Die schönsten deutschen Bücher 2012

Gestalterische Glanzlichter

Insgesamt 25 Bücher erhalten das Prädikat "Die schönsten deutschen Bücher 2012" der Stifung Buchkunst. In einem dreistufigen Juryverfahren wurden diese aus 889 Einsendungen ausgewählt. Als Kriterien dienten Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung der Bücher.

Die 25 Schönsten

Die 25 Schönsten © Stiftung Buchkunst/Uwe Dettmar

Nach neuem Reglement wählten 19 Juroren in insgesamt acht Tagen in einem dreistufigen Juryverfahren jeweils fünf schönste Bücher in fünf Kategorien aus, die das Prädikat "Die schönsten deutschen Bücher" tragen dürfen. 68 Bücher, die in den letzten Abstimmungsrunden nicht die erforderliche Mehrheit erzielen konnten, werden auf der Shortlist gewürdigt, so die Stiftung Buchkunst in ihrer Medieninformation.

Für den Wettbewerb 2012 wurde das Procedere verschlankt: die bislang acht Kategorien wurden auf fünf reduziert. Statt bislang 60 Auszeichnungen wird es ab diesem Jahr nur noch 25 (je Kategorie fünf) geben. Und der Wettbewerb ist "jetzt mehr auf das Buch als Handelsobjekt ausgelegt", so Karin Schmidt-Friderichs, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Buchkunst. Der Buchhandel soll zum aktiven Partner werden – dazu entwickelt die Stiftung Buchkunst etwa eigene Dekomaterialien.

Am 5. September wird der Gewinnertitel des neuen "Preises der Stiftung Buchkunst" verkündet, der von einer Jury aus den 25 schönsten Büchern ausgewählt wird. Dann wird Kulturstaatsminister Bernd Neumann im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung verleihen. Diese Auszeichnung geht an ein Buch, das exemplarisch das außerordentlich hohe Engagement des Verlages und aller an der Herstellung Beteiligten aufzeigt und das in seiner Ausstattung und Gestaltung Impulse für die moderne Buchgestaltung gibt.
 
Die 25 Schönsten werden ab September wieder in vielen Ausstellungen in Bibliotheken, auf Buchmessen und im Zuge der Neuausrichtung der Stiftung auch in Kooperationsveranstaltungen mit dem Buchhandel präsentiert werden.

"Die schönsten deutschen Bücher 2012" nach Kategorien (Auszüge aus den Jurybegründungen jeweils kursiv):

Allgemeine Literatur

Friedrich Achleitner: iwahaubbd. Wien: Paul Zsolnay Verlag. 17,90 Euro. ISBN 978-3-552-05546-9

Das Buch lässt die Gedichte ganz in Ruhe, und damit fangen sie an zu sprechen und für den Leser hörbar zu werden. Die zwei Schriften des Bandes, die Opazität des Papiers, die Qualität von Vor- und Nachsatz, die geprägte Decke, der beidseitig bedruckte Schutzumschlag: Alle Mittel sind hier so klug eingesetzt, dass der Band mit einer Stimme spricht.

Gottfried Benn: Morgue und andere Gedichte. Stuttgart: Klett-Cotta. 10 Euro. ISBN 978-3-608-93941-5

Die großzügige Gestaltung von Umschlag und Titelei mit scharf in das Cover eingepresster Prägung, die Schmuckfarbe auf den Klappeninnenseiten, das gelblichweiße Papier, der asymmetrische Lyriksatz, die düstere Tonigkeit der Zeichnungen ergeben ein verblüffendes Stück Buchkunst: weder Reprint noch Retrodesign, sondern zeitgenössische, rigide Visualisierung durch die Flucht nach vorn mit dem Blick zurück.

