Urheberrecht

"Kafkaesker Datenkrimi"

Der Heidelberger Literaturwissenschaftler Roland Reuß und der Stroemfeld Verlag kämpfen gegen Raubkopien auf Amazons Marketplace - und erstatten Strafanzeige.

Original (links) und Raubkopie (rechts): Franz-Kafka-Edition "Historisch-kritische Ausgabe sämtlicher Handschriften, Drucke und Typoskripte", im Frankfurter Stroemfeld Verlag, hrsg. v. Roland Reuß und Peter Staengle.

Nabu Press, ein Print-on-Demand-Dienstleister aus den USA, bietet Kafka-Bände an, die über Amazons deutschen Marketplace gehandelt werden.

Daran wäre nichts auszusetzen - wenn die Titel nicht historisch-kritische und damit nach wie vor geschützte Ausgaben wären. Im Original sind sie im Rahmen eines aufwendigen Editionsprojekts bei Stroemfeld  erschienen. Über den Umweg Raubkopie werden sie nun, wenn auch als vermutlich schlechter Scan, für ein Zehntel des gebundenen Ladenspreises offeriert, unter anderem von der Amazon-Tochter the_book_depository_uk. Verlagsangabe: "unkown".

Roland Reuß, Herausgeber der Edition und Professor für neuere  deutsche Literaturwissenschaft in Heidelberg, hat deshalb gestern gemeinsam mit seinem Verlag bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen Amazon erstattet - exemplarisch, wie er betont: "Mir geht es nicht primär darum, einen Rechtsstreit zu gewinnen. Sondern darum, Öffentlichkeit für die Probleme zu schaffen, die sich aus globalen Distributionswegen ergeben". Seriöse Anbieter lieferten über ihre Plattformen "den Nährboden für kriminelle Machenschaften", so Reuß, auch bei anderen Urheberrechtsthemen wie Open Access ein streitbarer Geist.

"Wir wählen den Weg einer Strafanzeige gegen den Vertreiber der Werke, weil es uns als kleiner Verlag unmöglich ist, international gegen diese Form der Enteignung geistigen Eigentums vorzugehen", heißt es in der Stroemfeld-Begründung zur Strafanzeige, die auch gegen die Amazon-Tochter Abebooks und einen weiteren kleineren Anbieter aus München gerichtet ist.

Hinter dem Kafka-Fall scheint sich ein urheberrechtlicher Datenkrimi zu verbergen. Reuß vermutet, dass die betreffenden Dateien Scans aus dem Google Book Search Programm an US-Bibliotheken sind. Bücher europäischer Verlage mussten zwar wieder aus dem Digitalisierungsprojekt herausgenommen werden, Scans zirkulieren jetzt aber offenbar im Netz, wie Börsenvereinsjustiziar Christian Sprang bestätigt: "In dem Maße, wie die technischen Möglichkeiten wachsen, müsste eigentlich auch die Sorgfalt weltweiter Akteure wie Amazon zunehmen. Leider ist das nicht gegeben".

Amazon.de teilte auf Börsenblatt-Anfrage mit, dass es dem Unternehmen grundsätzlich ein "wichtiges Anliegen" sei, Rechtsverletzungen auf der Website "möglichst schnell und effektiv zu unterbinden". Christine Höger, Leiterin Public Relations, verweist auf ein Mitteilungsformular über die Verletzung gewerblicher Schutzrechte, das online bereitstehe und per Fax oder Mail eingereicht werden könne.

Roland Reuß betont dagegen, dass er und der Stroemfeld Verlag ganz bewusst die Staatsanwaltschaft eingeschaltet hätten, weil sie den Vorgang eben nicht für ein privatrechtliches Problem zwischen zwei Firmen halten würden. Es könne nicht Sache der Autoren und Verlage sein, den fahrlässigen Umgang mit den Produkten anderer im Nachhinein zu korrigieren: "Das muss Amazon schon selbst hinbekommen." Zumal sich natürlich auch die Frage stelle, wieviele Exemplare bis zur möglichen Löschung eines Datensatzes bereits über Amazon und Abebooks verkauft worden seien - und wie groß damit in solchen Fällen der entstandene Schaden für den Verlag und seine Autoren sei. "Wir wünschen uns jetzt einen couragierten Staatsanwalt", so Reuß.

Auch die FAZ greift das Thema heute im Feuilleton auf: Die "Kafka-Räuberei" sei leider kein Einzelfall, sondern stehe exemplarisch für den Umgang mit geistiger Leistung im Netz, schreibt Felicitas von Lovenberg: "Die schiere Masse der selbstverständlich gewordenen Verstöße gegen das Urheberrecht, die jeden Tag weiter zunimmt, macht das Unterfangen, gegen Verantwortliche effektiv vorzugehen, zu einer Sisyphosaufgabe, vor der der einzelne Verlag nur kapitulieren kann."

Die Titel

Die Raubkopien sind zwei Bände aus der Franz-Kafka-Edition »Historisch-kritische Ausgabe sämtlicher Handschriften, Drucke und Typoskripte«, im Frankfurter Stroemfeld Verlag herausgegeben von Roland Reuß und Peter Staengle. Originalpreis: 128 Euro

  • Oxforder Oktavhefte 1 + 2, Stroemfeld, 2006 (Marketplace auf Amazon.de: neu ab 18,17 Euro, gebraucht ab 14,58 Euro)
  • Oxforder Quartheft 17, Stroemfeld, 2003 (Marketplace auf Amazon.de: neu ab 12,15 Euro, gebraucht ab 9,64 Euro).

