AKEP Jahrestagung

Zwischen reiner Lehre und Pragmatismus

Kontrovers, aber nicht hitzig verlief die Podiumsdiskussion zur Piraterie auf der AKEP-Jahrestagung. Dabei ging es bewusst darum, das Thema aus den unterschiedlichen Perspektiven des Autors, des Verlegers, des Bloggers und des Lesers zu erörtern. VON ROE

© Tobias Bohm

Vor "falscher Romantik" beim Thema Piraterie warnte Peter Kraus vom Cleff (kaufmännischer Geschäftsführer von Rowohlt). Man habe es mit organisierter Kriminalität zu tun, die echten Schaden anrichte. Klar zu unterscheiden davon sei die Partei der Piraten, deren Argumenten man durchaus Gehör schenken müsse. Der Verlag selbst versucht, sein Profil als Inhalteanbieter zu schärfen (weniger, dafür strenger qualitätsgeprüfte Titel), eine "360-Grad"-Betreuung für die Autoren zu gewährleisten und sich an neuen Geschäftsmodellen zu beteiligen, für die die Kunden auch zu zahlen bereit sind (Beispiel: Skoobe).

Matthias Leonardy von der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU), die vor allem für die Filmwirtschaft arbeitet, legte Wert auf Differenzierungen: Nicht der Nutzer, sondern die kommerziellen Anbieter illegal beschafften Contents stünden im Fokus der Verfolgung – zum Beispiel die inzwischen geschlossene Plattform Kino.to. In der Urheberrechtsdiskussion vermisst Leonardy die Unterscheidung zwischen "Nutzern" und "Kunden". Der Begriff "Nutzer" insinuiere, dass es keine bezahlpflichtigen "Produkte" gebe. Ein Produkt sei aber meist das Ergebnis eines sehr komplexen, kreativen Prozesses mit vielen Beteiligten, das Wertschätzung verdiene.

 

Für einen pragmatischen Umgang mit unautorisiertem Filesharing warb der Blogger und gelernte Diplom-Kaufmann Marcel Weiss: Es handele sich um "konkurrierende Distribution". Dem müsse man attraktive Geschäftsmodelle entgegensetzen, die einen Service-Mehrwert bieten und Restriktionen (DRM, Bindung an bestimmte Plattform) vermeiden.

Enno Lenze, Mitglied der Piraten und Verleger von Berlin Story, rückte einige Annahmen über die Polit-Piraten zurecht: Weder wolle man das Urheberrecht abschaffen, noch Künstler daran hindern, mit ihrer Arbeit Geld zu verdienen. Es gebe viele Missverständnisse, und im Grunde seien die Differenzen zwischen den Interessengruppen gar nicht so groß.

 

Mit Stefanie Leo, die vielfach im Netz unterwegs ist, kam die "Leserin" zu Wort: Obwohl mit allerlei elektronischem Gerät ausgestattet, sei sie noch nicht zur digitalen Leserin geworden. Mangelnde Convenience, zu wenig elektronische Titel und zu hohe Preise sind die Faktoren, die sie bisher vom E-Reading abhalten.

Die gewohnte Argumentationsebene verließ Kathrin Passig in ihrem Beitrag: Die Urheberrechtsdebatte sei "metaphernverseucht". Mit Begriffen wie "Pirat", "Content-Mafia", "Raub" etc. konstruiere man sich einen Gegner, an dem man sich abarbeiten könne, statt über die wahren Probleme nachzudenken. Dazu gehöre auch die Frage, ob Filesharing in jedem Falle illegitim sei. Nicht jeder Nutzer, der sich unerlaubt Inhalte im Netz herunterlade, handele auch illegitim.

Legitimität versus Legalität – dieser aus dem politischen Diskurs bekannte Gegensatz konnte vom AKEP-Podium naturgemäß nicht ausdiskutiert werden. Und auch die Antwort auf die Frage von Moderator Torsten Casimir (Chefredakteur Börsenblatt), ob es eine Alternative zur Reproduktion der bekannten Positionen gibt, wird wohl noch einige Zeit auf sich warten lassen. Aber immerhin: Ein Hauch von Konsens wehte durch das Berliner Congress Centrum, in dem morgen offiziell die Buchtage eröffnet werden.

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