Medien
11.01.2012Thalia
"Die gesamte Branche muss sich restrukturieren"
Derzeit würde bei Thalia analysiert, welche Veränderungen durchgeführt werden müssten, so Kreke, um die Umsatzrückgänge in den Sortimentsbuchhandlungen beispielsweise so schnell wie möglich durch attraktive Zusatzsortiment zu kompensieren. Darüber hinaus gelte es, das stationäre Geschäft bestmöglich mit den Online-Shops zu verzahnen und die Potenziale auszuschöpfen, die sich durch den neuen Megatrend E-Book bieten. Das Ergebnis von Thalia ist im abgelaufenen Geschäftsjahr mit fünf Millionen Euro fast 20 Millionen Euro hinter Plan zurückgeblieben.
Um die Situation zu verbessern, sei es etwa denkbar, manche Flächen zu verkleinern, auf 500 bis 600 Quadratmeter. "Wo es sinnvoll und möglich ist, werden wir die Flächen herunterfahren." Dies könne geschehen durch „passende Untervermietungen, wie mit Spiele Max“ oder die Eröffnung kleinerer Filialen. Kreke betonte aber auch, dass es große Häuser gebe, die "ordentlich Geld verdienen". Personelle Maßnahmen schloss der Douglas-Chef im Rahmen des Programms nicht aus, "wenngleich bei Thalia immer versucht wird, die Mitarbeiter innerhalb der Gruppe weiterzubeschäftigen". Trotz der Restrukturierungen solle es fünf Neueröffnungen geben.
Eine Einschätzung, wie sich der Online-Buchhandel, der bei Thalia mittlerweile 14 Prozent zum Umsatz beiträgt, entwickeln wird, hält Kreke für schwierig: "Die Kunden diktieren durch ihr Verhalten, wie es weitergeht." Er ist jedoch davon überzeugt, "dass es auch in zehn, 15 und 20 Jahren noch stationären Buchhandel geben wird“. Dieser werde „völlig anders aussehen". Für sein Haus gibt Kreke die Marschrichtung folgendermaßen vor: Nur mit operationaler Exzellenz in allen Bereichen könne es gelingen, mit der rasanten Entwicklung des Marktführers Amazon mitzuhalten und die Kunden dauerhaft an die Marke Thalia zu binden.
Christina Schulte
- 11.01.2012
- Douglas-Bilanz 2010/2011: Thalia verfehlt das gesteckte Ziel
- 04.01.2012
- Aktion: Preisrutsch bei Thalia


1. Martina Bergmann 11.01.2012 14:55h
Ich bin nicht der Meinung, dass Douglas für unsere Branche repräsentativ ist - wenigstens dann nicht, wenn wir uns als Buchhändler verstehen in dem Sinn, dass Inhalt unsere Ware ist: auf Papier, auf Tonträger, nicht zuletzt digital. Würden wir der Muse folgen und mit der gleichen Hektik durch unsere Gemischtwarenläden fegen, dann hätten wir auch diese Schwierigkeiten. Liebe Independents: Behandelt Eure Mitarbeiter weiter gut und lasst die Finger vom Unbuch. Dann gehts mit uns auch weiter. Rein Rubikon nirgends.
2. Böse Vorahnung 11.01.2012 15:17h
"Personelle Maßnahmen" werden nicht ausgeschlossen hört sich für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Thalia nicht gut an. Heißt: Entlassungen/Arbeitsplatzabbau
Der (Groß)Buchhandel hat es mit seiner Expansion übertrieben. Riesige Flächen in Top-Lagen lassen sich eben nicht mit Büchern bespielen. Nun beginnt das "downsizing".
