Buchmarketing-Kampagne des Deutschen Buchhandels

"Impuls in Umsatz für die Buchbranche umsetzen"

Im März verzeichnete der Buchhandel ein rekordverdächtiges, zweistelliges Umsatzplus: Börsenvereins-Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis fordert in einem Brief an die Mitglieder auf, "die Welle zu reiten" und sich an der Buchmarketing-Kampagne "Vorsicht Buch" zu beteiligen.

Der Brief von Alexander Skipis im Wortlaut:

Liebe Mitglieder,

die Chance, im deutschen Buchmarkt jetzt für eine positive Entwicklung zu sorgen, ist so groß wie noch nie. Vielleicht hat diese Entwicklung sogar schon begonnen.

Morgen werden die neuen Zahlen des Branchenmonitors Buch für den Monat März veröffentlicht. Wir haben darin ein Wachstum zu verzeichnen im Vergleich zum Vorjahresmonat von 11,9 Prozent, für das stationäre Sortiment sogar von 13,5 Prozent. Es wäre sicherlich kühn und verfrüht, hier die Auswirkungen der Vorstellung und des Starts der Buchmarketing-Kampagne in einen kausalen Zusammenhang unmittelbar zu bringen. Aber es ist auffällig, dass es sonst keine plausible Begründung für dieses Wachstum gibt, das jedenfalls in den letzten zehn Jahren so nicht stattfand. Im Gegenteil, der Monat März 2013 hatte zwei Verkaufstage weniger als der Vergleichsmonat im Vorjahr. In diesem Jahr fiel zwar das komplette Oster-Geschäft in den März, aber Ostern allein sorgte in anderen Jahren nicht für solch starke Ausschläge – im Vorjahres-Oster-April gab es sogar ein Minus. Auch gab es in diesem Jahr keine herausragenden Bestseller oder sonstige inhaltliche Gründe für ein stärkeres Wachstum.

Demgegenüber steht, dass wir schon in den ersten Tagen mit der Vorstellung der Buchmarketing-Kampagne in Leipzig und der beginnenden Umsetzung deutschlandweit einen sensationellen Impuls für die Buchbranche gesetzt haben. 157 Millionen Kundenkontakte aus der öffentlichen Berichterstattung in den ersten Tagen sind geradezu spektakulär für den Start einer solchen Kampagne. Dass dies Auswirkungen auf das Kaufverhalten der Leser haben muss, scheint jedenfalls plausibel.

In einer solchen Situation, in der ein großer Impuls für den deutschen Buchmarkt gesetzt ist, kommt es jetzt darauf an, diese „Welle zu reiten“. Wir haben jetzt die Chance, diesen Impuls in Umsatz für die Buchbranche umzusetzen. Dies erfordert ein Engagement aller in dieser Branche, völlig unabhängig davon, ob große oder kleine Unternehmen. Bitte nutzen Sie jetzt persönlich dieses Marketinginstrument für Ihr Unternehmen und tragen Sie gleichzeitig dazu bei, eine Bewegung für das Buch und für das stationäre Sortiment in Deutschland auszulösen.

Sollten Sie Fragen an mich haben oder Unterstützungsleistungen unsererseits wünschen, sind wir für Sie jederzeit ansprechbar.

Lassen Sie uns jetzt gemeinsam diese große Chance nutzen!

Mit herzlichen Grüßen aus Frankfurt,

Ihr

Alexander Skipis

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28 Kommentar/e

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  • Branchenkenner

    Branchenkenner

    Das ist doch völlig Gaga.

    Wo bitte kommen denn solche Zahlen her?
    Nicht das es mich nicht freut, aber wäre Herr Skipsis mal im vergangenen März auf ausgedehnten Streifzügen durch den stationären Buchandel unterwegs gewesen (was er angesichts eines gut geheitzten und schneesicheren Büros bestimmt nicht war), wäre er über dieses Umsatzplus genau so verwundert wie ich.

    Ich kann nicht anders, als Vergleiche zu den frisierten Statistiken zu ziehen, die uns unsere Arbeitsministerin im fahlen Licht des schönen Scheins regelmäßig präsentiert.

