Versandbuchhandel

Amazon wächst, der Rest stagniert

Der Versandbuchhandel ist im Jahr 2011 leicht gewachsen: um 2,6 Prozent auf 1,46 Milliarden Euro. Dies hat der Bundesverband der Versandbuchhändler auf seiner Jahreshauptversammlung in Ulm bekannt gegeben. VON ROE

Frederik Palm, Vorstandsvorsitzender des Verbands

Frederik Palm, Vorstandsvorsitzender des Verbands © Ralf Zwiebler

Buchausstellung

Buchausstellung © Ralf Zwiebler

Vertriebsgespräche

Vertriebsgespräche © Ralf Zwiebler

Wachstumstreiber war der Online-Versandbuchhandel mit einem Plus von 6,8 Prozent: 2011 erzielte er 981,5 Millionen Euro Umsatz gegenüber 919 Millionen im Jahr 2010. Damit setzt der Online-Handel im Buchgeschäft inzwischen mehr als doppelt so viel um wie der traditionelle Versandbuchhandel, der 2011 um fünf Prozent nachgab und nur noch 478,8 Millionen Euro einspielte (2010 waren es noch 504 Millionen Euro). Der Anteil des Online-Versandbuchhandels am gesamten Buchmarkt wurde in Ulm mit 18 Prozent beziffert.

Der traditionelle Versandbuchhandel umfasst definitionsgemäß alle Vertriebswege, aber ohne stationäre Umsätze gemischter Betriebe, ohne Buchclubs und ohne Internet-Marktplätze. Die Zahlen für den Online-Versandbuchhandel umfassen reine Online-Händler sowie Online-Umsätze, die auf Internet-Marktplätzen gemacht werden.

Wie Frederik Palm, Vorstandsvorsitzender des Verbands, sagte, habe sich die Verlagerung in den Online-Buchhandel 2011 zwar fortgesetzt, aber zugleich abgeflacht. Das Umsatz-Plus im Online-Handel sei "ganz überwiegend vom Marktführer Amazon erwirtschaftet".

Die ersten Monate des Jahres 2012 zeigten, dass sich dieser Trend fortsetzt, so Palm: Der Internet-Versandbuchhandel sei im ersten Quartal 2012 insgesamt nur noch um fünf Prozent gewachsen – wobei der Löwenanteil wieder auf Amazon entfalle. Grund für diese Entwicklung sei offenbar auch Amazons Erfolg im E-Book-Geschäft.

Negativ sieht die Bilanz der Versandbuchhändler für die Buchclubs aus: Diese setzten 2011 nur noch 180 Millionen Euro um, zehn Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Verbandsgeschäftsführer Christian Russ informierte die Teilnehmer der Jahreshauptversammlung über den aktuellen Mitgliederstand: Derzeit seien 143 Buchhandelsunternehmen und 50 Verlage Mitglied, das entspreche dem Stand des Jahres 1997. Der Abwärtstrend halte allerdings weiter an, zumal kaum Neugründungen zu verzeichnen seien.

Russ und seine Mitgeschäftsführerin Verena Hofmeier berichteten zugleich über aktuelle juristische Themen, die für die Versandbuchhändler relevant sind – vor allem Gesetzesänderungen und Entscheidungen zum Fernabsatzrecht und zum Datenschutz. Von großer Bedeutung ist das am 1. August in Kraft tretende Gesetz gegen Kostenfallen im Internet, das eine sogenannte Button-Lösung für den wirksamen Abschluss eines Kaufvertrags vorsieht. Mit dem Drücken des Buttons (auf dem steht: "Zahlungspflichtig bestellen") bestätigt der Kunde künftig, dass er klar und verständlich über alle Bedingungen des Geschäfts informiert worden sei.

Für alle Online-Versandbuchhändler bedeutet diese neue gesetzliche Regelung, dass sie ihre Bestellprozesse und -masken umstellen müssen. Andernfalls drohen nach dem 1. August Abmahnungen, so Hofmeier.

In Ulm gab die AG Versandbuchhandel des Börsenvereins bekannt, dass sie mit Wirkung zur Frankfurter Buchmesse mit der AG Antiquariat im Börsenverein fusioniert. Auf der Messe werde dann auch ein neuer Vorstand gewählt. Wie Werner Schroeder, Vorsitzender in der AG Versandbuchhandel, sagte, habe man sich dazu entschlossen, weil die Interessenlage von Versandbuchhändlern und Antiquaren inzwischen nahezu identisch sei. Auch Antiquare handelten heute überwiegend im Netz, und hätten somit die gleichen Probleme zu lösen, die sich etwa aus dem Widerrufsrecht ergäben. Im Übrigen, so Schroeder, sei heute jeder Buchhändler, der einen Webshop betreibe, auch Versandbuchhändler.

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