Deutsch-französischer Jugendliteraturpreis 2014

Die Shortlist steht fest

Auf dem Salon du livre et de la presse jeunesse in Montreuil/Paris wurde gestern Abend die Shortlist für den deutsch-französischen Jugendliteraturpreis 2014 bekanntgegeben. Auf der deutschen Seite wurden Kinderbücher der Verlage arsEdition, Beltz & Gelberg, Bloomoon, Dressler und Hanser nominiert.

Formal wie inhaltlich weisen die deutschen Nominierungen eine große Bandbreite auf: Die Auswahl geht von reinen Textromanen über Briefromane bis zu symbiotischen Bild-Text-Verschmelzungen, von gekonnter Sprachakrobatik und absurden Übersteigerungen bis zur Melancholie des Schülerlebens, Wutanfällen und Alltagsproblemen im WG-Zusammenleben. Nominiert wurden:

 

Judith Allert: "Paula und Lou" (ars Edition)

Jurybegründung: "Chaos gegen durchstrukturiertes Leben, Vernunft gegen Gefühl: Zwei Welten scheinen in der neuen Zufalls-WG aufeinander zu prallen; Fronten und Vorurteile werden aufgebaut und durch Erfahrungen durchlöchert. Rund um die gegenseitige Annäherung der Protagonisten sind Zickenkrieg, Soap, Kommunikationsschwierigkeiten und vermeintliche Geister die Ingredienzen für die fast filmreife Komödie."

 

Finn-Ole Heinrich: "Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt" (Hanser)

Jurybegründung: "Als Sprachakrobat erweist sich Finn-Ole Heinrich, spielt mit Worten, erfindet neue, treibt die Sätze mit einer solchen Heftigkeit über die Seiten, dass sie adäquat das Innenleben der Protagonisten widerspiegeln. Von bloßer Illustration weit entfernt, führen Rán Flygenrings Bilder den Text eigenständig fort und verschmelzen von Seite zu Seite mit Heinrichs Text zu einer symbiotischen Einheit. Eine Geschichte, die trotz großer Poesie harte Wirklichkeit zeigt."

Charlotte Inden: "Anna und Anna" (Hanser)

Jurybegründung:  "All Age im besten Sinne: Meisterhaft versteht es Charlotte Inden, in den zwischen Anna, ihrer Großmutter und Freunden hin und her eilenden Briefen unterschiedlichste Stimmungen einzufangen. Der Leser wächst mit der Elfjährigen Jahr um Jahr mit, große Themen wie Liebe und Verlust erfahren überraschende Wendungen – und überall wird tapfer für die eigenen Gefühle gekämpft: Lehrstücke fürs Leben."

 

 

Jörg Isermeyer: "Alles andere als normal" (Beltz & Gelberg), erscheint im Frühjahr 2014

Jurybegründung:  "Star-Wars-Nerd Lukas aus „geordneten Verhältnissen“ trifft auf Jule, deren häusliche Welt zusammenbricht und die sich mit Fantasie eine neue konstruiert. In diesen verzweifelten Versuch, sich Rettungsinseln zu schaffen, wird auch Lukas einbezogen. Wie die Sechstklässler mit all ihren Problemen aufeinander zugehen, wie sie im Durcheinander moralische Leitlinien entwerfen, fängt Isermeyer ebenso authentisch wie einfühlsam ein."

 

Salah Naoura: "Hilfe! Ich will hier raus!" (Dressler), erscheint am 20. Januar 2014

Jurybegründung: "Mit feinem Humor, wortfechtenden Dialogen und einer alles verändernden Oma führt Salah Naoura eine gewöhnliche Familienkonstellation gekonnt ins Absurde: Beim gierigen Graben nach Gold verschieben sich Maßstäbe und Gewissheiten, Beziehungen müssen neu ergründet werden. Naoura versteht es, auch schwierigere Themen in heiterem Gewand zu präsentieren."

Frank Reifenberg, Gina Meyer: "Die Schattenbande legt los" (Bloomoon), erscheint am 10. Januar 2014

Jurybegründung:  "Auch das ist ein Teil der deutschen Geschichte: auf sich selbst gestellte Kinder im Berlin der 1920er Jahre, die sich durch Diebstahl ihr tägliches Überleben sichern mussten. Der stilistisch an die Kinderliteratur jener Zeit angelegte Pageturner verbindet Sozialkritik mit Spannung und einem Schuss Phantastik, zeigt Zusammenhalt und Vertrauen als Prüfstein für jegliches menschliche Miteinander."

Mit "Aristote in love" (Rouergue) von Anne-Gaëlle Balpe, "Récits extraordinaires" (École des loisirs) von Jean-François Chabas, "La tête dans les choux" (Thierry Magnier) von Gaia Guasti, "Le mas du Paon bleu" (Oskar) von Claire Mazard, "Du bonheur à l’envers" (Didier Jeunesse) von Pascal Ruter sowie "Je suis un arbre" (Actes Sud junior) von Carole Zalberg stehen auch die französischen Titel für die Shortlist 2014 fest.
Der Deutsch-französische Jugendliteraturpreis wird von der Französischen Republik und der Bundesrepublik gestiftet, auf deutscher Seite durch die Bevollmächtigte der Bundesrepublik Deutschland für kulturelle Angelegenheiten vertreten. Die Siegertitel werden im Mai auf der Europäischen Jugendbuchmesse in Saarbrücken bekanntgegeben.

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