Umfrage der Autorenverände

Jeder dritte Autor ist unzufrieden mit seinem Verlag

21 Prozent sind mit dem Lektorat unzufrieden, 33 Prozent bemängeln die Vertragsbedingungen, 52 Prozent halten die PR-Maßnahmen für ihre Werke für unzureichend. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Autorenverbände in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter 1.200 Autoren.  

Ziel der Erhebung sei, die Bedingungen für Autoren in der Zusammenarbeit mit ihren Verlagen "bedarfsgerecht zu verbessern", so die gemeinsame Mitteilung des Verbands Deutscher Schriftsteller VS, der Interessengemeinschaft IG österreichischer Autorinnen und Autoren und des AdS Autorinnen und Autoren der Schweiz.

Die wichtigsten Ergebnisse der gemeinsamen Befragung:

  • 33 Prozent der Befragten sind unzufrieden, 8 Prozent befinden sich in einer "konfliktreichen Situation" ihrem Verlag
  • mit den Vertragsbedingungen hat ebenfalls ein Drittel der Autoren Schwierigkeiten
  • 21 Prozent sind mit der inhaltlich-kreativen Zusammenarbeit, also vor allem mit dem Lektorat, sehr unzufrieden
  • jeder zweite Schreibende unzufrieden mit der Verwertung seiner Werke und mit der PR-Arbeit 

In Sachen Vergütung gaben 59 Prozent aller befragten Autoren an, weniger als 10 Prozent Tantiemen zu erhalten; knapp jeder Dritte (33 Prozent) bekommt genau 10 Prozent; über 10 Prozent bewegen sich noch im Bereich von 8 Prozent - keiner der Befragten erhält mehr als 12 Prozent Tantiemen für die Nutzung des Hauptrechts..

Die digitale Nutzung der Werke ihrer Autoren scheint für die Verlage immer noch eine Nebenrolle zu spielen: Nur rund jeder zweite neue Vertrag (55 Prozent) enthält der Umfrage zufolge auch eine Klausel zur digitalen Nutzung; ein Vertrag für die ausschließlich digitale Nutzung eines neuen Werks wird bisher nur selten abgeschlossen (6 Prozent). Um die Zusatzvereinbarung über die digitale Nutzung früherer Werke wurden bisher auch nur 17 Prozent aller Befragten gebeten.

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7 Kommentar/e

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  • Unabhängiger Verleger

    Unabhängiger Verleger

    Und wann fragen die Autorenverbände mal die Verleger? Nur so aus Spaß :-)

  • Freier Autor

    Freier Autor

    Dann machen Sie es besser, Herr Verleger. Seien Sie Vorreiter für moderate Verträge, engagierte Verlagsarbeit und ehrliche Abrechnungen. Keiner würde sich mehr freuen, als die Autoren, die sich Ihnen anvertrauen.

  • Matthias Töpfer

    Matthias Töpfer

    Offenbar wurde nicht gefragt, wie die Autoren mit der Umschlaggestaltung zufrieden sind. Auch da gibt´s bestimmt Defizite.

  • Wolf-Dieter Roth

    Wolf-Dieter Roth

    Nach dem, was ich erlebt habe, kann ich von etablierten Verlagen nur noch abraten.

    - Wenn man es schafft, eine Buchreihe zu konzipieren und diese Erfolg hat, nimmt der Verlag zum selben Thema weitere Autoren ins Programm

    - Nachdem dann 3 Bücher der Reihe an die neuen Autoren vergeben wurden und klar ist, daß das auch zukünftig so bleibt, weil die nicht meckern, wenn der Lektor seine eigenen Fotos ins Buch tut, ohne wenigstens die Betextung anzupassen, sucht man sich einen anderen Verlag

    - Nachdem dort ein Jahr später das nächste Buch zum Thema erschienen ist, macht der alte Verlag ein Buch zum exakt selben Thema, was alleine schon schlecht ist, denn es ist ein Nischenthema.

    - Als die erste Honorarzahlung beim neuen Verlag näher rückt, erhebt der alte Verlag plötzlich aufgrund eines älteren Buches - im aktuellen sind sie gar nicht mehr drin - Rechte auf die Fotografien des Autors - wegen nun "aufgetretenem" Wettbewerb

    - Das Buch wird verboten und im Börsenbatt wird was von "Plagiat" veröffentlicht. Nur weil man endlich wieder die eigenen Bilder verwenden wollte...

    Warum sollte da ein Autor, der noch halbwegs bei Trost ist, noch so einen Verlagsvertrag unterschrieben, wo alle rechte selbst für einzelne, eigene Fotografien dauerhaft abgetreten werden, der später so gegen ihn verwendet werden kann?

