Sortiment
11.01.2012Umsatzentwicklung im Buchhandel
Ein Minus, das viele Gründe hat
Die Sieben gilt als magische Zahl. Vielleicht bald auch für die Buchbranche? Denn nach sieben Jahren ist der stete Umsatzanstieg jetzt zum Erliegen gekommen. An das biblische Bild von den sieben fetten Jahren, auf die sieben magere folgen, mag man in diesem Fall gar nicht denken. Erstmals gibt es für 2011 wieder einen negativen Umsatzverlauf von 1,8 Prozent zu vermelden, und zwar über alle Vertriebswege hinweg. Das Sortiment ist den Kummer gewöhnt: Es lebte bereits 2010 mit Einbußen von 2,8 Prozent (2011: minus drei Prozent).
Die Trendumkehr der wirtschaftlichen Entwicklung im Buchhandel erfolgt antizyklisch zur Gesamtwirtschaft. Unerwartet kommt das nicht. Während der Einzelhandel für 2011 mit dem besten Jahr seit einer halben Dekade rechnet, koppelt sich die Buchbranche von dem positiven Trend ab. Genauso, wie sie sich anders herum den negativen Einflüssen der Wirtschaftskrise entziehen konnte. Vieles spricht dafür, dass branchen-spezifische Gründe das Minus bewirkt haben – und keine gesamtwirtschaftlichen, die weitaus schwerer zu beeinflussen wären.
Da ist beispielsweise das gebremste Wachstum des Online-Buchhandels. Die Boomphase ist vorüber, so dass dieser Vertriebsweg nicht mehr überkompensatorisch wirken kann. Da ist aber auch der stete Rückgang der Bücherpreise, wie sie Statistisches Bundesamt und Barsortimente jüngst wieder konstatiert haben. Ein hausgemachtes Problem, das zu lösen möglich wäre. Mahnen doch vermehrt Buchhändler die Verlage an, Bücher teurer zu machen. Und da ist, natürlich, das gemächlich anlaufende Geschäft mit E-Books und E-Readern. In den vergangenen Wochen wurden erste Schritte gemacht, nennenswerte Umsätze sind bislang nicht erzielt worden. Insofern ist hier vorerst keine kompensatorische Wirkung zu erwarten. Eine kannibalisierende aber auch nicht. An den Schrauben drehen, an denen es möglich ist – dann müssen nicht noch sechs weitere Umsatzausrutscher folgen.
- 11.01.2012
- Branchen-Monitor Buch: Jahresbilanz mit Minuszeichen


1. Markus Groß 11.01.2012 20:01h
wie jetzt??? wieso 'gemächlich anlaufendes' E-Book Geschäft?? Nur 'erste Schritte gemacht' und keine
'nennenswerte Umsätze'??? Aber wie passt das zu den hier veröffentlichten Jubelmeldungen von neulich .. zu dem losgetretenen Hype ... alles nur Gequatsche???
Aber meine Beobachtungen sind auch so. In 3 Filialen prominent Reader plaziert ( als sie dann endlich geliefert waren) ,,, Kunden angesprochen .. dekoriert und alle haben sich angestrengt etc ... Resultat:
Wir hatten für etliche Tausend Euro KNV und MVB Reader eingekauft...und trotz großer Bemühungen bis Weihnachten genau NULL verkauft ...
Seitdem sind immerhin 3 MVB Reader (in allen 3 Filialen zusammen) verkauft ... auf dem Rest sitzen wir fest ..
...und nun?
M.G.
2. Onkel Lothar 11.01.2012 21:44h
@ Markus Groß
"auf dem Rest sitzen wir fest .. ...und nun?"
Steht doch Im Artikel oben.... "An den Schrauben drehen, an denen es möglich ist..."
3. Leser 11.01.2012 22:13h
interessante Anmerkung von Herrn Groß.
Gibts noch andere Erfahrungsberichte aus dem kleinen und mittleren Sortiment, wie dort Liro und Co. gelaufen sind?
4. dorothee junck 11.01.2012 23:10h
Wir haben uns ausschließlich für den Liro entschieden und 5 Reader verkauft. Wir haben im Weihnachtsgeschäft das Angebot einer Schulung auf dem Liro genutzt (Termin war eher ungünstig) hat aber zur Kompetenz inhaltllich beigetragen. Der Liro ist für uns als mittleres Sortiment eine gute Möglichkeit dem Kunden einen attraktiven Reader und einen Shop anzubieten, wir sind dabei erwarten aber keine nennenswerten Umsätze.