Pétur Gunnarsson: ich meiner mir mich / punkt punkt komma strich. Bonn: Weidle Verlag. Jeweils 16,90 Euro. ISBN 978-3-938803-44-8 und 978-3-938803-34-9

Zwei Bücher, ein Konzept. Hier passt alles zusammen, sogar die starke Pappe der Buchdecken: Die
Retroanmutung durch Farbe, Bildauswahl und handschmeichlerisches Material auf den Schutzumschlägen wird unter dem Mäntelchen auf den Einbänden weitergeführt, die Farbe reduziert sich nun auf hellbraun, schwarz und rot, konsequent im Vorsatz auf schwarz, um dann geschmeidig ins Buchinnere zu gelangen.

Jewgenij Samjatin: Wir. Berlin: disadorno edition. 24 Euro. ISBN 978-3-941959-03-3

Die Typografie wirkt auf dem geglätteten Werkdruckpapier in schlankem, handlichen Format sehr sauber. Besonders fällt der sorgfältige Flattersatz auf. Der hohe Kopf der Doppelseiten ist einem vertikalen Eintragungssystem vorbehalten, dessen feine blaue Linien etwas Amtliches assoziieren lassen; demnach wird auch dort die Paginierung und die kommentierte Kapitelnummerierung eingetragen. Das Buch hat ein hervorragendes Aufschlagverhalten und lässt sich bequem in einer Hand lesen.

Judith Schalansky: Der Hals der Giraffe. Berlin: Suhrkamp. 21,90 Euro. ISBN 978-3-518-42177-2

Bei diesem Buch passt einfach alles zusammen: das mutig ausgewählte, sehr rauhe "Bibliotheksleinen", die grobe, fast ruppig wirkende Schrift für die Deckenprägung und der historisch wirkende Druck der Illustrationen. Das Buch hat keinen Schutzumschlag (Marketingabteilung aufgepasst: Es verkauft sich trotzdem gut!) und erinnert in Material und Gestaltung an die enzyklopädischen Obsessionen des 19. Jahrhunderts und eine Komposition aus elegantem Format, stimmigem Farbkonzept, klassischer Buchtypografie und vereinzelten Illustrationen.

Wissenschaftliche Bücher, Schulbücher, Lehrbücher

Christa Reicher, Klaus Kunzmann, Jan Polivka u.a. (Hrsg.): Schichten einer Region. Kartenstücke zur räumlichen Struktur des Ruhrgebiets. Berlin: Jovis Verlag. 48 Euro. ISBN 978-3-86859-113-2

Die Informationsgrafik wird hier nicht bloß als Mittel eingesetzt, sie wird entschieden weiterentwickelt. Bei aller Informationsdichte, -vielfalt und -komplexität entfaltet sie sich mit einer derartigen grafischen Kraft, dass sie gleichzeitig eigenständige Schaustücke hervorbringt. Wenn auf diese Weise in den sorgfältig gearbeiteten Karten und Grafiken die funktionale und ästhetische Faszination eigentlich kaum mehr zu unterscheiden ist, dann können sich besonders leicht erkenntnisfördernde Momente entfalten – Informationsgrafik vom Allerfeinsten.

Johannes Bergerhausen, Siri Poarangan: decodeunicode. Die Schriftzeichen der Welt. Mainz: Hermann Schmidt Verlag. 68 Euro. ISBN 978-3-87439-813-8

Hier geht es um Zeichen, und zwar um alle 109.242 digitalen Schrift- bzw. Satzzeichen dieser Welt. Genauer geht es um die Codierung dieser Zeichen, damit sie plattformübergreifend richtig dargestellt werden und wieder auffindbar sind. Unicode, der unbekannte Weltstandard. Diese eher technisch-dröge Materie wird hier frisch, lustvoll und didaktisch vermittelt, und man geht gerne auf Entdeckungsreise nach unbekannten Zeichen fremder Welten. Die riesige Menge ist absolut beeindruckend.