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37 Kommentar/e

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  • Annette Sievers

    Annette Sievers

    Der Peter Meyer Verlag hat 2009 - wie viele andere deutsche Verlage - gegen das selbstherrliche Googgle-Vorgehen Beschwerde beim US-amerikanischen Gericht eingereicht. Inzwischen wissen wir, dass es noch viele Googles und Guttis gibt. Doch dass unser aller berechtigter Einsatz nicht umsonst gewesen sein und die Urheber-Piraterie nicht weiter als normal eingestuft werden möge und dass die Stroemfeld-Kollegen sowohl prominente als auch finanzielle Unterstützer finden mögen, das wünsche ich uns allen – als Verlegerin u n d Autorin.

  • Manfred Böckl

    Manfred Böckl

    Sehr gut, diese Strafanzeige. Nur so kann man den Raubkopierern und ihren Helfershelfern klarmachen, dass sie das Urheberrecht zu achten haben. Ansonsten zeigt dieser Fall von Diebstahl geistigen Eigentums einmal mehr auf, wie wichtig die Ratifizierung des Acta-Abkommens wäre. Das Internet darf kein rechtsfreier Raum werden, auch wenn "Piraten", Teile von SPD und Grünen und Konsorten noch so sehr gegen Acta polemisieren.

  • Thomas Diehl

    Thomas Diehl

    So ist das in Deutschland: Sachverhalte aufklären und das Problem einfach lösen ist für Weicheier. Hier klagt man sofort. Und vor allem gegen den Falschen, seit wann sind Buchhändler rechtlich für Vergehen der Verlage verantwortlich?

  • Ruth Schell

    Ruth Schell

    Ohne das Verhalten von Amazon und Nabu Press gutheissen zu wollen: Da ist ein Professor für neuere deutsche Literaturwissenschaft in Heidelberg und erhält seine Bezüge von uns Steuerzahlern. Teil seiner wissenschaftlich Arbeit ist die Kommentierung von Kafka für die er durch den Steuerzahler entlohnt wurde. Nun nimmt er sich das Recht heraus und publiziert diese in einem Verlag. Dieser Verlag hat kaum Kosten, da der Steuerzahler bereits die Kosten der wissenschaftlichen Bibliothek, das Arbeitszimmer, inkl. Einrichtung und vor allem die monatlichen Bezüge von Herrn Reuß übernommen hat.

    Wenn über verwerfliches Verhalten gesprochen wird, so gehört in diese Betrachtung jenes des Verlages und des Herausgebers der Edition dazu.

    Das ganze Problem kann doch nur gelöst werden, indem jene Wissenschaftler die an Unversitäten, die durch Steuergelder finanziert werden, kein Publikationsrecht in privatwirtschaftlich organisierten Verlagen haben, sondern in Verlagen, Systemen publizieren an die jeder Steuerzahler kostenfreien Zugang hat. Open Access scheint eine gute Lösung zu sein.

  • Hans-Joachim Schulz

    Hans-Joachim Schulz

    Bezogen auf das geistige Urheberrecht und bezogen auf das individuelle Verwertungsrecht ist dieses Vorgehen durchaus (noch) richtig. Aber auch nur so lange die Rahmenbedingungen dieser Rechte noch gelten. Die IT-Revolution mit all ihren dazugehörigen Anhängen formt zur Zeit neue Rechtsstrukturen heraus, die in naher Zukunft ein Umdenken im gesellschaftlichen und rechtlichen Zusammenhängen induzieren.
    Bald wird nichts mehr so selbstverständlich sein, wie es heute noch scheint.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Frau Schell, Ihr Beitrag ist blind. Bloß weil jemand Professor ist haben Sie noch lange nicht das Recht auf sein Leben. Weder ist die Erstellung öffentlich finanziert noch die Publikation durch den Verlag. Und selbst für Projekte die das sind besteht rechtlich darauf kein Anspruch. Packen Sie also ihre ideologischen Folterwerkzeuge weg und informieren Sie sich erst einmal richtig.

  • Ruth Schell

    Ruth Schell

    Herr Ulmer, wenn der Herr Professor privat publizieren möchte, gern. Dann möge er in die Privatwirtschaft gehen. Wobei ich kein privatfinanziertes Unternehmen kenne, welches seinen Mitarbeitet gestattet, das in und für das Unternehmen erworbene Wissen an Dritte zur Verwertung zu überlassen. Sie mögen das in Frage stellen eines Geschäftsmodell, welches darauf beruht Wissen was der Allgemeinheit gehört, privatwirtschaftlich zu nutzen und damit zu verknappen, um es somit der Allgemeinheit zu entziehen, ideologische Folter nennen. Ist es aber nicht!

    Zur Kenntnis: Ich bin ein Mensch, der sehr viel von Freiheit, Gerechtigkeit und Kapitalismus hält. Ich halte nur nichts davon, wenn man selbst kein Geld in die Hand nehme will, keine Idee hat - aber auf Kosten andere kassiert.