3. Richard Feldmann 11.01.2012 16:23h
Es pfeifen seit geraumer Zeit die Spatzen von den Dächern, dass sich nun im Buchhandel die unternehmerischen Fehleinschätzungen der vergangenen Jahrzehnte bitter rächen werden. Immer größere Flächen in teuren 1A-Lagen rechnen sich nur, wenn auch das Umsatzwachstum im stationären Handel keine Grenzen kennt. Dass es aber irgendwann eine deutlich stärkere Hinwendung zum Online-Vertriebsweg geben würde, war nur eine Frage der Zeit und der, wann die netz-affine (Kunden-) Generation stärker ins Gewicht fallen würde. Nun steht in der Tat die gesamte Branche vor der Herausforderung, auf diesen Strukturwandel II angemessen zu reagieren, denn von dieser Problematik ist ganz sicher nicht nur Thalia betroffen. Dass ein nicht geringes Maß dieser "Problemlösung" auf dem Rücken der im stationären Buchhandel tätigen Mitarbeiter auszutragen sein wird, steht außer Frage.
4. Breit 11.01.2012 17:02h
Vielleicht ist ja alles viel einfacher als man denkt. Mitunter reicht es die handelnde Person an der Spitze einfach mal zu wechseln, damit nicht alles auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen wird. Nicht ganz zu unrecht heißt es ja auch: "Der Fisch stinkt vom Kopf her."
5. peter&paul 11.01.2012 18:18h
@ christina schulte
zwei aussagen ihres artikels verstehe ich schlichtweg nicht:
- >>>Das Ergebnis von Thalia ist im abgelaufenen Geschäftsjahr mit fünf Millionen Euro fast 20 Millionen Euro hinter Plan zurückgeblieben.<<<
- >>>mit operationaler Exzellenz<<< was ist das?????
@ breit
ich denke, ihre auffassung ist wohl zu kurz gesprungen.
und mit sicherheit werden wohl bedauerlicherweise die mitarbeiter darunter leiden müssen, dass die geschäftsführung seit jahren total überdimensionierte flächen präferiert hat. und dabei ohnehin schon am personaleinsatz kräftig gespart wurde.
6. Christina Schulte 11.01.2012 20:08h
@ peter & paul
Zu den Zahlen: Erwartet worden war ein Ergebnis von 25 Millionen Euro, herausgekommen sind aber nur fünf Millionen Euro - damit klafft eine Lücke von 20 Millionen Euro.
Zu der Exzellenz: Heißt sinngemäß, dass Thalia in all seinem täglichen Tun exzellent sein muss
7. Leser 11.01.2012 21:31h
sinngemäß vielleicht.
Wenn man die operationale Exzellenz googelt findet man folgende Definition:
Operational Excellence wird definiert als das allumfassendste Optimierungsprogramm für das Unternehmen, welches alle Prozesse auf Kundenbedürfnisse, Qualität und Effizienz ausrichtet. Bei Operational Excellence Programmen geht es um die schnelle Verbesserung von Problemursachen und das abgestimmte Zusammenspiel von Qualitätsmanagement, Lean Management, Prozessmanagement, Führung - im Sinne von Leadership-Excellence, Teamwork, Multi-Projekt- und Verbesserungsmanagement, Kommunikation und Motivation.
Also typisches Management-Geblubber für die Aussage: "wir wollen besser werden und gehen dafür notfalls über Leichen"
8. Oberchefmanager 11.01.2012 21:50h
@ Leser
Yep, Begriffe wie Operational Excellence sind blabla, faselfasel und buhbuh.... übersetzt heißt das: Der Umsatz stimmt nicht und die Kohle in der Kasse wird immer weniger. Man darf sich von solchen Begriffen nicht ins Bockshorn jagen lassen. Letztlich zählt nur: Umsatz, Kosten, Gewinn, Rendite... wie schon bei den ollen Römern...
9. ZsaZsa 12.01.2012 09:58h
Zu Thalia fällt mir immer wieder der Spruch ein: Zuviele Köche verderben den Brei. Es wird ständig verändert und umstrukturiert, aber den Veränderungen wird keine Zeit gelassen, ihre Wirkung zu entfalten In manchen Filialen sehr es fast wöchentlich anders aus.Kunden mögen das nicht.
