Empfehlung des Börsenvereins

Raus mit den nicht lizenzierten Rezensionen

Keine Einigung zwischen FAZ und buch.de im Streit um die Nutzung von Rezensionsausschnitten: Der Verleger-Ausschuss appelliert nun an alle Verlage, nicht lizenzierte Rezensionen von den Web-Seiten, aus Datenbanken und Katalogen zu entfernen.

Die Verwendung von Rezensionen ist genehmigungspflichtig

Die Verwendung von Rezensionen ist genehmigungspflichtig © Petra Gass

Wie auf boersenblatt.net berichtet, streiten FAZ und buch.de über die ungenehmigte Werbenutzung von Rezensionen und Rezensionsausschnitten vor Gericht. In dem Verfahren geht es im Kern um die Frage, ob die Nutzung von Rezensionsausschnitten bei der Online-Buchwerbung ohne Lizenzierung des die Rechte haltenden Presseverlags zulässig ist. Diese Frage hat das Landgericht bereits in der mündlichen Verhandlung Ende Juli dieses Jahres ablehnend beantwortet: "Im Termin hat das Gericht deutlich zu erkennen gegeben, dass es für eine genehmigungsfreie Nutzung durch den Online-Buchhandel − und damit inzident auch für die die Daten liefernden Verlage − keine (insbesondere keine gewohnheitsrechtliche) Grundlage sieht", so der Verleger-Ausschuss in seinem Schreiben. Zu erwarten sei daher, dass das Gericht den Anträgen der FAZ auf Unterlassung und Auskunft – vor einer Entscheidung des Schadensersatzanspruchs der Höhe nach − im Wege eines Grundurteils entsprechen wird.

Die Rechtsabteilung des Börsenvereins habe sich vergeblich bemüht, zwischen den Parteien zu vermitteln, sodass am 4. Oktober das Urteil verkündet werden wird.

"Wir appellieren an alle Verlage, alle nicht lizenzierten Rezensionen umgehend von ihren Web-Seiten, aus ihren Datenbanken, Katalogen etc. zu entfernen und keine weiteren nicht lizenzierten Rezensionen an die Datenbanken des VLB und/oder der Barsortimente zu geben, um das bestehende Abmahnrisiko zu verringern", so der Rat an die Mitglieder. 

Unabhängig hiervon gelte es, für die zukünftige Nutzung von Rezensionen eine Lösung für die gesamte Branche zu finden, die ein Mindestmaß an rechtlicher Sicherheit schaffen könne. Hierbei sei sowohl die nach wie vor eindeutige Ablehnung eines branchenweiten Lizenzierungs- und Entgeltmodells durch die Verlage als auch die Forderung des Zwischenbuchhandels an den Börsenverein zu berücksichtigen, ein Durcheinander von Individualvereinbarungen und die sich daraus ergebende datentechnische Unübersichtlichkeit zu verhindern.

Deswegen hat die Rechtsabteilung die bestehenden Branchenusancen in ein schriftliches Regelwerk gefasst und empfiehlt den Verlagen, diese Regeln zur Grundlage ihres Rezensionsexemplar-Versands zu machen. Dies könne z.B. dadurch geschehen, dass das Dokument sämtlichen künftigen Presse-Aussendungen beigefügt und in den Pressebereich der Verlags-Website eingebunden werde. Zudem wäre es wünschenswert, möglichst viele rezensierende Medien und freie Journalisten dafür zu gewinnen, dieses von der Geschäftsstelle des Verleger-Ausschusses über die Website des Börsenvereins verwaltete Dokument zu unterzeichnen, indem sie ihre Zustimmung per Mail an rezensionen@boev.de erklären. 

 

 

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8 Kommentar/e

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  • René Kohl

    René Kohl

    Schrecklich.

  • Markus Riedelsheimer

    Markus Riedelsheimer

    Eine neue Einnahmequelle für die arg angeschlagenen Zeitungsverlage - mehr ist das nicht. Und für uns Verlage eine teilweise nicht unerhebliche Erhöhung des Aufwands. Schade, dass eine Vermittlung fehlgeschlagen ist.

  • Nikola Hahn

    Nikola Hahn

    In den Regeln des Börsenblatts wird recht anschaulich beschrieben, dass (und worin) der gegenseitige Nutzen der bisherigen Praxis lag. Angesprochen sind hier nur die Verlage - aber auch viele Autoren nutz(t)en die Möglichkeit, auf ihrer Website die "Pressestimmen" zusammenzustellen. Die Rechtsunsicherheit wird wohl auch mit den (gutgemeinten) Regeln nicht hergestellt werden, so dass viele in Zukunft andere Wege der Werbung finden werden. Ich halte es für ein Eigentor der Zeitungsverlage, die sich noch ein bisschen mehr ihrer Bedeutung berauben.