    Ein weiterer Erklärungsversuch: Spielt da möglicherweise auch der Umsatz der Tolino-Allianz mit rein? Bei gerade mal 5.000 hypothetisch verkauften Readern wäre schließlich schon fast eine halbe Million in der Kasse.
    Dafür muss man mit Paperbacks und Oster-Non-Book lange stricken, mit oder ohne flankierende Buchmarketing-Kampagnen.

    Es bleibt in jedem Fall ein fader Beigeschmack. An eine Erholung des Buchhandels glaube ich jedenfalls erst, wenn ich sie sehe. Und im Gegensatz zu Herrn Skipsis und anderen Führungspersönlichkeiten in unserer Branche überzeuge ich mich durchaus persönlich vor Ort von den tatsächlichen Gegebenheiten, auch bei Schnee und Eis.

    Würde ich mein Handeln nach den allzu oft phantastisch und fiktiv anmutenden Zahlen des Branchenmonitors ausrichten, wäre ich dem Untergang geweit.

    Aber nichts desto trotz kann ich Herrn Skipsis zumindest in seiner Schlußformel nur Recht geben. Es ist noch nicht aller Tage Abend.

  • PhantaNews

    PhantaNews

    13,5 Prozent Zuwachs? 13,5 Prozent Zuwachs???

    Sind das frei erfundenen Zahlen, oder echte? Falls sie echt sind: angesichts dieser Zuwachszahlen entblodet sich diese Branche nicht, zu heulen und zu jammern und in eBooks sowie Amazon den Untergang der buchhändlerischen Abendlandes zu sehen? Dazu fällt mir eigentlich nur eins ein:

    "Lerne klagen ohne zu leiden"

  • heinzi

    heinzi

    "Es wäre sicherlich kühn und verfrüht..." Nein, es WÄRE nicht, es IST kühn und verfrüht da einen Zusammenhang her zu stellen.
    Ein etwas tieferer Blick in die Archive gibt auch eine ganz gute Erklärung für die positiven März-Zahlen:
    Für den März 2011 meldete Langendorf beim Bargeschäft ein Minus von 13,5 % (!), für März 2012 ein Minus von 0,8 %. Grob gerechnet dürfte damit der März 2013 noch knapp unter dem März 2010 liegen. Diese Vorjahresvergleiche bergen für sich alleine immer ein ziemliches Interpretationsrisiko, wenn man außer acht lässt, auf welches Vorjahresniveau sie sich beziehen.
    Es mag ja das gute Recht von Herr Skipis sein, die Branche zu ermuntern, bei der Buchmarketingkampagne mitzumachen, aber es sollte das doch nicht mit windigen Statistikschummeleien tun.
    Die Kampagne ist erst Mitte März gestartet, ihr in einem halben Monat solche Erfolge zu bescheinigen ist nicht sehr seriös.

  • max

    max

    lassen wir Herrn Skipis einfach weiterträumen....
    Diese Zahlen sind absoluter Quatsch. Da hat sich jemand gehörig verschönrechnet....

  • Face_65

    Face_65

    "157 Millionen Kundenkontakte aus der öffentlichen Berichterstattung" - hier fehlt das Wort "potenziell". Dass eine ARD-Sendung 80 Millionen Menschen theoretisch erreichen kann, ist gut und schön. Wie viele dann wirklich um 23 Uhr vor der Glotze sitzen, ist eine andere Frage. Klingt alles ein bisschen nach einer Planübererfüllungsverlautbarung aus dem Politbüro des ZK des BV. Die älteren Stachanow-Aktivisten unter uns werden sich erinnern …

  • Merfelle

    Merfelle

    Oje, jetzt hat die allegemeine deutsche UmfragenStudienStatistikeritis also auch das Börsenblatt (zwar spät aber immerhin) erfasst. Herrje, mittlerweile wird man in Deutschland täglich mit Umfragen Studien, Statistiken und Erhebungen bombardiert. Das nervt, egal ob die Statistiken manipuliert, halb-manipuliert, geschönt oder (soll auch mal vorkommen) wahr sind. An irgendwelche Umfragen und Erhebungen glaubt doch hierzulande kein Mensch mehr. Warum wird dafür eigentlich noch Geld ausgegeben?

