Antiquariat

"Vorwürfe ungeheuerlich, absurd und völlig haltlos"

Girolamini-Verfahren zieht weitere Kreise: Seit gut zehn Tagen sitzt Herbert Schauer, Geschäftsführer des Münchner Buchauktionshauses Zisska & Schauer, in Haft. OLG München prüft Auslieferung nach Italien. Wolfgang Lacher führt Geschäfte fort.

Eine entsprechende Erklärung des Auktionshauses Zisska & Schauer, datiert auf den 10. August, findet sich auf der Seite des Verbands Deutscher Antiquare, dem Herbert Schauer als persönliches Mitglied angehört; eine englischsprachige Version wurde parallel an alle Mitglieder des internationalen Dachverbands ILAB versandt (siehe hier).

In der Erklärung heißt es unter anderem: "Zu unserer Auktion 59 vom 9. – 11. Mai 2012 wurde uns aus Italien eine kostbare Sammlung von über 400 Büchern aus Privatbesitz über einen Mittelsmann zur Versteigerung angeboten. Nach gründlicher Prüfung der vorgelegten amtlichen Ausweispapiere der Besitzer und der vorgelegten Stücke erklärten wir uns mit der Einlieferung einverstanden. Am Vorabend der Auktion, am 8. Mai 2012, erreichte uns die Mitteilung des Bayerischen Landeskriminalamtes, verschiedene der im Auktionskatalog 59 angebotenen Werke würden wegen ungeklärter Eigentumsverhältnisse beschlagnahmt. Da vier der angegebenen Werke aus der oben genannten italienischen Sammlung stammten, beschloss das Haus ZISSKA & SCHAUER, sicherheitshalber die gesamte Einlieferung dieses Besitzers aus der Auktion zurückzuziehen, zumal inzwischen Bücherverluste aus der Bibliothek Girolamini in Neapel bekannt geworden waren und Gerüchte kursierten, welche einen Zusammenhang mit der Einlieferung bei uns vermuten wollten. Die italienische Justiz ermittelt seither gegen den Direktor der Bibliothek Girolamini und gegen zahlreiche Mitbeschuldigte, unter anderem auch gegen den Herrn, der uns die o. a. italienische Einlieferung aus angeblichem Privatbesitz vermittelt hatte. Die bei uns eingelieferten Bücher befinden sich allerdings nach wie vor in München, da bisher kein zweifelsfreier Nachweis erbracht wurde, dass sie tatsächlich aus der Bibliothek Girolamini gestohlen wurden.Unfassbarerweise jedoch wurde am 2. August in der Frühe unser Geschäftsführer, Herr Herbert Schauer, aus seiner Wohnung abgeholt und per Amtshilfe der  Münchner Strafjustizbehörden in Haft genommen. Die italienische Justiz hatte aufgrund von selbstentlastenden Erklärungen einiger Beschuldigter im Girolamini-Verfahren einen 'Europäischen Haftbefehl' erlassen und nach Bayern geschickt. Wir sind erschüttert über diese Entwicklung, denn seit vielen Jahren begleiten wir die Arbeit von Herrn Schauer tagtäglich und wissen, dass die erhobenen Vorwürfe ungeheuerlich, absurd und völlig haltlos sind."

Anwaltlich vertreten wird Herbert Schauer von dem bekannten Münchner Strafverteidiger Sewarion Kirkitadse; eingeschaltet wurde auch der Justiziar des Bundesverbands Deutscher Kunstversteigerer, Dieter Löhr.

Die Fortführung der laufenden Geschäfte des Auktionshauses hat Wolfgang Lacher übernommen. Die November-Auktion wird, wie geplant, stattfinden. Nach Auskunft von Wolfgang Lacher gegenüber boersenblatt.net ist die Solidarität von Einlieferern und Geschäftspartnern des Hauses außerordentlich groß.

Herbert Schauer, seit 2007 in der Position des Geschäftsführers, gehört zu den angesehensten deutschen Antiquaren und engagiert sich über seinen Hauptberuf als Auktionator hinaus unter anderem auch als Beiträger der Zeitschrift "Aus dem Antiquariat" sowie im Fortbildungsausschuss des Verbands Deutscher Antiquare.

Weitere Informationen folgen voraussichtlich im Laufe der Woche.

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