Weltbild-Insolvenz

Weltbild-Führung um Carel Halff abgesetzt

Das Amtsgericht Augsburg hat zum 15. Februar Arndt Geiwitz "wegen Eilbedürftigkeit" vom vorläufigen Insolvenzverwalter mit beschränkten Vollmachten zum "starken" Insolvenzverwalter ernannt. Der Geschäftsführung um Carel Halff wurde die Vermögens- und Verwaltungsaufsicht entzogen – faktisch ist sie damit entmachtet.

Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz soll nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ den Gerichtsbeschluss beim Augsburger Amtsgericht selbst erwirkt haben – im Eilverfahren (ohne vorherige Anhörung des Gläubigerausschusses) wurde dem Antrag stattgegeben: Die Geschäftsführer Carel Halff und Martin Beer müssen ihre Befugnisse damit abtreten. Das Prozedere gilt im Insolvenzfall nicht als unüblich. Es soll helfen, in der Weltbild-Krise eine schnelle Lösung zu finden. Nach Berichten von Verdi und der "Süddeutschen Zeitung" soll es zwischen Carel Halff und Geiwitz unterschiedliche Ansichten zur Weltbild-Rettung gegeben haben. Halff soll mit dem Konzept von Geiwitz unglücklich gewesen sein.

Geiwitz hält am Plan fest, den insolventen Weltbild Verlag vorzugsweise in Verbund mit der gesamten Weltbild-Gruppe als Ganzes zu erhalten, indem bevorzugt ein ausländischer Investor gefunden wird. Laut Gewerkschaftsangaben hat der Konzern 2013 Schulden in Höhe von rund 100 Millionen Euro angehäuft – in den Medien wird darum über eine bevorstehende Entlassungswelle spekuliert. Weltbild müsse sich für einen Investor "hübsch machen" − die Zahlungen der kirchlichen Inhaber erfolgten bislang mit dem Zeil, dem Unternehmen Zeit zu verschaffen und möglichst große Teile des Konzerns zu erhalten.

Verdi kritisiert die Bischöfe

Verdi betrachtet die Zahlungen der Bistümer (in Aussicht gestellt wurden 65 Millionen Euro, davon geflossen sei bislang mehr als ein Drittel der Summe − gegen Auflagen) in Verbindung mit der Insolvenz als Plan, den Medienkonzern nach mehreren erfolglosen Versuchen nun möglichst günstig loszuwerden. Derzeit hat Weltbild 6.800 Mitarbeiter insgesamt –  2.200 davon in der Augsburger Zentrale, die direkt von der Insolvenz betroffen sind.

Komplexe Struktur und ungewisse DBH-Zukunft

Die komplexe Struktur der Weltbild-Gruppe (Verlag, Buchhandlungen, Onlineshop) und die nicht endgültig gelöste Frage um die Zukunft der DBH Buch Handels GmbH (Partner ist Hugendubel) gelten als größte Stolpersteine bei der Suche nach einem Käufer oder Investor für den Medienkonzern, der sich noch in den Händen verschiedener Diözesen befindet.

"Wir sind wir eher vorsichtig geworden", hatte sich etwa Bastei Lübbe-Vorstandschef Thomas Schierack jüngst beim Investorentag des Verlags in Köln geäußert. Der Verlag prüft derzeit die Weltbild-Unterlagen und wäre prinzipiell bereit, einen mehrstelligen Millionenbetrag zu investieren − allerdings nur für die Online-Sparte von Weltbild.

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4 Kommentar/e

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  • Merfelle

    Merfelle

    Gibt es im Buchhandel eigentlich so etwas wie einen "Golden Handshake" fürs Management?

  • Mitarbeiter

    Mitarbeiter

    Will nicht viele Worte verlieren, nur eines: ENDLICH !!
    Was auch immer die Massnahme bedeutet, der Totengräber der Filialen (Stichwort : Chinaschrott und Sperren ohne Ende für die Filialen bezüglich beworbener Artikel-alles für den Online Umsatz, nichts für die teuren Flächen) ist erstmal weg. Die Mitarbeiter können sich freuen. Vielleicht kehrt nun endlich etwas Vernunft und Überblick ein. Der Mann hatte nachweislich selbigen längst verloren.

  • Filetstück

    Filetstück

    Da hat man die Filialen so lange durch verfehlte Entscheidungen bis kurz vor den Ruin getrieben und nun stellt sich heraus, dass sie vielleicht doch zum Filetstück werden könnten...
    Ich denke, der Insolvenzverwalter hat genug Weitsicht, um zu sehen was hier all die Jahre falsch gelaufen ist, und dass Teile des Konzerns noch attraktiv gemacht werden können... Auch wenn es schmerzhaft sein wird, die Schmerzen die uns vorher über all die Jahre zugefügt worden sind waren genau so schlimm...

  • christian heß

    christian heß

    Tja, was soll man dazu sagen! Ich bin mit Weltbild selbst immer wieder in Kontakt gewesen, sei es durch Buchserien, DVD's CD's oder andere Medien. Auch mir ist aufgefallen, daß die Qualität im Laufe der Zeit immer mehr abgenommen hat und was ich in den Medien über das Management gelesen habe, machte mir eines deutlich klar: Ein von der Katholischen Kirche geführtes Unternehmen kann einfach nicht wirtschaftlich arbeiten. