Sortiment
25.01.2012Thalia schließt am Kölner Neumarkt
"Schwierige Flächenaufteilung"
Die Umsatzentwicklung der Buchhandlung sei bereits seit längerer Zeit rückläufig gewesen. Eine sinnvolle Flächenreduzierung oder Untervermietung sei nicht möglich gewesen. Daher habe sich Thalia entschlossen, die Buchhandlung aufzugeben. Details dazu:
- Das Sortiment in der Neumarktstraße 18 gehört seit 2004 zu Thalia – seit der Übernahme des Regionalfilialisten Bouvier/Gonski. Mit ihren 1.600 Quadratmetern konnte sie gegen die Mayersche, die nur einen Steinwurf davon entfernt ein Buchhaus mit 5.650 Quadratmetern betreibt, allerdings wenig ausrichten (Standorte in Köln ingesamt: 5, mit derzeit ca. 11.000 Quadratmetern).
- Mit der Schließung verliert Thalia den Zugang zur hochfrequentierten Innenstadt – und zugleich ihre größte Filiale in Köln.
- Was der Douglas-Tochter bleibt, sind rund 2.600 Quadratmeter, die sich auf drei Shopping Center in Stadtteillage verteilen – in Chorweiler (Mailänder Passage), Kalk (Köln-Arcaden) und Weiden (Rhein-Center).
Hintergrund zur Gesamtwetterlage: Die Douglas-Gründer hatten ihrer Buchsparte nach dem Gewinneinbruch einen neuen Kurs verordnet. „Wo es sinnvoll und möglich ist, werden wir die Flächen herunterfahren“, ließ Douglas-Vorstandschef Henning Kreke bei der Bilanzpressekonferenz in der vorvergangenen Woche wissen. Die neue Obergrenze gab er jetzt mit nur noch 500 bis 600 Quadratmetern pro Filiale an. Die freien Flächen sollen für „attraktive Zusatzsortimente“ genutzt, oder – wie zum Beispiel im Fall des Spielwarenhändlers Spiele Max – weitervermietet werden. Außerdem wurde bekannt, dass Douglas Gespräche mit Finanzinvestoren führt, damit die Gründerfamilie Kreke ihre Thalia-Anteile erhöhen kann.
Die Einnahmen der Douglas-Tochter Thalia sind im Geschäftsjahr 2010/2011 zwar gestiegen – doch der Gewinn schrumpft: Das Ergebnis vor Steuern reduzierte sich im Vorjahresvergleich um rund 20 auf fünf Millionen Euro. Von September 2010 bis Oktober 2011 konnte der Filialist laut Douglas 3,2 Prozent mehr umsetzen (934,5 Millionen Euro, netto) – und rutschte dennoch ins Minus: Auf vergleichbarer Basis sanken die Einnahmen um 1,0 Prozent. Die 295 deutschen Filialen erwirtschafteten einen Umsatz von 703, Millionen Euro (netto) – zwei Prozent mehr als 2009/2010 (vergleichbar: minus 0,1 Prozent). Die Onlineumsätze hingegen erhöhten sich um mehr als 20 Prozent und machen nun 14 Prozent des Gesamtumsatzes aus.
- 19.01.2012
- Restrukturierung: Die Kurskorrektur bei Thalia – und die Folgen
- 18.01.2012
- Douglas: Der Strich durch die Rechnung
- 13.01.2012
- Douglas: Spekulationen um die Zukunft von Douglas
- 11.01.2012
- Thalia: "Die gesamte Branche muss sich restrukturieren"


1. Klaus Dohmen 25.01.2012 11:01h www.antiquariat-eule.de
Traurig, was die Geschäftsleitung und -führung mit der Traditionsbuchhandlung »Gonski« veranstaltet hat.
