"Schwarzbuch WWF"

dju wirft WWF Zensur vor

Das "Schwarzbuch WWF" sorgt weiter für Schlagzeilen: Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten Union (dju in ver.di) stellt sich hinter ihr Mitglied Wilfried Huismann und bezeichnet das Verhalten des WWF als "nicht akzeptablen Versuch rechtlich zweifelhafter Einschüchterungsversuche".

dju steht hinter Wilfried Huismann

dju steht hinter Wilfried Huismann © Roderick Aichinger

"Auf die Einschüchterung durch den WWF, der damit seine Glaubwürdigkeit als Umweltschutzorganisation zu verlieren droht, reagieren die Vertriebsfirmen mit voraus eilendem Gehorsam und versuchen, mit ihrer wirtschaftlichen Macht ein kritisches Buch vom Markt zu drängen", kritisierte dju-Bundesgeschäftsführerin Cornelia Haß das Verhalten der Online-Händler und Grossisten. Dabei habe die Umweltstiftung bislang rechtlich nichts gegen das Buch in der Hand.

Die Umweltorganisation WWF Deutschland hatte vor einigen Tagen über eine Anwaltskanzlei bei großen Buchhändlern wie Amazon und Libri gegen das "Schwarzbuch WWF" (Gütersloher Verlagshaus) von Wilfried Huismann interveniert und Unterlassungsansprüche geltend macht. Die nahmen daraufhin den Titel aus dem Programm.

Wenige Tage später hatten der Filialist Osiander und die Genossenschaft eBuch als Antwort auf die Schlagzeile der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) vom 3. Juni "Buchhandel kuscht vor WWF" ihre Schaufenster mit "Wir nicht" plakatiert und das Buch weiter verkauft. Das Plakat kann zudem als PDF unter www.ebuch.net heruntergeladen werden.

Gericht entscheidet in einer Woche

Wilfried Huismann kritisiert in seinem Buch unter anderem, dass der WWF mit Industriebossen, Ölmagnaten, Bankiers und Großwildjägern kooperiert. Am 15. Juni entscheidet das Landgericht Köln um 13.10 Uhr, Sitzungssaal 0222, über die einstweilige Verfügung des WWF.

"Rainer Dresen, der Verlagsjustitiar des Gütersloher Verlagshauses in der Verlagsgruppe Random House, sieht der Verhandlung gelassen entgegen, denn er hat das Buch intensiv geprüft und ist sich sicher, alle Thesen aus dem Buch vor Gericht belegen zu können", heißt es in einer Mitteilung des Gütersloher Verlagshauses.

Weniger gelassen scheint demnach der WWF dem Termin entgegen zu sehen. "Nahezu täglich erreichen derzeit Verlag und Autor weitere WWF-Anwaltsschreiben und selbst vor einer persönlichen Abmahnung des Verlagsjuristen Dresen wegen dessen Interviewaussagen in 3sat ­– kulturzeit schreckte der WWF nicht zurück", sagt Renate Hofmann, Pressechefin des Gütersloher Verlagshauses.

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3 Kommentar/e

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  • Rainer Nitsche, TRANSIT Buchverlag

    Rainer Nitsche, TRANSIT Buchverlag

    Der springende Punkt ist leider, dass WWF eine Zensur gar nicht ausüben könnte, wenn es bei Grossisten und offenbar auch anderen Sortimenten nicht diesen vorauseilenden Gehorsam gäbe, der im Ergebnis die Informationsfreiheit ohne jede juristische Notwendigkeit massiv einschränkt und damit faktisch Zensur ausübt. Egal, ob man die Reaktion der Medien und der Journalisten für zu reißerisch oder zu pauschal (es gibt ja immerhin Gegenbeispiele wie Osiander) hält: die Wirkung in der Öffentlichkeit ist für den Buchhandel bzw. unsere ganze Branche alles andere als positiv. Wir leben von der kulturellen und politischen Vielfalt und damit auch von der Meinungs- und Informationsfreiheit - deswegen sollten wir sie ganz selbstverständlich praktizieren und da, wo es notwendig ist, auch verteidigen, selbstbewusst und öffentlich.

  • Michael Riethmüller

    Michael Riethmüller

    Leider gelten bei Zeitungen wie FAS oder Süddeutsche Zeitung die Branchenriesen Amazon, Hugendubel und Thalia als Vertreter des Deutschen Buchhandels. Jede ein wenig anstrengendere Recherche wird möglichst vermieden. Man will dort nicht kapieren, dass es jenseits dieser weichgespülten Medienhändler viele lebendige Buchhandlungen gibt.

  • René Kohl

    René Kohl

    Wenn ich ein BGH-Urteil richtig verstehe (http://lexetius.com/2011,6902), in dem es um die sogenannte Störerhaftung geht, so geht es zunächst um Prüfungspflichten des potentiellen Störers. Ich zitiere das Urteil:
    "[Die Störerhaftung] setzt die Verletzung zumutbarer Verhaltenspflichten, insbesondere von Prüfungspflichten voraus."

    Im Tenor des Urteils heißt es:

    a) Nimmt ein Betroffener einen Hostprovider auf Unterlassung der Verbreitung einer in einem Blog enthaltenen Äußerung eines Dritten in Anspruch, weil diese das Persönlichkeitsrecht des Betroffenen verletze, setzt die Störerhaftung des Hostproviders die Verletzung zumutbarer Prüfpflichten voraus.


    b) Der Hostprovider ist erst verantwortlich, wenn er Kenntnis von der Verletzung des Persönlichkeitsrechts erlangt. Dies setzt voraus, dass die Beanstandung des Betroffenen so konkret gefasst ist, dass der Rechtsverstoß auf der Grundlage der Behauptungen des Betroffenen unschwer bejaht werden kann.


    c) Eine Verpflichtung zur Löschung des beanstandeten Eintrags besteht, wenn auf der Grundlage der Stellungnahme des für den Blog Verantwortlichen und einer etwaigen Replik des Betroffenen unter Berücksichtigung etwa zu verlangender Nachweise von einer rechtswidrigen Verletzung des Persönlichkeitsrechts auszugehen ist.

    Auf das Schwarzbuch angewandt, verstehe ich den Fall so:

    Der WWV erklärt den Buchhändlern durch seinen Anwalt eine Persönlichkeitsverletzung.

    Der nächste Schritt könnte sein, beim Autor oder Verlag nachzufragen. Beide, Autor und Verlag, verneinen eine Persönlichkeitsverletzung detailliert.

    Nun könnte noch einmal der WWF befragt werden, um um Nachweise der Rechtsverletzung zu bitten.

    Diese könnten im Verweis auf die Auseinandersetzung um den Film liegen - aber wie relevant sind die für die Beurteilung des Buches?

    Ich vermute, daß ein Nachweis der Rechtsverletzung in diesem Falle erst durch ein entsprechendes Urteil gegeben ist (ich könnte zumindest zur Zeit den Rechtsverstoß nicht unschwer bejahen) und halte den Buchhandel vor einem solchen Urteil, wenn er denn die Stimmen beider Seiten gehört hat und beiden eine hinreichende Plausibilität zumißt, nicht in der weitergehenden Pflicht, das Buch aus dem Sortiment zu nehmen, bevor ein entsprechendes Urteil gefällt wurde.

    Ich würde aber eine tiefere Beschäftigung der Rechtsabteilung mit der Sache sehr begrüßen und noch einmal eine ausführlichere Kommentierung der Prüfungspflichten für Störer hilfreich finden. Schließlich könnte der Fall ja Schule machen.

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