  • California Surfboy

    California Surfboy

    Stelle mir gerade vor, wie der typisch Deutsche Buchhändler die "Welle reitet"... in bequemen Gesundheitsschuhen, Norwegerpulli, das halblang getragene Nackenhaar frei und unbändig im Wind flatternd. Das entschlossene Gesicht dem "Tube" zugewandt...... bestimmt sehenswert ;-)

  • Irmgard Meier

    Irmgard Meier

    Komma verrutscht?

  • Fußspray

    Fußspray

    @ Irmgard Meier

    ".... Komma verrutscht?..."

    Sie meinen, das stationäre Sortiment könnte um 135% zugelegt haben?

  • Kleine Sortimenterin

    Kleine Sortimenterin

    "Der typisch Deutsche Buchhändler" ist weiblich, Mister
    Hinderland-California, oder meinten sie die Amazonen,
    die ein Viertel des Buchhandels in Kartons einpacken
    und die wir nie zu sehen bekommen. Da mögen Sie
    Recht haben, Sie haben da sicher bessere Einblicke.

  • Merfelle

    Merfelle

    @ Kleine Sortimenterin

    Der böse Amazon hat es Ihnen angetan, oder!?
    Der ist so richtig fies und gemein, was?
    Irgendwie ist Amazon doch für alles verantwortlich, was so schief läuft in der Welt, richtig? Was wäre denn, wenn sich Amazon auf einmal um 180 Grad drehen würde und Sie feststellen... Hey.... das läuft ja alles super und alles wurde abgestellt, was mir persönlich schon immer nicht bei diesem Unternehmen gepaßt hat? Wer ist denn dann an der Reihe?

  • Wolf

    Wolf

    @ Merfelle:
    Ja, lieber Amazonfreund, was wäre wenn, sich Amazon um 180° drehen würde? Wenn Amazon seine Beschäftigten ordentlich bezahlen würde, wie jede Firma Gewerbe- und Kapitalertragssteuern zahlen würde und für die ökologischen Schäden auf Deutschlands Straßen aufkommen würde? Dann gäbe es bald weder einen guten noch einen schlechten Amazon, dann gäbe es bald gar keinen Amazon mehr, weil ihnen die Aktionäre wegen des dann "falschen" Geschäftsmodells scharenweise davonlaufen würden.

  • Rotkäppchen

    Rotkäppchen

    @ Wolf

    Ja, lieber Wolf.... was wäre wenn? Wenn z.B. der Buchhandel vor Ort seine Angestellten ebenfalls ordentlich und nach Tarif bezahlen würde? Und wenn der Buchhandel vor Ort ebenfalls für die ökologischen Kosten für den Transport der bestellten Bücher (oder werden diese zum Buchhandel vor Ort von den Verlagen/Großhändlern gebeamt?) ordentlich zur Kasse gebeten würde? Tja ich fürchte, dann gäbe es bald gar keinen Buchhandel vor Ort mehr, da sich das Geschäft mit Büchern noch weniger lohnen würde!

  • Patrick Musial

    Patrick Musial

    Wer an den Zahlen des "Branchenmonitors" zweifelt (zum Beispiel, weil nur die Daten von 800 Buchhandlungen oder "POS" einfließen), sollte das immer tun - und nicht nur, wenn es einem gerade in den Kram passt.

    Es gibt keinen Grund Herrn Skipis anzugreifen, nur weil er Zahlen nennt, die er sich ja nicht ausgedacht hat, sondern die von der GfK ermittelt wurden und auf deren Grundlage wird ja schon seit Jahren regelmäßig diskutieren.

    Ich kenne Kolleginnen und Kollegen, die die Zahlen bestätigen können, was mich sehr für diese freut.
    Vielleicht liegt's am "Lesewetter"? Und ein kleines bißchen an Ostern?