    Wenn Verlage fair arbeiten, mit den Autoren und nicht gegen diese, werden die Autoren auch zufrieden sein. Dann ist selbst der Honorarprozentsatz nicht das Problem.

    Wenn der Verlag das Buch dagegen ohne Absprache so stark verändert, daß die Leser sich beim Autor beschweren, weil die Bilder nicht mehr zum Text passen...

  • Michael Nardelli

    Michael Nardelli

    Ich wundere mich doch sehr über das Gift in dieser Debatte. Was hier hochkocht, wirft ein sehr schlechtes Licht auf das Geschäftsmodell „Verlag“. Mag sein, dass es vor allem bei großen Konzernverlagen, wo es nur um eine immer größere Rendite geht (das Wort Gier ist ja gerade en vogue – nicht immer zurecht), Defizite bei der Betreuung und im Umgang mit Autoren bestehen; mag sein, dass hier weniger Wert auf vertrauensvolle Zusammenarbeit denn auf Abkassieren gelegt wird. Ich persönlich verwahre mich aber gegen die pauschale Kritik an „Verlagen“. Ich habe mich bislang bei allen Büchern, die ich verlegt habe, als „spiritus rector“ gesehen – und vor allem als „working manager“, habe jeweils nächtelang an den Manuskripten gearbeitet (ohne das in Rechnung zu stellen), diese zusammen mit den Autoren zum fertigen Buch entwickelt – und anschließend von Mediengestaltern schön machen lassen (inklusive Covergestaltung übrigens. Ein Buch ist sogar zärtlich zu Ihnen, wenn Sie es anfassen :-)). Nun kann man über Geschmack immer streiten, ebenso wie über den Inhalt. Entscheidend sind aber doch die Leser. Und denen ist es – Entschuldigung – völlig egal, ob es ein Verlag gut mit den Autoren meint, er insgesamt mit Menschen und Mitarbeitern und Dienstleistern fair umgeht. Ich muss jedenfalls leider feststellen: Die Mühe, die man sich gibt, gegenseitiger Respekt der am Buch Beteiligten zahlen sich nicht aus, sind keine Kaufargumente. Meine Autoren liegen, wenn diese Umfrage ein echtes Bild abgibt, was die Tantiemen betrifft, wirklich gut. Wenn ich deshalb aber mehr fürs Buch verlange, kauft es erst recht keiner. Dann hat der Autor auch nichts davon. Ob ich mir einfach weniger Mühe geben und meine Autoren auch schlechter entlohnen und behandeln sollte? Nein, dann könnte ich mich nicht mehr im Spiegel betrachten. Meine Autoren sind wirklich toll, arbeiten prima mit, allerdings gibt es auch unter ihnen schwarze Schafe, Querulanten im negativsten Sinne und Gierlinge.
    Ein letzter Punkt noch: Ich finde es schade, dass Autoren ständig gegen Verlage stänkern. Warum nehmen sich Autoren dann einen Verlag statt die Sache selbst in die Hand zu nehmen? Ich rate: Man scheut das finanzielle Risiko. Dieses zu tragen, dafür ist der Verlag gut. Der Autor hat im ungünstigsten Fall nichts am Buch verdient. Das sollte man schon auch bedenken. Gerade für neue Verlage ein nicht ganz unwichtiges Argument. Und warum denken die Autoren nicht mal ganz zu Ende? Ich würde gerne mehr Tantiemen ausschütten, aber es gibt Druckkosten, PR/Marketing, ich muss zum großen Teil unverschämte Rabattforderungen erfüllen etc. Außer Spesen nix gewesen. Wie sagt meine Frau immer nicht zu unrecht: „An deinem Geschäft verdienen ja alle mehr als du.“ Na ja, ich bin eben ein guter Mensch :-), mache faire Verträge, engagierte Arbeit und ehrliche Abrechnungen. Und wenn trotzdem mal Gewinn dabei rausspringt, ist dieser flugs beim Schäuble…

  • Galbadon

    Galbadon

    Ich frage mich wirklich, wie solch eine Umfrage zu bewerten ist: Was muss man tun, damit ein Autor zufrieden ist? Unzufriedenheit ist ja sehr subjektiv. Und ob man das bei Autoren so beliebte Lektorats-Bashing so überbewerten sollte?
    Es gibt hierzulande keinen Verlagszwang, jeder Autor ist frei, seine Werke selbst zu veröffentlichen. Konstruktive Auseinandersetzungen mit dem Verlag können alle weiterbringen - aber so etwas?

  • André Thiele

    André Thiele

    66 Prozent der Autoren sind zufrieden mit ihrem Verlag - das ist doch ein sensationelles Ergebnis! (- das mich misstrauisch stimmt, was diese Umfrage angeht ...)

