Fragebogen

Social Media Monitoring – die wichtigsten Antworten

Erfolgskontrolle von Social-Media-Aktivitäten ist mehr als das bloße Zählen von Fans und Followern. Wir haben zwei Experten zu den wichtigsten Themen rund um Social Media Monitoring befragt: Leander Wattig (Berater) und Helene Fritzsche (Agentur Knallgrau). VON BEFRAGUNG: SANDRA SCHüSSEL

© Andreas Breitwieser

Helene Fritzsche

Helene Fritzsche

Leander Wattig

Leander Wattig

Leander Wattig arbeitet als selbständiger Berater zu Social-Media-Themen und hat einen Lehrauftrag an der Universität St. Gallen. Er bloggt auf "Ich mach was mit Büchern".

Helene Fritzsche ist als Beraterin bei der Wiener Werbeagentur vi knallgrau beschäftigt. Sie verantwortet die Entwicklung, Beratung und Analyse digitaler Lösungen und widmet sie sich dabei vor allem dem Thema Measurement.

Was steckt genau hinter dem Begriff Social Media Monitoring (SMM)?
 
Leander Wattig: "Social Media Monitoring" ist einer dieser Modebegriffe, welche in den letzten Jahren die Runde gemacht haben. Letztlich geht es hierbei schlicht um Marktanalysen, die dank des Internets und der heutigen technischen Instrumente sehr viel stärker und z.T. in Echtzeit einbeziehen können, worüber die eigenen Kunden und andere Stakeholder sprechen und wie sie sich verhalten. Hier liegt eine große Chance für Unternehmen und wenn es nur eine Sache gibt, die sie im Internet tun, dann sollte es genau das sein: zuhören. Ein weiteres Modewort, welches in den Zusammenhang gehört, ist das des "Social CRM", welches eng mit dem Monitoring verbunden ist. Das Ziel sollte sein, die im Rahmen eines strukturierten Monitorings gewonnenen Informationen in eigene Systeme zu überführen und die Kundendaten damit zu verknüpfen.
 
Das Social Media Monitoring ermöglicht es Unternehmen u.a., den Erfolg eigener Aktivitäten zu verfolgen, den Wettbewerb zu beobachten, Ansatzpunkte für die Verbesserung des eigenen Angebotes zu identifizieren, geeigneten Content zu finden, auf den man hinweisen kann, auf Kritik frühzeitig zu reagieren und so Kommunikationskrisen vorzubeugen, Ressourcen zu sparen und überhaupt erst eine Grundlage für die tägliche Social-Media-Arbeit zu haben.Was sind typische Größen, die hier gemessen werden?

Helene Fritzsche: Social Media Monitoring liefert Einblick in digitale Kommunikation. In Kombination mit anderen Disziplinen kann man mit Social Media Monitoring den Erfolg von Social Media Aktivitäten messen.
Konkret ermöglicht Social Media Monitoring Software, verschiedene digitale Quellen – vorzugsweise natürlich Social Media Portale – automatisch nach zuvor definierten Suchbegriffen zu durchsuchen. Im Grunde ist das vergleichbar mit der klassischen Medienbeobachtung nur dass das Ergebnis keine Clipping-Mappe mit Zeitungsausschnitten ist sondern ein Online-Report.

Was sind typische Größen, die hier gemessen werden?

Leander Wattig: Mögliche Monitoring-Objekte sind unternehmensbezogene Informationen bzw. Schlagworte (u.a. Produkte, Führungspersonen, eigenes geistiges Eigentum), marktbezogene Informationen (u.a. Kunden, Wettbewerber, Multiplikatoren) und umfeldbezogene Informationen. Weiterhin kann man unterscheiden nach quantitativen Kriterien wie bspw. Umfang der Unterhaltungen on- und offline und nach qualitativen Kriterien wie Themen und Tonalitäten der Unterhaltungen.

Helene Fritzsche: Typische Größen im Social Media Monitoring sind:

•    Buzz oder Frequenz: Die Anzahl der gefundenen Artikel bzw. Content-Elemente zu den definierten Such-Begriffen.
•    Sentiment- oder Tonalität: Ob ein gefundener Text inhaltlich positiv, negativ oder neutral ist. Anbieter kombinieren hier zwecks Treffergenauigkeit oft automatische Analyse mit manueller Nachbearbeitung.
•    Influence: Wie einflussreich der Autor des gefundenen Content-Elements ist. Der Einfluss wird sehr unterschiedliche definiert, es gibt noch keine Standards. Anbieter stützen sich auf die Menge des Contents eines Autors oder wie oft von Dritten darauf verwiesen wird.
 
