Urheberrecht

Rezensionsausschnitte müssen wohl lizenziert werden

Wollen Buchhändler Rezensionsausschnitte auch im Rahmen Ihres Online-Angebots nutzen, müssen sie wohl die Erlaubnis der Zeitung oder Zeitschrift einholen. Im Rechtsstreit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) gegen den Online-Händler buch.de hat das Landgericht München wenig Zweifel daran gelassen, dass sie diese Auffassung der FAZ im Grundsatz teile, sagte Börsenvereins-Rechtsanwältin Katharina Winter auf Anfrage.

Wesentlicher Streitpunkt zwischen FAZ und buch.de ist die Frage, ob die Verwendung von Pressestimmen bei der Online-Buchwerbung auch ohne gesonderte Lizenzierung zulässig ist. In der mündlichen Verhandlung am vergangenen Mittwoch habe das Gericht die Ansicht geäußert, dass buch.de sich bei der Online-Nutzung von Rezensionen weder auf das Zitatrecht noch auf eine gewohnheitsrechtliche Übung berufen könne, so Katharina Winter. Das Argument, dass die Online-Nutzung ebenso wie die seit Jahr und Tag geübte Branchenpraxis im Offline-Bereich gewohnheitsrechtlich ohne ausdrückliche Erlaubnis zulässig sein müsse, habe nicht verfangen.

Das Gericht wird in dem Rechtsstreit, dem die MVB und die Barsortimente Koch, Neff & Volckmar und Libri als Streithelfer seitens buch.de beigetreten sind, am 4. Oktober eine Entscheidung verkünden. Katharina Winter: "Das Gericht gab zu erkennen, dass es wohl den Anträgen der FAZ auf Unterlassung und Auskunft im Wege eines Teilurteils entsprechen und über den Antrag auf Zahlung von Schadensersatz erst in einem zweiten Schritt – nach Rechtskraft des Teilurteils und erteilter Auskunft – entscheiden wird." Das Gericht habe aber angeregt, dass die Parteien Gespräche, wenn auch nur über die Höhe der Zahlung, führten. 

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5 Kommentar/e

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  • Gachmuret

    Gachmuret

    Na fein,

    dann verzichten wir eben darauf. Das wird die Position von Kundenrezensionen weiter stärken, was dann natürlich den Zeitungen bei ihrem Sparkurs hilft, denn der Bedeutungsverlust des Feuilletons wird dann ein hübsches Streichkonzert erlauben können.

    Ich weiß nicht, woher die FAZ den Optimismus nimmt, irgendjemand würde Geld dafür bezahlen wollen, ihren Namen in die Welt zu tragen.

  • Stefan Weidle

    Stefan Weidle

    Ich glaube auch, daß es ein Eigentor für die klagenden Zeitungen ist, den Zusammenhalt mit uns Verlagen in die Tonne zu treten. Dieser hat doch viele Jahrezehnte gut funktioniert, und wenn man künftig in einer Anzeige in der FAZ nicht mehr aus einer Rezension der FAZ zitieren darf, hat das schon etwas Aberwitziges. Ohne unsere Bücher hätten die Zeitungen eher wenig zu rezensieren, und wir machen doch auch tüchtig Werbung für sie. Ich habe längst sämtliche Pressestimmen von meiner Website entfernt, weiß aber von einem Kollegen, daß er 500 Euro für einen Zitatausschnitt der FAZ auf der Rückseite eines Buchs bezahlt hat. Ein bißchen jämmerlich finde ich dieses Gefeilsche vor Gericht schon. Die einzigen, die etwas davon haben, sind wie immer die Anwälte.

  • franz wanner

    franz wanner

    sehr merkwürdig. Die Grosskämpfer um gesichertes Urheberrecht wollen in geteilten Welten leben. So eine Rezension ist keine eigenständige geistige Leistung, oder?