Knapp 10 Jahre nach der Insolvenz von Bouvier verschwindet ein ehemaliger Meilenstein des Kölner Buchhandels für immer. Und die dreißig Mitarbeiter durchleben das Schließungsszenario nun ein zweites Mal und sehen überwiegend einer ungewissen Zukunft entgegensehen.
Der Schuldige ist auch gleich gefunden und benannt. Rückläufige Umsätze und nicht realisierte Untervermietungskonzepte.
Das mit der Untervermietung gehört dann wohl eher in der Welt der Sagen und Märchen!
Richtig wäre die Aussage, dass man durch jahrelange Konzeptlosigkeit für diesen Standort scheiterte. Denn, die Kunden haben den Wandel von einer Vollbuchhandlung mit großen Fachbuchanteil in eine Buchhandlung des reinen populären Boulevardsortiment nicht honoriert.
Wenn das mal nicht zu denken gibt.
2. Hugendubler 25.01.2012 11:12h
Jetzt geht's bei Thalia heftig "zur Sache": Arbeitsplatzverlust für Hunderte von Thalia-Kolleginnen und -Kollegen steht bevor. Schließt Euch mit uns von Hugendubel und Weltbild zusammen, laßt uns gemeinsam protestieren gegen diese unverantwortliche Unternehmenspolitik unserer Arbeitgeber: zuerst ungebremstes (Flächen-)Wachstum "auf Teufel komm raus", danach die Kehrtwende mit Filialschließungen und Entlassungen.
Gemeinsam sind wir stark! Wehrt Euch, zusammen mit uns DBH-lern!
3. Bookseller 25.01.2012 11:51h
Man kann Herrn Dohmen hier nur zustimmen: Eine Institution ist planmäßig heruntergewirtschaftet worden. Gonski war vor der Übernahme eine Instanz und berühmt für seine gut sortierten Fachabteilungen mit motiviertem und qualifiiziertem Personal, das auch die Veränderungen der letzten Jahre engagiert mitgetragen hat. Für Fachverlage zeigt sich deutlich, dass dieses Filialunternehmen immer weniger Vertriebspartner sein will und sein wird. Ein Trauerspiel!
4. Leser 25.01.2012 13:26h
ich dachte Gonski war vor der Übernahme pleite.
Oder kann auch ein Instanz pleite sein?
5. Richard Feldmann 25.01.2012 13:46h
Auch für den Buchhandel gilt: Was letztlich zählt ist der wirtschaftliche Erfolg. Man kann die jetzt bevorstehende endgültige Schließung des „Kölner Buchhauses Gonski“ mit Recht bedauern, weil hier einmal mehr ein Traditionsunternehmen unter die Räder gekommen ist, das früher ganz sicher seine Daseinsberechtigung hatte und sich stets durch ein gepflegtes Sortiment und fachkundiges Personal auszeichnete.
Fest steht aber auch, dass Gonski aufgrund der schwierigen baulichen Struktur schon vor der Übernahme durch Thalia äußerst problematisch zu bewirtschaften war. Aufgrund der zahlreichen Ebenen und Halbetagen handelte es sich um einen sehr personalintensiven Betrieb. Das daraus resultierende, weit über dem Branchenschnitt liegende Kostenniveau im Verein mit der extremen Wettbewerbssituation am Standort Neumarkt führten letztlich zu der Entwicklung, deren zwangsläufigen Schlussakt wir jetzt miterleben.
Diese Entwicklung allerdings nur einer verfehlten Unternehmens- und Sortimentspolitik anzulasten, ist m. E. zu kurz gedacht. Sie ist auch den strukturellen Verwerfungen im Buchhandel geschuldet, die in den vergangen Jahren schon eine Menge Opfer gefordert haben und dies auch in Zukunft noch tun werden.
6. Heiner 25.01.2012 14:17h
@ Hugendubler 25.01.2012 11:12h
Ich frage mich immer, was ein Protest wirklich an "realen" Ergebnissen bringt!?! schließlich kommen die Kunden nicht aufgrund eines Protests der Mitarbeiter in die Filiale und kaufen die Regale leer. Schon gar nicht in der heutigen Zeit.