Es gibt immer mehr Anbieter, die Social Media Monitoring im Programm haben. Was tut sich gerade am Markt?
 
Leander Wattig: Momentan erleben wir eine Professionalisierung und Konsolidierung des Marktes. Viele führende Monitoring-Dienstleister wie Radian6 und Alterian wurden zuletzt von Enterprise-Software-Unternehmen übernommen und werden in bestehende Systeme integriert. Das zeigt, dass das Thema Social Media Monitoring wie auch der ganze so genannte Bereich "Social Media" die Experimentierphase verlassen hat und heute zunehemd eine selbstverständliche Ergänzung darstellt.

Helene Fritzsche: Man spricht von mehreren hundert Anbietern weltweit, die theoretisch Social Media Monitoring anbieten. Ich denke, für den professionellen Einsatz eigenen sich etwa 100. Die Nachfrage wächst. Wir befinden uns aktuell am Anfang einer Konsolidierungsphase. Dazu trägt unter anderem bei, dass Quellen wie Twitter, sich den unbegrenzten Zugang zu "ihrem" Content mittlerweile teuer ablösen lassen. Viele kleine SMM-Anbieter können sich das schlicht nicht leisten und analysieren daher nur jenen Content, der kostenlos zugänglich ist, was natürlich die mögliche Einsicht einschränkt.
Die Berichterstattung unterscheidet im Allgemeinen zwischen kostenlosen und kostenpflichtigen Anbietern. Außerdem wird meist nach den Quellen unterschieden, die ein bestimmtes Tool durchsucht. Für den professionellen Einsatz sind diese Unterscheidungen interessant, aber eigentlich nur wenig hilfreich.

Im Rahmen meiner Masterarbeit 2011 konnte ich belegen, dass immer wieder die gleichen Anbieter erwähnt werden und dass die meisten Autoren solcher Besprechungen die Tools nicht getestet haben. Daher habe ich die Initiative somemo.at gestartet und ein Bewertungsschema entwickelt, dass man auch ohne viel Vorkenntnis auf Software, die interessant scheint, anwenden kann.

Welche Tools gibt es und für wen sind sie sinnvoll? Wie findet man für sich die richtigen Messgrößen?
 
Leander Wattig: Im Grunde kann man zwei Bereiche unterscheiden. Es gibt Gratistools wie bspw. Google Alerts, Icerocket und Social Mention. Diese sind offensichtlich günstig in der Nutzung, bieten aber nur sehr begrenzte Funktionen. Weitere Nachteile sind der Aufwand für die parallele Nutzung mehrerer solcher Tools und die mangelnde Skalierbarkeit. Daneben gibt es spezielle Monitoring-Dienstleister wie bspw. Radian6, Alterian und Brandwatch. Diese sind teurer und komplexer in der Nutzung und viele Produkte sind auf den englischsprachigen Markt hin optimiert. Dafür ist hier der Einrichtungsaufwand geringer und das Feature-Angebot größer. Weiterhin können sie stärker angepasst und integriert werden.
 
Letztlich steht die Tool-Auswahl jedoch an letzter Stelle. Zunächst muss geklärt werden, welche Ziele auf strategischer Ebene verfolgt werden sollen: Was soll mit dem Monitoring erreicht werden? Im nächsten Schritt stellt sich die Frage, wie das Monitoring operativ konkret eingesetzt und eingebunden werden soll. Erst wenn das geklärt ist, können geeignete Tools ausgewählt werden, die zum eigenen Unternehmen und zu den eigenen Anforderungen passen. Dabei spielen auch ganz banale Gesichtspunkte eine Rolle wie zum Beispiel, ob ein Tool überhaupt die für mein Unternehmen oder Projekt relevanten Plattformen abdeckt und welche Menschen mit welchen Workflows die Daten am Ende nutzen und interpretieren. Zudem ist es besser, viele Tools zu nutzen, die je eine Sache gut messen können, als ein Tool, das Vieles mittelmäßig misst.
 