10. misterkite 12.01.2012 13:25h
Es ist nicht zu fassen.Tut mir leid, aber das was der Herr Kreke da von sich gibt, finde ich "zum Kotzen". Aber die TOPFACHKRÄFTE werden es ja schon wieder richten. Erst den Bucheinzelhandel und dessen Strukturen hinrichten, dann vom eigenen Größenwahn überrannt werden, und wenn die Realität anklopft, dann dürfen es die Mitarbeiter ausbaden (natürlich wie immer im EXCELLENTEN RAHMEN). Mal sehen, wie toll das noch wird, wenn man sich die Heuschrecken ins Boot geholt hat. Nachdem was ich hier und in der FAZ gelesen habe muss ich sagen: Der Buchhandel schafft sich ab, und Douglas wird der Totengräber. Das hat nichts mehr mit "Kultur" zu tun. Wenn ich daran denke, das es mal "Büchermenschen" gab, denen eine Buchhandlung noch als Ort der "Kulturvermittlung" wichtig war, dann läuft es mir bei so Menschen wie Herrn Kreke kalt den Rücken runter. Aber egal, was kommt nach Spielzeug, Nippes, made in CHINA Plastebüchern und Billigantiquariat?? Vergleiche dazu auch den Artikel
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/aktien/douglas-aktie-fuer-einen-einstieg-koennte-es-schon-zu-spaet-sein-11603290.html
11. misterkite 12.01.2012 13:30h
Ach so, was meint Kreke eigentlich mit "der gesamte Buchhandel" . Das ist doch nur das PR-Gewäsch von einem, der für die Aktionäre schönsprechen muss. Wo habe ich das gelesen, dass ein Thalia Sprecherin sagt: Wenn wir uns aus einer TOPlage zurückziehen ist das doch die CHANCE für die Kleinen in die Lücke zu gehen. Ist das nur arrogant oder schon zynisch? Das eigene Versagen immer schön kleinreden und sich selbst den Glorienschein des Branchenführers geben. An Verlusten sidn andere (und sei es die Konjunktur schuld) und wenn das so nicht kalppt wie wir es wollen, dann machen wir den Laden dicht. Naja, mal sehen ann die ein Euro Jobber bei Thalia schaffen und die Buchhandlungen zum Discounter im KiK/Lidl Stil werden!
12. Buchhandel der ruhigen Hand 12.01.2012 13:45h
@ misterkite
Ich kann Ihren Unmut verstehen, aber aufregen lohnt sich nicht. Letztlich steht Thalia der rasanten Entwicklung im Buchhandel ebenso hilflos gegenüber wie der Rest der Branche. Keiner weiß, wohin die Reise geht. Thalia reagiert mit den altbekannten Mitteln auf Situationen, die man nicht absehen kann. Das ist doch wirklich nichts neues und im Prinzip in jeder Branche üblich. Erst mal runterfahren und sehen was passiert. Und wer gibt schon gerne eigene Fehler zu!?! also da kenne ich keinen.
Thalia wird sich in Zukunft auf eine mittlere Größe einpendeln, was Filialen, Umsatz etc. angeht. Das Onlinegeschäft wird mehr werden, das stationäre weniger. Also keine wirklichen Neuigkeiten. Schließlich diktiert der Markt die Regeln.
