Aufruf "Wir sind die Urheber"

Anonymous stellt Unterstützer an den Pranger

Die weltweit agierende Gruppe Anonymous hat die persönlichen Daten der Unterstützer des Aufrufs "Wir sind die Urheber" auf einer Filesharingseite veröffentlicht - und droht mit weiteren Angriffen.

Die Anonymous-Aktivisten haben die persönlichen Daten der Unterstützer des Aufrufs "Wir sind die Urheber", etwa von Daniel Kehlmann, Charlotte Roche und Martin Walser, im Internet veröffentlicht, meldet "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Jetzt würden Name, Adresse, Telefon, Fax und E-Mail der Unterzeichner offen zur "freien Verwendung" stehen.

"Es geht hier um Bloßstellung und Bedrohung, wie man sie aus totalitären Staaten kennt", sagte der Koordinator und Literaturagent, Matthias Landwehr, in der FAZ. Landwehr informiert auch auf der Website von "Wir sind die Urheber" über den Angriff: "Achtung: Wir werden bedroht! Kriminelle, die das Urheberrecht bekämpfen, kündigen an, von jedem der Unterzeichner die Postanschrift (oder denic-Adresse) zu hacken und ins Netz zu stellen, wenn wir unsere Unterschriftenliste nicht schließen. Bitte sehen Sie von einer Unterschrift ab, wenn Ihnen darum bang ist. Natürlich geben wir keinerlei Adressen weiter."

Wie Anonymous an die persönlichen Daten der Autoren und Künstler rangekommen, ist unklar. Die FAZ vermutet, dass sie "nicht allein aus öffentlichen, leicht zugänglichen Quellen stammen, sondern das Ergebnis von Recherche und Aushorchung" sind.

Auch würde die Gruppe damit drohen, weitere Daten offenzulegen, wenn die Unterzeichner nicht von ihrem Vorhaben abließen, so die FAZ. Was das bedeuten würde, hätten schon die Krimiautoren mit ihrer Aktion "Ja zum Urheberecht" erlebt. Die Website sei mit einer Mailbombenattacke lahmgelegt und die Autoren in Hass-Mails persönlich bedroht worden.

In den Foren von Anonymous sei die Aktion wiederum ganz geschäftsmäßig behandelt worden: "Tango down" laute der entsprechende Begriff, der anzeige, dass ein als ein bekämpfenswert ausgemachtes Ziel getroffen wurde.

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9 Kommentar/e

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  • René Kohl

    René Kohl

    IMan muß kein Freund der Aktion Wir-sind-die-Urheber sein, um zu sehen, dass es auf Seiten von Anonymus (wer auch immer sich zu dieser Seite zählt) offenbar Menschen gibt, die die Auseinandersetzung durch Methoden der Einschüchterung zu unterdrücken suchen. Trotzdem ist es kaum verständlich, was die Strategie sein soll, Menschen, die sich sowieso schon namentlich äußern, noch mal öffentlich zu machen.
    Man kann aber aus der Aktion auch herauslesen, daß einigen Gegnern des Urheberrechts bzw. Verwertungsrechts offenbar die Argumente ausgehen, wenn sie zu solchen Maßnahmen greifen.

    Ich ziehe es vor, nicht anonym zu diskutieren und zu agieren...

  • Heike Rost

    Heike Rost

    Mit solchen völlig sinnfreien Aktionen wie der Veröffentlichung privater Daten der Unterzeichner von "Wir sind die Urheber!" disqualifizieren sich deren Initiatoren selbst. Eine ähnliche Aktion gab es übrigens vor einigen Monaten in Spanien, wo eine Urheberrechtsabgabe u.a. auf Speicherrmedien heftig diskutiert wird. Im Vorfeld des Filmpreises Goya wurden die Adressen von Regisseuren, Produzenten und der spanischen Kulturministerin Sinde von "Anonymous" ins Netz gestellt.

  • Lars Brücher

    Lars Brücher

    Die Maßnahmen von anonymus (was ja eine sehr heterogene und nicht nach bestimmten Strategien organisierte und sich ständig ändernde Gruppe ist) werden auch von vielen Gegnern des betreffenden Aufrufs als absolut kontraproduktiv gesehen. Beide Seiten solten das nicht als "Diskussionsbeitrag" werten.

  • Jens Best

    Jens Best

    Ähm, ein kurzer Test von 20 "persönlichen Daten" (u.a. auch Wallraff und Link) zeigt: Alle Daten sind bereits öffentlich verfügbar gewesen.

    Ist vielleicht nicht die sinnvollste Aktion von irgendwelchen Script-Kiddies mit zuviel Freizeit, aber das ist kein "Hack", sondern schlichtweg einfache Recherche.

  • dot tilde dot

    dot tilde dot

    "denic-adresse hacken" ist eine sehr blumige formulierung für "das öffentliche whois-formular bei denic.de benutzen".

    .~.

  • Manfred Böckl

    Manfred Böckl

    Erpressung und Bedrohung - jetzt zeigen diese "Anonymous"-Typen ihr wahres Gesicht!
    Ich gehöre zu den Unterzeichnern von "Wir-sind-die-Urheber" und werde den Schwanz wegen dieser Typen ganz gewiss nicht einziehen.
    Ansonsten: Wer erpresst und bedroht, der gehört vor Gericht.

  • Mike

    Mike

    Warum bietet man Menschen, die eine solche Taktik verwenden denn noch zusätzlich eine Plattform?

    Tut mir leid, das ist für mich Stimmungsmache und Ignoranz von Aktionen, die eine Diskussion anstoßen wollen...

    Ich empfehle:http://wir-sind-die-buerger.de/

  • Fridolin Wunderberg

    Fridolin Wunderberg

    Gehackt wurde gar nichts und auch nichts veröffentlicht, was nicht zuvor schon in Online-Telefonbüchern und whois-Datensätzen bei der denic an Daten vollkommen frei und jedermann zugänglich war. Es handelt sich faktisch um eine Copy/Paste-Fleißarbeit, die Ahnungslose erschrecken soll. FAZ und alle anderen Medien, die nun Panik verbreiten, machen sich zum nützlichen Idioten eines Lausbubenstreichs, dem sich dadurch im Sinne des Vorhabens maximalen Erfolg bescheren.

    Das macht die Aktion nicht besser oder sympathischer. Aber es würde vielleicht journalistischer Sorgfaltspflicht entsprechen, den Sachverhalt so zu benennen wie er ist, statt bloß alarmistisch Emotionen zu triggern.

  • Fridolin Wunderberg

    Fridolin Wunderberg

    Ergänzung:

    Sie schreiben:

    "Die FAZ vermutet, dass sie 'nicht allein aus öffentlichen, leicht zugänglichen Quellen stammen, sondern das Ergebnis von Recherche und Aushorchung' sind. "

    Diese Mutmaßung bezog sich auf die zu Günter Wallraff veröffentlichten Adressdaten. Insbesondere auch dieser Datensatz ist problemlos einem Online-Telefonbuch (z.B. 11880.com) zu entnehmen.

    Das hat mit "Aushorchung" im James-Bond-Stil sehr exakt gar nichts zu tun. Dafür aber viel mit Panikmache, die den trüben Typen hinter dieser Aktion genau jenes Erfolgserlebnis verschafft, das sie sich davon erhofft haben.

    Warum sich seriöse Journalisten dafür hergeben, ist mir ehrlich gesagt schleierhaft.

    Mit freundlichem Gruß,
    Fridolin

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