    Was Herr Professor, sein Verlag und Nabu Press tuen ist bei genauerer Betrachtung das gleiche. Der Unterschied besteht nur darin, dass der Herr Professor und sein Verlag noch (!!!) das Recht (in diesem Fall eher Unrecht) auf ihrer Seite haben.

    Das es Parteien und Ideen gibt, die dieses Unrecht beenden wollen, begrüsse ich sehr. Bedauerlich nur dass jene Parteien und Initiativen eher den extremen (linken+rechten) Lagern angehören.

  • wettbewerber

    wettbewerber

    @4,5,7 ich kann diesen ideologischen quatsch nicht mehr hören. Die Rechtslage ist eindeutig. Ihre Forderungen werden nicht durchkommen, es wird keine Mehrheit dadfür geben und Karlsruhe wird das Eigentumsrecht von Autoren und Verlagen gegen die Piraten und ihr nützlichen ..Helfershelfer schon schützen

    frohe ostern

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Frau Schell, Sie kapierend nicht in Ihrem eifrigen Wüten. Weder ist die Arbeit von Reuß auf Staatskosten entstanden, noch war es eine geförderte Forschungsarbeit und auch keine bezuschusste Leistung. Dass ein Gelehrter sein Wissen der Allgemeinheit dann auch noch in einem Lehrauftrag zur Verfügung stellt ist noch keine Grundlage für Sklavenhaltung.
    Was Sie weiterhin für richtig, gerecht und notwendig halten ist ja Ihr gutes Recht, so skurril das auch sein mag und welcher politischen Couleur das auch immer folgt. Aber das hat mit der Sache hier eben nichts zu tun.

  • Nicolai Schmitt

    Nicolai Schmitt

    Ach Frau Schell!

    Vielleicht sollten Sie sich in Zukunft für das Verfassen Ihrer – nennen wir sie mal so – ›Beiträge‹ etwas mehr Zeit nehmen?

    Dann könnten Sie sich mal kundig machen, worüber Sie eigentlich schreiben, und darüber nachdenken, was Sie da eigentlich schreiben. Nicht zuletzt könnten Sie ihr Getippsel noch in eine Form bringen, an der allein nicht schon (fast) jeder hier die Insuffizienz Ihres Inhalts ablesen kann.

    Aber das nur als gut gemeinter Hinweis. Wahrscheinlich ist es jedoch gerade Ihre unwissende Ignoranz, die es Ihnen erlaubt, solche Einträge in Ihre Tasten zu zimmern.

  • Lesen

    Lesen

    Frau Schell, wissen Sie nicht, dass Medizinprofessoren ganz selbstverständlich zusätzlich zu ihrem Prof-Gehalt kräftig an Privatpatienten verdienen? Dass Architekturdozenten große Büros mit lukrativen Aufträgen unterhalten?

    Nur Leute, die im Kulturbereich tätig sind, sollen mal wieder alles umsonst hergeben.

  • Ruth Schell

    Ruth Schell

    @ Herr Ulmer "Dass ein Gelehrter sein Wissen der Allgemeinheit dann auch noch in einem Lehrauftrag zur Verfügung stellt ist noch keine Grundlage für Sklavenhaltung."

    Fangen Sie im eigenem Hause an! Geben Sie z.B. Ihr Ulmer CMS frei, stellen Sie es unter einer freien Lizenz, damit andere mit der Entwicklung Ihrer Angestellten kassieren können.

    Mit welcher Berechtigung fordern Sie, etwas von Universitäten (bezahlt mit Steuergeldern) was Sie selbst nicht tun?

    Und gern wiederhole ich mich: Der Steuerzahler mag in dem Fall nicht direkt den Verlag unterstützt haben. Die Beamtenbezüge, die wissenschaftliche Infrastruktur usw. des Herrn Reuß schon.

    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass in Arbeitsverträgen Ihrer Angestellten es nicht erlaubt ist während der Arbeitszeit, die Sie bezahlen, für andere tätig zu sein. Oder, um bei dem Beispiel CMS zubleiben, erlauben Sie Ihren Entwicklern von Ulmer CMS von Ihrem Büro aus, ein anderes CMS, eines anderen Anbieters, zuentwickeln. Erlauben Sie in Ihrem Unternehmen, daß Grafiker für andere Verlage Buchdeckel gestalten?

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Frau Schell, Sie sind so verbohrt, dass Sie nicht mal mehr die Posts zu lesen verstehen, auf die Sie antworten. Ich schreib es jetzt zum Dritten Mal: weder verbeamtet, noch in der staatlichen Arbeitszeit, noch am Staatsschreibtisch, noch im Staatszimmer, noch auf dem Staatsrechner, nicht mit Staatsfingern oder Staatshirn. Haben Sie es jetzt kapiert?

    Und noch was zum Weiterdenken: wenn Nena aufgrund ihrer Erfolge einen Lehrauftrag an der Fachhochschule für Musical und Tanz bekommt und monatlich eine Vorlesung und ein Masterseminar halten soll, dafür zwar keine Spesen, jedoch eine Lehrvergütung von 600 Euro für das ganze Semester bekommt, dann meinen Ideologen wie Sie, in ihrem Das-Volk-hat-totale-Rechte-auf-Alles-Wahn, dass Sie jetzt jedes Nena-Lied von heute, gestern und morgen, jede schriftliche und mündliche Äußerung kostenlos bekommen. Oder kommt Ihnen das jetzt auch irgendwie absurd vor?