5. André Duve 13.01.2012 09:35h
Wundert mich nicht, dass die Liro-Reader zum Ladenhüter werden.
Die meisten Kunden, die sich für einen E-Book-Reader interessieren informieren sich vorher auch ausführlichst und greifen dann in der Regel zu einem Gerät mit EInk-Display.
6. Markus Groß 13.01.2012 09:58h
@5 Lieber André Duve
wir haben 3x so viele KNV Reader in den Läden stehen und wir finden den alle besser und empfehlen ihn wenn wir die beiden Geräte vorstellen besonders. Resultat NULL Verkäufe ...
Wir müssen jetzt überlegen was wir mit all den nicht-remi fähigen Geräten machen ... wir überlegen wie und unter welchen Bedingungen wir nicht einige der Geräte zu Leihgeräten machen können... andere Ideen?
7. Jupp 13.01.2012 11:09h
@ Markus Groß
Ich bin diese Woche aus dem Urlaub zurück gekommen. Auf dem Flug hatten jede Menge Leute eReader bei sich und haben damit gelesen. Irgendwo müssen die Reader doch gekauft worden sein!?! könnte es sein, das der Buchhandel in D vom Konsumenten noch nicht als "Quelle" für den Kauf elektronischer Artikel, hier speziell eReader, wahrgenommen wird? Vielleicht assoziieren die Menschen den Buchhandel noch mit "Papier, Buch, Zeitungen etc." und nicht mit elektronischen Geräten/eReadern!?! möglicherweise denken die Verbraucher... "Hey, ich hätte gerne einen eReader. Also gehe ich doch mal zum Media-Markt. Oder ich schaue mal in Internet", denken aber nicht ..."dann gehe ich doch mal in meine Buchhandlung vor Ort". Meines Erachtens muß sich der Buchhandel, was die eReader Geschichte angeht, noch mehr als "Quelle" etablieren.
8. André Duve 14.01.2012 10:16h
@Markus Groß
Ich gebe Ihnen Recht, dass die Situation im Buchhandel für dieses Thema nicht einfach ist, jedoch ist meine Meinung (ausdrücklich meine Meinung), dass im deutschsprachifem Raum einfach der Zeitpunkt und die Chancen vertan, bzw. schlecht geredet wurden. Den Umsatz machen jetzt eben andere. Wie @Jupp richtig sagte, der Bchhandel ist in der Wahrnehmung der Kunden eben nicht der erste Ansprechpartner für eReader.
Ich habe lange Jahre für die Media-Saturn Holding gearbeitet und in Fällen von klarer Unverkäuflichkeit von Geräten gab es immer Gespräche mit den entsprechenden Lieferanten, logischerweise mit dem Ziel Verkaufsunterstützung zu erhalten. Das konnten Retouren sein, oder WKZ, die direkt auf den Einkaufspreis verrechnet wurden um Abverkaufsaktionen zu starten, etc. Gehen Sie davon aus, dass wir das gesamte Piano gespielt haben, um diese Situation in den Griff zu bekommen.
Zum Gesamtthema ist zu überdenken, wie sich der Buchhandel positionieren will, es werden ja durchaus ansehnliche Umsätze getätigt, ich sage jetzt mal das böse Wort "Amazon". Die sind ein Paradebeispiel dafür wie man dieses Thema positiv angeht, auch wenn man sicher konträr dazu stehen kann und darf. Nüchtern betrachtet haben alle anderen Marktteilnehmer in diesem Segment nun einen deftigen Rückstand, den es zu kompensieren gilt. Tut man das nicht, verliert man nicht nur den Umsatz in diesem Segment, sondern mittelfristig auch Kunden, was sich nachhaltig auf die Branche auswirken wird.
Eine Lösung dafür habe ich nicht zur Hand, ausser der Rat die Chancen, die sich hier bieten zu nutzen und dieses Thema endlich mit dem nötigen Ernst zu betrachten, es nicht zu negieren, sondern zu akzeptieren, dass hier extremer Handlungsbedarf herrscht. Das geht auch nicht gegen Sie, lieber Herr Groß, ich meine damit den gesamten deutschsprachigen Buchhandel als Ganzes.