    Da entlarvt sich eine Haltung. Wie, wo, geistige Leistung? Das ist doch alles nur Verkaufswerbung...
    Für Leistung sollte bezahlt werden müssen, immer! Entweder für den Werbedienst oder für die geistige Leistung.

  • Nikola Hahn

    Nikola Hahn

    Lieber Herr Wanner,
    Sorry, aber ich glaube, Sie vergleichen hier Äpfel mit Birnen. Erstens geht es nicht darum, komplette Artikel zu verwerten, und zweitens handelt es sich um einen "Spezialfall": Ohne den Künstler gäbe es den entsprechenden Artikel nämlich nicht! Abgesehen davon, dass im Vorfeld der Berichterstattung die Journalisten selbstverständlich für Veranstaltungen Freikarten bekommen, auch Bücher kostenlos zum Rezensieren. Klar ist das Werbung, wenn der Artikel erscheint! Aber eben auch mehr als eine bloße in einen Artikel gegossene Anzeigenschaltung, denn: Eine Rezension kann auch bös ausfallen für den Künstler. Wie soll das dann in Zukunft aussehen? Die "Guten" ins Kröpfchen, die "Schlechten" in die Tonne? Und wie wäre die Schreibe der Journalisten dann bitte aus Lesersicht zu sehen? Ich jedenfalls würde mich fragen, ob positive Rezensionen wirklich die Meinung des Schreibers spiegeln oder bloß in kalkulatorischer Voraussicht auf Zweitverwertung geschrieben wurden.

    Um es noch mal klarzustellen: Es geht hier NICHT um die ungenehmigte Nutzung ganzer Artikel! Es geht um Auszüge, Zitate (auch wenn juristisch darum gestritten wird, bleibe ich stur bei diesem Begriff), es geht darum, dass ein Künstler das Recht haben sollte, über das zu berichten, was über ihn berichtet wird. Jahrzehntelang war es Brauch, dass Künstler Pressemappen anlegen, auch im Internet. Jahrzehntelang haben das alle Beteiligten das als Win-win-Situation gesehen.

    Jetzt hat man die Juristen drangesetzt. Auch wenn die Lage nicht mal endgültig geklärt ist, machen Abmahnungen die Runde. Das kann nur eine Konsequenz haben: Rigorose Löschung sämtlicher (auch liebgewonnener) "Pressestimmen". Ich jedenfalls werde ganz bestimmt nicht für Artikel oder Rezensionen bezahlen, die jemand über mich schreibt! Dann kann ich auch gleich einen Werbetext in Auftrag geben. Dann weiß ich wenigstens, dass der bezahlte Text in meinem Sinne ausfallen wird.

    Ich habe begründete Zweifel, ob das alles wirklich im Sinne der Journalisten ist. Schließlich ist nichts so alt wie die Zeitung von gestern.

    Weil es sicher viele Künstler interessiert, habe ich neben einem Kommentar auch eine kleine Linksammlung zum Thema in meinem Blog angelegt:

    http://nikola-hahn-schreibstube.blogspot.de/2013/0 8/post-vom-anwalt-und-ein-abschied.html

  • Nina

    Nina

    Im Buchhandel wird es sich wohl nur um Zitate handeln. Wenn jemand in der Soundso-Zeitung schreibt: "Max Mustermann geht auf Reisen ist der beste Roman, der je geschrieben wurde!" sollte es mit vernünftiger Quellenangabe (und dazu gehört auch der Name des Rezensenten um eben seine geistige Leistung anzuerkennen) ja eigentlich kein Problem sein. Eigentlich. Inzwischen ist schon vieles ein Problem, z.B. auch für Rezensenten, die angeblich keine Coverbilder mehr abbilden dürfen. Oder die irrsinnigerweise lieber ein schlechtes Bild mit ihrer Digicam machen sollen, statt das von der Verlagsseite runterzuladen. - Zum Glück ist es die Ausnahme, da Buchhändler, Journalisten und Verleger/Autoren im Grunde genommen es meist sehr gerne sehen, wenn auf ihre Arbeit hingewiesen wird.

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