  • McLuhan

    McLuhan

    Haha, was ist denn hier los?

  • Leser

    Leser

    Herr Ulmer, geben Sie es auf. Man sieht nur, was man will. Wie gestern der Priaten-Nerz in FAZ, den man da schön seine weitgereiste Unkenntnis hat ausbreiten lassen. Aber vor denen muß man sich nicht fürchten: wenns ernst wird, treten die alle wegen Überlastung zurück. Sozusagen "Kentern bei Entern", wie der Focus mal titelte.

  • saguenay

    saguenay

    Kafkaesker Datenkrimi?

    Wohl eher Bauerntheater mit juristischem Einschlag.

    Dass Verlag und Herausgeber gegen die Verbreitung von Raubkopien rechtlich vorgehen, ist an sich eine Selbstverständlichkeit. Natürlich kann ein Hochschullehrer durchaus neben seiner mit öffentlichen Geldern finanzierten Hauptbeschäftigung auch einer Nebentätigkeit nachgehen, deren Umfang, Anzeigenpflicht etc. in einer Reihe von Gesetzen und Verordnungen festgelegt ist.

    Dies ist legal und unabhängig von dem Gedanken zu sehen, dass die Ergebnisse von mit öffentlichen Geldern finanzierter Forschung dem Willen des Dienstherrn entsprechend der Allgemeinheit (im Normalfall also der Scientific Community) unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden können. Dass die Trennung zwischen Haupt- und Nebentätigkeit de facto mitunter nicht so sauber bzw. einfach ist, ist eine andere Frage, deren Erörterung hier aber zu weit führen würde. Es erscheint jedoch sinnvoll, im vorliegenden Fall grundsätzlich den Open-Access Fragenkomplex um wissenschaftliche Literatur nicht mit dem urheberrechtlicher Aspekte privatwirtschaftlichen Publizierens zu vermischen - und sei es um einen zumindest halbwegs zivilisierten Umgangston beizubehalten.

    Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen, ist unter diesen Aspekten die genannte Klage an sich nicht mehr als "business as usual". Dass sie sich jedoch nicht gegen den Raubkopierer selbst sondern gegen Amazon richtet, ist mit Verlaub gesagt, reichlich grenzwertig, bzw. eher ein Hinweis darauf, dass es den Beteiligten weniger um die Sache selbst, als um das damit verbundene Medienspektakel geht, was mit der Formulierung "Öffentlichkeit" schaffen zu wollen, auch recht deutlich gesagt wird.

    Nun sind Buchverlage nicht die einzigen Unternehmen, die sich mit Urheber- bzw. Patentrechtlichen Streitfragen herumplagen dürfen. Dass im vorliegenden Fall Amazon verklagt wird, ist ungefähr so, als würde ein Unternehmen, das auf einer Fachmesse ein Plagiat eines seiner Produkte entdeckt, nicht dessen Anbieter, sondern die Messegesellschaft verklagen.

    Ob die processfreudigen Editoren mit diesem Vorgehen wirklich ans Ziel gelangen (worin auch immer dies konkret bestehen mag) oder ihrer eigenen Sache letztlich einen Bärendienst erweisen, lasse ich dahingestellt. Kafka jedenfalls hätte an der ganzen Sache seine helle Freude gehabt - wen wunderts, der Mann war Jurist......

  • Claus Ernst

    Claus Ernst

    Der Vergleich mit einer Fachmesse, auf der auch Plagiate ausgestellt werden, ist hübsch, aber irreführend (nRS irre führend). Es wäre juristisch interessant, Analogien zu den Hehlerei-§§ zu prüfen.
    Außerdem hat es schon einige Urteile gegeben, durch die zB ebay (auch eine Art Messe) gezwungen wurde, Raubkopien oder Plagiate aus dem Schaufenster zu nehmen; und zu verhindern, dass solche in Zukunft eingestellt werden.
    Das ist auch richtig so. Ebay hat eine Riege von Mitarbeitern und Anwälten, die sich ein kleiner Autor oder Hersteller, der durch Raubkopien um sein Einkommen gebracht wird, niemals wird leisten können. Dieses Ungleichgewicht gilt es daher durch Gesetze neu auszutarieren. Oder wir landen bei einem Dünnbrettbohrerkommunismus a la Piraten.

  • Markus Gro0

    Markus Gro0

    @16 angenommen ich kaufe beim Barsortimenter ein Buch ein, dass einige Zeit danach indiziert wird, oder aufgrund eines Gerichtsurteils nicht mehr verkauft werden darf.... dann bin doch ich als Buchhändler dafür verantwortlich, dieses Buch nicht mehr unter die Leute zu bringen. Auch ohne dass mich der Verlag oder Autor oder das Gericht persönlich erst informiert. Genauso gehts nun Amazon...