Giovanna Borasi, Mirko Zardini (Hrsg.): Imperfect Health. The Medicalization of Architecture. Zürich: Lars Müller Publishers. 50 Euro. ISBN 978-3-03778-279-8

Bereits die Einbandgestaltung verbindet die Themen Gesundheit und Design in plausibler Weise sowohl durch die sachlich-kühle Anmutung an ein medizinisches Fachbuch (viel Weißraum, Papierbezug mit Leinenstruktur und Folienkaschierung), als auch durch eine an modernes Design erinnernde Typografie. Die zitronengelbe Farbunterlegung kontrastiert erfrischend den eher trockenen und wissenschaftlichen Charakter des Umschlages.

Hermann Kaufmann, Winfried Nerdinger: Bauen mit Holz. Wege in die Zukunft. München: Prestel Verlag. 34 Euro. ISBN 978-3-7913-6392-3

Das Layout ist streng und übersichtlich angelegt, aber undogmatisch ausgefüllt. Beim Durchblättern zieht es den Betrachter förmlich hinein, und schon ist man mittendrin am Lesen und möchte gar nicht mehr aufhören. Die Dramaturgie mit kleinen dokumentarischen Abbildungen, Plänen und Zeichnungen zusammen mit den großen, und manchmal auch großzügigen Abbildungen ist immer auf Motiv und beabsichtigte Bildwirkung bezogen.

Ferk Möller: hoch un(d) platt. Vademekum Niederdeutsch. Illustrationen von Philipp Dörrie. Leer: Verlag Schuster. 14,90 Euro. ISBN 978-3-7963-0387-6

In zahlreiche leichtfüßige, aber akribisch durchgeplante Bilder – herrliche, scherenschnittartige Illustrationen im Duktus der 1950er/60er Jahre – sind die didaktischen Elemente, Texte und Hinweise eingebettet, und dies zum guten Teil zweisprachig (also Hoch- und Plattdeutsch), so dass nicht nur ein Sprach- sondern auch ein Geschichts- und Kulturlehrbuch entsteht. (…) Dies Buch hat das Zeug, in jedes Bücherregal zumindest aller Norddeutschen zu wandern.

Ratgeber, Sachbücher

Jochen Rädeker, Kirsten Dietz: Reporting. Unternehmenskommunikation als Imageträger. Mainz: Hermann Schmidt Verlag. 75 Euro. ISBN 978-3-87439-810-7

Da liegt er schwer auf dem Tisch, ein Foliant von beträchtlichem Umfang. Das Thema: Ausgesuchte Finanz- und Nachhaltigkeitsberichte weltweit. Es wird erwartet: Zahlenkolonnen und Rechtfertigungsrhethorik, bestenfalls eine behäbige Mustersammlung selbstbewusster Selbstdarstellung. Aber stattdessen: didaktische Struktur, splendide Gestaltung, kontrastierender Schriftwechsel, differenzierende Typografie, perfekte Lesbarkeit, besondere Materialien.

Hartmut Burggrabe, Annemarie Hürlimann: 100 Jahre Max Frisch. Zürich: Museum Strauhof. 15 Euro. ISBN 978-3-00-033743-7

Das Buch gewinnt seine Attraktivität nicht nur durch sein handliches Format, das gedämpfte Farbklima und eine klare Struktur. Denn es bekommt auch etwas Rätselhaftes durch das paradox organisierte Kalendarium. Die scheinbare Zeittafel wird nämlich zum Assoziationsfeld; die Einträge zu Frischs Leben und Werk greifen die Ausstellungsthemen auf. Darüber und dazwischen gibt es viel zu entdecken: Zitate, Tagebucheinträge, Lebensstationen, persönliche Umstände, alte Fotos, Kommentare von heutigen Lesern. Typografie klingen an. (…) Ein Druckwerk mit eigener Identität, die Max Frisch als lebenslang Suchendem entspricht.