Und wenn man sich "gewehrt" hat und die Filiale bestehen bleibt? Wie lange soll das gut gehen? Ein Jahr? Zwei Jahre? Sicherlich nicht für länger. Nach kurzer Zeit steht die Filiale wahrscheinlich wieder auf der Kippe und das zittern um die Arbeitsplätze geht von vorne los.
7. Bookseller 25.01.2012 16:16h
@ Leser
es waren die ambiotionierten und letztlich gescheiterten Berlin-Eskapaden des "Regional-Filialisten" Bouvier-Gonski Anfang der 90er, die das an sich gesunde Unternehmen in Schieflage brachte. Das wollen wir nicht vergessen, nicht wahr?!
8. Klaus Dohmen 25.01.2012 17:48h www.antiquariat-eule.de
@ Richard Feldmann
Sicher ist die Situation am Neumarkt seit »M« in die Galerie zog, schwierig. Auch hat sich Kundenverhalten und - bedürfnis in den letzten Jahren merklich verändert.
Eine schwierige Standortsituation mit baulichen Herausforderungen ist sicher auch nicht hilfreich und kommt zu dieser Situation hinzu. Die personalintensive Bewirtschaftung - wegen der Halbetagen - sehe ich ähnlich.
Dennoch haben gerade Sie in Ihrer Buchhandlung einen ähnlichen Fuchsbau mit unterschiedlichen Podesten, Zwischen- und Halbetagen, weiten Wegen und Treppen... Und? Funktioniert doch!
Zu kurz gedacht?
Wenn ein überall verfügbares Sortiment, welches komplett austauschbar ist in Massenstapeln zum reinen Abverkauf präsentiert wird. Was ist denn dann die Intension, gerade dies an einem »schlechten« Standort zu tun? Welchen Mehrwert bekommt der Kunde denn geboten, wenn er den Standortnachteil in Kauf nimmt?
Null und nichts.
Wenn eine Geschäftsleitung im Buchhandel nur verwaltend agiert, ist das Scheiten vorprogrammiert. Wo ist der Esprit, wo ist die Herausforderung? Wo ist die richtige Ansprache an den Kunden?
Ich meine nun nicht, den Kunden permanent mit Hilfeangeboten zu penetrieren...
Wo ist die Geschäftsleitung, die sich nicht abends weinend in ihrem Kämmerlein verschließt, sondern im öffentlichen Leben (gerade wichtig in Köln) mitmischt, Kontakte knüpft und Kunden gewinnt und auch bindet. Und genau dieses Wissen auch an ihre Mitarbeiter weiterreicht...
Nein, nein, der Kunde ist zwar der Geldbringer aber der Weg zum Kunden ist den Verantwortlichen für immer verschlossen geblieben. Egal, wie groß die Anstrengungen auch waren und an anderen Standorten auch sein werden.
Ja, auch hier gibt es im Konzern Ausnahmen.
Und doch, Herr Feldmann, es ist vor allem die Unternehmens- und Sortimentspolitik die nun den endgültigen Untergang von Gonski besiegelt.
9. Ulrike Bachem 25.01.2012 17:57h
Traurig, traurig, ich weiß wovon ich rede und wünsche allen Gonski-Mitarbeitern alles alles Gute
10. koelner 25.01.2012 21:51h
Wo ist das Profil? Thalia war zunehmend nur das schlechter gemachte 'M', es bot keine wirkliche Alternative, hat eben auch nur auf Masse und Mainstream gesetzt. Es hätte Chancen bei Mut zur Profilierung gegeben gerade mit den profilierten Buchhändler, die es immer noch im Kölner Haus gibt. Ihnen wünsche ich eine gute Zukunft-
11. Antiquar 26.01.2012 17:19h
Wir haben uns damals in Bonn sehr gewundert, Gonski mit dem Bouvier des Herrn Grundmann vereinigt zu sehen. Dieser setzte bei seiner regionalen Politik schon damals auf das 'Buchkaufhaus' und vernachlässigte Kundenberatung und Buchhändlerausbildung.
