Medien
01.02.2012Learntec
"Das Schulbuch auf dem Tablet-PC kommt mit Sicherheit"
Wie werden die Schüler künftig lernen? Wird es noch überhaupt gedruckte Lehrbücher geben? Geht es nach Peter Henning, Bildungsexperte und Mitorganisator der Learntec, gibt es für gedruckte Bücher keine Zukunft: "Das Schulbuch auf dem Tablet-PC kommt mit Sicherheit", sagte er zum Auftakt der Bildungsmesse Learntec in Karlsruhe. Jedoch sei die Idee von Apple, digitale Schulbücher auf den Markt zu bringen, nicht "neu". Sie hätten die Idee bereits vor einigen Monaten in Berlin im Auswärtigen Amt präsentiert.
Auf die Offensive von Apple vor zwei Wochen, sein iPad stärker in den Schulunterricht einzubinden, hatten die Schulbuchverlage prompt reagiert: 27 Verlage werden auf der Bildungsmesse Didacta (14. bis 18. Februar in Hannover) eine Preview-Version der Lösung "Digitale Schulbücher" vorstellen.
Die 20. Learntec findet noch bis zum 2. Februar 2012 in der Messe Karlsruhe statt. Ein Schwerpunkt der Schau ist das Thema Trainer und Coaches. Außerdem stehen die Themen Mobile Learning, Serious Games und Social Media im Mittelpunkt.- 22.01.2012
- Die Sonntagsfrage: "Wird in fünf bis zehn Jahren in Deutschland nur noch mit Tablets unterrichtet?"
- 19.01.2012
- E-Commerce: Die zehn besten Internet-Shops für Bücher
- 04.01.2012
- USA: Apple will offenbar unter die Self-Publisher gehen
- 03.01.2011
- Bitkom-Umfrage unter Schülern: Elektronische Medien sollen Schulbücher ergänzen


1. Markus Groß 02.02.2012 07:55h
ahhhh... da wird das nächste Fass aufgemacht. Mal wieder ein bischen Hype fällig und das Börsenblatt mitten drin.
Na dann gebe ich am Besten auch gleich mal ne Presseerklärung ab, denn als gelernter Lehrer bin ich ja auch Bildungsexperte und nachdem ich in 3 Filialen trotz aller ernsthaften Bemühungen seit Dezember nur 5 Rohrkrepierer sprich eBook Reader (2x Iriver, 3x Liro) bin ich ja auch eDingens Experte, als Kommunalpolitiker bestimme ich übers Schulbudget mit und als Vater weiß ich eh alles besser...und also sage ich Euch:
Der Herr Henning macht nur Wind um auf seine Messe aufmerksam zu machen und das Börsenblatt lässt sich als Windmaschine benutzen...und: Das Schulbuch auf Tablet, eBook etc kommt sicher WIRD SICH ABER NICHT DURCHSETZEN und genauso wenig wie Bücher verschwinden werden werden Schulbücher verschwinden ...
So Börsenblatt, nun blas mal meine Erklärung auch in die Weltgeschichte..
M.G.
2. MG 02.02.2012 07:57h
Ergänzung:
'...sprich eBook Reader (2x Iriver, 3x Liro) verkaufen konnte...'
3. Kalt ist's 02.02.2012 10:04h
@ Markus Groß
Kicher, Sie haben Recht. Viel rauschen im Wald und blabla um eigentlich nix neues. Erstaunt bin ich immer nur, wieviel Experten für alles möglich es hierzulande gibt. Kaum gibt es ein neues Thema und schwudiwupp, taucht schon ein Experte auf der Bildfläche auf ;-)
4. Michael Dreusicke 02.02.2012 15:19h http://www.paux.de
Eben. Es bleibt natürlich alles beim Alten. Solche Versuche hat es ja schon viele gegeben. Hier ist gar nichts neu, alles nur Hype.