13. misterkite 12.01.2012 14:06h
rasante Entwicklung? Wir befinden uns im Jahre 13 nach amazon(.de). Als ich meine Ausbildung startete (97) ging das grad los, da war ein Rauschen im Wald (in 5 Jahren gibt es keinen Buchhandel mehr etc pp.) . Dann hies es, ja 8-12 % , dass kann die Branche verkraften. Dann kamen die 2000er Jahre, wo es massive Konzentration gab ("Ich war dabei") aber alles noch im Rahmen, und der Erkenntnis, dass ein "vernünftiges Wachstum" wichtig und im Sinne einer guten Unternehmerkultur ist.Denn schließlich sind ja die bestens ausgebildeten Mitarbeiter das wichtigste Kapital. Dann kam Thalia/Douglas, dann ging das Elefantenrennen los, und nach nicht mal 5 Jahren "the whole shithouse goes up in flames" . Was da an Wert vernichtet wurde, was da an Existenzen kaputtgemacht wurde, wie da Buchhändler (oh Verzeihung "Informationbroker") , man muss es mittlerweile so sagen, ausgebeutet wurden (Naja, klar bilden wir aus, und wir wollen auch nur die Besten, also strengt euch mal schön an, aber Weiterbeschäftigung, also nee Übernahme das geht so nicht) man hat da einen Bedarf suggeriert, der nach knapp 5 Jahren vollkommen vor die Wand gefahren ist.(Von den Verlagen / Auslieferungen, die erpresst wurden, will ich gar nicht sprechen) Und nun? Brecht zitieren? Klar die Nische und den Selbstausbeuter gab es immer, gibt es immer. Aber wie soll es mit "der Masse" weitergehen? Der Einzelhandel ist durch Allesfresser ruiniert. Ketten, Discounter, Franchise galore. Aber indivuelle Qualität, für die gerade Buchhandelskunden bereit sind zu zahlen, das wurde alles zu Gunsten des Shareholder Value eingestampft! Und nun ist die Kuh auf dem Eis, und es fängt an zu tauen. Danke, Dank,e Danke, ich müsste ja beinahe wieder in die Kirche eintreten, dass ich nicht mehr im Bucheinzel/filialhandel schaffen muss.
Ich frage mich, was all die smarten Business-School, Privatakademie und sonstige klassifizierte, exzellent ausgebildeten Hungerleider bei thalia machen sollen, wenn Ihnen der Stuhl vor die Türe gestellt wird? Aber Callcenter brauchen ja immer geschultes Personal, und ich wette, da verdient man auch besser!
Ich weiss, das ist vom Ausdruck her nicht so ganz angemessen, aber ich bin einfach wütend. Schaut in die USA , schaut auf den Buchhandel, und dann geht davon aus, dass wir das in 3 Jahrne genauso haben. Und dann hört hin, wenn Kreke und C. was man "Marktbereinigung" und "Gesundstoßen" schwätzen.
14. Frank Hermsteiner 12.01.2012 14:48h
'Kaputtgewachsen' kann man den Zustand von Thalia wohl nennen.
Jahrelang mit teils Mehrfachbelegungen in 1A-Lagen gegangen, große Investitionen in einen mittelmäßig angenommenen Online-Auftritt und am Schluß noch eine eigene(!) Hardware im Reader-Bereich. Da wird Geld verbrannt, dass es kracht.
Die FTD spricht heute schon nicht mehr vornehm von 'Restrukturierug' (= Analysten-Bla-Bla) sondern ganz offen von einem Sanierungsfall.
In unserer regionalen Umgebung (Krefeld) konnten wir ab 2003 beobachten, wie die Dinge liefen. Buch Habel machte seinen Flagshipstore auf, Thalia eröffnete ein paar Meter daneben, nicht viel kleiner. Heute ist Habel ein trauriger Schatten seiner selbst, der im wahrsten Sinne des Wortes Etage für Etage das Licht ausgemacht hat und über Thalia haben wir heute viel gehört.
Was mich freut ist, dass z.B. in Krefeld einige kleine Buchhandlungen durch etwas ganz langweiliges überlebt haben: solides Wirtschaften, nachhaltiges Planen und buchhändlerisches Knowhow.