Auch die KPI-Wahl hängt entsprechend von den zu klärenden Voraussetzungen ab. Wichtig ist, wo es möglich ist, konzeptionell über die leicht ablesbaren Kennzahlen der Social-Media-Plattformen wie Likes und Retweets hinaus zu gehen und zumindest indirekt Umsatzbezüge herzustellen.
 
Helene Fritzsche: Von kostenlos bis 24.000 Euro pro Jahr belaufen sich die Kosten für den Zugang zu einer Social Media Monitoring Software (siehe SOMEMO VI-2012). Die Preisunterschiede begründen sich einerseits damit, welches Service der Anbieter rund um die Software selbst anbietet. Self-Service Anbieter ermöglichen den Online-Zugang zum Dashboard, stehen für weitere Fragen oder individuelle Anpassungen jedoch nicht zur Verfügung. Full-Service Anbieter hingegen, passen wenn gewünscht alles an den Anwender an und übernehmen die Interpretation der Ergebnisse gleich mit. Das hat natürlich seinen Preis. Hybrid-Anbieter liegen im Mittelfeld und sind – neben Self-Service Anbieter – für den Regelfall zu empfehlen. Andererseits steckt unterschiedlich viel an sagen wir künstlicher Intelligenz in den Systemen. Das reine Auflisten oder Addieren ist einfach und kostet daher nicht viel.
 
Interessant sind Social Media Monitoring Tools für Einzelpersonen (Stichwort Ego-Searching), Einzelunternehmer genauso wie für Großkonzerne oder Organisationen. Ziel ist dabei immer: Herausfinden, ob und was über bestimmte Themen, bestimmte Personen, Produkte oder Unternehmen „gesprochen“ wird bzw. Betroffene ausfindig zu machen und daher auch direkt ansprechen zu können. Genauso interessiert natürlich, wo gesprochen wird, in welchem Zusammenhang der Suchbegriff auftaucht usw. Wichtig ist es zu verstehen, dass ziemlich sicher Kommunikation stattfindet, und zwar auf der Online-Plattform, die jene wählen, die kommunizieren. Soll heißen, vielleicht beschweren sich Kunden auf Facebook, nicht aber im eigenen Kundenforum.

Welche Monitoring-Tools sind für kleine Verlage und Buchhandlungen sinnvoll?
(Diese Frage wurde nur an Helene Fritzsche gestellt)

Helene Fritzsche: Wichtig ist, klar zu formulieren, was das Ziel einer bestimmten Kommunikations-Maßnahme ist und zu überlegen, ob Social Media Monitoring die richtige Disziplin ist, um die Zielerreichung zu messen. Aus Erfahrung weiß ich, dass es hier oft Unklarheit gibt.

Ein Beispiel: Eine Buchhandlungen, mit Website aber ohne Online-Shop, möchte über Social Media Kanäle mit sehr persönlichem Kunden-Service und Lese-Empfehlungen punkten. Dazu will das Team den Dialog mit ihren Stamm-Kunden und potentiellen Kunden über Facebook eröffnen. Ziel ist es natürlich, möglichst viele Kunden in das Geschäfts zu führen.

Ob das gelingt, lässt sich einfach herausfinden, wenn der Mitarbeiter an der Kasse fragt, wie der Kunde auf das Buch oder das Geschäfts selbst aufmerksam wurde und die Antworten sammelt. Ob der Online-Dialog auf Facebook selbst „funktioniert“, misst man mit Social Media Tracking Methoden, eventuell in Kombination mit Web Analyse. Facebook bietet wie gesagt ein eigenes Tool kostenlos an, dass "Facebook Insights" heißt. Die Analyse der eigenen Website zeigt, ob die Kunden von Facebook zur eigenen Website klicken.

Wozu diese Buchhandlung Social Media Monitoring einsetzen könnte? Einerseits können betroffene Kunden ausfindig gemacht werden, die auf anderen Kanälen über das eigene Geschäft oder das Lesen an sich schreiben. So stößt der Buchhändler vielleicht auf die Diskussionen auf chefkoch.de über einzelne Bücher und wie man sie bekommt.

Andererseits könnte die Buchhandlung nach Postings über oder von Konkurrenten suchen, oder nach Beiträgen in denen "Online-Buchhandel" ganz allgemein oder "Lese-Tipp" in unterschiedlichen Schreibweisen vorkommt oder nach Beiträgen zu bestimmten Büchern oder Autoren. Ergebnisse können in die Sortimentsplanung einfließen.

