe, die Wertschöpfungskette der Zukunft zu gestalten.

Welchen Input Skipis meint und wo einzelne Markteilnehmer ihre Handlungsoptionen für die nächsten Jahre sehen, lesen Sie in unseren Berichten aus den Arbeitsgruppen (gebündelt, hier). Informationen gibt es auch auf der Website der Zukunftskonferenz.

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Schlagworte:
Zukunftskonferenz

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1 Kommentar/e

1. Lorenz Borsche 11.09.2011 18:20h

Ja, 'großartig' war die Konferenz schon, weil sehr konstruktiv gearbeitet wurde, und am Ende von zwei halben Tagen auch tatsächlich Ergebnisse sichtbar waren.

Die allerdings waren weniger "großartig", stimmten nicht wirklich optimistisch, weshalb Herrn Skipis' schon fast übermütig glückliche Schlussworte von Teilen des Plenums mit Erstaunen zur Kenntnis genommen wurden.

Um nämlich die fast *unisono* konstatierte Umsatzlücke - 25% Umsatzverlust bis 2025 im Printbereich - auszugleichen, gab es nur wenig konkrete Vorschläge, aber viel 'müsste' / 'könnte' / 'Engagement' etc.pp.

Die Zwischenbuchhändler bzw. Verlagsauslieferungen seien davon angeblich nicht betroffen, meinte einer der Väter der 55 Thesen. Diese würden nämlich Abrechnungsdienstleistungen für die elektronischen Bücher (eBooks) für ihre Verlage übernehmen, und damit die Lücke ausgleichen - von den Bücherwagendiensten natürlich abgesehen, die tatsächlich leiden würden.

Das gleiche sollte wohl auch für die Versandbuchhändler (ohne amazon) gelten, ja sogar mancher stationäre Buchhändler glaubt offenbar ein wenig daran, mit eBooks neben amazon Geld verdienen zu können.

Trotzdem sah man durchaus allseits die Sortimenter in Gefahr - und empfahl diesen das Ausweichen in den Nonbookbereich.

Ja, hoffen können wir schon, daß sich die Buchhandlung, in der ja ohnehin schon jedes zuweite Buch als Geschenk gekauft wird, in Zukunft zum kompetenten allgemeinen Geschenkeshop weiterentwickelt, aber zum einen werden das die mehr literarisch orientierten Buchhändler nicht wollen und zum anderen wird das Konzept auch nicht bei jedem aufgehen.

Eine bei dieser Konferenz aber völlig übersehene Gefahr scheint gerade mit dem vermeintlichen Heils- und Umsatzbringer 'ebook' auf uns zu kommen:

Wenn in der Schweiz die Preisbindung fällt, wie soll dann verhindert werden, daß Schweizer Großanbieter, wie Ex-Libris (= Supermarktkette MIGROS), auf ihren Websites ebooks mit hohen Rabatten anpreisen? Und wer will denn dann den Download aus Deutschland über eine Schweizer Website wirkungsvoll verhindern?

Selbst wenn das eBook mengenmäßig 1:1 den Verlust im Print abdecken könnte, wird es bei dieser Konstellation zu einem Umsatzrückgang beitragen - von der Tatsache, daß eBooks dann auch von Rechner zu Rechner wandern, so wie heute MP3-Musik (die größtenteils ja nicht über Torrent-Sites illegal geladen, sondern privat von Platte zu Stick kopiert wird), mal ganz abgesehen.

Davon wollte aber niemand was hören, und die schlechten Erfahrungen der Musikindustrie werden mehr oder weniger ignoriert. Bevor wir uns also um 2025 kümmern, sollten wir uns vielleicht dringlicher damit beschäftigen, was 2012 aus dem Nachbarland auf uns zukommen könnte - weil das die 2025er Zahlen vielleicht stärker beeinflusst als unser aller Glaskugelgucken (auch wenn wir uns wirklich alle redlich bemüht haben).

Wie man angesichts dieser eher unerfreulichen Auspizien doch zu dieser Aussage findet:

>Weil sie - zweitens - deutlich gemacht habe, dass der
>Markt insgesamt größer werde,

will sich mir nicht erschliessen. Obwohl wir in der selben Arbeitsgruppe saßen, müssen wir wohl in Paralelluniversen beheimatet sein. Mein Universum in dieser Hinsicht besteht aus vielen hundert Buchhandlungen und deren Rückmeldungen zur Marktlage sind nicht so, daß ich würde jubilieren wollen.

Der Vertreter eines großen Jugendbuchverlages brachte es drastisch auf den Punkt: "Der Markt erodiert in einer Geschwindigkeit, die wir so noch nie gesehen haben." Aha.

Trotzdem: Ja, das gedruckte Buch wird überleben, und am besten dann, wenn wir es als wertiges Produkt, das es ist, auch darstellen. Indem wir z.B. "Schwellenpreise" ignorieren und auf ##,99-Preise, die nur nach Supermarkt riechen, verzichten. Daß das erfolgreich geht, beweist Östereich, wo wegen der höhren Mehrwertsteuer jedes 9,90 Euro Buch deutlich über 10 Euro kostet, ohne daß das je gestört oder den Umsatz gemindert hätte, im Gegenteil.

Nein, wir werden den Umsatz so nicht halten können. *Inflationsbereinigt* haben wir letztes Jahr verloren, genauso wie in der Mehrheit der Jahre vorher, und ein nomineller Zuwachs von z.B. einem Prozent - und wann durften wir das schon mal bejubeln - wird von einer Infaltionsrate von 1,7% locker aufgefressen. Und wir haben dies Jahr Rückgänge von einem Prozent, nicht Zuwächse.

Woher die Meinung stammen soll, die Begeisterung fürs Prinzip Buch lasse sich ins Internet übertragen - keine Ahnung, das war auf der Konferenz so jedenfalls nicht zu vernehmen.

Daß möglicherweise das Freizeitbudget noch zunimmt, weil es mehr Nichtarbeitende gibt, ja, das kann wohl sein. Aber gleichzeitig war sich die Mehrheit einig, daß im Unterhaltungsblumenstrauss der Möglichkeiten das Lesen von Büchern verlieren wird - zugunsten anderer Arten der Unterhaltung (Youtube, PayTV etc.), von denen nur manche zum Umsatz beitragen werden, sicher aber keine zum Umsatz UNSERER Branche.

Wohl dem, der sich rechtzeitig darauf einstellt, und entsprechende Maßnahmen ergreift. Pfeifen im dunklen Wald gehört dabei sicher nicht zu den erfolgversprechenden.

MfG Lorenz Borsche

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