    Wie auch immer. Herrn Skipis ist hier meiner Meinung nach nichts vorzuwerfen, auch nicht, was die Zahl der 157 Millionen Kundenkontakte über die Medien angeht. Es gibt Verfahren, wie so etwas ermittelt wird.

    Und warum reden wir hier schon wieder über den Mitbewerber amazon? Es gibt nun wirklich Wichtigeres.

  • Kleine Sortimenterin

    Kleine Sortimenterin

    Zitat aus der Süddeutschen Zeitung: Amazon erhielt
    16 Millionen Euro aus der Staatskasse und hat bislang
    nichts zurückgezahlt. Im Gegenteil, auch noch Fördergelder
    für Arbeitslose bekommen. Dafür zahlen sie keine Steuern
    und die Lagerhallen sind schlecht beheizt, die Arbeiter
    müssen in dicken Jacken arbeiten und klobige Arbeitsschuhe tragen...Merfelle, nicht der Buchhandel
    hetzt hier gegen Amazon, sondern unbekannte Leute
    schütten gleich Kübelweise ihre Unrat über die Buchhändler
    aus, vermutlich Leute, die sich mal geärgert haben und
    nun Rache nehmen wollen. Sollen Sie, nur nimmt sie
    hier keiner Ernst.

  • Merfelle

    Merfelle

    @ Kleine Sortimenterin

    Also ohne Ihnen nahetreten zu wollen. Aber wenn man sich Ihre Posts so durchliest, lassen Sie absolut kein gutes Haar an Amazon. Und Ihr ewig gleiches Lamento über die schlechten Arbeitsbedingungen und keine Steuern zahlen trifft auf Dutzende andere Unternehmen genauso zu. Warum echauffieren Sie sich nicht auch über diese? Gleiches Recht für Alle!
    Und nein, das Argument "Das sind keine Buchhändler" zählt jetzt nicht, da Amazon kein Buchhändler sondern ein Online-Kaufhaus ist. Wie sieht es da aus mit Ihrer Empörung?

    By the way: Wenn Sie kritische und/oder m.E. recht harmlose süffisante Bemerkungen schon als "...Kübelweise Unrat über die Buchhändler ausschütten..." bezeichnen möchte ich nicht wissen wie Sie es bezeichnen, wenn mal jemand wirklich(!) Kübelweise Unrat über Buchhändler ausschütten würde!
    Und ob jemand aus "Rache" dem Buchhandel Böses will, so wie Sie vermuten(!).... naja, wie das eben mit Vermutungen(!) so ist....

    "...Sollen Sie, nur nimmt sie hier keiner Ernst...."....... Sie scheinen mir die Sache, mit Verlaub, ziemlich Ernst zu nehmen.

  • Peter&Paul

    Peter&Paul

    ICH GLAUBE NUR DEN STATISTIKEN, WELCHE ICH SELBST GEFÄLSCHT HABE !!!

  • Lorenz Borsche

    Lorenz Borsche

    Was ich wirklich gerne wüsste: wer versteckt sich hinter "Branchenkenner"?

    Aber das werden wir wohl nie erfahren...

    Und im übrigen wäre es m.E. schlauer, Tertiale zu vergleichen statt Einzelmonate oder Quartale, denn Tertiale beinhalten die meisten marktrelevanten und terminvolatilen Ereignisse, wie Ostern, Schulbuchgeschäft etc. und geben, abseits der Jahresergebnisse den am wenigsten verfälschten Zeitraum. Mal sehen, was Ende April auf dem Zähler steht - hoffentlich nur Gutes!
    mfG, LB

  • Rechner

    Rechner

    @Lorenz Borsche: So ein Kenner kann er nicht sein mit seinem Tolinobeispiel...
    Die beobachteten Distributionskanaele haben ein Jahresvolumen von ca. 5 Mrd. - bei gleichmaessiger Verteilung waren das dann ca. 415 Mio pro Monat. der Maerz ist natuerlich kein starker Monat - weiss leider den durchschnittlichen Anteil am Jahresumsatz nicht, aber selbst bei einem Umsatz der nur 100 Mio waere wuerden die angenommenen 5000 Tolinos gerademal ein Wachstum von 0.5% bringen. Da muesste schon halb Deutschland einen Tolino kaufen damit das schagend wird...