Kennen Sie Verlage und Buchhandlungen, die Social Media Monitoring systematisch einsetzen?
 
Leander Wattig: Alle Verlage betreiben Social Media Monitoring auf die eine oder andere Weise. Manche Verlage nutzen sogar schon komplexere Software-Lösungen. In den meisten Häusern finden sich meiner Einschätzung nach aber eher noch einfache Tools wie Google Alerts.

Helene Fritzsche:  Seit 2010 begleiten wir Thalia in Deutschland, Österreich und der Schweiz bei der Entwicklung und Umsetzung digitaler Kommunikationsmaßnahmen. Wie man Social Media Measurement für die strategischen Kommunikations- und Verkaufsziele von Thalia konkret einsetzen kann und welche Reports wie oft erstellt und analysiert werden, haben wir gemeinsam mit dem Kunden entwickelt. Im Rahmen von Workshops konnte das Thema im gesamten Konzern verankert werden. Social Media Monitoring wird in erster Linie zur Konkurrenzbeobachtung eingesetzt. Seither fließen die Ergebnisse in die Gestaltung von Kommunikationsmaßnahmen ein.

Ein Artikel zum Thema Social Media Monitoring ist heute in der aktuellen Ausgabe des Börsenblatts erschienen. 

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28 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • K.

    K.

    Unseren täglichen Wattig gib uns heute

  • Merfelle

    Merfelle

    Die schmissigen Bezeichnungen im Interview der beiden "Social-Media-Experts" merke ich mir und beim nächsten Partyblabla mache ich mal richtig auf dicke Hose....

    So wie in der Art.... "Also beruflich bin ich als Stakeholder in einem Enterprise-Software-Unternehmen zuständig für das Feature-Angebot unserer Tools. Weiterhin überwache ich die Workflows hinsichtlich unserer Likes und Retweets um den jeweiligen Dashboard-Influence zu buzzen.....

    Das wird ein Spaß :-)))

  • McLuhan

    McLuhan

    Ja. Voll skurril, diese englischen Woerter! Hahahehehuhu.

  • Leander Wattig

    Leander Wattig

    @K. Amen :)

  • Bookseller

    Bookseller

    Grauenhaft, der Artikel. Aber verständlich, irgendwie müssen die Leute das Thema ja am Kochen halten. Die können froh sein, dass das Monitoring in unserer Branche nur unzureichend ist. Sonst sieht ja jeder, dass auf den Plattformen die ewig gleichen Leute miteinander quatschen, die das ohenhin schon ständig machen. Diese unsäglichen pubertären Messe-Events in Frankfurt zum Thema Social Media sind das beste Beispiel dafür.

  • Leander Wattig

    Leander Wattig

    @Bookseller: Volle Zustimmung. Ich finde es auch putzig, dass in Deutschland bspw. auf Facebook die immer gleichen 25 Millionen Nutzer aktiv sind. Dieser Kinderkram geht bestimmt bald vorbei. So ein Bookseller macht schließlich nicht jeden Quatsch mit. :)

  • Heiko Fischer

    Heiko Fischer

    Als Pressesprecher eines großen süddeutschen Regionalia-Verlags bin ich irritiert, wie einig man sich hier in den Kommentaren ist. Dabei haben wir Schwaben die Macht des Viralen Marketings schon lange entdeckt:
    http://www.youtube.com/results?search_query=virale s+marketing+todesstern&oq=virales+marketing+&a mp;gs_l=youtube.3.0.0l4.2611.7373.0.9391.5.5.0.0.0 .0.432.1601.0j1j0j3j1.5.0...0.0...1ac.1.tC3kvdEG9l o

    (Dürfte hinlänglich bekannt sein)

  • HF

    HF

    Entschuldigung:
    http://www.youtube.com/watch?v=uF2djJcPO2A

  • Fußspray

    Fußspray

    Das Social Media Monitoring blabla ist doch längst bekannt und abgefrühstückt. Wenn Frau Fritzsche und Herr Wattig den Firmen etwas Gutes tun wollen, geben sie Tipps & Tricks wie man den nächsten Shitstorm überlebt....