Joachim Kersten (Hrsg.): Arno Schmidt in Hamburg. Hamburg: Hoffmann und Campe. 22,99 Euro. ISBN 978-3-455-40345-9

Als Arno Schmidt in den 50er Jahren keinen Verleger fand und also jedes Blatt zweimal umdrehte, bevor er es beschrieb, als er von Pulverkaffee, Spaghetti und Marmelade lebte, da hätte er wohl ungläubig den Kopf geschüttelt, hätte ihm jemand von diesem Buch erzählen wollen. Zum einen, weil "Arno Schmidt in Hamburg" allein ihm und seiner Hamburger Zeit gewidmet ist. Aber auch ob der Feststellung, dass hier mit einem elaborierten typografischen Konzept gearbeitet wurde.

Ragnar Kvam Jr.: Heyerdahl. Auf dem Floß zum Forscherruhm. Hamburg: mareverlag. 24 Euro. ISBN 978-3-86648-155-8

Eine Biografie über einen Abenteurer und experimentellen Wissenschaftler, dessen Souveränität durch ein souveränes Gesamtkonzept angekündigt wird: Der ruhig gestaltete Schutzumschlag sorgt von außen für ein angenehmes Farbklima, das sich über den Einband mit dezenter, sauberer Prägung, Kapitalband und Zeichenband fortführt. (…) Wieder einmal demonstriert ein gestalterisches Konzept, dass "klassisch" und "modern" kein Widerspruch sein muss. Zu einem schönen Buch gehört eben manchmal auch der Mut zum "weniger ist mehr".

Ute Scheub, Yvonne Kuschel: Beschiss Atlas. Illustrationen von Yvonne Kuschel. München: Ludwig Verlag. 19,99 Euro. ISBN 978-3-453-28037-3

Hier wird ein brisantes Thema auf unverkrampfte Art dargestellt. Es ist ein zwar unterhaltsames, aber
erschütterndes Panoptikum des ökonomischen, ökologischen und sozialen Chaos auf diesem Planeten. (…) Selten wurde einem so schön so schwindelig. Man tröstet sich lediglich in der Hoffnung, dass der ein oder andere Aspekt vielleicht etwas zu pauschal zusammengefasst sein möge. Dieses Buch ist also ein besonderes Beispiel dafür, wie subversiv gestalterische Energie sein kann.

Kunstbücher, Fotobücher, Ausstellungskataloge

Thomas Grünfeld, Magnus Mills: Young Steerer (junger Lenker). London: Hidde van Seggelen Gallery. Druck DruckVerlag Kettler, Bönen. 50 Euro. ISBN 978-0-9555763-2-4

Sich klein zu machen, ist hier kein Thema: Große Bilder liegen vor, und große Schrift. Aber die Vielfalt dessen, was hier gesammelt wurde und im Buch versammelt wird, ist in die denkbar einfachste Form gekleidet: ganzund halbseitige Abbildungen, die sich mit einer einzigen Schrift in einer einzigen Schriftgröße die Doppelseiten teilen. Selbst Titelei, Anhang und Impressum treten uns in gleichem Maß gegenüber und ordnen sich damit dem strikten, geradlinigen Kurs unter.

Marc Krebs, Tabea Hüberli: Lovebugs. Coffee and Cigarettes. Basel: Christoph Merian Verlag. 42 Euro. ISBN 978-3-85616-532-1

Diesen Bildband über die Schweizer Band Lovebugs müssen echte Fans gemacht haben! Im Format eines Plattencovers, mit liebevoll ausgewählten Materialien und genau aufeinander abgestimmten Farben vermittelt das Buch sehr stimmungsvoll das Lebensgefühl dieser Musiker. (…) Einwandfreie Repro und Druck sowie die überaus sorgfältige Verarbeitung runden den guten Eindruck ab.

Karl Lagerfeld, C. Roitfeld: Little Black Jacket. Göttingen: Steidl Verlag. 50 Euro. ISBN 978-3-86930-446-5

Die Models, Schauspieler und Musiker tragen die kleine schwarze Jacke von Chanel, und dieses Kleidungsstück ist der Hauptdarsteller der ganzen Fotoserie. Lithographie und Druck von hervorragender Qualität auf dem matten, sehr offenen, saugfähigen Papier gewähren den unaufdringlichen Reichtum an Graustufen, Texturen und Gesten.