    Ich wünsche der Klage jeden nur erdenklichen Erfolg ... amazon kann sich dann die Händler vorknöpfen

    @Frau Schell..... zu Ihren Beiträgen ist schon das Notwendige gesagt.... nein, mölchte gar nicht wissen wer hinter solchem Unsinn steckt

  • Dr. Wolfgang Philipp Müller

    Dr. Wolfgang Philipp Müller

    Ulmer sollten Sie nicht so ernst nehmen Frau Schell. Der ist bekannt als besser wissender Oberlehrer der Verlagsbranche und findet sich ganz toll. :-)

  • Leser

    Leser

    @Frau Schell
    dafür, dass sich jetzt Herr Dr. Müller, bekannt als dubiosester Pseudoverleger der Verlagsbranche(der sich noch toller findet) auf Ihre Seite schlägt, können Sie nichts.
    Sollte Ihnen aber trotzdem zu denken geben!

  • saguenay

    saguenay

    @17 + 18

    Da bin ich n´ büschn skeptisch, ob das wirklich so umsetzbar ist, bzw. ob die Rechtslage es wirklich erlaubt, den eigentlichen Delinquenten bequem zu umgehen, und ein gewöhnliches Handelsunternehmen zu "Polizeidiensten" zu zwingen.

    Die Annahme, dass Amazon, Ebay etc. mehr Geld hätten und folglich sich um die Plagiatoren kümmern können, bzw. als verlängerte Rechtsabteilung des Verlages fungieren sollen, ist zwar amüsant, aber offen gestanden auch reichlich unverfroren.

    Wenn ein Unternehmen nicht mehr über die Mittel verfügt, sich Recht zu verschaffen und sich zu schützen, dann sollte man lieber überlegen, ob es nicht besser wäre, den Geschäftsbetrieb einzustellen.

    Die Vermutung liegt nahe, dass in diesem Fall eine Handvoll windiger Plagiate ohnehin nur die geringsten Probleme sind, mit denen ein derartiges Unternehmen zu kämpfen hat. Im konkreten Fall scheinen die knappen Mittel aber immerhin noch für eine Klage gegen Amazon zu reichen. Aber wie gesagt, geht es ja nicht wirklich um den Raubkopierer, sondern um die Schlagzeilen.

    Und da macht eine Klage gegen ein Unternehmen wie Amazon, das jeder kennt, natürlich mehr Sinn als gegen einen windigen Pseudoverlag, von dem die wenigsten je gehört haben dürften.

    Bez. des Ausgangs der Klage ist damit natürlich nichts gesagt, denn das diesbez. Urteil samt Begründung vermag ganz anders ausfallen, als wir uns dies auf die schnelle auszumalen vermögen. Das ist ja das Schöne an der Juristerei, es ist wie bei Forrest Gump: Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, ob der Inhalt vergiftet ist.

  • Lorenz Borsche

    Lorenz Borsche

    „Der Hehler ist schlimmer als der Stehler.“

    Das, liebe Frau Schell und lieber Herr Saguenay, sollte Ihnen zu denken geben, denn es ist ein Volksweisheit, die etwas älter ist als das Internet, die aber noch nie in Frage gestellt wurde.

    Amazon leistet der Hehlerei Vorschub, wenn es die Adressen von diebischen Anbietern vor den Käufern verschleiert und irgendwann wird das auch mal justiziabel - der Krug geht nur solange zum Brunnen, bis er bricht.

    Und Dr. Wolfgang Philipp Müller von der vdmpublishinggroup. der hat ja nun das tollste aller Geschäftsmodelle erfunden:

    "In der VDM Publishing Group erscheinen Bücher, die nur aus Wikipedia-Texten bestehen. Die Käufer müssen dafür tief in die Tasche greifen." http://goo.gl/zW4ey

    Müssen wir ausgerechnet mit solchen Menschen über Urheberrechte oder überhaupt über Recht und Gerechtigkeit diskutieren?

    Herrn Reuß werden wir noch viel Beifall klatschen, denn er gehört zu den wenigen, die nicht sagen: "Da kann man nichts machen", sondern die sich aktiv wehren, auch wenn der Goliath hier übermächtig zu sein scheint.

    Hoffentlich findet er verständige Richter, denn daß amazon sich ein so einträgliches Geschäftsmodell verbieten lässt, damit ist, trotz aller gegenteiliger Behauptungen, nicht zu rechnen.

    Beste Grüße, LB

  • Lorenz Borsche

    Lorenz Borsche

    Und nochmal: "Der Hehler ist schlimmer als der Stehler"

    >>>
    Das Sprichwort "Der Hehler ist schlimmer als der Stehler" meint, dass derjenige der Diebesgut ankauft und verwertet (Hehler) größeren gesellschaftlichen Schaden anrichtet als der Dieb, der es stiehlt (Stehler).
    <<<

    Die Begründung findet sich hier:

    http://goo.gl/nqpxr

    LG LB

  • Tyler Durden

    Tyler Durden

    Nur einige kurze Anmerkungen:

    Es geht gerade nicht um eine (zivilrechtliche) Klage gegen Amazon, sondern es wurde Strafanzeige gegen Amazon erstattet.
    Als juristische Person kann Amazon allerdings (jedenfalls in Deutschland) gar nicht strafrechtlich verfolgt werden. Das Ermittlungsverfahren gegen Amazon dürfte daher schneller eingestellt als eröffnet sein. Ob sich aus der Anzeige bzw. korrekt dem Strafantrag weitere Hinweise ergeben, die grundsätzlich zu einem Anfangsverdacht gegen einzelne Mitarbeiter von Amazon führen könnten, ist aus den hier genannten Tatsachen nicht ersichtlich.