15. Mannomann 12.01.2012 15:22h
Immer dieses jammern um den "guten alten" Buchhandel. Fakt ist: Es läuft eben nicht mehr so wie vor 30 Jahren. Die Zeiten sind vorbei. Schluß und Aus... das kommt nicht wieder. Der Markt und die Entwicklung schreitet weiter voran. Ob das weinerlichen Buchhändlern, die in 68-er Kloggs im Laden stehen und den gemütlichen alten Zeiten bei einem Tässchen fair gepflücktem Kaktustee nachtrauern, passt oder nicht. Glaubt etwa jemand, in anderen Branchen läuft es anders? Die Entwicklung im Markt ist eben wie sie ist. Nebenbei: Ich wette viele Buchhändler, die den bösen bösen Discountbuchhandel von Thalia & Co. verdammen, rennen selber zu Aldi und kaufen dort ihre Milch weil sie da 50 Cent billiger ist als im kleinen "Milcheinzelhandel".
16. misterkite 12.01.2012 15:51h
Das hat mit jammern nichts zu tun. Es ist nur ein Spiegelbild des kapitalistischen Kommerzunternehmertums.Was mit Thalia als Marke/Unternehmen geschieht ist mir auf gut deutsch "schnurz" . Aber was mit den Angestellten wird, nicht. Und: Wir reden hier nicht von 20 Leuten, die mal arbeitslos werden Wir reden hier auch von "Ausbeutergesellschaft" , wir reden hier, auch wenns verkommen und altmodisch klingt, von fairer Bezahlung bei ausserordentlicher Leistung, wir reden von beruflicher Perspektive, (sozialer) Sicherheit und von einem Unternehmertum, das sich einer gewissen Verantwortung für "die Gesellschaft" (jaja hohles Geplapper) bewusst ist.
Wir reden auch von den Folgen und von der "verbrannten Erde". wir reden von Vertrauen im Sektor Einzelhandel. Wir reden auch davon, ob das jetzt nur die Spitze ist, oder "wer als nächstes kommt (es ist ja nicht so, dass nur thalia Probleme hätte)
Aber bei diesem Investorengesindel gibt es ja kein Halten mehr, wenn die Felle davonzuschwimmen drohen. Was sagt eigentlich der Herr Busch? Erst alles auf "höher, schneller, weiter" setzen und dann auf einmal: "alles ist vorbei!" (ja, ich übertreibe). Nein, das ist ein ganz klarer Fall von: die Revolution frisst ihre Kinder. Und sowas ist immer absehbar, wenn man Anspruch, Realität und "great expectations" nicht zusammenpassen und nicht richtig kommuniziert werden. Und das liegt alles "an der Gier" .
Ja, ich weiss auch, dass solche ein sprunghaftes Wachstum wie thalia es hingelegt hat betriebswirtschaftlich und unternehmerisch nicht anders zu stemmen ist, aber: Niemand wird gezwungen die Nummer eins werden zu wollen! Letztlich bleiben in der causa thalia NUR Verlierer. Denn Habel und Hugendubel haben sich auch aufgerieben. Klar, die Chance für die Nische, wie ich bereits schrub, ist selbstverständlich da. Aber was wiegt die auf? Die Verödung der (Kultur)Landschaft (und Innenstädte) geht weiter.
17. Lupenreiner Buchhändler 12.01.2012 16:26h
@ misterkite
Also irgendwie komme ich bei Ihnen nicht ganz mit....
"Wir reden hier auch von Ausbeutergesellschaft..."
-> ausgebeutet werden m.E. nach Kinder in Asien, die für einen Kanten Brot 12 Stunden unter schlimmen Bedingungen in Fabriken Raketen für unbeschwertes Silvesterböllern zusammenkleben müssen.
"fairer Bezahlung bei ausserordentlicher Leistung"
-> was ist denn eine ausserordentliche Leistung im Buchhandel konkret? Woran bemißt sich das? Wer legt das fest?
"...wir reden von Vertrauen im Sektor Einzelhandel...."
-> wenn ein Einzelhandelsgeschäft in meiner Gegend zumacht, ist mein Vertrauen in den Einzelhandel nun wirklich nicht erschüttert. Selbst wenn 10 Geschäfte zumachen ist das nicht der Fall.
