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19.01.2012Restrukturierung
Die Kurskorrektur bei Thalia – und die Folgen
Die Nachricht, dass die Douglas-Gründer ihrer Buchsparte nach dem Gewinneinbruch einen neuen Kurs verordnen und sich mit der Hilfe von Finanzinvestoren von ihren Börsenpflichten freikaufen wollen, hat in der Buchbranche einigen Staub aufgewirbelt. „Was wird aus Thalia?“ – fragten sich viele. Wird der Filialist abgestoßen? Sind, wie etwa „Die Welt“ meinte, die „Buch-Supermärkte am Ende“?
Anteilseigner bleiben in Deckung
Heute, eine Woche später, widmen sich die Medien längst wieder ganz anderen Themen. Die Mutmaßungen über Douglas lassen nach, der Aktienkurs fängt sich wieder, Anteilseigner wie Oetker oder Erwin Müller bleiben in Deckung. Innerhalb der Buchbranche wird indessen weiter diskutiert – über das Naheliegende: die Folgen des vor einer Woche verkündeten Restrukturierungsprogramms bei Thalia.
Zur Erinnerung: „Wo es sinnvoll und möglich ist, werden wir die Flächen herunterfahren“, ließ Douglas-Vorstandschef Henning Kreke bei der Bilanzpressekonferenz wissen. Seine neue Obergrenze liegt bei 500 bis 600 Quadratmetern pro Filiale – und damit noch einmal deutlich tiefer als bei der Downsizing-Runde des Jahres 2011 (800 bis 900 Quadratmeter). Die freien Flächen würden für „attraktive Zusatzsortimente“ genutzt, oder – wie zum Beispiel im Fall des Spielwarenhändlers Spiele Max – weitervermietet. Fazit: Der Platz, den Douglas/Thalia Büchern noch zugestehen, schrumpft weiter (mehr: siehe Archiv, unten).
Wie die Branche darüber denkt und darauf einstellt? boersenblatt.net hat nachgefragt:
Uli Deurer, Kunstmann
Ich mag in die Untergangsstimmung, die vielerorts herrscht, nicht einstimmen. An unserer Zusammenarbeit mit Thalia wird sich vermutlich kaum etwas ändern. Für große Verlage, die darauf aus sind, ihre kompletten Programme in die Filialen zu bringen, sind die Auswirkungen sicherlich ungleich größer.
Jürgen Horbach, KV&H
Überraschend ist bei der Flächenreduktion von Thalia nur, dass sie jetzt erst kommt. Dass ein Verdrängungswettbewerb wie in Dortmund, Krefeld oder Köln auf Dauer nicht gut gehen kann, war absehbar. Wir werten die Entwicklung, die ja nicht nur Thalia betrifft, als Chance, um für unsere Kalender und Papeterieprodukte mehr Fläche zu bekommen, neue Präsentationskonzepte zu entwickeln. Es geht darum, Produkte anzubieten, die sich auf der Fläche verkaufen. Schließlich setzen die Großen deshalb auf Non-Books, weil die Artikel sich schneller drehen. Bestseller im Buchbereich werden davon nicht tangiert. Schwerer wird es für die entwicklungsfähigen Titel mit mittleren Auflagenhöhen.
Klaus Kluge, Lübbe
Wir sind in intensiven Gesprächen mit Thalia und hoffen, dass wir die gute Zusammenarbeit fortsetzen können. Vor allem für unsere Genretitel ist das zentral. Nicht zuletzt haben wir mit der Übernahme von Räder auch auf das Anliegen des Handels reagiert, den Non-Book-Bereich zu stärken.
Michael Lemling, Lehmkuhl in München
Großflächen stehen nicht vor dem Aus – auch wenn sie seltener werden. Kleine Händler wie wir können vom Downsizing auf jeden Fall profitieren – weil Kunden noch stärker klar wird, was wir bei Beratung und Auswahl für sie leisten.
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1. Angestellter Buchhändler 19.01.2012 16:46h
"Und was wird aus den bei Thalia Beschäftigten?" - diese wichtige Frage wurde vom Börsenblatt bisher nicht gestellt. Sie ist jedoch von ganz entscheidender Bedeutung bei der Erörterung der "Folgen des vor einer Woche verkündeten Restrukturierungsprogramms bei Thalia". Bitte nachholen!
Kompetente Ansprechpartner gibt es doch: Betriebsräte und Gewerkschafter. Weiterhelfen könnten sicherlich auch die KollegInnen der ver.di Infoblogs www.hugendubel-verdi.de und http://weltbild-verdi.blogspot.com
2. Buchwiese 19.01.2012 17:39h
Abgesang auf den Gigantismus auch diese Bäume wachsen nicht in den Himmel...und 400 € Jobs gibts allemal..
Klein, fein und Qualität kommen wieder
3. Sven Kehl 02.02.2012 17:55h www.buchhandlung-pegasos.de
Die Schieflage der (stationären) Branchengrößen ist Fakt, amazon steigert mal wieder den Umsatz und das e-book dreht uns allen einen Strick....so, oder ähnlich erweisen sich derzeit sehr viele Gedanken und Furchtszenaren. Und während wir, die Buchhändler, uns tatsächlich gemeinsam gegen den Internet-Giganten wehren sollten, verstehe ich die Häme und Schuldzuweisungen gegenüber Thalia nur bedingt. Vielleicht ist es nun schon wieder zu lange her, aber die Fairniss gebietet, sich ins Gedächtnis zu rufen, dass EINIGE Mittelständler Ihre Unternehmen und Filialketten seinerzeit Thalia zum Kauf anboten um mit einem "guten Schnitt" und rechtzeitig auszusteigen; nebenbei dürften damit auch einige Arbeitsplätze (auf Zeit) gesichert worden sein.
Langer Rede, kurzer Sinn: Thalia zu verdammen hilft uns bei den wirklich drängenden Problemen, wie der Möglichkeit illegaler e-book downloads und der u.a. durch Mehrwertsteuer-Tricksereien wachsenden, branchenübergreifenden Krake A... nicht weiter.