Cedon-Chef Alexander Fietz über die Zukunft der Museumsläden

"Wir versuchen, den Maßanzug hinzubekommen"

Ab Oktober zieht Kunstbuchhändler Walter König sukzessive in alle Shops der Staatlichen Museen zu Berlin ein − die Wettbewerber schauen zu. Alexander Fietz, Geschäftsführer der Cedon MuseumShops, will die Berliner Entscheidung jedoch nicht überbewerten: Für Spezialisten, die ihre Sache mutig und kompetent vorantreiben würden, sei am Markt immer Platz. Ein Gespräch.

Inwieweit hat sich das Anforderungsprofil der Institutionen an Sie als Shop-Betreiber verändert?

Alexander Fietz: Die gesamte Geschäftswelt hat sich enorm professionalisiert, das ist ein sich fortlaufend beschleunigender Prozess. Die Museen sind genötigt, sich darauf einzustellen – und Lösungen zu schaffen.

Was ist Ihr Ansatz?

Fietz: Wir sind der Meinung, dass die großen Häuser, die mit aller Leidenschaft ein Thema verfolgen, ein qualifiziertes Angebot verdient haben – das ist nicht nur der Shop, das sind auch das Café, die Bibliothek oder die Museumspädagogik. Das versuchen wir – im Kern als Buchhandlung, aber eben nicht nur. Letztlich geht es darum, im Shopbereich Qualität zu liefern, gepaart mit ausreichend Individualität. Wir versuchen, den Maßanzug hinzubekommen. Die Lösung muss authentisch aufs jeweilige Haus bezogen sein. Kein Mensch möchte ein CEDON-Produkt kaufen – jeder möchte sich ein Stück Pinakothek der Moderne oder Wallraf-Richartz-Museum mitnehmen.

Lange Zeit fristete der Museumsshopmarkt eher ein unterschätztes Nischen-Dasein...

Fietz: Der klassische Einzelhandel hat Probleme; er kannibalisiert sich gegenseitig und wird vom Onlinehandel zu Teilen gleich mitgefressen. Es gibt ganz viele Krankheits-Symptome. Und hier haben wir eine Nische, von der man lange gedacht hat: Was für ein verstaubter Markt! Aber er entpuppt sich als hochmodern, als sehr dynamisch. Man kann viel daraus machen – wenn man's gut macht.  

Was macht den Museumsshop besonders?

Fietz: Er ist kaum mit dem Fachhandel vergleichbar, er unterliegt nicht zuletzt ganz anderen psychologischen Gesetzmäßigkeiten. Die Leute kommen in einer Freizeit-Situation, ein wenig ungesteuert eigentlich. Sie haben den Museumsbesuch absolviert – und lassen sich dann vielleicht noch mal einfangen. Wenn man die Besucher da entsprechend aufnimmt, ihnen interessante Impulse gibt, kann es für sie ein Mehrwert sein.

Verlage tun also gut daran, die Shops genau im Auge zu behalten?

Fietz: Sie werden immer wichtiger. Die Infrastruktur wird dünner, verlagert sich, das Angebot schrumpft. Verglichen mit dem klassischen Bucheinzelhandel haben wir das Glück, dass wir dem Ausstellungsbesucher begegnen – und ihn mit dem am Markt befindlichen Angebot konfrontieren können. Die Chance, ihn als Kunden zu gewinnen, ist ziemlich groß.

Ist das Geschäft für kleinere Anbieter überhaupt noch zu stemmen?

Fietz: Auch wenn die aktuelle Entwicklung in Berlin eigentlich das Gegenteil zu sagen scheint: Ich sehe Platz für Spezialisten, die sich trauen, zu investieren. Nötig sind Mut, Wissen und Kompetenz.  

Interview: Nils Kahlefendt

Alexander Fietz führt gemeinsam mit Hella Fietz die 1997 in München gegründete CEDON MuseumShops GmbH. Deutschlandweit betreibt die Firma 10 Läden in Museen, aber auch zwei Designshops in Hamburg und am Münchner Flughafen. Daneben entwickelt CEDON auch eigene Merchandising-Produkte. Nach der Neueröffnung eines Museumsshops in der renovierten Staatsgalerie Stuttgart am 13. September folgt mit einer Fläche im Groninger Museum/Niederlande (Eröffnung: 8. November) der erste Auslands-Standort.  

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