    Viel lustiger finde ich aber die Fußnote am Ende des Interviews... "Befragung: Sandra Schüssel".... mal eine Frage an die "Befragten".. war das so wie im Krimi? Mit Schreibtischlampe die einen ins Gesicht scheint? ;-))

  • Leander Wattig

    Leander Wattig

    @Heiko Fischer: Die totale Eintracht herrscht hier nun nicht gerade - wie sonst auch nicht. Meine Reaktion war eher mit einem Augenzwinkern gemeint. Ich finde die Kommentare auf boersenblatt.net immer lustig, die hier ganz mutig anonym veröffentlicht werden, und die sich noch immer am Grundsätzlichsten aufhalten. Echt erstaunlich im Jahre 2012.
    Das Video ist ja ein Klassiker - aber gut! :)
    Mir geht es ansich eher um einen konstruktiven Erfahrungsaustausch, um das Feld voran zu bringen, den ich u.a. mit dem Virenschleuder-Preis - in Kooperation mit der Frankfurter Buchmesse - befördere: http://virenschleuderpreis.de/

    @Fußspray: Auch mal ein netter Name. :) Ganz so intensiv war die Befragung nicht. Für manche Themen wär's aber vielleicht nicht schlecht. :) - Ansonsten gebe ich Ihnen recht. Den Shitstorm muss man aber erstmal mitkriegen und das möglichst, bevor er riesig angewachsen ist. Dabei kann das Thema Monitoring ja sehr hilfreich sein.

  • Georg M.

    Georg M.

    @Merfelle

    Probieren Sie es auf der Party doch mal mit Sammelrevers, Verkehrsnummer, Barsortiment, Pflichtfortsetzung oder Subskriptionspreisen. Da ist der Gesprächskreis schnell gesprengt. Auch mit dünner Hose...

  • socialmediaDACH

    socialmediaDACH

    Versuchen wir's doch mal sachlich:

    @Leander Wattig Wieso sind "Social Media Monitoring" und "Social CRM" Ihrer Meinung nach Modebegriffe ? Diese Begriffe beschreiben sehr genau das, was gemeint ist, im Gegensatz zu vielen anderen Wortblasen, die man von vielen mehr oder weniger qualifizierten/erfahrenen Leuten zu diesem Thema so zu lesen bekommt.

    @ Helene Fritzsche Ihre Hinweise auf Ihre Seite sind ja ok. Sie sollten dazu aber auch sagen, dass die Informationen auf dieser Seite vorrangig auf Angaben der Anbieter beruhen, so wie das bei vielen "Studien" zu diesem Thema auch der Fall ist. "Hausgemacht" ist doch letztlich nur die Checkliste, die dann von den Anbietern beantwortet wird. Oder haben wir da was falsch verstanden ?

    @ Alle Kommentatoren Die Kommentare lesen sich von der Grundstimmung her so, wie wir das tagtäglich z.B. auch in Foren immer wieder feststellen: Eine eigenartige Mischung aus Ironie und Aggressivität, die den Dialog über Inhalte in den Hintergrund rückt.
    Richtig ist nach unseren Erfahrungen, dass aus diesem Thema allgemein ein Hype gemacht wird und die "Monitorer" plötzlich wie Pilze aus dem Boden schießen. Oftmals nach dem Motto "Dampfplaudern bis zum Umfallen, irgendwann werde ich schon wahrgenommen, beauftragt, eingestellt". In der Praxis geht es aber immer um diszipliniertes Arbeiten an Fakten, um nicht mehr und nicht weniger. Tools können einem dabei behilflich sein, sie sind Werkzeuge, nicht mehr und nicht weniger, insbesondere keine Zaubermittel. Dabei gibt es keine "besten Tools", wie "Spezialisten" einem oft suggerieren wollen. Es gibt ein Tools oder mehrere Tools, die für einen bestimmten Monitoring-Auftrag geeignet sein können. Das müssen nicht immer die teuersten sein. Die Entscheidung über das "beste" Tool kann frühestens nach Klärung der Aufgabenstellung getroffen werden.
    Dass sich der Markt über die Grundzüge von Social Media und Social Media Monitoring im Klaren ist, können wir nicht bestätigen. Das dürfte eher bei einer Minderheit der Fall sein.
    Und die Frage "Was mach ich bei einem Shitstorm" lässt sich mit Sicherheit nicht pauschal beantworten, auch wenn viele "Spezialisten" das behaupten. Vielmehr stellen wir fest, dass alle diesbezüglichen Versuche immer bei der Schilderung von Einzelfällen ansetzen. Und das ist für uns auch ohne Weiteres nachvollziehbar, weil man die Frage nach brauchbaren Gegenmaßnahmen eben nur im Einzelfall erörtern und beantworten kann, d.h., Verallgemeinerungen einfach unmöglich sind ...
    ... außer vielleicht, dass es Sinn macht, sein Unternehmen, seine Organisation oder Institution und ggf. auch den Wettbewerb - und sei es mit einem ganz einfach gestrickten Monitoring - ständig im Blick zu haben, um zu wissen, was in den Sozialen Medien passiert und ggf. überhaupt mitzubekommen, wenn sich gerade ein Shitstorm zusammen braut.