  • Branchenkenner

    Branchenkenner

    Zugegeben, meine Vermutung mit den Tolino-Absätzen ist bei genauerer Überlegung natürlich nicht haltbar. Mea culpa.
    Sie ist allerdings ebenso weit hergeholt wie die Vermutung von Herrn Skipsis, dass die Buchmarketing-Kampagne bereits derart zum Umsatz beiträgt.

    Zwei Dinge möchte ich persönlich noch einmal von meiner Seite aus klarstellen:

    1. Mir ist nicht daran gelegen, Herrn Skipsis oder sonst jemanden hier in irgendeiner Weise persönlich anzugreifen. Wenn ich mir meinen Eingangspost noch einmal durchlese, habe ich das auch in keinster Weise getan. Ich trete lediglich für eine kritische Auseinandersetzung mit verschiedensten Meldungen ein, die uns hier aufgetischt werden.

    2. Meine Anonymität ist der Tatsache geschuldet, dass viele Leute hier mit unternehmerischen Kapitänspatent vermutlich der Auffassung wären, dass es unter ihrer Würde ist, mit jemandem über den Kurs der Branche zu diskutieren, der gerade einmal Leichtmatrose ist.
    Dennoch habe ich einige Berufsjahre vorzuweisen, kenne sowohl den stationären Buchhandel als auch das Verlagsgeschäft und bin gut vernetzt und informiert.

    Soviel dazu.

  • diebuchhaendlerin

    diebuchhaendlerin

    Wenn die Buchmarketingkampagne des BöVereins irgend etwas mit dem Umsatzplus zu tun hätte, dürfte der Süden der Republik kein Plus vorweisen, dort ist die Kampagne nämlich bisher unsichtbar.

  • Lorenz Borsche

    Lorenz Borsche

    @Rechner: das mit den Tolinos hatte ich auch schnell nachgerechnet und war auf Promille-Werte gekommen. Es sind übrigens eher 10.000 Stück über den Ladentisch gegangen.

    @Branchenkenner: Man muss kein "Kapitän" sein, um wirtschaftliche Entwicklungen beurteilen zu können, dazu genügt ein gutes Auge und die Fähigkeit, die richtigen Fakten zu verallgemeinern. Also machen Sie sich wegen eines Kommafehlers nicht kleiner als nötig ;-)

    Vor drei Tagen hatte mich jemand nach den genannten Zuwachs-Werten gefragt. Meine Antwort war: Ich wüßte gerne, wie groß der Effekt der öffentlichen Diskussion um amazon war. Gestern konnte man im Buchreport online nachlesen, wie groß der wirklich war. Und dann mal flott gerechnet und man stellt fest: Was amazon verloren hat erklärt ganz gut den *Überhang* des Sortiments über die allgemeine Entwicklung.

    Den allgemeinen Zuwachs muss man aber, darauf hat der Branchenkenner völlig zu Recht hingewiesen, ins richtige Licht setzen. Wenn es in den Vorjahren veritable Einbrüche gab, ist der *Zuwachs* vielleicht gar keiner?

    Eines ist aber deutlich: wenn man die Online-Medien beobachtet hat, dann war die Diskussion um amazon sicher um Größenordnungen umfangreicher, als die um die Buch-Kampagne. Wie das im Print-Bereich aussah, kann ich allerdings nicht beurteilen.

    MfG LB

  • René Kohl

    René Kohl

    Liebe Frau Lippmann,

    wie kann man denn die Branchenmonitor-Zahlen zu den YouGov-Zahlen bringen?

    "Fast jeder fünfte (19%) Online-Käufer ändere aufgrund der Medienberichterstattung über Amazon sein Kaufverhalten.
    Davon gäben sogar 12% an, gar nicht mehr beim Versandhandelsriesen einkaufen zu wollen."

    Der Branchen-Monitor BUCH "basiert auf den von media control GfK International im "Handelspanel Buch" erhobenen Daten. Die statistische Grundlage des Panels bilden über 1.700 Points of Sale in den Vertriebswegen Sortimentsbuchhandel, E-Commerce und Kauf/Warenhaus", heißt es.

