E-Book

Die Zukunft kommt schneller, als wir denken

"Das Buch muss neu definiert werden." So lautete eine Kernbotschaft der heutigen Diskussionsrunde "Die Zukunft des Buchs" im Lesezelt der Buchmesse. Eine andere Kernbotschaft: Wer in der digitalen Welt den Marktzugang kontrolliert, macht das Geschäft. Deshalb dürfe man es nicht den Internet-Giganten überlassen. VON ROE

© Tobias Bohm

Der Autor Günther Dueck, der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar, FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, KiWi-Verleger Helge Malchow und Holtzbrinck-Geschäftsführer Rüdiger Salat diskutierten über den digitalen Wandel, der schneller kommen werde, als es sich die Branche eingestehen will.

"Ich glaube nicht, dass das haptische Buch bleibt. In sieben Jahren erscheinen 80 Prozent aller Bücher elektronisch und nur noch 20 Prozent auf Papier – die Wette steht!", sagte Ranga Yogeshwar bei der Präsentation der neuen Reihe Kiwi eBook Extra, in der teilweise rein digitale Titel für E-Reader und iPad erscheinen. Yogeshwar hat gemeinsam mit KiWi und einer Agentur die E-Book-Software epedio entwickelt, der es auch kleinen Verlagen ermöglichen soll, multimediale und interaktive E-Books zu entwickeln.

In der App "Rangas Welt" ist die traditionelle Struktur des Buchs aufgelöst oder nur hilfsweise noch als Option verfügbar: Statt eines Inhaltsverzeichnisses erscheint ein Wimmelbild tanzender Icons, die sich um ein zentrales Thema gruppieren, das man anklicken kann, um zu lesen, Videos und Animationen zu sehen, zu experimentieren, oder um in den Social Reading Stream von Lovelybooks einzutauchen und über das Buch zu diskutieren.

Bei aller Faszination der neuen E-Book-Technologie interessierte die Runde jedoch mehr die Frage, wer die Entwicklung des Buchmarkts steuert und dirigiert. Der Druck, den große Player wie Amazon, Apple oder auch Thalia auf Verlage ausübten, sei groß, meinte Frank Schirrmacher. Das Modell epedio biete daher die Chance, dass auch kleinere Verlage von den Möglichkeiten des digitalen Publizierens profitieren könnten.

Dass der Transformationsprozess, in dem sich die Branche befinde, fantastische Chancen eröffne, unterstrich auch Rüdiger Salat. Sorgen bereite ihm die Frage nach der ökonomischen Kontrolle und nach den Persönlichkeitsrechten. Es sei bisher kein rechtlich kluger Rahmen dafür geschaffen worden. Eine entscheidende Frage sei zudem, wie die Verlage im Netz den Kontakt zu den Kunden herstellen können, um ihre Autoren und ihre Kreativität zu transportieren.

Helge Malchow sagte, die Verlage lebten längst in der Realität der digitalisierten und globalisierten Welt. Sie blieben aber auch dort "Knotenpunkte kultureller Gestaltung" und Garanten des kulturellen Gedächtnisses. Diese Funktion müsse auch von der Politik stärker erkannt werden. Deshalb gelte es etwa die Buchpreisbindung zu erhalten.

Schirrmacher und Salat kritisierten große Player wie Apple auch wegen ihrer Zensurakte. Es könne nicht sein, dass in der Kommunikation zwischen Verlag und Leser ein Dritter dazustoße und sage: "Dieses Cover gefällt mir nicht." Dass solche Dinge geschähen, sei ein "untragbarer Zustand".

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