  • Leander Wattig

    Leander Wattig

    @socialmediaDACH: Wenn ich von Modebegriffen spreche, heißt das nicht, dass ich das, wofür die Begriffe stehen, als nicht relevant oder als Mode ansehe. Nur denke ich, dass alle Begriffe, die "Social Media" oder "Social" betonen, sich abnutzen werden, weil sie uns primär in einer Übergangsphase, da diese Dinge neu erscheinen, helfen bei der Einordnung. Langfristig wird das nicht mehr nötig sein. Es geht also nur um die Wortwahl der Beschreibung.

  • saguenay

    saguenay

    @Leander Wattig

    Ich denke, die von Ihnen angesprochene und in fast allen Diskussionen über Social Media anzutreffende Mischung aus "Ironie und Aggressivität" rührt neben einer gewissen Übersättigung von dem SM Hype (Social Media jetzt, nicht das, wo die Leute sich hauen, um Spass zu haben, obwohl einem dieser Hype auch auf den Geist gehen kann), auch von der nach wie vor alles andere als klar beantworteten Frage nach dem wirtschaftlichen Nutzens dieses Bereichs her.

    Speziell in der Buchbranche mit ihren recht überschaubaren personellen und finanziellen Ressourcen ist die Frage, ob ein derartiges Engagement Nutzen in Form von Umsatz/finanziellem Ertrag bringt, oder doch nur eine Art kostspieliger Beschäftigungstherapie darstellt, von recht grundlegender Bedeutung.

    Für viele ist es alles andere als klar, ob ein entsprechendes Engagement wirklich in Relation zum möglichen Nutzens steht, oder ob eine alternative Verwendung der entsprechenden Ressourcen nicht profitabler ist.

    D.h. für eine entsprechend grosse Zahl an Unternehmen ist die Antwort schlicht und einfach "nein", da ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Social Media Aktivitäten und wirtschaftlichem Erfolg nicht gegeben ist.

  • socialmediaDACH

    socialmediaDACH

    @saguenay Wenn tatsächlich festgestellt worden ist, dass im konkreten Fall Social Media Aktivitäten nicht zu einem wirtschaftlichen Erfolg führen können/werden, dann macht es natürlich wenig Sinn, über ein Social Media Engagement nachzudenken.
    Oftmals stellt das aber nur eine Annahme dar, der keine konkreten Erhebungen/Recherchen voraus gegangen sind.

    Einen Grundsatz, wonach Social Media Aktivitäten und dementsprechend auch Social Media Monitoring für bestimmte Branchen oder Themenbereiche keinen Sinn machen, gibt es nicht. Umgekehrt gilt natürlich dasselbe.

    Also muss das im Einzelfall ermittelt werden. Und dabei zeigt sich immer wieder, dass eine skeptische Haltung gegenüber einem Social Media Engagament sich nicht bestätigt, und zwar deutlich häufiger als im umgekehrten Fall.

    Fazit: Natürlich würde eine Rückbesinnung vom Hype, der Show und der Dünnbrettbohrerei hin zur sachlichen Beurteilung nur hilfreich sein und vielen potenziell Betroffenen die nachvollziehbare Scheu vor diesem Thema nehmen. Dennoch sollte man sich auch unter derzeitigen Bedingungen vergegenwärtigen, dass die Sozialen Medien einfach existent sind und stattfinden, und zwar im großen Stil. Zu dieser Erkenntnis sollten früher oder später alle PR-, Marketing- und Werbeverantwortlichen (Vertrieb sowieso) kommen, sonst laufen sie Gefahr, den Anschlusszug zu verpassen.