Schließlich lieben die Schüler die deutschen Lehrbücher, und sie sind auch didaktisch so wunderbar und hirngerecht aufbereitet und haben sich bestens bewährt. Wie sollte etwas so Schönes verschwinden?
Da könnte man ja gleich behaupten, dass sich der ganze Buchmarkt ändert. Unsinn! Alles bleibt, wie es ist. Das sieht man ganz deutlich auch im Ausland. Also: Weitermachen wie bisher und die Pseudo-Hypes einfach aussitzen.
5. Kathrin Huemer 02.02.2012 15:29h
Ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen und diese bezieht sich auf den Schulbuchmarkt in Österreich: Ich glaube, dass elektronische Schulbücher viele tolle Möglichkeiten bieten, nur sieht die Realität derzeit noch so aus, dass dafür kaum Geld vorhanden ist. In durchschnittlichen Schulen gibt es einen (!) PC-Raum, iPad Klassen sind die absolute Ausnahme. Es wir noch etliche Jahre dauern, bis überhaupt die notwendige technische Infrastruktur vorhanden ist, zuvor, denke ich, sollte keine unnötige Panik verbreitet werden.
6. Bookseller 02.02.2012 21:18h
Ich habe wirklich nichts gegen Fortschritt, aber Prophezeihungen wie diese empfinde ich auch (vorerst) als heiße Luft. Aussagen wie "Das Schulbuch auf dem Tablet-PC kommt mit Sicherheit" hätte ich gerne mal an konkreten Zahlen und Beispielen veranschaulicht.
Was kostet ein iPad momentan? 500 bis 600 Euro? Selbst, wenn man von günstigeren Marken als Apple ausgeht und davon, dass Technik wie diese in 5 Jahren nur noch halb so viel kostet: Die digitalen Schulbuchinhalte kosten ja trotzdem weiterhin Geld, wer genau soll das bezahlen? Die Länder? Kann ich mir einfach nicht vorstellen. Die Vorteile (höhere Aktualität, interaktives Lernen, NEIN: geschonte Umwelt wg. fehlendem Papier bestimmt nicht) stehen in keinem Verhältnis zu den Kosten. Abgesehen davon müsste erst mal der richtige Umgang mit solchen Medien in der Lehrerausbildung ankommen.
In vielen Warengruppen des Buchhandels wird die Digitalisierung mehr und mehr zuschlagen, aber im Schulbuch ist es meiner Meinung noch sehr lange nicht soweit.
7. Morganucodon 03.02.2012 08:37h
Ich verstehe nicht so ganz, welches Interesse der Börsenverein hat, das Digitale Schulbuch zu hypen. Kritikloser Modernismus? Fan-Boy-Getue?
Wie dem auch sei, mit der Apple-Initiative hat die Plattform für Digitale Schulbücher nichts zu tun, die Entwicklung läuft schon sein mehr als einem Jahr und ist sicher keine kurzfristige Reaktion auf die Veräppelung von Lehrwerken.
8. Dirk Bauer, Hamburg 03.02.2012 16:39h
Das Schulbuch auf dem Notebook oder Tablet-PC wird in den nächsten 10 Jahren kommen. Notwendig ist es jedoch nicht. Ob sinnvoll für die heutige Lehrergeneration ist zu bezweifeln. Leider finden wie oben dargelegt die digitalen Bildungsexperten Zugang und Gehör bei den Politikern. Da ist dann Aktionismus zu befürchten, denn wer möchte schon verantworten, dass Schüler dumm bleiben, weil man ihnen die digitalen Spielzeuge vorenthält.
Unterbegabte Kinder werden wegen digitaler Bücher nicht klüger. Kluge Kinder werden ohne nicht dümmer.
