Offener Brief an "Spiegel"

"Grenzen zwischen Kritik und Denunziation überschritten"

"Mit dem Spiegel-Artikel 'Die Methode Kracht' hat der Literaturkritiker Georg Diez für uns die Grenzen zwischen Kritik und Denunziation überschritten", heißt es in einem offenen Brief, den der Kiepenheuer & Witsch Verlag und die Literaturagentur Landwehr & Cie. an den "Spiegel" adressiert haben.

Offener Brief an den Spiegel wegen seines Artikels „Die Methode Kracht“

Offener Brief an den Spiegel wegen seines Artikels „Die Methode Kracht“ © Frauke Finsterwalder

Unterschrieben ist der Brief von einer Reihe von Autoren, darunter Katja Lange-Müller, Daniel Kehlmann und Elfriede Jelinek. Wir geben ihn hier im Wortlaut wieder:

Sehr geehrter Herr Mascolo,

mit dem Spiegel-Artikel „Die Methode Kracht“ hat der Literaturkritiker Georg Diez für uns die Grenzen zwischen Kritik und Denunziation überschritten. Äußerungen von literarischen Erzählern und Figuren werden konsequent dem Autor zugeschrieben und dann als Beweis einer gefährlichen politischen Haltung gewertet. Wenn diese Art des Literaturjournalismus Schule machen würde, wäre dies das Ende jeder literarischen Phantasie, von Fiktion, Ironie und damit von freier Kunst.

Katja Lange-Müller
Daniel Kehlmann
Elfriede Jelinek
Peter Stamm
Monika Maron
Thomas von Steinaecker
Kathrin Schmidt
Thomas Hettche
Necla Kelek
Rafael Horzon
Stefan Beuse
Carmen Stephan
Benjamin von Stuckrad-Barre
Carl von Siemens
Eckhart Nickel
David Schalko
Feridun Zaimoglu

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7 Kommentar/e

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  • Azi

    Azi

    Entweder haben diese Damen und Herren gar keine Ahnung von Literatur oder sie wollen, dass das, was sie selber wissen, für andere unzugänglich bleibt.

  • Michael H. Gerloff

    Michael H. Gerloff

    Mir scheint, es gibt einen Irrtum im Offenen Brief der 17 Autoren an "Spiegel": Es wäre nicht das Ende der Literatur, sondern des Literaturjournalismus, sollte sich dieser Stil durchsetzen. Und das wäre in meinen, von zunehmend dümmeren Feuilletontexten gequälten Augen, nicht bedauerlich. 

  • Sophie

    Sophie

    Bravo, Bravo, Bravo!!
    Jawohl, nieder mit den Gemeinheiten im Namen höchster Werte. Grabt den Jakonbinern das Wasser ab.
    Ich unterschreibe ebenfalls.
    Das Regime der "falschen Erzieher" muss enden.
    Gott, was ich diese selbsternannten Wachsoldaten satt habe,
    ich kann euch das gar nicht sagen.
    SPIEGEL!!

  • Thorben-Finn

    Thorben-Finn

    Es ist naheliegend, dass Menschen, die sich ihren Lebensunterhalt mit Schreiben verdienen, möchten, dass ihr Wissen anderen unzugänglich bleibt. (Nein, bei nochmaligem Lesen machts auch nicht mehr Sinn.)

    Und u.a. Literaturnobelpreisträger der Ahnungslosigkeit hinsichtlich Literatur zu zeihen ist ... niedlich?

  • Azadeh Sepehri

    Azadeh Sepehri

    @ Thorben-Finn:
    Viele Schriftsteller, Filmemacher und Künstler sind vehement dagegen, dass Kritiker versuchen, aus ihren Werken ihre politischen, sozialen und moralischen Einstellungen "herauszulesen". Sie haben einfach davor Angst, zur Schau gestellt zu werden, besonders wenn es um negative Eigenschaften geht. Also versuchen sie, sich hinter Lügen zu verstecken, die behaupten, ein künstlerisches Werk hat nichts mit der Persönlichkeit des Schaffenden zu tun.

  • Thorben-Finn

    Thorben-Finn

    @Azadeh

    Meinten Sie "hineininterpretieren" als Sie "herauslesen" schrieben?

    Diese Angst davor, für unterstellte Ansichten medial massiv angegriffen zu werden, ist wahrlich nicht nachvollziehbar, z.B. wenn man sich den vorliegenden Fall anschaut.
    Es allerdings als Lüge zu bezeichnen, wenn der Autor sagt, die von Romanfigur X geäusserten Ansichten seien nicht die seinen, ist meines Erachtens eine unnötig negative Formulierung. Vielleicht stimmts ja auch einfach?

    Anders ausgedrückt: Dürfen Autoren in ihren Werken wirklich nur ihre allereigensten Meinungen formulieren, weil sie andernfalls Lügner sind?

  • Azadeh Sepehri

    Azadeh Sepehri

    Ich glaube, man kann schon zwischen den Einstellungen der Romanfiguren und des Autors unterscheiden, obwohl das nicht immer einfach ist. Dies ist auch nichts Neues! Z.B. in allen Kritiken der klassischen Literatur wird das Geschriebene mit den Einstellungen des Schöpfers in Verbindung gebracht.

    Es ist aber ein beliebter Fluchtversuch von Autoren und Filmemachern, ihre eigenen negativen Einstellungen, welche in ihren Werken (bewusst oder unbewusst) widerspiegelt werden, den Figuren zuzuschreiben.

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