    Werden Amazon-Zahlen statistisch miterhoben? Wenn nicht, welche Auswirkung hätte eine mögliche Verschiebung von Umsätzen im April von Amazon zu anderen Versendern bzw zum Sortiment für die Zahlen?

  • René Kohl

    René Kohl

    Pardon, die richtige Frage ist:
    "Welche Auswirkung hätte eine mögliche Verschiebung von Umsätzen im März (!) von Amazon zu anderen Versendern bzw zum Sortiment für die Zahlen?"

  • Lorenz Borsche

    Lorenz Borsche

    Können amazon Verluste den Zugewinn im Sortiment erklären? @René Kohl:

    ad1: ja, online-Umsätze werden miterhoben

    ad2: wenn amazon 10% verloren hätte:

    amazon macht 1,6 Mrd mit Büchern, das sind ca. 16% vom Gesamtmarkt. Davon 10% wären 1,6% vom Gesamtmarkt. Und wenn sich der Gesamtmarkt um 11,9% gesteigert hat, das Sortiment aber um 13,5%- dann ist die Diffferenz 1,6%-Punkte. Ok?

    Multipliziert man die 1,6% mit dem Gewicht des Sortiments von ca. 50% bleiben gesamtmarkttechnisch 0,8% übrig. Dass wäre die Hälfte von amazons gewichteten Verlusten von 1,6% im Gesamtmarkt, *falls* amazon selbst 10% verloren hätte (das war die Annahme).

    Und die 0,8% würden dann eher dazu passen, daß amazon tatsächlich eben nur 5% verloren hat.

    In der Umfrage gaben 7% der Käufer an, "wieder häufiger in Filialen/Geschäften und weniger im Internet einzukaufen."

    Das passt gut zu 5% amazon-Verlusten, wenn man die vom Befragten gefühlte "soziale Erwünschtheit" einer solchen Antwort berücksichtigt.

    Also: Ja, amazon-Verluste in Höhe von 5% könnten den Zugewinn des Sortiments ÜBER den allgemeinen Zuwachs aller Sparten hinaus erklären.

    Wenn die 19%-Käufer, die angeblich oihr Kaufverhalten ändenr wollten, daß auch getan haben, dabei aber meistenteils einfach andere Onliner genutzt haben, wie in dem Bericht im Buchreport zu lesen war, dann hat amazon vielleicht wirklich 10% "verloren" - die Verschiebung auf andere Onliner würde aber dieses Marktsegment in der Statistik nicht beeinflussen, wäre also für uns unsichtbar (aber nicht für die GfK - die allerdings damit besser nicht hausieren ginge und das auch nicht tut).

    MfG LB

  • René Kohl

    René Kohl

    Lieber Herr Borsche,
    danke für's Durchrechnen.

    Ich habe auch noch mal etwas nachkalkuliert.
    Wenn die Warengruppen Sortiment/Kaufhäuser/eCommerce um 11,9% zulegen, das Sortiment ohne die beiden anderen Gruppen 13,5%, dann komme ich auf einen Zuwachs für die Gruppen Kaufhäuser/eCommerce von 7,1%, wenn ich als Schlüssel die Verteilung lt. Branchenmonitor ansetze.

    Was wir, wie Sie sagen, in den Zahlen nicht sehen, sind Verschiebungen innerhalb des Segments eCommerce von einem Anbieter zum anderen, was wir aber sehen, sind Verschiebungen von der Gruppe eCommerce/Kaufhaus zum Buchhandel.

    Wieviel die 11,9% Zuwachs wert sind, zeigt sich vielleicht Ende April, die aktuellen 1,6% Mehrzuwachs des Sortiments gehen zu Lasten von eCommerce und Kaufhaus (Minderzuwachs von 4,8%).

    In EUR wären es ca. 6-7 Mio EUR, die das Sortiment den Wettberbern "abgejagt" hätte.

