Börsenverein und Piratenpartei streiten um das Urheberrecht© istockphoto

04.05.2012Urheberrecht

Börsenverein und Piratenpartei streiten um das Urheberrecht

Unterschiedlicher konnten die Positionen nicht sein: Boris Turovskiy von der Piratenpartei forderte auf einer Podiumsdiskussion in Frankfurt die kostenlose Nutzung von Werken. Börsenvereins-Justiziar Christian Sprang hingegen möchte das geistige Eigentum schützen.

"Werke sind auch nur Daten", sagte Boris Turovskiy, Piratenpartei München, auf der Podiumsdiskussion des Frankfurter Presseclubs. Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) sprach er sich dafür aus, dass jeder die Werke kostenlos kopieren und tauschen solle, solange er Daten nicht kommerziell nutze.

Auf die Frage des Justitiars des Börsenvereins, Christian Sprang, und Ulrike Gehring, Geschäftsführerin der Filmgesellschaft Screen Art Produktion, wie dann die Kreativen entlohnt werden sollen, antwortete er laut FAZ unter anderem mit Spenden und der Vermarktung über die eigene Website.

Sprang und Gehring konnte er mit seinen Ansichten jedoch wenig überzeugen: "Verliert der Kreative den Schutz seines geistigen Eigentums, wird er vom stolzen Anbieter eines Werkes zum Straßenmusikanten, der hoffen kann, dass ihm jemand etwas in den Hut wirft", wird Sprang in der Zeitung zitiert.

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12 Kommentar/e

1. Marek 04.05.2012 12:33h Marek

Es gibt bereits einige Verlage hierzulande, die ihre Bücher über die eigene Website vermarkten und zudem mit Spendendiensten wie Flattr u.a. arbeiten. Ich denke da etwa an ed. cetera (www.ed-cetera.de) und deren Roman "XO", der nicht nur breit in der Presse besprochen wurde, sondern auch mit offenen Lizenzen arbeitet, wodurch das digitale Werk - als Ergänzung zum Buch - zur freien, nichtkommerziellen Verwendung angeboten werden kann. Ob das funktioniert, wird sich zeigen. Auf jeden Fall ist es ein Weg, der von den Verlagen, aber auch den Autoren ausprobiert werden sollte, anstatt permanent nur die eigenen Positionen vor- oder besser: gegeneinander zu stellen.

2. Detlef Knut 04.05.2012 14:01h www.edition-oberkassel.de Detlef Knut

@Marek
Nix mit Ausprobieren. Wenn die Piratin Julia Schramm 100.000 Euro Vorschuss kassiert, weil es das Urheberrecht gibt, und sie dennoch dieses abschaffen will, dann ist kein Platz, um etwas auszuprobrieren.

3. R. Süssmann 04.05.2012 14:57h R. Süssmann

@Marek: Da haben Sie aber die Kreativen, also die Urheber, und die Verwerter, also die Verlage verwechselt.
Wie sollen die Urheber - außer den Autoren auch die Grafiker, Fotografen, Illustratoren - denn ihre Werke über die eigene Webseite vermarkten?
Mit dem Hinweis, man könne, so man ein Buch geschrieben hat, das Layout oder die Bilder gegen Spende auch für das eigene verwenden? Oder dadurch, das man gegen Spende das Buch auch gestaltet und illustriert erhalten kann?

4. Matthias Ulmer 04.05.2012 15:11h Matthias Ulmer

Auch die Differenzierung von Pirat Turovskyi, dass kommerzielle Verbreitung weiterhin geschützt, die private aber frei sein soll, ist Unsinn. Wenn jeder das Recht hat, ein E-Book zu kopieren und weiterzugeben, auf Tauschplattformen zu stellen etc., dann gibt es natürlich keine kommerzielle Verbreitung mehr. Das ist eine naive Idee, die davon ausgeht, dass "das bisschen privates Kopieren" doch niemandem schaden kann. Wenn man allerdings Piraten Bay und Megaupload, Youtube und Co. als nicht kommerzielle Verbreitung versteht, dann gibt es eben neben dem "bisschen" privaten Kopieren keine kommerzielle Welt mehr. Ergo auch keine Einnahmen. Und Ergo auch keine Werke mehr. Aber es klingt natürlich mächtig toll. Und zum Stimmenfang reichts allemal.

