Zwischenbuchhandel
07.10.2011Standort Hagen wird aufgegeben
Könemann und Libri schließen Allianz
Mitte 2012 soll der Wechsel erfolgen. Die Pläne würden das Aus für den Standort Hagen bedeuten und den Arbeitsplatzverlust für 234 Beschäftigte, davon 59 in Vollzeit und 175 in Teilzeit beziehungsweise saisonal.
Kern des Joint Ventures mit Libri ist die Integration der gesamten Logistik am Libri-Standort Bad Hersfeld. »Für unsere Kunden ändert sich dabei nichts«, betonte Könemann. »Alles bleibt für sie beim Alten: die Ansprechpartner im Außendienst und Innendienst, die persönliche Betreuung, die attraktiven Konditionen, insbesondere unsere Taschenbuch-Rabatte und natürlich auch die 19-Uhr-Bestellpunkte in Nordrhein-Westfalen.« Einzig die Ware komme dann ab Mitte nächsten Jahres in einer Libri-Wanne ins Haus, der eine von Libri im Namen Könemanns erstellte Rechnung beiliege.
Verbunden mit der Neuausrichtung ist auch eine Erweiterung des Vertriebsgebiets. Neben NRW, Niedersachsen, Bremen und kleineren Teilen von Rheinland-Pfalz will Könemann in der Allianz mit Libri künftig in Gesamt-Rheinland-Pfalz in den Wettbewerb auch mit KNV und Umbreit treten.
Hintergrund der strategischen Allianz mit Libri sei die fortschreitende Marktkonzentration. »Es werden weniger Buchhandlungen«, sagte Könemann, »aber leider werden es für uns nicht zugleich auch weniger Fixkosten.« Um dauerhaft unter den veränderten Marktbedingungen rentabel wirtschaften zu können, sei es daher unumgänglich, die Kosten deutlich zu verringern – für das Hagener Gebäude, die Warenbevorratung, Investitionen in die Fördertechnik, das Warenwirtschaftssystem SAP sowie die Löhne und Gehälter.
Die Beratungen mit dem Betriebsrat über die bevorstehende Betriebsschließung seien heute aufgenommen worden. Könemann versicherte im Gespräch mit dem Börsenblatt, dass ihm an fairen Verhandlungen »mit Blick auf unsere Mitarbeiter, die zum Teil 30 Jahre und länger bei uns waren«, sehr viel liege. »Wir haben gute Leute. Es wurde immer vertrauensvoll zusammengearbeitet. Unsere Krankenstände sind äußerst gering.« Er wolle sich persönlich in den Verhandlungen der nächsten Zeit für ein sozialverträgliches Ausscheiden der Belegschaft einsetzen.
Gegenüber den umgerechnet cirka 130 Vollzeitstellen heute bei dem Hagener Unternehmen wird sich die Mitarbeiterzahl der angestrebten gemeinsamen GmbH laut Könemann auf »weniger als 20« reduzieren. Auch der neue Firmensitz werde aber im Großraum Hagen liegen. Vor dem Hintergrund der deutlich marktbeherrschenden Stellung des Stuttgarter Zwischenbuchhändlers KNV rechnet man bei Libri und Könemann nicht mit kartellrechtlichen Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Allianz.


1. Holstein 07.10.2011 15:34h
Eine sehr schlechte Nachricht. Wieder ein großer Verlust von regional gebundener Leistungsfähigkeit. Als Buchhandlung im Ruhrgebiet konnte man sich über die Möglichkeit der Belieferung am Nachmittag bei Vormittagsbestellung (des selben Tages, versteht sich) nur freuen, als Kunde dieser Buchhandlung sowieso. Na, das war dann einmal.
Und ob wir als Könemann-Kunde quasi durch die Hintertür letztendlich zum Libri-Kunden werden möchten? Eher nicht. Für die Hagener Mitarbeiter eine wirklich traurige Entwicklung.
2. Pickel 07.10.2011 16:07h
»mit Blick auf unsere Mitarbeiter, die zum Teil 30 Jahre und länger bei uns waren«.......... oha, das gibt viel zu tun für die Arbeitsgerichte! da kommen wohl einige Kündigungsschutzklagen auf Herrn Könemann zu....
3. Meier 08.10.2011 21:21h
Das ist doch alles großer Mist!
Denken die den gar nicht an die ganzen Mitarbeiter. Jetzt wird es dann noch mehr Arbeitslose geben!
So etwas ist einfach nicht in Ordnung.
Dieses kann ich nicht Unterstützen!
Am besten gleich die Lieferungen mit Könemann stoppen und einen Vertrag mit Libri abschließen, wenn die Ware sowieso aus Bad Hersfeld und in Libri Wannen gesendet wird. Dazu brauche ich auch keine Rechnung die den Namen "Könemann" trägt.