Das ist eine Geschäftspolitik, die zu dem Mangel an Mehrwert für die angestammten Käuferschichten führte. Ein Mangel, an dem die Strategie von Thalia nichts geändert hat.
12. Ulrike Kok 26.01.2012 20:42h http://agenturundunternehmensberatung@wordpress.com
Um mit Karl Valentin zu reden: "Es ist alles gesagt, aber nicht von allen" möchte ich mich als langjährige Mitverantwortliche für das Kölner Buchhaus Gonski von 1985-1999 zu Wort melden.
Gonski war einmal in den 90er Jahren die "Beste Buchhandlung Deutschlands". Dafür ist von den Mitarbeitern, die dieses Ergebnis ermöglicht haben, hart und gerne gearbeitet worden- und zwar auch abends bis spät in die Nacht nach Ladenschluss, wenn es darum ging, Starautoren und Gäste zu begrüßen.
Die Aura der Autoren, die Öffentlichkeitsarbeit, die kompetenten Buchhändler, Fachabteilungen mit größtmöglicher Auswahl und Sortimentstiefe waren die Spezialität des Kölner Buchhaus Gonski. Das Haus war architektonisch ansprechend- aber nicht praktisch für Kunden und Mitarbeiter.
Trotzdem waren die Ergebnisse sensationell gut, weil vieles authentisch war und wirkte, wir zu Köln gehörten und viel für die Stadt getan haben, z.B. den Literaturpreis gespendet, Gründungsmitglieder im Literaturhaus waren und den Kölner Büchersommer, der ein Herbst wurde, auf dem Kölner Neumarkt geggründet und gemeinsam mit dem Verein veranstaltet haben. Es hat einfach alles Sinn gemacht.
Für einen Konkurrenzkampf am Neumarkt mit der von meiner Seite hochgeschätzen Mayerschen Buchhandlung war Gonski nicht aufgestellt. Der Grund lag hauptsächlich
in fehlendem kommunikativem Umgang miteinander und war dem Umstand geschuldet, dass die Kasse in der Wendezeit in Berlin durch Expansion aufgebraucht war. Das allerdings kann man der Führung zwar vorwerfen, jedoch war gerade Unternehmerhandeln seinerzeit sehr gefragt. Was auf uns zu kam, war meiner Meinung nicht vorhersehbar.
Ich verlor als Erste 1999 meinen Arbeitsplatz als Geschäftsleiterin und Prokuristin von Gonski.
Als mich 2003 der Insolvenzverwalter als Filialleiterin zur Abwicklung einsetzte, habe ich nach dem Verkauf an Thalia, dem eine wahre Bieterschlacht vorausging, die Buchhandlung noch umbauen und umstrukturieren dürfen.
Die noch verbliebenen Mitarbeiter mußten das Thalia Konzept umsetzen und die Kunden haben das nicht verstanden.
Mitarbeiter wurden durch Fläche ersetzt, wie bei allen Großbuchhandlungen und die Beratungsqualität, die von Amazon unterscheiden kann und muss, war nicht mehr gegeben.
Die Umsätze schrumpften weiter. In diesem Dilemma steckt nun allgemein der stationäre Großbuchhandel.
In dieser Situation den Mitarbeitern vom Neumakt Mut zu machen, nach vorn zu sehen, sehe ich nach wie vor als Aufgabe an. In diesem Sinne wünsche ich allen wirklich alles erdenklich Gute. Es geht immer weiter!