9. MH 03.02.2012 19:00h
Hier ein interessanter Blogbeitrag von Prof. Scheer zu dem Thema: "Endlich kommt das digitale Klassenzimmer!" http://tinyurl.com/7pvjls9
10. Georg M. 03.02.2012 19:35h
@ Markus Groß
Nun ja von Hype würde ich hier nicht reden. Warum muss man denn unbedingt an den gedruckten Schulbüchern festhalten. Digital kann schon mehr als Print. Heute schreibt man ja auch nicht mehr mit Griffeln auf die Tafel.
Ob Grundschüler schon mit Tablets ausgestattet sein sollten? Eher nicht. Aber in den weiterführenden Schulen halte ich es durchaus für Sinnvoll. Ein leichtes Gerät ersetzt viele Bücher, Aktualität, Blick auf die Tagespresse, themenorientierte Artikel verschiedener Schulbuchverlage…
Über den geringen Umsatz mit den Geräten in Ihrer Buchhandlung sollten Sie sich nicht zu sehr ärgern. Elektronik sucht man nicht in der Buchhandlung. Oder haben Sie versucht Navis zu verkaufen, nur weil es in Ihrer Buchhandlung auch Straßenkarten gibt?
@ Kathrin Huemer
Die technische Infrastruktur ist m. E. kein Problem. Ich denke eher dass es am Willen fehlt für die Umsetzung. Kostenfaktor? Wenn ein Tablet 3-5 Jahre genutzt wird dürfte es sich schon rechnen.
11. Maledetto 03.02.2012 21:14h
Wenn ich nur dran denke, was für ein Drama schon im "reichen" Baden-Württemberg die Besorgung eines laut Lehrplan zwingend vorgesehenen (brauchbaren) programmierbaren Taschenrechners war...dann wird der Spassfaktor bei dieser angeblich so glasklaren Tendenz ganz sicher erheblich sein. Und dabei bleibt dann immer noch die Frage, welche Tablets genau dann zum Einsatz kommen. Obwohl, ist eigentlich egal: die Geräte werden zum Zeitpunkt der Auslieferung ohnehin vollständig und irreversibel veraltet sein :-)
Ganz genau wie die hier ständig vorgelegten IT-Prognosen, egal zu welchem Thema.
12. leser 03.02.2012 22:48h
Auf buchmarkt.de gibts heute ein lesenswertes Gespräch mit dem Gehirn- und Lernforscher Prof. Manfred Spitzer über die Nutzung digitaler Medien durch Kinder. Zur Einstimmung ein kleines Zitat aus diesem Interview:
"Die Nutzung digitaler Medien gerade in der frühen Kindheit (also im Kindergartenalter und in der Grundschule) führt nachgewiesenermaßen zu Sprachentwicklungsstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen, Lese-Rechtschreibstörungen und allgemeinen Störungen der intellektuellen Entwicklung. Und dass das Einüben aggressiver Handlungen am Computer dann zu mehr Aggression in der realen Welt führt, ist ebenfalls eindeutig nachgewiesen."
13. André Duve 03.02.2012 23:29h
@Michael Dreusicke (#4)
Klasse! Niemand hat Ihre Ironie verstanden, das Beste, was ich seit langem hier lesen durfte! Danke!
@leser
"Und dass das Einüben aggressiver Handlungen am Computer dann zu mehr Aggression in der realen Welt führt, ist ebenfalls eindeutig nachgewiesen."
Dafür hätte ich dann gerne eine Quellenangabe, also keinen Zeitungsartikel, sondern einen Link zu einer unwiderlegten, wissenschaftlichen Arbeit. Mit dem Verbreiten solcher "Urban Legends" wäre ich sehr vorsichtig, passt vielleicht in das Weltbild sehr vieler Zeitgenossen, muss deswegen aber noch lange nicht richtig sein.
Abgesehen davon sieht der Schulinhalt in der Oberstufe so aus, dass die Schüler ein Thema vorgesetzt bekommen und sie das dann zu Haus im Internet ausrecherchieren müssen. Ich weiss, wovon ich rede, meine Kinder sind 15 und 16 und machen das andauernd (selbst auf Nachfrage bei den Lehrern, das ist so erwünscht).