    Autoren arbeiten jahre-, teilweise jahrzehntelang an einem Werk und ihrem Ruhm. Sie leben, wenn sie nicht anderweitig finanziert sind, von der Hand in den Mund und liefern sich extremen geistigen, sozialen und auch emotionalen Belastungen aus.

    Dann wird ihnen ihr Werk durch den Verlag quasi "weggenommen". Lektorat, Vertrieb und Marketing schalten sich ein, reden mit, reden rein, und am Ende steht ein Honorar, das in den seltensten Fällen mehr als eine kurze Zeit zum Leben reicht.

    Und natürlich ist dann aus Sicht des Autors in jedem Fall der Verlag schuld - wer sonst?

    Der Autor braucht sein knappes Selbstbewusstsein, um das nächste Werk zu schaffen, um auf Lesereise zu gehen und angesichts des Ansturms der Konkurrenz die Nerven zu behalten - UND dabei dann noch besser zu werden.

    Was erwartet man als Verleger denn anderes als Undankbarkeit? Es ist eine der wesentlichen Qualifikationen eines Verlegers, dann, wenn er von einem Autor nicht gemocht und auch massiv angegriffen wird, darauf ohne Emotionalität und Aggression zu reagieren.

    Ich kann das nur als Lob der Beziehung zwischen Verlag und Autor sehen, das zwei Drittel aller Autoren letztlich mit dem Verlag zufrieden sind.

    Um das verbleibende Drittel lohnt es sich zu kämpfen, aber deren Unzufriedenheit liegt wohl zumeist in der Natur der Sache, weniger in dem konkreten Handeln des Verlages begründet.

    Im Gegenteil: Manchmal wünscht man als Verleger sich kritischere Autoren, die Vorschläge machen, Schwächen der Verlagsarbeit benennen und dabei helfen, Änderungen herbeizuführen.

    Das Verhältnis zwischen Autor und Verlag muss streitbarer werden. Autor und Verlag schulden und verdanken sich gegenseitig viel - und sie werden die Zukunft nur meistern, wenn sie in der Entwicklung ihrer realen Chancen zusammenarbeiten.

    Aber auch das sei gesagt: Zu oft packen Verlage ihre Autoren in Watte, sagen nicht klar, dass man mit der Entwicklung des Schaffens unzufrieden ist, dass man sich mehr Engagement wünscht - und dass der Autor sehr oft von Dingen, in denen er sich "super" auszukennen glaubt, nicht den Schimmer einer Ahnung hat. Zu oft auch subventionieren Verlage Autoren Bücher, die auf dem Markt keinerlei Chance haben - und auch nicht auf dem "idealen Markt", vor Geschichte und Weltgeist.

    Der Verleger muss Druck aushalten, auch wenn er ungerecht ist - er muss aber insbesondere auch Autoren, selbst geschätzten Autoren, "Nein!" sagen können. Autoren und Verleger sind sich viel zu oft in der einen Macke ähnlich, dass sie Projekte realisieren, die keinerlei Aussicht haben.

    (Und ja, während ich dies schreibe, schaue ich in den Spiegel und sage mir: du auch, mein Bester!)

    Vor kurzem sind in Leipzig viele hunderttausend Bücher aus den Backlisten hervorragender Verlage verbrannt. Den Kaufmann im Verleger schauderts dabei - wer sollte diesen Millionen Bücher denn kaufen und lesen? Wer hate diese vielen Millionen Euro überflüssiger Druckkosten finanziert?

    Wenn wir über zu niedrige Honorare reden, dann reden wir auch über Autoren und Verlage, die den Markt zumüllen mit Mist und Trash. (Und wieder: du auch, mein Bester!)

    In Zukunft sollte man sich bei der Beurteilung des Status' von Verlages wieder etwas mehr auf die Formel von Karl Kraus' Fackel besinnen: "Kein tönendes ‚Was wir bringen', aber ein ehrliches ‚Was wir umbringen' hat dieser Verlag sich als Leitwort gewählt ..."

    In der verzweifelten Suche nach Neuem, Unentdeckten und auch in der noch verzweifelteren Hoffnung auf den einen "Glücksgriff", den neuen "Harry Potter" oder "Shades of Grey" haben Verleger jeden noch so untalentierten Autor auf den Thron des "Künstlers" gesetzt, haben sein Ego gepampert und seine Zukunft schöngeredet, und sind nun von unprofessionellen, verzogenen "Gören" umgeben, die nicht verstehen, warum die ungedeckten Wechsel platzen. (Again: du auch ...)

    Dass es Querulanten auf der einen Seite und unfähige und Verleger auf der anderen Seite gibt - natürlich, wo gibt es die denn nicht.

    Aber insgesamt scheint mir das Ergebnis der Studie - wenn es denn zuverlässig ist - keinesfalls beunruhigend.

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