    Ich jedenfalls habe alle "Pressestimmen" (außer diejenigen, für die ich durch persönlichen Kontakt zum jeweiligen Journalisten eine Erlaubnis habe) gelöscht. Im Verlag setze ich inzwischen verstärkt auf "Leserstimmen zum Buch".

    Trotzdem finde ich es schade, dass man - ohne Not - ein langjährig gepflegtes Miteinander, das ein Geben und Nehmen war, zerstört.

  • Kauderwelsch

    Kauderwelsch

    Lizensieren = denglisch??? "Das Verb lizenzieren leitet sich von der „Lizenz“ ab und hat mit „zensieren“ nichts zu tun. Neben der Falschschreibung finden Sie die gemäß Duden nach alter sowie neuer deutscher Rechtschreibung richtige Schreibung und eine kurze Erklärung zur Schreibweise, Herkunft, Bedeutung, Synonymen oder Übersetzung." (http://www.korrekturen.de)

  • PR-Tante

    PR-Tante

    Außer der FAZ hat keine Zeitung etwas gegen die bislang gängige Praxis der Rezensionsnutzung durch Verlage und Autoren. Alle anderen Medien, bei denen ich im Zuge dieses Streits um die Genehmigung zur Veröffentlichung bat, reagierten verwundert und alle gaben ohne Probleme ihr Einverständnis.
    Was hindert uns PR-Menschen in den Verlagen eigentlich daran, der FAZ Rezensionsexemplare nur noch gegen Rechnung zu liefern? Denn eine Besprechung in der FAZ ist prima, aber bekanntlich ist nichts älter als die Zeitung von gestern – mit anderen Worten, nur die spätere Nutzung der Rezensionen „lohnt“ sich für den Verlag. Eine kostenlose Bereitstellung der Bücher ist kein (!) selbstverständlicher Service, auch wenn sich dieser Glaube durch jahrzehntelange Praxis durchgesetzt hat.
    Ich würde mir wünschen, dass die PR-Kollegen in den Verlagen sich zusammenschließen und der FAZ zeigen, was sie von dieser Praxis halten und zukünftig ihnen Bücher nur noch gegen Rechnung liefern. Aber ich befürchte, dass trauen sich die KollegInnen nicht… Wäre aber vielleicht mal einen Gedanken wert!
    Als „PR-Tante“ eines kleinen Sachbuchverlags habe ich sicherlich gut reden – unser Programm wird in der FAZ ohnehin wenig besprochen. Jedenfalls habe ich die FAZ aus dem „Unverlangt-Verteiler“ genommen und bei zukünftigen Rezensionsanforderungen erhält die FAZ von uns eine Rechnung…

  • Heinzi

    Heinzi

    @5 PR-Tante
    In der Sache gebe ich Ihnen da völlig recht (und eine Rechnung für den Abdruck von Titelbildern sollten die betroffenen Verlage auch gleich stellen).
    Nur einen Punkt möchte ich korrigieren: es war nicht nur die FAZ, auch der Berliner Tagesspiegel hat im letzten Sommer seine Abmahn-Haie losgeschickt.

  • Michael Nardelli

    Michael Nardelli

    @PR-Tante, ich würde mir wünschen, dass Ihr Wunsch allen Verlagen Befehl wäre, aber Sie sind eben nur die "PR-Tante" eines kleinen Sachbuchverlags. So what? Ihr Boykott wird bei der FAZ wahrscheinlich nicht mal ignoriert ... Was kümmert es die deutsche Eiche, wenn das Borstenvieh sich an ihr wetzt?

    Hinzu kommen Verflechtungen innerhalb der Medienbranche. Eine G+ J-Zeitschrift wird wohl kaum den Randomhouse Verlag verklagen - und ansonsten kennt man sich ja auf oberster Ebene ja auch gut (Gegengeschäfte, Verfilzungen). Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

    Für Abmahnungen von FAZ, Tagesspiegel (von Holtzbrinck!!!) & Co gilt also: Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

  • ria

    ria

    Ein grundlegender Einschnitt, der die Kultur und Akzeptanz der Pressearbeit in Buchverlagen nachhaltig beeinträchtigt. Letztlich steht damit auch die Bedeutung von Büchern als Kulturgütern in Frage. Kleinere Verlage, die sich eine Lizensierung nicht leisten können, sehe ich massiv benachteiligt. Außerdem fürchte ich in den Medienhäusern eine noch stärkere Beeinflussung der Redaktionen durch ihre Anzeigen-Abteilungen oder doch zumindest eine zunehmende, ungute Verquickung von redaktionellen und erlösorientierten Interessen der (Zeitungs-)verlage - und damit einen Angriff auf die Pressefreiheit. Insofern würde mich sehr interessieren, wie sich denn eigentlich die Redaktionen in dieser Debatte positionieren.

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