Zwischenbuchhandel

"Wir beliefern alle Kunden, die sich an Marktregeln halten"© Nicole Hoehne

31.10.2011KNV-Chef Oliver Voerster antwortet dem AkS

"Wir beliefern alle Kunden, die sich an Marktregeln halten"

Der Arbeitskreis unabhängiger Sortimente (AkS) hatte in der vergangenen Woche seinem Ärger über die Geschäftsbeziehungen zwischen dem Barsortiment KNV und Saturn in einem offenen Brief Luft gemacht.  "Wettbewerbsbeschränkungen funktionieren nicht und hätten nur dazu geführt, dass diese Kunden bei unseren Wettbewerbern gelandet wären", kontert heute KNV-Chef Oliver Voerster.

Bei KNV würde seit der Unternehmensgründung im Jahr 1829 eine liberale Wirtschaftspolitik gepflegt. Zu dieser Unternehmenshaltung gehöre auch, "dass wir alle Kunden beliefern, die sich an die Marktregeln halten", so das Schreiben. "Wo würden wir heute stehen, wenn wir die Belieferung von Kaufhäusern, von Papier- und Schreibwarengeschäften, von SB-Märkten und von E-Commerce-Händlern wie Amazon und Co verweigert hätten oder ihnen nur eingeschränkte Leistungen angeboten hätten, um anderen bestehenden Kunden nicht zu schaden. Solche Wettbewerbsbeschränkungen funktionieren nicht und hätten nur dazu geführt, dass diese Kunden bei unseren Wettbewerbern gelandet wären."

An der Sympathie und der Unterstützung für das kleine und mittlere Sortiment habe sich nichts geändert. Nach wie vor sind wir von der Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells von unabhängigen Buchhandlungen überzeugt. "Seit Jahren bieten wir mit unserem Programm „Fit für die Zukunft“ vielfältige und umfassende Leistungen gerade für diesen Kundenkreis an. Auch in diesem Jahr haben wir wieder Millionen Euro in weitere Entwicklungen, wie den neuen Buchkatalog.de und die Plattform KN digital mit einem attraktiven eBook-Reader (iriver), investiert. Buchhandlungen, die solche Strukturen nicht selbst aufbauen können, wollen wir damit eine Multi-Channel-Struktur ermöglichen und den Einstieg in das digitale Geschäft erleichtern", heißt es in dem offenen Brief.

Die Konzentration im Buchmarkt habe auch KNV in den letzten Jahren hart getroffen. Der Aufbau einer neuen Logistik in der Mitte von Deutschland sei notwendig, um weiter wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Belieferung neuer Absatzkanäle sei notwendig, um "einen Umsatz zu erhalten, der eine ausreichende Wirtschaftlichkeit absichert".

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Schlagworte:
KNV, Zwischenbuchhandel, AkS

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8 Kommentar/e

1. Walter 31.10.2011 12:58h

Die KNV-Entscheidung kann ich voll und ganz verstehen. Der Buchhandel ist zur Zeit in wirtschaftlich schwierigen Zeiten befindlich. Die gesamte Branche befindet sich in einem gravierenden Umbruch und der wirtschaftliche Druck wird sich auf alle Marktteilnehmer weiter erhöhen.
Daher ist es nur vernünftig, sich zusätzliche Marktsegmente zu erschliessen. Auch muss man sehen, das der stationäre Buchhandel in Zukunft eine immer weniger bedeutende Rolle bei KNV einnehmen wird.
Allein deshalb, weil gerade viele kleine und mittlere Sortimente aus dem Markt austreten (aus welchen Gründen auch immer) und das elektronische Geschäft sein übriges dazutut.
Alles in allem eine vollkommen anchvollziehbarer Schritt. Ein "Beschwerdebrief" ist daher m.E. vollkommen unnötig und spiegelt nur die Hilflosigkeit des Buchhandels in komplizierten Zeiten wieder.

2. Hachja 31.10.2011 14:33h

Was soll KNV denn tun? Auf lange Sicht solidarisch mit über die Wupper gehen?
Die kleinen Buchhändler wissen doch, wie sich der Markt entwickelt und sollten sich vielleicht mal den Finger aus dem Bauchnabel ziehen und daran denken, dass es ihnen nicht allein so geht. Auch BaSos und Verlage haben das "bequeme" Terrain schon lange verlassen. jeder schaut wo er bleibt.

