20.06.2012AKEP Jahrestagung
Sascha Lobo gründet eigenen Verlag: Sobooks
Der Verlag soll wahr machen, was Lobo zuvor in 15 Thesen zum Büchermachen der Zukunft vorexerziert hatte. Der Flug in die Zukunft war allerdings eher ein Zeitritt "Vorwärts in die Vergangenheit". Denn vieles, was Verlegen im 21. Jahrhundert heißt, ist schon in den vergangenen 500 Jahren der Buchkultur angelegt, so Lobo. Zu Verlagsform und Programm seines eigenen Verlags wollte sich Lobo noch nicht äußern.
Beispiel 1: Crowdfunding gab es schon im 18. Jahrhundert – mit der Erfindung des Subskriptionsmodells.
Beispiel 2: Bücher wurden schon im 17. Jahrhundert nicht als Produkt, sondern als Service verstanden, für den bezahlt wurde: durch Verleih des Buchs für die temporäre Lektüre. Der Produktpreis für Bücher sollte gegen 0 Euro konvergieren, für die Services sollte Geld fließen.
Beispiel 3: Autorencommunitys gab es schon im 17. Jahrhundert. Verlage sollten diese heute aufbauen und pflegen.
Zur Piraterie, die das Thema der AKEP-Jahrestagung ist ("ePiraten – Freibeuter, Wegelagerer, Innovatoren. Verlage im Widerstreit von Kundenorientierung und Rechteschutz") merkte Lobo nur so viel an: "Ignorieren! Dann schlafen Sie besser und sparen Geld" Es gebe nun einmal "15–20 Prozent Arschlöcher auf der Welt", die von Appellen an den Urheberrechtsschutz unbeeindruckt blieben – meist aber nur temporär.

1. martin 20.06.2012 13:48h www.matte-lacchiato.de
Viel Glück Christoph, verkauft ihr dann auch murmelbahnen?
2. Peter 20.06.2012 13:55h
Wir im Ruhrpott würdens so sagen "wat für n idiot!!!"
3. Wilh.Hüttermann,Verlagsbuchhändler 20.06.2012 15:38h
Zur Verlagsgründungsabsicht meine besten Wünsche. Wenn die Verleger erst mal keinen Mut mehr haben - was bleibt dann noch dem Sortiment?
Dankbar wäre ich Ihnen, wenn Sie mir die Anschrift von Sobooks (oder interim) mitteilen könnten.Ich möchte mich als freier Lektor u.Berater anbieten.
4. bruno jennrich 20.06.2012 16:39h
sascha lobo steht doch im internet ;-)
5. Andre Thiele 20.06.2012 17:02h http://www.vat-mainz.de
(a) Wäre nicht Lobo-oks der konsequentere Name? Lobo-tomie ginge auch, könnte aber abschreckend wirken.
(b) Wenn die Bücher von Lobo-oks auch so einen schönen roten Puschel auf dem Kopf haben wie der Herr Lobo, dann kaufe ich eines und streichel es die ganze Zeit. Außerdem kann man die dann auch als Staubewedel anbieten, Thema: Angebotsdiversitifizierung im Buchhandel.
(c) Mir ist alles recht, was Herr Lobo macht, Hauptsache er wird nicht Buchhandels-Berater.
6. André Förster 20.06.2012 21:52h www.verlagberlinbrandenburg.de
Wäre ja schön zu erfahren, welche Art (ich nehme an E-) Bücher in diesem Verlag erscheinen sollen. Oder ist die Message das Ziel? Die Tagung eines Branchenarbeitskreises dafür als Werbeplattform zu benutzen, halte ich jedenfalls für grenzwertig.
7. Maria M. 21.06.2012 11:17h http://tagebuchmariam.blogspot.de/
Ein Blogger und Schriftsteller als Verleger, das ist wahrlich ein Flug in die Zukunft. Man kann gespannt sein, auf Ausrichtung und Programm.
Und dank dieser überraschenden Ankündigung wird die Gründung bestimmt nicht unbeachtet bleiben. Denn sie hat Aufmerksamkeit erregt... Sicherlich nicht ungewollt.
8. Christian Sachseneder 22.06.2012 11:53h http://www.veroeffentlichen-heute.de
Das Buch der Zukunft als sozialer Ort, ich finde diese Prognose, auch wenn sie nicht ganz neu ist, durchaus überzeugend. Bob Stein und das "Institute for the future of the Book" haben so etwas bereits im Modellversuch getestet. Jetzt können wir uns entspannt zurücklehnen und abwarten, ob es sich auch als Verlagsmodell umsetzen lässt.
9. Robert Knasmüller 03.07.2012 12:08h
Herr Lobo meint, "dass Bücher schon im im 17. Jahrhundert nicht als Produkt, sondern als Service verstanden, für den bezahlt wurde durch Verleih des Buchs für die temporäre Lektüre. Der Produktpreis für Bücher sollte gegen 0 Euro konvergieren, für die Services sollte Geld fließen."
Damit ist er doch auf der richtigen Fährte. Bücher waren seit Gutenberg ein handelbares Gut, das immer seinen Preis hatte. Das war ein wesentlicher Beitrag zur Aufklärung, weil Wissen dadurch verbreitet und vermehrt werden konnte. Ob über Ausleihen oder Kaufen ist im Grunde nebensächlich. Darüber hinaus ist natürlich auch ein Service/eine Dienstleistung ein Produkt – ein immaterielles – das auf einem Markt angeboten wird. Selbstverständlich verändern sich die Geschäftsmodelle durch die Digitalisierung, es wird mehr um Services gehen, den elektronischen Zugang eben, und weniger um den physischen Erwerb eines Produkts. Der wesentliche Punkt ist doch, dass Urheber eines Textes, Musikbeitrags, etc., die damit Schöpfer eines immateriellen Produkts sind, für dieses entlohnt werden. Alles andere ist widersinnig und lächerlich.