    Wer sich dafür das Krönchen aufsetzen darf (war es die Negativpresse für Amazon, war es Buy Local, war es Vorsicht, Buch!), darf jeder für sich reklamieren - aus den Zahlen, meine ich, kann man es nicht schließen.

    Eine interessante strategische Komponente für das Sortiment im Umgang mit "den amerikanischen Konzernen" könnte in folgendem Gedanken liegen:
    Wenn es so ist, daß es Konsumenten gibt, die ihrem Veränderungswillen Ausdruck verkeihen wollen, so ist es für diese weniger schmerzhaft, es mit deutschsprachigen Büchern zu machen, da die Preisbindung die Konsumenten vor teureren Bestellungen schützt, als wenn sie es mit preisbindungsfreien Produkten, etwa Waschmaschinen, versuchten. Hier könnte die Preisrealität sie in ihrer Opferbereitschaft möglicherweise schneller wieder ausbremsen.

    Ohne jetzt einzelne Handelsbereiche gegeneinander ausspielen zu wollen, wäre es daher auf jeden Fall sinnvoll, die Amazon-Debatte mit einer Preisbindungsinformationskampagne, und die gerne noch mal mit dem gewünschten Ziel, den Buchhandel in der Breite stützen zu wollen, zu verbinden.

    Wer als Konsument verstanden hat, warum "Buy Local" Vorteile für ihn bringen kann, kann dies mit Buchbestellungen besonders gut zeigen.

  • Joerg H.

    Joerg H.

    "In diesem Jahr fiel zwar das komplette Oster-Geschäft in den März, aber Ostern allein sorgte in anderen Jahren nicht für solch starke Ausschläge – im Vorjahres-Oster-April gab es sogar ein Minus."

    Vielen Dank für diese Info, leider ist sie völlig nutzlos. Der Oster-April 2012 folgte auf den Oster-April 2011. Interessant wäre also der Ausschlag, den Ostern im Jahr 2011 zu 2010 bedeutete. Hat noch jemand die alten Zahlen zur Hand?

  • Lorenz Borsche

    Lorenz Borsche

    @Rene Kohl: "Ohne jetzt einzelne Handelsbereiche gegeneinander ausspielen zu wollen, wäre es daher auf jeden Fall sinnvoll, die Amazon-Debatte mit einer Preisbindungsinformationskampagne, ...., zu verbinden."

    Auf den Buchtagen 2011 hatte ich vorgeschlagen, die Verlage möchten doch bitte in alle Bücher eine Seite eindrucken (erinnert sich noch jemand an die Pfandbrief-Seiten in den rororo-Romanen?), auf der unter der Überschrift "Frische Bücher haben feste Preise" in kurzen Worten die Preisbindung erklärt wird.

    Und dabei auch erklärt wird, daß das in der Stadtteilbuchhandlung und im EKZ auf der grünen Wiese, im Buchkaufhaus in der Innenstadt und beim Internetversand überall gilt, der Preis also überall derselbe ist.

    Es gab Beifall aus dem Plenum und per Mikrofon von Herrn Vörster und einem nicht unbekannten Verleger. Und es gab einen offenen Brief dazu im BBL: http://www.boersenblatt.net/446640/

    Wenn eine solche Seite den Verlagen mit 1 Cent je Exemplar vergütet worden wäre, dann hätte man miit 3 Mio Euro 300 Millionen Bücher ausstatten können. Das wäre schon mal mehr als die Hälfte einer Jahresabsatzmenge gewesen (6 Mrd € / 12 €/Ex = 500 Mio Ex).

    Geschehen ist? Richtig: für die o.a. 3 Mio Euro wird jetzt vor Büchern gewarnt. Schade eigentlich.

    @Joerg H. "Hat jemand Zahlen zur Hand?"

    Ja, Herr H., wir machen gerade eine Auswertung über die letzten 4 Jahre. Die ersten Ergebnisse zeigen ein gänzlich anderes Bild. Ein direkter Vorjahres-Monatsvergleich ist im Dezember sicher sinnvoll, im März aufgrund des beweglichen Osterfestes eigentlich nie, wie Sie richtig vermuten.

    MfG LB

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