3. Detlef Knut 31.10.2011 14:40h www.edition-oberkassel.de

Solange bei den Buchhändlern die Auslagen für Schminkköfferchen und Puppen genutzt werden anstatt dort Bücher auszustellen und sich Buchhändler von den Newslettern der Verlage ABmelden bleibt einem Zwischenhändler doch keine Alternative. Kann mein Vorrednern nur voll zustimmen!

4. Dr. Fehlandt 31.10.2011 16:27h

Das Lamento der Buchhändler steht aus zwei Gründen auf wackeligen Füßen:
1. Die Buchpreisbindung wird u.a. damit begründet, dass das Buch ein "Kulturgut" sei. Insofern kann doch jeder Buchliebhaber nur froh darüber sein, dass nunmehr auch SATURN Kultur unters Volk bringt.
2. Wieso wird die Energie, die man ins Jammern und Protestieren steckt, nicht positiv in Ideen umgesetzt, wie man mit einem erweiterten Sortiment Kunden in seinen Laden lockt? Wer elitär nur allein das Buch als Verkaufsobjekt im Blick hat und den Verkauf von Non-Books welcher Art auch immer mit dünkelhafter Skepsis sieht, wird auf lange Sicht immer weniger Kunden erreichen. Bei Saturn heißt es: Elektro plus X (= z.B. Buch); warum kann es im Buchhandeln nicht heißen: Buch plus X ( = z. B. Spiele, Kleidung usw.)?

5. Da schau her.. 31.10.2011 16:35h

Der Branchemumsatz betrug 2010 9,7 Milliarden, im Jahre 2000 waren es 8,5 Milliarden. Rechnet man nur die Inflation der letzten zehn Jahre mit ca. 2% p.a. müßte er heute ca 10,23 Milliarden betragen. Es fehlen also gut 500 Millionen.
Interessanter Weise verläuft dieser Rückgang mit dem Wachstum der Fillialisten und der Internetanbieter parallell.
Viele neue Innovative Vertriebswege= weniger Umsatz ?
Aus den meisten Buchhandlungen sind sogenannte Multichannel Anbieter geworden, Bücher finden immer weniger Raum. Interessanterweise gibt es einge kleine und mittlere Buchhandlungen die diesem Trend mit "Büchern pur" entgegenwirken und dabei auch noch sehr erfolgreich sind. Vielleicht sollten die klugen Damen und Herren Betriebswirte den Buchhändlern wieder das Feld überlassen. Ihre Performance in der letzten Dekade war nämlich eher etwas jämmerlich. darüber sollte auch ein Herr Voerster eventuell mal nachdenken.

6. julia 31.10.2011 20:17h

@da schau her:Um mit "Büchern pur" SEHR erfolgreich zu sein, sollte man aber auch ein SEHR guter Betriebswirt sein.
Ihre Rechnung eingangs finde ich auch ein bischen einfach.

7. da schau her 01.11.2011 11:40h

@ julia: Die Rechnung mag simpel und sicherlich provozierend sein, wird aber von den genaueren Zahlen des stat. Bundesamtes gedeckt. Das man ein guter Kaufmann sein muss, steht ausser Frage. Zusätzlich sollte man aber das Handwerk beherschen und über Phantasie verfügen. Zahlen sind ein Hilfsmittel, aber nicht der heilige Gral.
Ein guter Buchhändler kauft nicht nur Bestseller ein, er kann sie für sein Umfeld auch machen.

8. Beobachter 01.11.2011 14:58h

@Walter - genauer genommen sollte der letzte Satz heissen:"spiegelt nur die Hilflosigkeit der jammernden Buchhändler in komplizierten Zeiten wieder".
Ich kann den Widerstand überhaupt nicht nachvollziehen, dann was da passiert, ist in allen anderen Bereichen des deutschen und auch weltweiten Handels völlig normal.Das nennt sich freie Marktwirtschaft! Liebe Buchhändler, macht endlich mal die Augen auf, fangt an betribswirtschaftlich zu denken und verfolgt den gesamten Markt, nicht nur die entwicklung im Buchhandel in Eurer Fußgängerzone.Dann werdet Ihr feststellen, dass wer nicht mit der Zeit geht, mit der Zeit gehen muss.

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