"...Und das liegt alles "an der Gier"..."
-> Ihr Arbeitgeber kommt zu Ihnen und sagt: "Mööönsch, klasse Arbeit. Ich zahle Ihnen 50% mehr Gehalt". Ich hoffe, Sie lehnen die Gehaltserhöhung rundweg ab. Schließlich wollen Sie ja nicht gierig sein, oder!?! ;-)
"Die Verödung der (Kultur)Landschaft... (und Innenstädte) geht weiter..."
-> wieso verödet die "Kulturlandschaft" wenn eine Buchhandlung schließt? Ich finde es schlimmer, wenn Opern, Theater, Museen etc. schließen.
18. misterkite 12.01.2012 16:55h
-> Ihr Arbeitgeber kommt zu Ihnen und sagt: "Mööönsch, klasse Arbeit. Ich zahle Ihnen 50% mehr Gehalt". Ich hoffe, Sie lehnen die Gehaltserhöhung rundweg ab. Schließlich wollen Sie ja nicht gierig sein, oder!?! ;-)
Sie gehen jetzt mal in die Innenstadt, und fragen beim lokalen Buchhändler, oder gar bei thalia nach, wann es dort, die letzte große Lohnanpassung gegeben hat. Wir müssen nicht gleich von 50% reden, aber so pauschal 3,5-5.5 % fände ich schon angemessen . (Sie scheinen nicht zu wissen, was ein angestellter Buchhändler Mitte 30mit Warengruppenverantwortung verdient , nehme ich an?)
Wann schließen Museen, Opern , Theater? Mit wievielen Euro pro Platz werden die subventioniert? "Wen" beträfe eine "Konzentration" auf dem "Opernsektor"? , vollkommen hanebüchenes Beispiel.
Außerordentliche Leistung im Buch-/einzelhandel : Schonmal ein Schulbuchgeschäft mitgemacht? Zielvereinbarungen erfüllt? Stichwort: Ladenschluss, z.b. in einem Center? Wissen Sie eigentlich, was ein Buchhändler so alles macht und können soll/muss? Wissen Sie auch, dass es die Angestellten sind, die den ganzen Ramsch, den die Drücker (Oh Pardon: die Verkaufsleitee)in die Läden feuern AKTIV (jaja, das neue Verkaufskonzept: neue Regale, blinkende Lichtlein und ein Cafe, es verkauft sich daher ja von selbst ) an den Kunden bringen?
Vetrauen Einzelhandel. Mag ja sein dass es "in der Goethestrasse oder der Königsallee" nicht auffällt, aber ich rate Ihnen mal eine Stadt wie z.B. Kassel zu besuchen . Und dann lassen Sie sich mal erklären, wie es da "vor 15 Jahren" aussah, und dann fragen Sie mal nach Vaternahm und Co. Außerdem verkennen Sie den Ansatz: es geht hier nicht um den Käufer, es geht um den Dominoeffekt. Ich will jetzt nicht so weit gehen von der "Broken-Window-Theorie" zu sprechen, aber eine Buchhandlung als "Leuchtturm" ist schon was anderes als ein Nagelstudio (auch hier sei gerne das Beispiel Kassel genannt)
Ausbeutergesellschaft.
Das ist nämlich das Problem, denn gegen Sweatshops in Absurdistan sind ja die 1Euro Spitzenkräfte wie z.B. in der Altenpflege noch überbezahlt.Warum beschwert man sich in Deutschland (die Arbeitgeber sind doch eh schon geschlagen, Stichwort "Lohnnebenkosten", und wo jetzt der Sprit so teuer ist, das wiegt die Halbierung des Spitzensteuersatz unter Schröder auch nicht auf, und jetzt können die sogar unsere Konten in der Schweiz und in Liechtenstein überprüfen und auf einmal sind wir kriminell, mit uns Reichen wird immer nur unfair umgegangen...")?