Die Wahrheit ist vielmehr, dass das Schulbuchgeschäft gerade in Österreich mit, sagen wir mal, Gefälligkeiten, in kleinen Gemeinden zustande kommt, wenn die wegfallen, sind große Teile des Jahresunsatzes weg (der Händler dann todsicher auch). Verständlich, dass da eine "gewisse" Ablehnung aufkommt.
14. Prof. Dr. Peter A. Henning 04.02.2012 09:19h
@Michael Dreusicke: Gut gesagt. Lasst mich eins draufsetzen: Dass indische, türkische, schwedische und amerikanische Kinder am Tablet PC lernen werden, zeigt nur, dass wir in Deutschland das beste Bildungssystem haben ...
@arkus Groß hat zwar viele Bücher, kann aber wohl nicht lesen. Oder woher nimmt er die Idee, dass jemand auf der LT gesagt habe, dass Bücher verschwinden ?
15. leser 04.02.2012 11:12h
@André Duve #13
"Klasse! Niemand hat Ihre Ironie verstanden"
soll wohl heißen:
"Klasse! Niemand außer André Duve hat Ihre Ironie verstanden, alle anderen hier sind ja doof"
16. anderer leser 06.02.2012 11:36h
@ leser:
http://www.news.iastate.edu/news/2010/mar/vvgeffects
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20192553
http://www.uni-tuebingen.de/uni/qvo/pm/pm2008/pm-08-120.html
http://www.kfn.de/Forschungsbereiche_und_Projekte/Schuelerbefragungen/Schuelerbefragung_200708_FoB_II.htm
Ich kann Ihnen leider nicht sagen, ob eine dieser Arbeiten widerlegt wurde, aber das werden Sie bestimmt selber herausfinden.
17. Leser 06.02.2012 17:48h
Danke für die Links!
Bei den Kollegen von buchmarkt.de hat heute der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen e.V. (avj) Ulrich Störiko-Blume vom Hanser-Kinderbuchverlag was ziemlich Kluges zu diesem Thema geschrieben.
Auch hier ein Zitat als Einladung zum Nachlesen des kompletten Textes:
"Wir schütteln uns vor Entsetzen bei gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln wie Milchprodukten, Äpfeln oder Mais (mit dem zutreffenden Argument, dass man die Folgewirkungen nicht abschätzen kann), aber unsere Kinder in frühstem Alter digitalen Attacken auszusetzen, das probieren wir einfach aus und warten mal ab, was passiert?
Natürlich finden die Kinder die digitalen Medien faszinierend. Aber Kinder würden auch den ganzen Tag Schokolade oder Pommes oder Eis essen, wenn man sie ließe. Erzieherische Verantwortung klingt verdammt altmodisch, ist aber das, was Erwachsene ihren Kindern schuldig sind. Auch bei den Medien."
18. bookseller 06.02.2012 20:03h
@leser: sehr treffendes Zitat!
19. René Kohl 06.02.2012 21:43h www.kohlibri.de
@leser
Hier werden wir nicht so schnell einig.
Mein Haupteinwand (den werde ich mir zur nächsten Buchmesse aufs Wams sticken): Wozu die Polarisierung?
Meine Tochter ist im Dezember 7 Jahre alt geworden. Anfang Januar brachte sie von einem Kindergeburtstag den Anfang des schönen Gedichts "Dunkel war's, der Mond schien helle..." nach Hause. Sie trug mir die ersten 4 Zeilen beim Zähneputzen vor, dann wußte sie nicht mehr weiter. Ich auch nicht.
Noch vor dem Mundausspülen war sie zu unserem iMac spaziert, hatte mit der rechten Hand Firefox angeklickt und dann im Google-Suchfeld "Dunkel wars" eingetippt, wartete, bis Google ein paar Gedichtanfänge vorschlug, suchte sich eines raus, druckte die Seite aus und las mir das komplette Gedicht vor. Mit Zahnbürste im Mund.