4. BvR 09.10.2011 06:44h www.buchrath.de
ein mutiger schritt um dem langjährigen fortbestand eines kleinen, engagierten nischenanbieters in der welt der beiden grossen platzhirsche zu sichern
ein mutiger mann der - keine 5 tage vor der messe 2011 seine kunden informiert und sagt.....
kommen sie zu mir auf die messe...ich stehe rede und antwort....
respekt vor einem unternehmer der in stürmischen zeiten
seinen kurs optimiert - auf die brücke geht und nicht seinen betrieb verkauft und sich aufs altenteil zurückzieht oder wartet bis ihm die banken den betrieb schliessen....
ich wünsche den - mir teilweise über jahrezehnte beaknnten kollegen in hagen einfach nur ganz viel kraft und glück in den kommenden stürmischen monaten
ich wünsche den könemannkunden den weitblick und sachverstand die grosen möglichkeiten dieser entscheidung zu verstehen.....und einigen librikunden die zeit und die kompetenz einmal in ruhe konditionen der beiden anbieter kritisch zu würdigen....
bvr - düseldorf
5. Markus Pfeffer 10.10.2011 10:06h www.buchnerd.de
Wäre dieser Schritt nicht gewesen, wer weiß, ob es die Firma Könemann in fünf Jahren überhaupt hätte geben können? Wäre Herr Könemann stur geblieben, hätte es früher oder später Gehaltskürzungen und Entlassungen peu á peu gegeben. Und in fünf Jahren? In einer Zeit, in der es für den Buchhandel sicherlich nicht einfacher werden dürfte? Dann wäre der Laden auch dicht, die Mitarbeiter wären fünf Jahre älter, und hätten es noch schwerer, eine Alternative zu finden.
Ein Unternehmer, der im richtigen Moment einen Bruch macht ist mir lieber als einer, der sein Unternehmen bis zum bitteren Ende an die Wand fährt.
Ich bekunde daher durchaus Respekt vor Herrn Stefan Könemann, und wünsche gleichzeitig allen Kollegen, die ich teilweise noch aus meiner Ausbildung kenne, die Kraft, diesen Umbruch zu überstehen.
6. Dietmar 10.10.2011 19:52h
Die Mitarbeiter von Könemann haben schon seit Jahren mit Gehatseinbußen und Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen auf die zugespitzte Lage ihres Unternehmens reagiert. Und nun das, Entlassung. Und immer trifft es die Mitarbeiter im Lager, sowohl bei Könemann als auch bei KNV/KNO-VA.
Die Inhaber lassen sich das gut bezahlen und erhalten dazu noch gutdotierte Geschäftsführerposten. Dafür habe ICH keinen Respekt.
Stellt sich die Frage, wie lange es noch reine Barsortimente gibt. Das geht nur, wenn wir Buchhändler DIESE Barsortimente unterstützen. Sonst machen Libri und KNV mit ihren Barsortiments-Verlagsauslieferungen bald den Markt mit den großen der Branche unter sich aus.
7. Jens Bartsch 11.10.2011 21:18h
Lieber Meier (Herr/Frau?),
in der Annahme, dass es sich in Ihrem Fall um den Kommentar eines Sortimenters handelt hoffe ich mehr als sehr, dass Sie Ihr Unternehmen wesentlich besser führen als das Geschriebene erahnen lässt. Ich bin von unserer Branche einiges gewohnt, habe aber selten in einem dergearteten Zusammenhang einen solchen unreflektierten und ahnungslosen Unsinn lesen müssen, wie an dieser Stelle - oh mein Gott, es tut fast körperlich weh!
Kollegial (?) Jens Bartsch
8. St. Meyer 12.10.2011 16:23h
Was ist MUTIG an einer solchen Entscheidung?
Man macht den Laden einfach zu, obwohl es funktioniert, weil es aber vielleicht einmal nicht mehr funktionieren könnte?
Unternehmerische Weitsicht bis zur nächsten Wand.
Die wahren Helden sitzen an anderer Stelle. Es sind die Mitarbeiter, die diese Firma so weit voran gebracht haben und nun einfach gehen können. Es ist die Geschichte vom Mohr...
9. Jens Bartsch 13.10.2011 20:32h
Sorry liebe/r Meyer, es tut immer noch weh, aber dennoch ein kleiner Hinweis, in welche Richtung die Denke geht. "Man macht den Laden zu", weil es eben nicht mehr richtig funktioniert und vor allem absehbar bald so wie gehabt gar nicht mehr funktioneren wird!!! Diese unternehmerische Sicht endet eben nicht an der nächsten Wand sondern geht darüber hinaus, darf daher also durchaus als "Weitsicht" bezeichnet werden.
Nach dem fallenden Groschen fragt
Jens Bartsch