Ihre liberale Meinung im Sinne von: Wenn Sie kein Brot haben, sollen Sie doch Kuchen essen ist unglaublich. Auch wieder so ein Grund in die Luft zu gehen.
19. Lupenreiner Buchhändler 12.01.2012 17:31h
@ misterkite
"Sie gehen jetzt mal in die Innenstadt, und fragen beim lokalen Buchhändler, oder gar bei thalia nach, wann es dort, die letzte große Lohnanpassung gegeben hat"
-> Ich will nicht in die Innenstadt gehen und beim lokalen Buchhändler nach der letzten Lohnanpassung fragen. Meine Frage hat sich an Sie(!) gerichtet und ich möchte von Ihnen(!) eine Antwort dazu.
"Wann schließen Museen, Opern , Theater? Mit wievielen Euro pro Platz werden die subventioniert? "Wen" beträfe eine "Konzentration" auf dem "Opernsektor"? , vollkommen hanebüchenes Beispiel."
-> Nein, kein hanebüchenes Beispiel. Buchhandlung werden in D indirekt durch die Preisbindung subventioniert. Oder glauben Sie etwa, ohne diese gäbe es die tausenden am Rande der Insolvenz segelnden Minibuchhandlungen noch?
Und Stichwort Außerordentliche Leistung im Buch-/einzelhandel... bis acht, neun oder zehn im Laden stehen ist für mich keine außerordentliche Leistung. Tut mir leid. Das ist allenfalls ein Fall für den Nachtzuschlag. Unter dem Gesichtspunkt wäre auch das tote Fliegen wegsaugen im Schaufenster eine außerordentliche Leistung (man muß ja im Fenster in gebückter Haltung rumkriechen) und müsste hoch vergütet werden.
Ausbeutergesellschaft.... da verstehe ich Ihre Argumentation überhaupt nicht!??!
20. misterkite 12.01.2012 20:59h
"Sie gehen jetzt mal in die Innenstadt, und fragen beim lokalen Buchhändler, oder gar bei thalia nach, wann es dort, die letzte große Lohnanpassung gegeben hat"
-> Ich will nicht in die Innenstadt gehen und beim lokalen Buchhändler nach der letzten Lohnanpassung fragen. Meine Frage hat sich an Sie(!) gerichtet und ich möchte von Ihnen(!) eine Antwort dazu.
Lupenreiner Buchhändler,
Sie wollen mich nicht verstehen. Fazit ist, dass es im Einzelhandel seit mindestens Ende der 90er Jahre eine Bewegung gibt hin zur "Niedriglohngruppe" (Stichwort "Handelsassistent") Ich kann jetzt nur für mich sprechen (bin zu faul im Internet den aktuellen Durchschnittslohn zu googeln) : Als ich den Buchhandel verlassen habe, habe ich 1900 Euro brutto verdient (Etagenleitung). Aus Gesprächen mit ehemaligen Kollegen weiss ich, dass ein Brutto von ca. 2000-2100 Euro schon viel ist. Sie können sich selbst ausrechnen, was übrigbleibt. Und diese Leute sind nicht "Nebenverdiener", "Ehegattin die "etwas beiträgt" oder rein "aus Spass an der Freude Angestellte". Diese Leute sind nicht bei einer der "am Rande der Insolvenz segelnden Minibuchhandlungen " angestellt, und die meisten haben neben Abitur zumindest Hochschulerfahrung, wenn nicht gar ein abgeschlossenes Studium.
Darüber hinaus möchte ich auf den Artikel im BörBla von Dieter Dausien verweisen http://www.boersenblatt.net/462300/template/bb_tpl_sortiment/
Das sind in Ihren Augen natürlich alles „underperformer“!
"Wann schließen Museen, Opern , Theater? Mit wievielen Euro pro Platz werden die subventioniert? "Wen" beträfe eine "Konzentration" auf dem "Opernsektor"? , vollkommen hanebüchenes Beispiel."