Hal Foster, Kate Fowle, Thomas Kellein: Robert Longo. Charcoal. Ostfildern: Hatje Cantz. 68 Euro. ISBN 978-3-7757-3196-6

Der schwarze Leinenrücken mit schwarzglänzend geprägter Rückenzeile, die kräftige, unbezogene Graupappe mit dem Autor und Titel in schmalfetter, ebenso schwarz geprägter Grotesk, das schwarze Vorsatzpapier und obendrein ein dreiseitiger Schwarzschnitt stimmen ein auf das chiaroscuro: das Spiel mit Licht und Schatten, das Longo in seinen Zeichnungen zu hoher Meisterschaft treibt. Sparsame, ausgewogene, aber kräftige wie auch feine Typografie – positiv pathetische Seitendramaturgie!

Marcel Beyer, Helmut Völter (Hrsg.): Wolkenstudien / Cloud Studies / Études de Nuages. Leipzig: Spector Books. 38 Euro. ISBN 978-3-940064-99-8

Ein weitgreifendes wie detailversessenes typografisches Konzept, wechselnde Papiere und die Haptik des Einbands wie die Raffinesse des Buchschnitts: All diese Variationen und Verschiebungen spiegeln ihren so wechselhaften wie flüchtigen Gegenstand: die Wolken.

Kinderbücher, Jugendbücher

Julia von Grünberg: Deutsche Geschichte in Lebensbildern. München: Hanser. 19,90 Euro. ISBN 978-3-446-23899-2

Ungewöhnlich frisch und mutig wird für ein junges und jung gebliebenes Publikum der Geschichtstext souverän durchtypografiert; ziemlich wilde, gerasterte Zwischentitelseiten wechseln ab mit sachlichen Kolumnen auf asymmetrischer Doppelseite; in der Marginalspalte lässt es sich parallel dazu durch die Zeit navigieren. (…) Das eine oder andere Schulbuch könnte von einer solchen Gestaltung sehr profitieren, denn sie führt überdies klar und deutlich in die klassischen Bestandteile eines Sachbuchs ein. Was könnte man verbessern? Nichts.

Alexandra Klobuk: Polymeer. Eine apokalyptische Utopie. Berlin: Onkel & Onkel / Volker Oppmann. 19,95 Euro. ISBN 978-3-940029-91-1

Dies ist kein Kinder-Bilderbuch! Die Illustratorin, die mit diesem Buch ihre Diplomarbeit vorlegt, hat für ihre Form innerhalb der sequentiellen Kunst eine neue Bezeichnung erfunden: die "Kultur-Illustration". (…) Wir schreiben das Jahr 2043, die Klimakatastrophe hat uns eingeholt …  Schrecklich! Aber weit gefehlt, dieses Buch ist trotz –oder wegen – des sehr ernsten Themas humorvoll, bunt, skurril und leicht. Auf jeder Seite wimmelt es nur so von Details. (…) Kleiner Clou: Das – auf den ersten Griff plastikähnliche – Papier besteht aus 60% Recycling- und 40% FSC-Fasern.

Nils Mohl: Es war einmal Indianerland. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch Verlag. 12,99 Euro. ISBN 978-3-499-21552-0

Das unprätentiöse, aber spannungsvoll gestaltete Cover dieses frischen Jugendromans – Schreibmaschinenschrift zwischen zackigen Hochhauskonturen – harmoniert durch seinen gelben, schwülen Unterton mit dem Inhaltspapier: schöne Material- und Farbzusammenstellung. Eine gute Lesetypografie, die Grundschrift mit einem deutlichen Fett-Fein-Duktus, luftig gesetzt in schönem Format – eher schlank als stumpf – gibt dem Textbild etwas Schillerndes und beugt dem Bleiwüsteneffekt vor.

