Personalia

Hans Joachim Störig: Seine Biographie Hans Joachim Störig: Seine Biographie "Splitter" ist im Allitera Verlag erschienen.© Regina Schmeken

11.09.2012Hans Joachim Störig ist gestorben

"Ein umfassend gebildeter Mensch"

Am 10. September verstarb in München der Verleger, Autor, Herausgeber und Honorarprofessor Hans Joachim Störig im Alter von 97 Jahren. Bekannt wurde er insbesondere durch die "Kleine Weltgeschichte der Philosophie", die erstmals 1950 erschien. Ein Nachruf von Klaus G. Saur.

Geboren am 25. Juli 1915 in Quenstedt im Harz studierte Hans Joachim Störig Geschichte, Philosophie, Soziologie und Rechtswissenschaften in Freiburg, Köln, Königsberg, Basel, Hamburg und Berlin und wurde sowohl zum Dr. phil. wie zum Dr. jur. promoviert.  Aus politischen Gründen war ihm eine akademische Karriere zur Zeit des Nationalsozialismus nicht möglich. Er schlug sich durch mit Redaktionsarbeiten und als Hauslehrer und kam nach dem 2. Weltkrieg in amerikanische Gefangenschaft. Ab 1946 war er dann als Verleger, Autor, Herausgeber und Übersetzer tätig. 1990 begründete er das Fach "Deutsch als Fremdsprache" an der Ludwig-Maximilians-Universität, der er bis zu seinem Lebensende als Honorarprofessor angehörte.

Störig war Leiter des Cotta-Verlages und wurde in den 1960er Jahren Leiter des Lexikon Instituts der Verlagsgruppe von Holtzbrinck. Sein berühmtestes Buch wurde die 1950 zum ersten Mal erschienene  "Kleine Weltgeschichte der Philosophie", von der 40 Auflagen erschienen, die in mehr als zehn Sprachen übersetzt wurde und die auch heute noch in einer Ausgabe des S. Fischer Verlages lieferbar ist. Er wurde verantwortlich für alle Lexika, die im Holtzbrinck Verlagsbereich erschienen, sowohl bei S. Fischer wie bei Droemer Knaur.  So war er der alleinige Herausgeber von Knaurs "Großem Wörterbuch der deutschen Sprache". Seine "Kleine Weltgeschichte der Wissenschaft" erschien 1953 zum ersten Mal, wurde mehrfach neu aufgelegt und brachte die gesamte Wissenschaftsgeschichte von den Ägyptern bis hin zu Freud und Einstein auf knapp 1.000 Seiten.

Mehrfach erschien sein Buch "Knaurs moderne Astronomie".  Das gleiche gilt für sein Werk "Abenteuer Sprache – ein Streifzug durch die Sprachen der Erde". Unter Pseudonym erschienen Bücher, die noch sehr viel erfolgreicher als seine wissenschaftlichen Publikationen waren. Die erfolgreichsten waren "Die Axt im Haus erspart den Zimmermann" und "Hohe Schule der Sekretärin".

Hans Joachim Störig entwickelte über viele Jahre erfolgreich die Lexikon-Ausgaben wie die Knaur Lexika oder das "Fischer Abiturwissen". Seine ganze Liebe galt der Forschung und der Wissenschaft. In Verbindung mit Harald Weinrich baute er den Bereich "Deutsch als Fremdsprache" als primäres Universitätsfach ganz erheblich aus und gilt heute nicht zu Unrecht als Vater dieser Disziplin.

2010 erschienen seine Erinnerungen. Hans Joachim Störig war ein umfassend gebildeter Mensch, regte unendlich viele Publikationen an und befruchtete das Verlagswesen in einem absolut herausragenden Maße.

Klaus G. Saur

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2 Kommentar/e

1. w.huettermann verlagsbuchhändler 12.09.2012 16:59h w.huettermann verlagsbuchhändler

In dem lobenswerten Nachruf auf Dr.Dr.H.J.Störig von Klaus G.Saur sind seine Erinnerungen "Splitter" ein wenig zu kurz gekommen. Ich habe darüber mit ihm korrespondiert; denn wir waren im Stuttgart der 50er Jahre Nachbarn und haben
auch beruflich viele Wege gemeinsam gemacht.
Obgleich Dr,Störig in der Verlagswelt sehr bekannt war, fand sich für seine Erinnerungen nur ein kleiner Verlag, dessen Produkt von BoD hergestellt wurde.
Immerhin wurde "Splitter" im Heft 10/2010 besprochen:
von Klaus G.Saur.

2. Dr. Theodor Ickler 15.09.2012 16:59h Dr. Theodor Ickler

Der Studiengang Deutsch als Fremdsprache an der Universität München wurde ab 1978 von Prof. Harald Weinrich aufgebaut. Ich selbst gehörte zu seinen MItarbeitern seit dem Sommersemester 1979 und erinnere mich dieser ersten Jahre noch sehr gut. Hans Joachim Störig, den Weinrich privat kennengelernt hatte, wurde 1990 auf eine Honorarprofessur berufen und hielt überwiegende lexikographische Lehrveranstaltungen ab. Mit dem Fach Deutsch als Fremdsprache hat er nichts Spezifisches zu tun und ist innerhalb dieses Faches nicht bekannt, schon gar nicht als "Vater dieser Disziplin". Damit ist über seine anderweitigen Verdienste natürlich nichts gesagt.

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