    Zur Hehlerei: Unterstellt, dass sich einem oder mehreren Mitarbeitern von Amazon der nötige Vorsatz nachweisen ließe (was mir aussichtlos erscheint), scheitert es doch schon lange vorher am objektiven Tatbestand der Hehlerei, denn weder wurde das bei Amazon kaufbare Buch gestohlen, noch sonst durch eine gegen fremdes Vermögen gerichtete rechtswidrige Tat erlangt.

    Tatsächlich in Betracht kommen lediglich Verstöße gegen das Urheberrecht, dessen Strafvorschriften allerdings wieder nicht gegenüber Amazon selbst direkt gelten (s.o.).

    Mithin scheint es hier - wie schon anderweitig angemerkt - primär um den medialen Effekt und nicht eine effektive Rechtsverfolgung (die viel eher in der Beschreitung des zivilrechtlichen Weges gegenüber dem Verlag gegeben wäre) zu gehen.

  • saguenay

    saguenay

    Lieber Herr Borsche,

    die Sache mit der Hehlerei als dem verdammungswürdigerem Delikt ist m.E. so eindeutig nicht, denn man könnte auch argumentieren, dass die Handlung des Diebes schwerer zu ahnden ist, da ohne ihn der Hehler gar nicht aktiv werden könnte, bzw. es auch Fälle gibt, in denen Diebesgut auch unwissentlich gehandelt wird - was man vom Dieb in keinem Fall sagen kann, dessen Tat stets vom Vorsatz begleitet ist (notorische Kleptomanen als seelischer Grenzfall mal aussen vor gelassen). Das jedoch ohne tiefergehende juristische Kenntnisse meinerseits. Ich war froh, die paar Jus-Vorlesungen, die ich über mich ergehen lassen musste, ohne grösseren Schaden an Leib und Seele überstanden zu haben.

    Grundsätzlich wären mir persönlich als Geschädigtem der Dieb wie sein Hehler, die sich über mein Eigentum hermachen, gleichermassen zuwider. Ich halte von dem "die andere Wange hin halten" nicht allzu viel und erachte insofern eine Klage auch für sinnvoller, als diesem fragwürdigen "Verlag" auch noch die Scans der restlichen Titel des Verlagsprogramms zukommen zu lassen.

    Dennoch finde ich, dass die Prügel zuerst der Raubkopierer verdient, der die Sache überhaupt ins Rollen gebracht hat, bzw. dies offenbar auch recht konsequent betreibt, bzw. ich bin mehr als skeptisch was den Versuch betrifft, das Ganze auch im Sinne einer PR-Aktion ("Öffentlichkeit schaffen") zu sehen. Dgl. kann leicht nach hinten losgehen.

    Zu aus Wikipedia-Texten zusammengeschusterten "Büchern" sage ich besser nichts, denn das könnte in eine Art ABM-Massnahme für Anwälte ausarten. Da geht mir bildlich gesprochen genauso das Messer in der Tasche auf, wie bei dem Schreiben der Tatort-Drehbuchschreiber, die für Produktionen, die mittels einer öffentlichen Zwangsabgabe finanziert wurden, auch noch kräftig aufs Urheberrecht pochen. Nun halte ich Urheberrecht und Patentschutz für eine sinnvolle Sache, kann Gleiches jedoch nicht von dem staatlich sanktioniertem Schnorrertum behaupten, das auf Kosten der Allgemeinheit den öffentlich-rechtlichen Hofnarren gibt, aber ohne politische Protektion keine Minute überleben würde.

    Der Begriff "Abzocke" beschreibt beide "Geschäftsmodelle" recht treffend.

  • Jonas

    Jonas

    @22:
    "Amazon leistet der Hehlerei Vorschub, wenn es die Adressen von diebischen Anbietern vor den Käufern verschleiert und irgendwann wird das auch mal justiziabel - der Krug geht nur solange zum Brunnen, bis er bricht."
    Herr Borsche, bitte machen Sie sich kundig, wie "Hehlerei" im deutschen Strafgesetzbuch definiert wird, bevor Sie hier den Oberstaatsanwalt und Richter gleichzeitig spielen. Es wurde NICHTS gestohlen, sondern gegen das Urheberrecht verstoßen...

  • Lorenz Borsche

    Lorenz Borsche

    @Jonas
    "Amazon leistet der Hehlerei Vorschub, wenn es die Adressen von diebischen Anbietern vor den Käufern verschleiert..."

    Ich habe mit viel Bedacht genau so formuliert, und Insider wissen, daß es hierbei nicht nur um Raubdrucke geht. Sondern darum, daß amazon, natürlich völlig unschuldig (harhar) Menschen eine Plattform bietet, die frisch eingeschweißte Bücher en masse unter Preis verkaufen, Bücher, die eben noch auf dem Stapel einer kleinen Buchhandlung lagen.