Was wäre hier wohl meine erzieherische Verantwortung gewesen? Multitasking-Verbot, also entweder Zähneputzen oder iMac? Oder Auswendig-Lern-Pflicht statt Google-Suche? Oder gefälligst im Buch nachschlagen (ich hatte ehrlich gesagt vorher vergeblich in einem "Lustige Gedichte für Kinder"-Buch nachgeschlagen...).
Ich glaube nicht an gentechnisch verändertes Lesen.
Bücherlesen ist genauso natürlich oder unnatürlich wie digitales Lesen.
Wir sind offenbar nicht nur auf der Welt, um alte Kulturtechniken zu pflegen, sondern auch, um neue zu erlernen. Wober für meine Tochter der iPod und das Buch in etwa gleichalt sind.
20. Leser 06.02.2012 22:10h
@René Kohl
Wir müssen uns hier über gar nichts einig werden, ich hatte nur eine Nachdenklichkeit von Herr Störiko-Blume zitiert.
Und den Polarisierungsspruch sollten Sie gleich ein zweites Mal in Spiegelschrift aufs Wams sticken lassen, dann können Sie sich ihn anlässlich der Messe-Pinkel-Pausen beim Händewaschen vor der Spiegelwand in Erinnererung rufen.
Denn nach meinem Verständnis polarisiert Herr Störiko-Blume (im Unterschied zu Ihrem Posting) kein bisschen. Er appelliert an die erzieherische Verantwortung und ich vermute mal, dass er diese erzieherische Verantwortung auch beim Umgang mit Printmedien befürwortet (ich hoffe, ich dichte ihm jetzt nicht etwas an, aber meine Interpretation seiner Botschaft ist so).
Vielleicht illustriert das ein anderes Zitat aus seinem Buchmarkt-Text: "Es geht hier nicht um theoretische Debatten über die digitale Wende als die Zukunftschance, es geht darum, was Kinder brauchen, was ihnen schadet und was sie fördert. Wer das vermeintliche Geschäft diesen Zielen überordnet, hat den Anspruch auf kulturelle Förderung über kurz oder lang verwirkt."
21. René Kohl 07.02.2012 15:54h www.kohlibri.de
@Leser
Das mit der Spiegelschrift werde ich beherzigen - gute Idee.
Zu Ihren Störiko-Blume-Zitaten vielleicht nur kurz:
Ich meine mit Polarisierung Äußerungen, die die Printwelt gegen die digitale Welt stellen, mit der Tendenz, schon zu wissen, daß die Printwelt gut ist (weil bewährt, tradiert, dinglich, ruhig oder warum auch immer), die digitale Welt dagegen schlecht (weil flüchtig, hektisch, billig, asiatisch, laut).
Herr Störiko-Blume appeliert an unsere Verantwortung, die Nebenwirkungen der Digitalisierung zu erforschen.
Das Ende seines Beitrag darf ich hier zitieren:
»Und bei allem Engagement für das eine oder andere Medium sollten wir nicht vergessen, was Manfred Spitzer auf die Frage "Womit sollten denn junge Menschen sich Ihrer Meinung nach besser befassen?" antwortet:"Ganz einfach: Mit der realen Welt und realen Menschen."
Dazu hat die Literatur, auch die für Kinder und Jugendliche, bisher immer wieder hervorragende, die Menschen begeisternde und nachdenklich machende Beiträge geliefert.«
Wenn ich diesen Abschnitt richtig verstehe, sagt Herr Störiko-Blume: Tom Sawyer ist gut, weil real?! Oder meint er nur Sachbücher?
Kann es sein, dass es einen Realitätsbegriff in der Buchmenschenwelt gibt, der glaubt, alles, was in Büchern steckt, was aus Büchern stammt, ist real, ist echt?
Und alles andere nicht?