-> Nein, kein hanebüchenes Beispiel. Buchhandlung werden in D indirekt durch die Preisbindung subventioniert. Oder glauben Sie etwa, ohne diese gäbe es die tausenden am Rande der Insolvenz segelnden Minibuchhandlungen noch?
Das ist Unsinn, die Buchpreisbindung subventioniert NICHT „die am Rande der Insolvenz segelnden Minibuchhandlungen“ sondern „schützt das Kulturgut Buch“ und erhält eine Veröffentlichungsvielfalt. (auch hier sei mahnend auf die angloamerikanischen Schreckensbeispiele verwiesen). Plus: Gleiches Recht für alle, wenn Sie sich schon abwertend über die Kolleginnen und Kollegen äußern: Dies betrifft auch amazon und co. Sprich, auch wenn das vielleicht in Ihren Ohren „links“ klingt: Diese Minbuchhandlungen beschäftigen auf sozialversicherungspflichtiger Basis Mitarbeiter, führen Gewerbesteuer und Umsatzsteuer ab, sind diejenigen , die (im Gegensatz zu den Erpressermethoden von Thalia und amazon) „normale Konditionen „ zahlen, Vertreter empfangen, achja und stellen sie Mitarbeiter ein, ohne die Sozialsysteme auszusaugen (vergleiche die Einstellungspraxis von amazon im Weihnachtsgeschäft) etc pp.
Aber das ist ja für Sie nichts wert…
Und Stichwort außerordentliche Leistung im Buch-/einzelhandel... bis acht, neun oder zehn im Laden stehen ist für mich keine außerordentliche Leistung. Tut mir leid. Das ist allenfalls ein Fall für den Nachtzuschlag. Unter dem Gesichtspunkt wäre auch das tote Fliegen wegsaugen im Schaufenster eine außerordentliche Leistung (man muß ja im Fenster in gebückter Haltung rumkriechen) und müsste hoch vergütet werden.
!. Was ist für Sie „hoch vergütet“ ? Und wenn sich buchhändlerische Arbeit für Sie mit „Schaufenster aussaugen“ erschöpft, dann zeigt dies, dass Sie keine Ahnung haben.
Daher möchte ich mich auch nicht weiter mit Ihnen auseinandersetzen.
21. misterkite 12.01.2012 21:41h
sehe gerade das der link nicht funktioniert, hier die richtige url
http://www.boersenblatt.net/462300/
22. Antiquar 13.01.2012 12:19h
Was in den letzten Jahren an Großbuchhandlungen entstanden ist, ist Ausdruck von Größenwahn, an einer realistischen, voraussehbaren Marktentwicklung vorbei geplant. Viele Traditionsfirmen wurden dabei, eben mal so, bei der rücksichtslosen Umsetzung dieser Pläne, platt gemacht. Jetzt, nach nur wenigen Jahren, kommt die Kehrtwende. Ich fühle mich in meinen Erwartungen bestätigt, empfinde aber keine Genugtuung, da die entstandenen Schäden nicht wieder gut zu machen sind.
23. Aufmerksame Leserin 13.01.2012 14:27h
In der Financial Times ist heute eine Meldung vom
Douglas-Konzern erschienen: Thalia und Christ
stehen zum Verkauf. Vor ca. 2 Stunden.
24. A. Huber 13.01.2012 15:13h www.LuuBooks.de
Der Link dazu
http://www.ftd.de/unternehmen/handel-dienstleister/:handelskonzern-in-schwierigkeiten-douglas-soll-zerschlagen-werden/60153953.html
25. Robert 16.01.2012 15:55h
-Zerschlagung Douglas : solange keine Investoren gewonnen wurden um Douglas von der Börse zu nehmen, kann doch noch gar nichts entschieden sein - das sind doch nur Gerüchte...
- Thalia zahlt Tarif dh für die Löhne sind Arbeitgeberverbände im Einzelhandel sowie Ver.di zuständig, bitte da beschweren