  • René Kohl

    René Kohl

    Vielleicht mal eine Frage an die, die sich durch Themen wie eCommerce und Social Media gestört fühlen:
    Wäre es für Sie ein Fortschritt, wenn diese Themen künftig nicht mehr im Börsenblatt und Börsenblatt online verhandelt werden?

    Sollten sie auf anderen Plattformen angeboten werden, die Sie nicht lesen müssen? Sollte das Börsenblatt diese Themen z.B. aus der klassischen Printausgabe rausnehmen und in Extra-Ausgaben, die nicht im normalen Abonnement enthalten sind, bringen?

    Oder sollte man vielleicht so trennen: In der Papierausgabe kommen nur die Themen für den stationären Buchhandel, Neues von den Druckereien, Bücherwagendienste, Fotostrecken aus den Auslieferungen, Nonbook, außerdem Buchkunst, Buchherstellung usw., und online dann die ganzen Themen, die es so eilig haben, daß sie sich nicht mehr in Ruhe eindeutschen lassen?

    Ihre Meinung würde mich wirklich mal interessieren...

  • HeFritzsche

    HeFritzsche

    @socialmediaDACH Danke für die Anerkennung! Ja, die SOMEMO-Bewertungen basieren auf aktuellen Angaben der Anbieter. Das Herzstück von SOMEMO und mein Beitrag ist die "Checkliste", die ich beispielshaft auf eine Auswahl von Anbietern angewandt habe.

    Ich war und bin auch jetzt bei http://www.knallgrau.at immer wieder mit der Auswahl von Software betraut und weiß daher, wie hilfreich es ist, so eine Checkliste zu haben. Für Monitoring-Lösungen gab es keine, daher habe ich sie entwickelt. Hat man damit zu den eigenen Anforderungen unpassende Anbieter ausgeschlossen, kann man mit den verbleibenden in konkrete Gespräche, Verhandlungen und Tests gehen.

    @saguenay: Ich schließe mich an. Nicht für jedes Unternehmen ist es empfehlenswert, auf Social Media Kanälen aktiv zu werden. Als Berater ist genau das meine Aufgabe: Herauszufinden, ob und wenn ja welcher digitale Kommunikationskanal der richtige ist, um ein gewünschtes Ziel zu erreichen. Und sich im Anschluss auch der Erfolgsmessung zu stellen.

    Am Thema SMMonitoring selbst reizt mich die Tatsache, dass ich mit solchen Tools in nahezu alles, was so digital veröffentlicht wird, Einblick nehmen kann und die so gewonnenen Einsichten für mich selbst nützen kann. Ich finde das absolut faszinierend und hilfreich, sehe aber ein, dass das nicht jedermanns Sache ist.

    Aber wer weiß, vielleicht ersetzt einmal ein so ein Anbieter die Google-Suche und findet dann eben nicht nur Unternehmens-Websites sondern auch einzelne Postings passend zum Suchbegriff ...

  • Leander Wattig

    Leander Wattig

    @saguenay: Stimmt schon. Zum Hype gehören aber immer beide Seiten - auch die, die sich mithypen lassen. Am ehesten würden da sachliche Gegen-Argumente helfen. Deswegen langweilen mich die typischen emotionalen Reaktionen/Kommentare oder Pöbeleien meist einfach nur.

  • saguenay

    saguenay

    @Leander Wattig

    Das ist nachvollziehbar. Wobei das beste Argument gegen das Gemecker hard facts sind, mit denen man nachweist, dass die genannten Aktivitäten durchaus Umsatz zu generieren imstande sind, bzw. Inaktivität Geld kosten kann.

    Dgl fehlt bei derartigen Artikeln aber leider idR. Zahlen sind ein recht wirksames Mittel gegen Emotionalität ;-)

  • Leander Wattig

    Leander Wattig

    @saguenay:

    Stimmt. Ist aber auch lange durch. Das Problem der Meckerer ist ja, dass sie i.d.R. auch wenig Überblick über den Diskussionsstand haben. Hier nur ein Beispiel und das war zu dem Zeitpunkt auch schon nicht mehr neu als Erkenntnis:
    http://leanderwattig.de/index.php/2010/10/29/socia l-media-roi/

