Literarisches Leben
12.10.2012Deutscher Jugendliteraturpreis:
"Ihr müsst eure Väter zum Lesen zwingen!"
Die aus sechs Jugendleseclubs bestehende Jugendjury entschied sich für "Sieben Minuten nach Mitternacht" von Patrick Ness und Siobdan Dowd (cbj). Die Auszeichnungen sind mit je 8.000 Euro dotiert.
Der mit 10.000 dotierte Sonderpreis für das Gesamtwerk im Bereich Illustration geht in diesem Jahr an Norman Junge. In ihrer Laudatio hob Prof. Anja Ballis hervor, Junge wolle vor allem Kontakt mit den Betrachtern aufnehmen. Er verändere die Blickwinkel, "er verwebt seine Illustrationen mit den Texten, sodass weitere Bedeutungsebenen hervortreten. Surreales erscheint real, die Trennung zwischen Belebtem und Unbelebtem wird aufgehoben." Wie nähert man sich Texten, die man illustrieren soll? Was denkt sich der Zeichner? Norman Junge trug eindrucksvoll Ernst Jandls Gedicht "Immer höher" vor und beschrieb seine Gedanken bis hinzu: "Ich kann doch nicht Gott zeichnen. Und dann sagte mir ein Junge: Ist auch gut so." Und erst beimbetrachten des fertigen Buchs sei ihm aufgefallen: "Der Mann macht bei mir ja gar nix. Der steht nur auf dem Sessel." Im rauschenden Applaus ging die Abmoderation des Conferenciers Marc Langebeck unter.
Sieben Jahre hatte der Buchmessedirektor bei der Verleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises eine Anekdote aus seinem Leben erzählt. Als er eben ankündigte, es diesmal anders zu machen, echote das Publikum enttäuscht: "Oooch!" So berichtete Juergen Boos dann doch, er habe sich hinter der Taschenbuchsäule versteckt, weil er Angst vor den Kunden hatte. "Dann hat man mich in die Kinderbuchabteilung gepackt, aber da kamen die Kunden nicht auf mich zu ... Und die Buchhändler sagten mir dann, warum: weil ich ein Mann sei, und die KundenMänner bei Kinderbüchern nicht für sonderlich kompetent hielten." So appellierte Boos unter Applaus: "Ihr müsst eure Väter zum Lesen zwingen! Treibt sie auf die Buchmesse, zeigt ihnen, was es für tolle Bücher gibt!"
"Gerade in den ersten Jahren spielen emotionale Aspekte eine entscheidende Rolle, es werden Strukturen des Narrativen angelegt, die wichtig für die Entwicklung des Kindes sind", betonte auch Stephanie Jentgens, die Vorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur. "Die nominierten Bücher sind ein Musterbeispiel für die Heranführung an diese narrativen Strukturen." Börsenvereins-Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis wies auf die Bedeutung des Lesens für das gesamte Leben hin: "Bücher bereichern das Leben, sie müssen Spaß machen: Lesen schult das analytische Denken, es macht wacher!"
Staatsekretär Lutz Stroppe dankte den "mehr als 8000 Köpfen, die sich jährlich Gedanken machen, wie man Bücher für Kinder und Jugendliche macht. Das Kinderbuch hat Zuwachsraten, und wir sollten alle daran arbeiten, dasss weiter Kinder- und Jugendbücher gelesen werden."

1. H. Kraft 14.10.2012 13:33h
Den Worten von Börsenvereins-Hauptgeschäftsführt A. Skipis: ,Bücher bereichern das Leben, sie müssen Spaß machen...` kann ich nur zustimmen. Elternhaus und Schule ebnen Wege zum Lesen. Im Vorschulalter gibt es auch schon reißfeste Pappbücher. Notwendig ist vor allem, dass junge Leser/Leserinnen sich im Dickicht des großen Angebots der Medien sich noch zurechtfinden können. Auch hier sollten Eltern und Lehrer gut auswählen können. Es wäre fatal, wenn durch eine weitere Überfrachtung der vielen Medien auch eine Sinnleere im eigenen Leben sich entwickeln würde. Deshalb muss da gut ausgesucht werden. In den Buchhandlungen sollte auch wieder die individuelle Beratung, gerade bei Eltern und Kindern, im Vordergrunf stehen. Mit richtig gekauften Büchern können Kinder und junge Erwachsene ihre Lebensbereiche auch langsam begreifen und das Lesen kann auch Freude bringen. Der Austausch über die Lektüre zwischen Freunden und Bekannten kann, z. B. in Lesekreisen, begeistern und das Interesse auf neue Autoren/innen wecken.
;Bücher bereichern das Leben` in besonderer Weise, denn durch sie können Leser/Leserinnen auch etwas von einem kleinen Glück erfahren.
H. Kraft