    Und nachdem aufgeflogen war, daß das ja schlechterdings nicht alles Rezensionsexemplare gewesen sein können, bieten solche Marketplacer nur noch einzelne Exemplare an, die dann angeblich z.B. aus einer Wohnungsauflösung direkt vom Nachttisch eines gerade Verstorbenen stammen, der noch nicht dazu gekommen war, das neue Buch zu lesen (haben wir schriftlich! Und das gericht akrzeptiert solch eine Unfug, weil das Gegenteil nicht beweisbar ist).

    Und morgen steht da schon wieder eins - soviele Testkäufe könne Sie gar nicht machen, als daß man das wirkungsvoll unterbinden könnte.

    Und das beste: amazon schützt solche Menschen, indem es deren Adresse verschleiert. Sonst könnte man nämlich leicht sehen, daß es immer diesselben sind (und also Diebe sein müssen), aber unter verschiedenen amazon-accounts.

    Amazon könnte das z.B. anhand der Kontodaten natürlich sebst kontrollieren - warum wohl geschieht das nicht? Warum sind mehrfache Verkäufer-accounts überhaupt erlaubt?

    Ahhh, Jonas, vielleicht bekommen Sie langsam ein Ahnung, warum ich sage, daß man dorten der Hehlerei *Vorschub* leistet?

    @Saguenay: ich denke, wir sind nicht weit voneinander entfernt, ausser daß ich vielleicht ein paar mehr Hintergrundinfos habe, wie amazon arbeitet - wir haben mehrer Prozeße gegen amazon geführt und am Ende gewonnen - nicht ohne daß amazon versucht hätte, sich mit ziemlich unwürdigen Mitteln (Gegenabmahnung) zu wehren. Und niemand soll bitte sagen, das sei deren gutes Recht, denn genau das (eine sog. Schubladenabmahnung) ist klassifiziertes Unrecht. Also: ich habe zwar NULL Semester Jus auf dem Buckel, aber das Leben ist ein guter Lehrmeister, und es hat mich gelehrt, amazon zu mißtrauen.

    Für Raubtierkapitalismus (und genau darum handelt es sich hier) habe ich nichts übrig, sollen andere das sympathisch finden....

    Beste Grüße, LB

  • Derry

    Derry

    Die kontroversen Kommentare zeigen nicht nur, wie stark Meinungen zu einem Thema auseinandergehen können, sondern offenbaren zum Teil ganz elementare Wissensmängel, während sie gleichzeitig ein wenig schmeichelhaftes Bild auf den/die Verfasser/in wirft ... getreu dem Motto: Wer etwas von sich gibt, gibt etwas von sich. Es ist nur unglaublich schade, dass zuweilen diese Art "Diskussionskultur" zur Entscheidungsfindung herangezogen wird - zum Schaden der Sache und derer, die es betrifft. Etwas mehr Nachdenken würde ich mir sehr wünschen. Und ein kleines bisschen Innehalten, um ab und zu den ideologischen Schaum vom Mund zu wischen.
    Derry.

    Das Thoni-Projekt. Eine verrückte Geschichte.

  • Jonas

    Jonas

    Herr Borsche, zu Ihrer Diktion darf ich nur Derry zitieren: "Wer etwas von sich gibt, gibt etwas von sich."

    Wenn Sie nicht in der Lage sind, vernünftig zu diskutieren, lassen wir es.

    Nur zu Ihrem Satz "Und das gericht akzeptiert solch eine Unfug, weil das Gegenteil nicht beweisbar ist" folgendes:
    Sie sollten sich lieber nicht wünschen, dass Gerichte etwas akzeptieren, das NICHT beweisbar ist. Das ist nämlich die Grundlage unseres Rechtverständnisses. Und wenn Sie behaupten, ein Mitarbeiter irgendeiner Firma auf dieser Welt betreibt HEHLEREI (und dafür gibt es nun mal eine eindeutige Definition im Strafgesetz, egal, ob die Ihnen passt oder nicht) dann werden Sie es beweisen müssen.


  • Lorenz Borsche

    Lorenz Borsche

    @Jonas

    Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

    Ich hätte auch schreiben können: "Und das Gericht muss solchen Unfug akzeptieren, weil das Gegenteil nicht beweisbar ist."

    Das ist sehr wohl der Kern unseres *gemeinsamen* Verständnisses (daß etwas beweisbar sein muss, bevor es justiziabel ist).

    Was Sie allerdings offenbar nicht akzeptieren wollen ist, daß, auch wenn man es nicht *gerichtsfest* beweisen kann - die Hinweise darauf, daß auf dem Marketplace auch Diebesgut verhökert wird, stärker sind, als jene, daß dort alles immer mit rechten Dingen zu geht (weil rechte Dinge nicht erklären können, warum so viele frische Bestseller originaleingeschweißt angeblich Rezensions- und Geschenkexemplare waren und deshalb unter Preis verkauft werden dürfen - und das auch mehrmals hintereinander, harhar).

    Und wer einen solchen Marktplatz zur Verfügung stellt und dabei die legitime Verfolgung solcher Täter so sehr erschwert, daß sie die facto unmöglich wird - dem soll ich nicht böse Absicht unterstellen dürfen, ja müssen?

    Get a life, Jonas - a real one.

