08.02.2012
Der Liro Color - live von der Buchhändler-Front
Wir freuen uns sehr über das große Interesse. War es vorher anders? Als ich diese Informationsreihe Anfang November in Zusammenarbeit mit den Landesverbänden des Börsenvereins initiierte, waren sich einige Kolleginnen und Kollegen vor Ort nicht sicher, ob die Buchhändler die Zeit aufbringen würden, unter der Woche – mitten im Weihnachtsgeschäfts – einen Abend zum Thema Liro zu opfern. Aber das Gegenteil war der Fall. Unsere Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Bundesweit sind wir auf rege Teilnahme gestoßen.
Das Resultat: Es besteht ein sehr großes Informationsbedürfnis rund um die Themen E-Book und E-Book-Reader sowie zum Teil eine große Unsicherheit bei den Sortimentern, wenn es um diese Themen geht. Meine Kollegin Monica Wellmann und ich sind mittlerweile gut gerüstet auf jegliche Art von Fragen. Sei es zum Liro oder aber auch allgemein zum Medium E-Book und spezielleren Themen wie z.B. DRM. Immer wieder gerne geben wir unser Wissen hier weiter und freuen uns, so zumindest einige der Unsicherheiten schon vor Ort ausräumen zu können.
Hier einige Buchhändlerstimmen aus Bremen:
„Meine Kolleginnen und ich waren sehr positiv überrascht. Wir haben viele Details mitgenommen, die wir noch nicht kannten, fühlten uns auf der anderen Seite allerdings auch schon als Profis, weil ja offenbar die Mehrheit im Raum noch gar nicht angefangen hat.“
„Die Grundstimmung hat wieder gezeigt: wir müssen mitmachen, aber von wollen kann keine Rede sein.“
Fazit einer Buchhändlerin aus Düsseldorf: „Ein tolles Gerät, die Veranstaltung insgesamt eine tolle Hilfe für uns!“
„Sie glauben gar nicht, wie viele meiner Stammkunden bereits im E-Book-Bereich unterwegs sind. Bei den Meisten hätte ich das niemals erwartet!“
Eine Stimme zum Liro Color aus Darmstadt: „Eine außerordentlich gelungene einfache Benutzerführung. Das ist bei etlichen anderen Geräten wirklich nicht der Fall.“
Es ist schön, mitunter erste Stimmen aus dem Handel zu bekommen: Etliche Buchhandlungen haben den Liro Color bereits seit letztem Jahr im Sortiment und können erste Erfahrungsberichte geben. Sehr vielseitig und aufschlussreich für uns. Was sind Verkaufsargumente? Wie verkaufen sich die Konkurrenzprodukte oder die eInk-Technologie? In welche Richtung orientiert sich der Kunde?
Aber auch Kritik und Anregungen nehmen wir aus diesen Veranstaltungen mit. Bezüglich der Weiterentwicklung von Software und Hardware versucht unser Team, stets nah an den Trends des Marktes sowie den Bedürfnissen der Kunden zu bleiben.
Mein Fazit: Das Bewusstsein für die Notwendigkeit E-Books und Reader im stationären Sortiment zu platzieren, festigt sich. Die Umsätze, sofern E-Books bereits im Sortiment angeboten werden, lassen zwar beim kleinen Sortimenter noch zu wünschen übrig. Doch Thalia, Weltbild & Co haben es vorgemacht – der Kunde kauft und ist durchaus bereit, sich dem digitalen Bereich zu öffnen. Die Umsätze steigen entsprechend.
Welche Geräte der Sortimenter nun in sein Sortiment aufnimmt, bleibt seine eigene Entscheidung. Wichtig ist, dass er überhaupt anfängt und seine Stammkunden so auch im E-Book Bereich abholt. Seine buchhändlerische Kompetenz sollte im digitalen Bereich nicht mangels Technik oder fehlendem E-Book-Angebot scheitern! Und mit dem Liro Color bietet die MVB dem Buchhändler eine ideale Gelegenheit, im E-Book Segment Fuß fassen zu können.
Liro Color – to be continued!
Sarah Mirschinka
Referentin der Geschäftsführung und Organisatorin der landesweiten Informations-Veranstaltungen zum Liro Color für Buchhändler


1. René Kohl 08.02.2012 18:02h www.kohlibri.de
Richtig ist: Mit dem Liro Color bietet der Buchhändler ein Gerät an, mit man auch eBooks lesen kann. Kleiner Pluspunkt vielleicht gegenüber den Händlern, die nichts anbieten.
Ob er den richtigen Reader anbietet, ist aus zwei Gründen offensichtlich diskussionswürdig: Erstens gibt es ernstzunehmende Meinungen, die sagen, der Liro dient nicht der Profilierung, wenn man als Buchhändler das zum Lesen beste Gerät anbieten will.
Und: Es gibt bislang offenbar wenig Indizien dafür, daß über den Reader-Verkauf das eBook-Geschäft direkt angekurbelt wird. Die im Artikel angeprochenen Filialisten scheinen vielmehr deswegen eBooks zu verkaufen, weil sie eigenständige eBook-Shops eingerichtet haben.
Der eBook-Erfolg von Weltbild wird im Weltbild-Shop gemacht - mit dem Weltbild-Reader kann man mangels Shop-Zugang nicht mal Bücher downloaden...
Wenn die Veranstaltungen so gut besucht sind, wie der Artikel den Eindruck vermittelt, spricht es für den Handel, der sich (mittlerweile) offensichtlich auch am Geschäft beteiligen will.
Sowenig, wie es für die Buchhändler gereicht hat, mit einer Webseite samt angehängtem Barsortimentsauftritt auch nur einen irgendwie nennenswerten eCommerce-Umsatz zu machen, so wenig wird man durch den Verkauf von 10 Liro-Readern und einer Verlinkung zu Libreka mehr als 100 EUR im Jahr verdienen können.
Für den deutschen Buchhandel gibt es aus meiner Sicht entweder den Weg, jeweils eigene, aufwändige eBook-Shop zu bauen - ROI ungewiß.
Oder es gelingt, ein gemeinsames Katalog- und eBook-Ökosystem zu schaffen, das die Empfehlungskompetenz des Buchhandels abbildet und zugleich die Kundenbedürfnisse angemessen bedient.
Sollte es dazu bei den potentiellen Anbietern (Barsortimente, MVB) Pläne geben, wäre es sicherlich sinnvoll, die den Buchhändlern perspektivisch mitzuteilen undam besten auch mal mit den buchhändlerischen Ideen und Erwartungen abzugleichen.
Ansonsten sollten die Buchhändler, die nicht länger darauf warten wollen, die Sache am besten selbst in die Hand nehmen - oder die letzten Reader, die sie im Laden haben, noch abverkaufen und sich dann wieder vom eBook-Geschäft verabschieden.