5. Renate Rothe 04.05.2012 15:35h www.kunstundbuch.com Renate Rothe

In Piraten-Reihen wird doch sogar mit der illusionären Idee einer Gesetztes-Abschaffung in Deutschland geliebäugelt. Dagegen ist doch die Aufhebung des Urheberrechts regelrechter Kleinkram. Ich bete, es möge "Hirn" vom Himmel auf die Piratenpartei und auf die wählenden Bürger niederregnen, sonst schafft Deutschland sich wirklich ab

6. branchenkenner 04.05.2012 16:05h branchenkenner

@4. Matthias Ulmer:

Ich bin ja grundsätzlich Ihrer Meinung, aber eine Sache stößt mir sauer auf: Bitte werfen Sie nicht Youtube mit Pirate Bay und Megaupload in einen Topf.

Youtube betreibt weitestgehend eine Art social media mit multimedialen Inhalten, von der Grundidee eigentlich ganz prima und weit entfernt von der Illegalität. Gerade für viele millionen "Urheber" weltweit ist Youtube ein tolles Hilfsmittel zur Vermarktung ihres geistigen Eigentums, inbesondere da sich vielen diese Chance sonst nicht eröffnen würde. Soviel dazu.

Pirate Bay und Megaupload hingegen sind Plattformen, wo es fast ausschließlich um die Verbreitung vom Eigentum "Dritter" geht, völlig unabhängig von Urheberrechtsfragen. Hier ist natürlich sehr wohl eine klare Tendenz zur Illegalität nach unseren geltenden Gesetzen gegeben.

Warum ich darauf rumreite?
Gerade mit solchen oberflächlichen Betrachtungsweisen spielen wir den Leuten in die Karten, die den Urheberrechtsschutz auf digitaler Ebene aushebeln wollen. Wir stellen unter Beweis, das das Terrain Internet für unsere Branche noch genau so ein Auswärtsspiel mit vielen Unbekannten ist, wie für die Piraten die branchenübergreifende Gesetzesstruktur zum Urheberrecht bzw. deren Notwendigkeit.

Wenn man das Spiel gewinnen will, sollte man demnach besser vorbereitet sein.

7. Sascha 04.05.2012 16:59h Sascha

Warum redet der Börsenverein eigentlich mit diesen Nerds?

Von nix eine Ahnung, ganzen Tag im Netz, ADHS und Bournout weit verbreitet, aber alles umsonst haben wollen.

Die sollen mal ein anständiges Buch lesen und Ruhe wäre!

8. Bastian 06.05.2012 20:46h Kulturklassiker.de Bastian

Wäre die Behauptung "Werke sind auch nur Daten" zutreffend, dann könnte man Turovskiy leichter zustimmen. Ich halte sie jedoch für falsch.

Wikipedia weist zumindest drei verschiedene Definitionen von Daten aus:
1. Allgemein: Daten sind „zum Zweck der Verarbeitung zusammengefasste Zeichen, die aufgrund bekannter oder unterstellter Abmachungen Informationen (d. h. Angaben über Sachverhalte und Vorgänge) darstellen“ (Gabler).
2. Informatik: "versteht man Daten als (maschinen-) lesbare und -bearbeitbare, in der Regel digitale Repräsentation von Information."
3. Semiotik: "Die Semiotik definiert Daten als potenzielle Information"

Und leider gibt es keine Definition des Datenbegriffs im Recht.

Es scheint mir, als würde Turovskiy den Datenbegriff der Informatik verwenden. Unter diesen Umständen steht die Möglichkeit des nahezu kostenlosen Duplizierens von digitalen Inhalten im Vordergrund und hätte ein Recht.

Aber diese Definition wird dem Werk (sei es ein Buch oder ein Film) nicht gerecht. Die erste, allgemeine Definition sagt, „zum Zweck der Verarbeitung zusammengefasste Zeichen“. Ich behaupte, ein Werk entsteht, nachdem also Daten verarbeitet werden. Das Werk wäre demnach deutlich mehr. Nach dieser Definition läge Turovskiy falsch.

