Designerin Eva Jung setzt bewusst auf buy local

"Meinen Bildband gibt es nur in einer Buchhandlung"

Die Hamburger Kommunikations-Designerin Eva Jung produziert ihr neuestes Buch nicht in einem Verlag, sondern finanziert es über Crowdfunding. Vertreiben will sie es ganz im Sinne von buy local exklusiv bei ihrem Sortiment um die Ecke, der Evangelischen Buchhandlung Holstenstraße in Hamburg. VON HC

Jungs Buch passt nicht so recht in die Buchhandelsschublade: "Es ist kein Designbuch, kein Fotobuch, kein Roman, keine Biografie, kein Sach-, Philosophie- und kein Religionsbuch, sondern alles das gleichzeitig", erläutert Jung. "Und weil es eben nicht so einfach zu positionieren ist, rechnet sich mein Haus- und Hof-Verlag Adeo nicht so große Chancen aus, das Buch unter die Leute zu bringen." "Alltagstourist" soll ein Alltagsreisetagebuch sein, ein "Inspirationsbuch zum Durchkämmen, Verstoffwechseln und Weiterspinnen", randvoll mit offenen Fragen, Bildern, Texten und Einladungen, immer wieder genau hinzuschauen.

Das Nein des Verlags hält Jung indes nicht ab, den Bildband dennoch zu produzieren: "Ich stehe hinter dem Projekt und möchte es gern so machen, wie ich es mir vorstelle, vierfarbig, 23 mal 25 cm, mit Lesezeichen usw., eben mit viel Liebe zum Detail." 1965 nummerierte Exemplare zu je 25 Euro soll es geben, auf startnext.de hatte Jung gestern, nach einer Woche, bereits ein Viertel der Kosten von 20.000 Euro beisammen. "Dabei hab ich noch gar nicht richtig getrommelt, das muss ich jetzt noch tun", erzählt Jung, die zuversichtlich ist, dass "Alltagstourist" noch dieses Jahr in Druck geht. "Logischerweise Ende November, um das Weihnachtsgeschäft mitzunehmen."

Verkauft werden soll der Bildband, und das ist das Besondere, bei ihrem Sortimenter um die Ecke in Hamburg: "Mir liegt es sehr daran, den lokalen Buchhandel wieder mehr in den Fokus der Leser zu rücken", erklärt sie. "Viele haben offensichtlich einfach vergessen, dass man Bücher - und zwar alle erdenklichen - auch ganz normal beim Buchhändler um die Ecke bekommt. Und dass die meisten Buchhandlungen auch bereit sind, diese den Bestellern nach Hause zu schicken." Deshalb hat sie sich mit Valentin Schweigler von der Evangelischen Buchhandlung Holstenstraße zusammengetan. Die beiden kennen sich gut und schätzen sich; auf der Homepage der Buchhandlung gibt es eine eigene Rubrik für die bisherigen Produkte von Eva Jung.

Die Buchhandlung übernimmt den Vertrieb des Buchs. "Ich bin keineswegs online-feindlich und kaufe auch im Internet ein", meint Eva Jung, "aber ich mache mir immer wieder klar, dass ich auch über die Online-Shops der stationären Läden in meiner Umgebung einkaufen kann, dier haben ja alle eigene Online-Shops. Deshalb will ich jetzt im Sinne von buy local meinen Bildband exklusiv über diesen Buchhändler vertreiben und bewusst nicht über die großen Online-Händler."

Valentin Schweigler von der Evangelischen Buchhandlung Holstenstraße freut sich: "Das ist schon eine Chance für uns, bei den Kunden mit einem besonderen Buch zu punkten, das inhaltlich absolut gut zu unserem sonstigen Angebot passt und es nur bei uns gibt." Allerdings soll das Buch nach Ende der ersten Auflage auch von anderen verkauft werden können: "Ich ärgere mich ja sonst auch, wenn ich als Buchhändler an bestimmte Produkte nicht herankomme." Wenn andere Exemplare der Erstauflage haben wollen, "dann müssen sie einfach bei der Evangelischen Buchhandlung Holstenstraße bestellen", sagt Jung. Beide rechnen damit, dass sich das Buch wie Jungs andere Werke gut abverkauft.

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10 Kommentar/e

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  • Kleine Sortimenterin

    Kleine Sortimenterin

    Liebe Frau Jung,
    als Buchhändlerin bin ich sehr froh über dieses Projekt
    und hoffe, daß Sie unseren lokalen Ansatz damit
    stärken können. Meine Frage in diesem Zusammenhang:
    Hat das Buch eine ISBN und könnte es damit auch
    bei Amazon gelistet sein, auch wenn Sie es dorthin
    nicht verkaufen möchten? Das ist ja anderen auch
    schon so ergangen und wäre natürlich schade.
    Liebe Grüße aus einer norddeutschen Stadt.

  • nicht-Hamburger

    nicht-Hamburger

    Und was war daran jetzt im Sinne von buy local, wenn ich ein Buch nur in einer einzigen Buchhandlung kaufen kann, die logischerweise für den überwiegenden Teil der Menschen eben NICHT lokal ist?

  • Eva Jung

    Eva Jung

    Liebe "Kleine Sortimenterin", danke für Ihr Feedback. Ja, das Buch wird eine ISBN bekommen. Auf jeden Fall. Und damit wird es auch findbar und listbar sein. Aber die erste Auflage wird erst mal nur bei dieser einen Buchhandlung zu kaufen sein - eben um ein Zeichen zu setzen und die lokale Buchhandlung mehr in den Fokus zu rücken.