Jürg Schubiger, Rotraut Susanne Berner: Als der Tod zu uns kam. Wuppertal: Peter Hammer Verlag. 13,50 Euro. ISBN 978-3-7795-0312-5

Ein Kinderbuch mit dem wohl schwierigsten Thema, das man sich gar nicht ausdenken möchte: "Als der Tod zu uns kam". In diesem Buch wird ein neuer Zugang zur Frage nach dem Sinn des Sterbens betreten, indem es gar nicht erst das alte Dilemma der Theodizee aufnimmt – Schuld, Strafe und die ganze Moral von Gut und Böse bleiben außen vor. (…)  Das milde Farbklima, weder grellbunt noch düster, wirkt als zurückhaltende Grundierung für den Dreh der Geschichte. (…) Die Ausdruckskraft der Illustrationen ist ergreifend und kommt ohne Sentimentalität aus.

Katrin Stangl: Stark wie ein Bär. Hamburg: Carlsen Verlag. 12,90 Euro. ISBN 978-3-551-51761-6

Farbenfroh, vielfältig, intensiv und spontan mit allen Sinnen die Welt entdecken – dieses entzückende Bilderbuch trifft ins Schwarze und mitten ins Herz! Sehen – fühlen – riechen: Diese Intention drückt sich in der expressiven Leuchtkraft der Farben, dem großzügigen Format und auf dem leichten Papier hervorragend aus. Eine deutliche, direkte und holzschnittartige Bildsprache und die dazu prima passende Typografie begeistern jedes Kind und jeden Erwachsenen.

 

Die Liste aller ausgezeichneten Bücher mit dem vollständigen Jury-Begründungen finden Sie auf der Website der Stiftung Buchkunst (unter 'Aktuell'): 

http://www.stiftung-buchkunst.de

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3 Kommentar/e

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  • Axel Kopido

    Axel Kopido

    Guten Tag,
    der Wettbewerb möchte durch Verschlankung und Vereinfachung mehr Aufmerksamkeit im Handel erreichen. Das ist sicher eine gute Idee und gibt manchem Händler oder manchem Konsumenten Hilfestellung.
    Andererseits ist es auch ein Zeichen hin zu mehr Oberflächlichkeit. Und fehlt es bei den Händlern um notwendigen Grundwissen, sind die Voraussetzungen erst gar nicht gegeben, den Konsumenten bei der Wahl des Buches über den Inhalt hinaus zu beraten. s.a. http://www.boersenblatt.net/220197/
    Mit freundllichem Gruß
    Axel Kopido

  • Horst-Werner Dumjahn

    Horst-Werner Dumjahn

    Danke für die informative und übersichtliche Darstellung. Die Konzentration auf nur noch 25 Titel wird sicher zur besseren Akzeptanz des Wettbewerbs auch und vor allem im Buchhandel - und damit in der Öffentlichkeit beitragen.

    Erstaunlich bleibt, wie viele Verlage, von denen man noch nie etwas gehört hat, in die Liste geschafft haben. Da hätte man sich seitens der Redaktion gerne etwas mehr Hintergrund gewünscht, wenn der Wettbewerb wirklich nicht - wie bisher - mehr als eine "Insider"-Veranstaltung sein soll.

    Noch zwei kritische Anmerkungen: Vorstandsvorsitzende - ist das für unsere überschaubare Branche nicht mehrere Nummern zu groß? Und dann gleich zwei Titel aus dem Verlag der "Vorstandsvorsitzenden" auf der Liste der 25? Es bleiben Fragen ...

    Horst-Werner Dumjahn

  • Paul

    Paul

    An Herrn Dumjahn
    Ich kann mich an ein Interview mit der Vorstandsvorsitzenden Frau Schmidt-Friderichs erinnern, in dem sie versicherte, ihr Verlag werde solange nicht am Wettbewerb teilnehmen, wie sie Vorstandsvorsitzende sei...

    • ...

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