Für Bücher und Filme würde ich allerdings die dritte Definition als die geeignete erachten, weil es sich dabei um Werke handelt, die mit semiotischen Zeichen und Symbolen arbeiten. Und dort sind Daten eben nur „potentielle Informationen“ nicht aber schon Informationen. Erst durch die Bearbeitung der Daten durch einen Autor werden sie zu einem Werk geformt.

Insofern sind Werke für mich strukturierte Produkte, die häufig arbeitsteilig entstehen (Autor, Lektor, Verlag - im Film sowieso), selbst wenn der Autor den Großteil der Arbeit hat – und somit weit mehr als nur „Daten“.

Aus diesem Grund sind für mich letztlich ALLE Äußerungen Turovskiys zu dieser Sache zurück zu weisen, weil die Prämisse "Werke sind auch nur Daten" falsch ist.

9. <jan Orthey 30.05.2012 10:23h lünebuch.de <jan Orthey

Ich finde es ershreckend, mit welcher Selbstverständlichkeit sich Herr Turovskiys hinstellt und seine Thesen verbreitet. Zeigt dies doch, dass er jeden Bezug zu "mein" und "dein" verloren hat. Bücher sind doch auch nur Buchstaben und Musik auch nur Noten. Diese Auffassung ist schon im Ansatz falsch.
Bücher sind Buchstaben in einer vom Autor, und Musik Noten vom Komponisten festgelegten Reihenfolge. Erst dadurch wird aus Kauderwelsch ein Werk udn aus einem Haufen Töne ein Lied.
Ebenso finde ich es fahrlässig, youtube als social media Plattform zu bezeichnen.
Es ist ein Wirtschaftsunternehmen, das nicht aus Nächstenliebe sondern zur Profitmaximierung handelt. Und dabei geht es mit denen, die ihnen die Daseinsberechtigung, sprich den Content geben, alles andere als fair um.
Ich komme mir vor, wie ein Grüner in den 80er Jahren, als Atomkraft noch als Sicher und Umweltschutz als Luxus galt.

...erst wenn der letzte Künstler Hartz IV eingereicht hat,
der letzte Autor an der Tankstelle arbeitet,
das letzte Plattenlabel die Tür geschlossen hat,
werden Piraten feststellen, dass auch Programmierer ohne Geld nichts zu Essen haben.

10. Manfred 30.05.2012 10:38h Manfred

Ich verstehe die Aufregung und die Diskussion überhaupt nicht. Das geistige Eigentum im Netz zu schützen ist doch einfach. Das Werk wird im Netz nur in Auszügen veröffentlicht. Den "Rest" erhält der Nutzer als Datei (selbstverständlich mit Kopierschutz) entweder z.B. als Datei per Mail oder DVD etc zugesandt, sobald er für das Werk in Vorkasse getreten ist. D.h., ohne vorherige Zahlung gibt es keinen kompletten Inhalt.

11. Andreas Foth 30.05.2012 14:28h Andreas Foth

@6.

Hm... klar hin udn weider schaut man auch private Videos an und ein paar ganz wenige (Justin Bieber) schaffen den Durchbruch per youtube und für Klassische (Nachwuchs-) Musiker ist es toll, überhaupt präsent zu sein.
Aber bei kritischer Selbstbetrachtung.. Was will man selbst denn wirklich sehen? Genau: Original-Loriots Szenen (nicht den Turnverein Hintertupfingen), Bernstein und Karajan im 4 Satz der 9. Symphonie vergleichen usw... Alles (zu recht) geschütze Dinge und an sich illegal.

Andererseits: ich kaufe (sauteure) Opern-DVDs nur noch nach Voransicht bei youtube oder halt gar nicht. Also wieder Umsatz.

Die Lage ist schon verzwickt...

Die lage ist schon verzwickt....

12. Andreas Foth 30.05.2012 14:30h Andreas Foth

Sorry für das Getippsel und Gedoppele in 11. Die Hitze ist schuld, wer sonst ;-)

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