Neue Fragen um fehlerhaftes Kafka-Buch

"Keine Ahnung"

Eine unglaubliche Geschichte erhält ein weiteres Kapitel: Die fehlerhafte Kafka-Ausgabe des Verlags Gehlen und Schulz wurde offenbar doch nicht von der EU gefördert. Woher das Geld stammt, ist unklar.

Eine zwei Millionen Exemplare umfangreiche, öffentlich finanzierte und vor Fehlern strotzende Ausgabe von Kafkas Roman »Das Schloss« hatte der Verlag Gehlen und Schulz an Schulen in Österreich und Deutschland verschenkt. Literatur sei kein »Rechtschreib-Wettbewerb«, wurden haarsträubende Fehler lapidar abgetan. Die „FAZ“ hat nun recherchiert, dass das Buch, anders als vom Verlag angegeben, soweit bekannt ist, gar nicht durch EU-Gelder mitfinanziert wurde. Man habe keine Hinweise auf eine Förderung, hat die EU mitgeteilt.

 

Der Verleger Adrian Schulz hat dies mit einer neuen, bizarren Stellungnahme kommentiert: „Ich habe keine Ahnung, wer das jetzt finanziert hat – EU, Österreich, BMVIT, egal. Ich habe auch keine Ahnung, wie diese Tippfehler in das Buch gekommen sind.“ Aber das sei auch unerheblich: „Rechtschreibung hin oder her – das interessiert doch niemand. Keiner kann richtig schreiben.“

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13 Kommentar/e

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  • Mathias Schindler

    Mathias Schindler

    Wie gut, dass es im Netz auch brauchbarere Umsetzungen gibt: http://de.wikisource.org/wiki/Das_Schlo%C3%9F (Text) und http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Kafka_- _Das_Schlo%C3%9F_(1926) (Digitalisat)

  • Steffen D.

    Steffen D.

    Unglaublich und geradezu ungeheuerlich, diese Geschichte. -

    Und wenn Herr Schulz nicht "richtig schreiben" kann, ist das bedauerlich - wenngleich nicht sonderlich überraschend - für ihn; aber er sollte doch wohl lieber nicht von sich auf alle anderen schließen.

  • H. Kraft

    H. Kraft

    Ich finde es einen Skandal, dass dieses fehlerhafte Buch von Kafka an Schulen in Deutschland und Österreich ver-
    schenkt wurde.
    Besonders gravierend sind die Fehler in der Rechtschreib-
    ung und die Finanzierung.
    Da sollte man jetzt eben zurückrudern. Aber dazu ist es
    sicher zu spät, denn diese Exemplare wurden ja schon
    an diese Schulen verschenkt.
    Völlig daneben ist, dass dieser Text vor dem Druck des
    Buches nicht durchgesehen wurde.
    H. Kraft

  • _

    _

    Wie die Damen und Herren mit Geldern umgehen, kann man auf der Homepage des Verlages gut nachlesen:
    http://gehlenschulz.at/News.html

  • Jörn Kobes

    Jörn Kobes

    Die in http://gehlenschulz.at/News.html angekündigte EPUB-Version strotzt trotz der Behauptung "Nach Monaten harter Arbeit und Programmierung haben wir auch eine brandaktuelle eBook Version von „Das Schloߓ fertig gestellt" ebenfalls nur so vor Fehlern – nun wird sie wie das Buch kostenlos bereit gestellt und man kann sie nach einem ersten Überflug "entsorgen", was mir bei einem Buch schon schwerer fallen dürfte.
    Schade um die Bäume und die Gelder, die egal aus welchen Töpfen, auch für einen Orthografie-Lehrgang für die Verlagsleitung sinnvoll angelegt worden wären. Denn wie möchte die Verlagsleitung ihre jungen Leser zum Lesen animieren, wenn sie nicht grundlegende sprachliche Kompetenz erkennen lässt und sie fördert. Kommt man hier einem besonderen Subventionsbetrug auf die Spur? Denn das sonstige Programm des Verlages ist nicht nur sehr dürftig, sondern auch nicht vorhanden.

  • I.D.

    I.D.

    Hmmm... wo ist denn auf der Verlags-Webseite das Impressum? Ob ein Kontaktformular ausreicht ist doch zumindest umstritten...

  • Mathias Schindler

    Mathias Schindler

    Ein Whois auf den Domainnamen liefert zumindest "lustige" Felder.

  • Münchener

    Münchener

    Ich tippe auf einen Scherz oder virales Marketing.

  • Merzmensch

    Merzmensch

    Ich habe sogar eine häretische Vermutung: das ganze sei ein Kunstprojekt. Vielleicht stimmt es gar nicht mit Mio Exemplaren und 345.000 EUR Finanzierung (da nur auf der Webseite des Verlages erwähnt)? Vielleicht sind die an die Schulen versendeten Bücher die einzigen, die eigens dafür gedruckt worden sind? (bei weitem weniger als 1.000 Exemplare, soweit ich das übersehen kann).

    So eine Kunstaktion hätte sogar was in sich, als eine Art subversives und verwirrendes Spiel mit Medien und Öffentlichkeit. Österreichische Künstler sind ja deswegen berühmt - denke man nur an die Republik Kugelmugel in Wien.

    Dafür spricht auch die Wortwahl auf den Seiten des Verlages - keiner auch so neue aufstrebende Verlag würde sich dieses Sprachniveau von Bild-Zeitung erlauben.

  • bücherfrau

    bücherfrau

    hihihihi, das kann doch nicht ernst gemeint sein:

    Ein wohlhabender Mitbürger teilt unsere Meinung, betreffend der Wichtigkeit, jungen Menschen die Begeisterung und Liebe für Bücher zu vermitteln. Aus diesem Grund hat er Gehlen und Schulz letzte Woche eine Spende von rund 280.000,- Euro überwiesen. Wir werden dieses Geld direkt verwenden, um 100.000 Aufkleber „Bücher sind wichtig!“ zu produzieren und diese in ärmeren Wohngegenden verteilen.
    (auf der website)

  • Sebastian Dederichs

    Sebastian Dederichs

    Also irgendwie wirkt das alles, gerade jetzt nach dem Beitrag von "Bücherfrau", wie ein großer Witz ... als wenn man den Buchhandel an der Nase herumführen wollte ...

  • Stefan Weidle
  • Markus Pfeffer

    Markus Pfeffer

    Herzlichen Glückwunsch an den Merzmenschen, der als erste die richtige Lösung erraten hat. :)

    Mir stellt sich jetzt vor allem eine Frage: Wo bekomme ich ein Exemplar für meine Sammlung her?

    • ...

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