Ich möchte nicht mißverstanden werden: Ich habe überhaupt nichts gegen Feldforschung. Ich wüßte gerne, auch für meine Tochter, welche Medien sich wie auf sie auswirken.
Einiges weiß ich sogar schon ohne Forschung: Digitale Seifenblasen abschießen macht nach einer Viertelstunde aggressiv, eine halbe Stunde Tom & Jerry ist wirklich grenzwertig, 10 Minuten ein langweiliges Buch vorlesen führt zu Ohrenzuhalten, zu klein gedruckte Kinderbücher machen nur eine Seite lang Spaß...
Und noch eins: Wenn im Moment die Kinder unter schlechten Apps leiden, dann weniger, weil unsere Buchbranche ihnen die falschen Apps zumutet - ungefähr alle Apps stammen doch von ganz anderen Absendern.
Wir sollten eher langsam lernen, selbst pädagogisch wertvolle digitale Inhalte zu entwickeln - und wenn dafür Forschung hilfreich ist, dann her damit.
22. McLuhan 07.02.2012 18:28h
"Wir schütteln uns vor Entsetzen bei gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln wie Milchprodukten, Äpfeln oder Mais (mit dem zutreffenden Argument, dass man die Folgewirkungen nicht abschätzen kann), aber unsere Kinder in frühstem Alter digitalen Attacken auszusetzen, das probieren wir einfach aus und warten mal ab, was passiert?
Natürlich finden die Kinder die digitalen Medien faszinierend. Aber Kinder würden auch den ganzen Tag Schokolade oder Pommes oder Eis essen, wenn man sie ließe. Erzieherische Verantwortung klingt verdammt altmodisch, ist aber das, was Erwachsene ihren Kindern schuldig sind. Auch bei den Medien."
Ein hinkender Vergleich (Digitale Medien: Die Gen-Pommes unter den Medien?) gepaart mit dem Generalvorwurf der Verantwortungslosigkeit an alle, die ihren Kindern das ganze Spektrum an Medien bieten möchten - chapeau, so pflegt man seine Ressentiments.
Da stellt sich mir noch die Frage, wie es denn bei Störiko-Blumes um das TV-Gerät bestellt ist, auch die "analogen Attacken" sind bislang ja leider nicht umfassend erforscht worden. :(
Wie Herr Kohl bereits angesprochen hat: In welcher Form die Information nun dargereicht wird, ändert doch nichts an der Qualität derselben.
Ob der Umgang mit dem Ipad einem Jugendlichen noch weitere Medienkompetenz vermitteln würde, oder ob die das ganze Zeug nicht eh schon kennen, sei mal dahingestellt.
23. Leser 07.02.2012 20:01h
ich muss mich wohl bei Herrn Störiko-Blume entschuldigen, dass ich hier Zitate von ihm ungefragt den Polarisierern zum Fraß vorgeworfen habe, die nun daraus Dinge herauslesen, die er nicht geschrieben hat und wahrscheinlich auch nicht meint.
Vergessen Sie es einfach, ich habe das als eine Einladung zur Nachdenklichkeit verstanden und wollte das so in die Diskussion einbringen.
Mir scheint, dass die Kommentatoren sich nicht mal die Mühe gemacht haben, den Text bei Buchmarkt.de in voller Länge zu lesen.
Schade.
24. Dirk1976 04.04.2012 09:21h
Ich kann nur hoffen, dass ich später selber entscheiden kann, ob ich ein Buch, Schulbuch oder auch Zeitschriften und Zeitungen in gedruckter Art und Weise lesen kann. Ich halte nichts von EBooks und Tablets. Die, die lieber elektronisch lesen wollen, haben dafür meinen Segen. Trotzdem hoffe ich, dass es neben der Software auch weiterhin immer noch die Hardware gibt (Bücher, Schulbücher, Zeitschriften, Zeitungen). Ich würde sogar extra zahlen, um die gedruckten Versionen zu bekommen. Jeder sollte später selbst entscheiden können, wie man liest.