  • saguenay

    saguenay

    @Leander Wattig

    Danke das sieht interessant aus, egal ob neu oder nicht! Hatte fürs Erste nur kurz Zeit reinzulinsen, sehe mir das aber heute noch in Ruhe an. Gelungene Überzeugungsarbeit besteht zu einem nicht unwesentlichen Teil darin, sich ständig zu wiederholen ;-)

  • Leander Wattig

    Leander Wattig

    @saguenay:

    Der Punkt ist, dass man nicht schwarz-weiß sagen kann, es lohnt sich oder es lohnt sich nicht. Es kommt auf die genaue Zielsetzung und das Design der Erfolgs-Konvertierung an, wenn man es so ausdrücken will. Für mich fängt es schon da an, dass "Social Media" alles ist, das ganze Internet. Man muss am Ende sehr konkret schauen und konzipieren. Aber das kommt im Video gut raus. Von daher, Schauen lohnt sich. :)

  • Leander Wattig

    Leander Wattig

    @alle

    Noch ein Veranstaltungstipp zum Thema:

    "Digitales Monitoring steht im Mittelpunkt des MonitoringCamp, das vom 9. bis 10. November in Hamburg stattfindet."
    http://t3n.de/news/monitoringcamp-barcamp-fokus-42 2910

  • branchenkenner

    branchenkenner

    Es ist symptomatisch für die momentan vorherrschende Verunsicherung und lethargische Stimmung der Branche, wenn man sich hier zu allererst über die unverständlichen Begrifflichkeiten aufregt und den Social-Media-Usern ein pubertäres Wesen unterstellt.

    Kritikwürdig wäre aus jeweiliger Sicht der Leser hier bestenfalls nur, dass in zu geringem Maße auf Anwendungsbeispiele eingegangen wird, die sich stärker mit den schon sehr speziellen Ausgangssituationen der verschiedenen Branchenteilnehmer auseinandersetzen. Aber das würde nunmal den Rahmen sprengen, versteht sich.

    Social Media ist ein mächtiges Werkzeug, welches insbesondere kleinen Unternehmen in der Branche ganz neue Möglichkeiten der Informationsweitergabe an potentielle Konsumenten bietet, die sie aufgrund ihrer Unternehmensgröße so bisher niemals hätten realisieren können.
    Der Einsatz ist äußerst preiswert, relativ einfach zu realisieren bzw. zu bedienen und bietet die großartige Chance, ein bidirektional kommunizierendes Geflecht zu installieren, dass umsatzrelevante Kundenbeziehungen in Echtzeit pflegen kann.
    Das ist doch eine Ausgangslage mit unglaublichem Potential!
    Eine steigende Bedeutung des Monitorings ist da nur der nächste, zwangsläufige Schritt, für den sich wie gesagt jedoch auch konkrete Lösungen für kleinere Wettbewerber finden lassen müssen.

    Die Verständlichkeit der in diesem Zusammenhang relevanten Begrifflichkeiten wird dabei das geringste Problem sein, aufzuhalten ist diese Entwicklung jedenfalls nicht. Niemand steckt dauerhaft in der Pubertät.

    Ein dickes "Like" für Frau Fritzsche und Herrn Wattig!

  • Leander Wattig

    Leander Wattig

    @branchenkenner:
    Thnx! Bin sehr froh, dass jemand auch mal die Chancen betont. Ist selten genug in diesen Diskussionen hier. :)

  • Leander Wattig

    Leander Wattig

    Und noch ein Wort zur Kommentarkultur: Es lohnt, auch mal dagegen zu halten und den Motzköppen das Feld nicht zu überlassen. Wenn das Börsenblatt hier noch ein vernünftiges Kommentarsystem installiert - das inzwischen ja sogar auch der Buchreport und der BuchMarkt mit Disqus haben - dann könnte die Debatte hier richtig Spaß machen und fruchtbar sein. Das scheitert jetzt schon daran, dass man die Kommetare nicht separat je Artikel abonnieren kann, sondern immer händisch nachschauen muss, ob was Neues gekommen ist.

  • Sandra Schüssel

    Sandra Schüssel

    Danke Leander, du hattest mir das Thema ja schon als Email geschickt. Ist auf dem Schirm. ;)

  • Leander Wattig

    Leander Wattig

    @Sandra Schüssel: Prima. Ich wünsche es mir im Sinne aller so sehr, deshalb bleib ich dran und nerve ein bisschen. :)

    • ...

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