    LG LB

  • Büchersammler

    Büchersammler

    Lieber Herr Borsche, ich habe hier mehrere Regalmeter eingeschweißter Bücher stehen, die ich alle ganz regulär im örtlichen Buchhandel, bei Zweitausendeins und im modernen Antiquariat erworben habe. Ich bin schlicht noch nicht dazu gekommen, sie zu lesen. Wenn ich morgen von einem LKW überrollt werde, dann wird meine Frau sie so wie sie sind über eBay und Amamzon verkaufen und wenn sie nicht aufpasst, dann wird sie "neu" statt "wie neu" angeben. Eine Hehlerin? Eine Diebin?

  • Büchersammler

    Büchersammler

    Lieber Herr Borsche, ich habe hier mehrere Regalmeter eingeschweißter Bücher stehen, die ich alle ganz regulär im örtlichen Buchhandel, bei Zweitausendeins und im modernen Antiquariat erworben habe. Ich bin schlicht noch nicht dazu gekommen, sie zu lesen. Wenn ich morgen von einem LKW überrollt werde, dann wird meine Frau sie so wie sie sind über eBay und Amazon verkaufen und wenn sie nicht aufpasst, dann wird sie "neu" statt "wie neu" angeben. Eine Hehlerin? Eine Diebin?

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Da muss ich dem Büchersammler unbedingt zustimmen. Es mag ja auch Leute geben, die Bücher gar nicht mögen, sondern vor allem die Folie darum herum. Und die haben zu Hause alle Regale voll mit eingeschweißten Büchern. Irgendwann wollen die ihre Foliensammlung eben verkaufen, und das machen die dann über Amazon. Vermutlich gibt es einfach sehr sehr viele Foliensammler. Nur so lässt sich das erklären. Da darf man nicht immer etwas illegales dahinter vermuten.
    Schließlich hört man ja auch sehr oft, dass jemand einen großen Fernseher zu Hause hat oder einen neuen DVD-Spieler, der vom Laster gefallen war. Das hört man so oft, dass es vermutlich einfach so ist, dass in bestimmten Kurven die Dinger immer von der Ladefläche fallen. Da ist ja dann nichts Unrechtes dran, das ist eben einfach so.

    Ernsthaft: ich fürchte, die ganzen neuwertigen Bücher kommen von Verlagen, die ihr Lager entlasten und die Bücher dort unter Preis selbst oder über Dritte verkaufen. Das hat nichts mit Diebstahl und Amazon nichts mit Hehlerei zu tun, sondern es ist einfach ein Verstoß gegen das Preisbindungsgesetz. Amazon weiß das und profitiert auch davon, ist aber nicht wirklich schuld daran.

    Der von Reuß geschilderte Fall liegt doch ganz anders. Da geht es um Urheberrechtsverstöße, die von illegalem Scannen durch Google ausgehen und dann mit Wissen und Duldung diverser Akteure auf Amazons Plattform in Deutschland angeboten werden. Es geht um massenweise Rechtsverletzung und die Frage, ob Amazon die Kontrolle seines Angebots den geschädigten Autoren überlässt oder auch mal selbst aktiv wird.

  • Leser

    Leser

    Herr Ulmer, in welchen Kreisen verkehren Sie denn, dass Sie "sehr oft" von vom Laster gefallenen Fernsehern hören?
    In meinem Bekanntenkreis kauft man die Dinger im örtlichen Fachhandel.
    Aber wahrscheinlich sind im Großraum Stuttgart die Kurven schwieriger zu nehmen.

  • Matthias Ulmer

    Matthias Ulmer

    Das war gar nicht in Stuttgart. Ich hab das in Frankfurt bei einem Auftritt von Badesalz gehört. Dann hab ich mir die CD dazu gekauft und jetzt hör ich es eben sehr oft.

  • Leser

    Leser

    Lieber Herr Ulmer,
    ein interessantes Wahrnehmungsphänomen.
    Nur weil Sie dauernd die selbe CD hören, meinen Sie "man hört oft" und posten die Vomlasterfallerei als häufiges Vorkommnis.
    Wahrscheinlich hat Herr Borsche zu Weihnachten die CD "Alles nur geklaut" von den Prinzen bekommen und schimpft jetzt auf Stehler und Hehler.

  • Lorenz Borsche

    Lorenz Borsche

    @Leser - ja, nun wird es zunehmend lustig insofern ich die Prinzen sehr mag, aber leider keine CD von ihnen besitze (nochnicht mal ein MP3).

    Und was die Klauerei angeht: Wenn wir nicht einen Profiklauer erwischt und ihm das Handwerk gelegt hätten, dann würde ich mich kaum trauen, sowas zu behaupten. Dito ein paar andere Marketplace-Spitzbuben. Herr Ulmer allerdings hat leider recht: es gibt auch auf Seiten der Hersteller & Händler solche, die den Marketplace für trübe Geschäftchen mißbrauchen.

    Amazon wäscht natürlich seine Hände in Unschuld, das ist ja klar. Ich frage mich allerdings, wie es zu bewerten ist, wenn jemand anteilige Gebühren nimmt - an unrechtmäßigen Verkäufen ("unrechtmäßig" egal welcher Art)? Ist er dann nicht automatisch Mittäter?

    Marc Aurel hatte da ein klare Haltung:

    Oft tut auch der Unrecht, der nichts tut. Wer das Unrecht nicht verbietet, wenn er kann, der befiehlt es.

    LB

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