Ulrike Kok
13. Buchhändler 26.01.2012 22:02h
Sicherlich macht es die Lage dieser Buchhandlung am Neumarkt unweit der Mayerschen Buchandlung, welche den Grossteil des Puklikums aus der Schildergasse einfängt, nicht einfacher eine vernünftige Buchhandlung zu betreiben. Allerdings bin ich nicht zu naiv, wenn ich der Überzeugung bin, dass Verkäuferschulungen im Buchhandel hinsichtlich "Überzeugungsargumente zum Kauf etc."auf Dauer keine Früchte tragen werden. Also solche, die einstudierte Kundenansprachen und sogenannte Verkausargumente beinhalten, nur um ein Produkt zu verkaufen. Irrelevant, ob es zu dem Kunden passt oder nicht. Kunden gewinnt man durch Natürlichkeit und Vertrauen - sprich Ehrlichkeit. Wenn ich der Auffassung bin, ein Kunde wäre mit einem Reclam-Heftchen besser beraten als mit der teureren Hardcoverausgabe, so empfehle ich ihm dieses. Wenn ein Kunde eine umfangreiche Beratung zu einem Titel aus einem bestimmten Fachbereich benötigt, welche wir als Buchhandlung ihm nicht gewährleisten können, so versuche ich ihn dahingehend gut zu beraten, dass ich ihm eventuell einen Fachbuchändler in der Nähe empfehle. Der Kunde mag zunächst überrascht sein ob dieser Ehrlichkeit. Meine Erfahrung aber hat gezeigt, dass er, erfreut über diese Maßnahme, zu anderen Themen erneut meine Beratung sucht und bei mir kauft, also wiederkommt. Diese Most-Profit Aquiseereiferei kann auf Dauer keine Früchte tragen und vermittelt dem Kunden das Gefühl schlicht verarscht zu werden. Ich denke die Beratung gerade bei dem Produkt Buch sollte eine ebenso natürliche wie sensible sein, ohne permanent Verkaufszahlen im Hinterkopf zu haben. Wirtschaftlicher Erfolg muss sich einstellen, allerdings stellt sich dieser auf Dauer nicht ein, wenn man nur auf die Zahlen achtet und dabei das wesentliche vergisst: Authentizität
14. Buchmensch 27.01.2012 22:31h
Also ich bin Angestellte bei Thalia und es tut mir immer in der Seele weh, wenn meine hunderte Kollegen und ich als unauthentisch, unkompetent und was noch alles hingestellt werden.
Wir haben genau so unsere Ausbildung wie jeder andere Buchhändler auch und haben den Beruf aus den selben Idealen heraus gewählt, wir ein Buchhändler, der in in einer kleinen Buchhandlung arbeitet .
Thalia muss wirtschaftlich denken, ich bitte sogar darum, es hängt ja schließlich auch mein Arbeitsplatz dran. Und wenn man einen falschen Weg gegangen ist, ist es klüger umzukehren als weiter zu gehen. Ich unterstütze damit voll die Umstrukturierung. Auch wenn ein paar Arbeitsplätze leider dabei auf der Strecke bleiben. Aber es bringt uns nichts wenn wir alle zusammen untergehen und arbeitslos werden würden.
Soweit muss es ja nicht kommen, also besser gleich handeln.
15. Franzjosef 28.01.2012 14:06h
@buchmensch Da sind Deine Chefs bestimmt glücklich mit Dir, und natürlich wirst Du Deinen Arbeitsplatz sicher gerne räumen, wenn er den im Rahmen der Umstrukturierung nicht mehr gebraucht wird und gerne auf eine Abfindung verzichten, weil das ja vielleicht andere Arbeitsplätze bei Thalia gefährden könnte, weil Du Dir ja in den vergangenen Jahren sicherlich auch überpropprtional an den Erträgen Deines Brötchengebers beteiligt wurdest.....