    Und für den überwiegenden Teil der Menschheit ist in der Tat, lieber "nicht-Hamburger" diese Buchhandlung nicht lokal. Das ist absolut richtig. Aber erstens kann dieser Hamburger Buchhändler nach überall hinversenden und zweitens soll dieses Projekt die Menschen an ihren eigenen lokalen Buchhändler erinnern und dazu aufrufen, Bücher zukünftig über ihren lokalen, eigenen Buchhändler zu ordern …

    Die zweite Auflage (sofern es die geben sollte - was ich nicht für ausgeschlossen halte) wird sicherlich auch in anderen Buchhandlungen erhältlich sein …

    Viele Grüße aus Hamburg, Eva Jung.

    PS: Für alle, die das Buch Realität werden lassen möchten, noch der Direktlink zu startnext: http://startnext.de/alltagstourist oder einfach bei startnext.de nach Alltagstourist suchen. DANKE!

  • Stolzer Raubkopierer

    Stolzer Raubkopierer

    Mal sehen wann ich es es bei der bekannten Tauschbörse Laden kann.

  • Kleine Sortimenterin

    Kleine Sortimenterin

    Liebe Frau Jung,
    herzlichen Dank für Ihre Antwort. Vielleicht kann uns Herr
    Borsche noch etwas zu den rechtlichen Aspekten sagen,
    meines Wissens muß man ein Buch an andere Händler
    ausliefern, deshalb meine vorsichtige Anfrage. Vielleicht
    muß man es tatsächlich erstmal ohne ISBN, so wie ich
    auch Künstlerbücher vertreibe, anbieten.
    Bei A... ist es ja so, daß einfach alle ISBN veröffentlicht
    werden und somit würden Sie dann dort gelistet, vermutlich
    mit dem Zusatz, zur Zeit nicht lieferbar.

  • Heinzi

    Heinzi

    sind wir jetzt schon soweit, dass die ISBN in Frage gestellt wird, weil damit evtl. ein Buch beim bösen bösen Amazon auftaucht?
    Die ISBN war (und ist) eine buchhändlerische Errungenschaft von ungeheurer Bedeutung, da sie ein Buch universell recherchierbar macht!
    Wir können natürlich alle buchhändlerischen Entwicklungen wie ISBN, Barsortiment, VlB (und Rabatt!) in Frage stellen und nur noch handgemalte Bücher im Bauchladen verkaufen, da ist Amazon außen vor.
    Aber es würde nicht lange dauern und Amazon würde "handgemalte Bücher im Bauchladen on demand" anbieten und alle Handmaler wären begeistert ob der tollen Konditionen.

  • einfach soo

    einfach soo

    Ich denke, dass es viele gibt, die über dieses Buch schon gehört haben, andere werden es vermutlich eher nicht googlen. Wenn ich bei besagtem Lieferanten, die Auskunft bekomme "nicht lieferbar" dann versuche ich es anderweitig zu bekommen!
    Liebe Eva Jung,
    ich finde Ihre Begeisterung und diese Idee super und es wird gelingen! Viel Segen weiterhin!

  • nicht-Hamburger

    nicht-Hamburger

    @Eva Jung
    I rest my case: Wenn ein Kunde ein Buch bei einer in diesem Fall als Versandbuchhandlung auftretenden Hamburger Buchhandlung bestellen muss, dann animiert ihn dieses, künftig vor Ort im Laden zu kaufen???

    Ich habe ja nix gegen ihr Projekt, viel Glück damit, und auch nix dagegen, wenn man ein Projekt mit einem gerade positiven Begriff marketingmäßig ein wenig aufbläst.

    Aber die Nummer ist absolut widersinnig, weil gerade die Kernargumente von buy local, nämlich, Kunde Du bekommst alles ganz fix, hier vor Ort in Deiner Buchhandlung und zum fixen Preis (dank ISBN, BWD, BS) bei diesem Verkaufsmodell explizit ausgehebelt sind.

    Und deswegen verstehe ich auch nicht ganz, wieso die Böbla-Redaktion auf die relative plumpe Marketingnummer reinfällt.

  • Kleine Sortimenterin

    Kleine Sortimenterin

    An Heinzi: Ja, so ist es bei vielen Kleinauflagen von Künstlern, die werden in Läden ohne ISBN verkauft, weil
    sich der Aufwand nicht lohnen würde. Manche bieten
    ihre "Kunst" auch bei Amazon an, darum geht es gar nicht.
    Wenn der Künstler selbst den Vertriebsweg wählt, ist es
    seine Sache. Will er aber nur über einen einzigen Laden
    oder nur während der Dauer z.B. einer Ausstellung verkaufen, dann geht es häufig ohne ISBN. Wenn aber
    eine ISBN vorhanden ist, wird das Buch automatisch
    auch bei Amazon gelistet. Aber bitte, ich bin nicht die
    Fachfrau. Da ich mit der Thematik auch befaßt bin,
    sehe ich hier nur Vorteile bei Frau Jung.

  • Heinzi

    Heinzi

    @9 Das ist ja unbestritten, dass man das bei Kunstbüchern und Kleinauflagen machen kann und dass das vielleicht auch gut ist und funktionieren.
    Nur kann die Frage ISBN oder nicht kein Mittel sein, Amazon fernzuhalten. Keine ISBN heißt, das VlB und den gesamten Buchhandel (außer den meines Herzens) fern zu halten.
    Amazon übernimmt die Daten aus dem VlB und was da nicht drin ist, hat es erst mal schwer, bei Amazon reinzukommen.
    Aber gehen Sie mal in z.B. eine Münchner Buchhandlung und bestellen ein Hamburger Buch ohne ISBN. Der dortige Buchhändler ist bestimmt hocherfreut!
    Das soll übrigens nicht gegen das interessante Projekt von Frau Jung sprechen, nur die argumentative Koppelung von ISBN und Amazon ist ein bisschen fragwürdig.

    • ...

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