Medien
08.02.2012E-Book
Der blinde Fleck der Prognostiker
Drei Wissenschaftler – unter ihnen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer – haben die Aktion "Unstatistik des Monats" ausgerufen. Ihr Ziel: statistische Manipulationen aufdecken. Noch effektiver als die Tricks der Datenauswerter sind allerdings die der Prognostiker – zum Beispiel im E-Book-Markt. Das fängt meist schon mit einer Eingrenzung des Gesichtsfelds an. Man fokussiert die Frage der künftigen Entwicklung des Buchmarkts auf einen Aspekt – etwa den Zeitpunkt, an dem E-Books das gedruckte Buch "ablösen". Alles Unvorhersehbare, Störende, dem eigenen Interesse Zuwiderlaufende wird dabei gern ausgeblendet. Die "Unprognosen", die auf diese Weise Massenmedien, Konferenzen und auch Branchenblätter füllen, sind Legion. Korrigiert werden sie meist durch Marktstudien, die einen anderen Befund erheben: So stellte eine aktuelle US-Studie fest, dass der Anteil der Buchkäufer, die E-Books ablehnen, wächst. Und zwar in dem Maße, in dem die Verbreitung von E-Books und E-Readern zunimmt.
Auch wenn dieses Ergebnis ebenfalls kritisch hinterfragt werden kann, signalisiert es doch eines: Der Übergang von Büchern zu E-Books folgt nicht dem gleichen Muster wie andere Medienwechsel. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Nutzer von den Vorzügen der neuen Technologie nicht so überzeugt sind, wie es die Prognostiker glauben machen wollen. Im Gegenteil: Es scheint eine große, nicht nur ältere Zielgruppe im Buchmarkt zu geben, die nach wie vor das gedruckte Buch dem E-Book vorzieht. Das E-Book ist für sie – vom Inhalt abgesehen – ein "Unbuch": Es ist flächig, zeigt nur Seiten an, hat zwar Cover und Layout, aber keine sichtbare Gestalt und emotionale Anmutung. Eine andere Zielgruppe wird die Chancen des digitalen Mediums nutzen – etwa beim Social Reading. Und einiges spricht dafür, dass beide Medien künftig im Wechsel genutzt werden – je nach Kontext. Ein unklares Szenario, das Prognostiker kaum zufriedenstellt.
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1. Martin Dubberke 08.02.2012 18:45h blog.dubberke.com
Als bibliophiler Mensch habe ich das ebook anfangs mit großer Skepsis betrachtet, weil mir das Haptische fehlte, der Geruch, das Umblättern und die damit verbundene Gewichtsverlagerung von rechts nach links. Aber dann habe ich sehr schnell die Vorteile von ebooks erkannt. Ich kann bei Fachbücher sehr gut mit Anmerkungen und Markierungen arbeiten. Mal ganz davon abgesehen, welche Vorteile mit dem iPhone und iPad verbunden sind.
Ich habe daher eine ganz einfache Entscheidung getroffen. ich muss nicht mehr jedes Buch als Hardware haben. So kaufe ich meine Lieblingsautoren immer noch als Hardcover und alles andere als ebook. In der Zwischenzeit habe ich rund 200 Bücher als ebook auf meinem Rechner, ebookreader, iPhone und iPad gelesen. Ud das Schönste daran: Ich kann die Schriftgröße verändern, womit das Lesen deutlich angenehmer wird.
Meine Prognose: Das gedruckte und gebundene Buch wird nicht aussterben, aber das ebook wird nach einer kleinen Beliebtheitssenke bei den jüngeren Generationen, für die iPad & Co die Selbstverständlichkeit haben wird wie für meine Generation Moleskine und Faber-Castell deutlich an Selbstverständlichkeit gewinnen, auch weil der Erwerb so einfach rund um die Uhr - also sofort - möglich ist, auch weil die großen Buchläden mehr und mehr verschwinden. Ich denke nur an die Entscheidungen von Hugendubel, in Berlin und München die großen Geschäfte zu schließen, die Einbrüche bei Thalia... Ich bin mir sicher, dass das ebook eine große Zukunft haben wird...