Nebenbei: iAls Buchhändler einem andern Filialisten kann ich die Vorurteile gegen uns FilialbuchhändlerInnen nur allzu gut nachvollziehen
16. ZsaZsa 30.01.2012 13:43h
Ich möchte mal eine Lanze für die Thalia Buchhändler/innen brechen: als "Ehemalige" weiß ich aus eigener Erfahrung, dass die Mitarbeiter/innen dort sehr qualifiziert sind. Leider fällt aber die Qualifikation und auch die Motivation dem ständig wachsenden Druck und der immer dünner werdenden Personaldecke zum Opfer. Ich gebe @buchhändler recht, dass Verkaufsgespräche sich nicht an den Bedürfnissen der Kunden, sondern an denen des Konzerns orientieren.
17. Aussteiger 31.01.2012 12:43h
@ ZsaZsa: Ich gebe Ihnen zu 100 % Recht. Bestimmt gibt es bei Thalia sehr qualifizierte und engagierte Buchhändler/innen. Bedauerlicherweise hat sich die Unternehmensleitung entscheiden bei Neueinstellung - gerade in Führungspositionen - auf eben diese Fachkräfte zu verzichten.
Ich denke betriebswirtschaftliches Handeln sollte ganz klar an erster Stelle einer Unternehmung stehen. Aber man kann den Buchhandel und die daran beteiligten Menschen nicht mit " allgemeinem" Einzelhandel gleichsetzen. Im Buchhandel gibt es mehr "Regeln" zu beachten als Zusatzverkäufe und den Durchschnittsbon.
Ich persönliche habe die umsatzstärksten Zusatzverkäufe immer durch kompetente Beratung und Persönlichkeit erreicht. Nicht mit Hamsterkalender an der Kasse. Auch nicht mit Kochlöffeln zu Kochbüchern. Und schon gar nicht mit "Indianerblick" :-)
Trotz aller Versuche mir das Gegenteil zu predigen, bleibe ich bei meiner Meinung : Buchkäufer, Leser, Buchhändler und Verlage sind in Ihrer Gesamtheit anders und individueller.
Ich schicke meinen Ex-Thalia-Kollegen die besten Wünsche, viel Kraft und Mut für die kommenden Wochen.
Meine Kollegen in den kleinen, feinen Buchhandlung wünsche ich viele, tolle, individuelle Ideen und genug Power zum Umsetzen.
18. Onkel Oswald 31.01.2012 13:31h
@ Aussteiger
"...betriebswirtschaftliches Handeln sollte ganz klar an erster Stelle einer Unternehmung stehen...." sollte?? Muss!!!
Denn gerade in den wirtschaftlich sehr schwierigen Zeiten, in denen sich der Buchhandel z.Zt. befindet, gibt es gar keine andere Alternative.
19. MaRi 09.02.2012 09:31h
Wie lange gibt es denn noch gute Buchhändler bei Thalia und Co.? Solange noch gutausgebildete „freigesetzte“ Buchhändler auf dem Markt sind! In ein paar Jahren werden Thalia-sozialisierte Buchhändler der Standard sein plus billige Aushilfen. Und der größte Teil des Publikums sich im wesentlichen auf Fast-Food umgestellt haben!
´"...betriebswirtschaftliches Handeln sollte ganz klar an erster Stelle einer Unternehmung stehen...." sollte?? Muss!!!` ...Das ist nun wirklich eine Definitionsfrage. Natürlich kann ein Kaufmann nicht mehr ausgeben (zumindest nicht lange) als er einnimmt. Aber es ist ein Unterschied, ob Konzerngewinn erwartet wird, oder ob ein paar Leute einigermaßen bis gut von der Buchhandlung leben können und Spaß an ihrem Beruf haben!
Ein bißchen „Elfenbeinturm“ sollten wir uns erhalten. Und gerade der wird es sein, der zumindest einigen von uns das Überleben sichert. Und neuen, die wieder dazu kommen, sichern wird. Nachdem das „Bestsellern“ langweilig geworden ist.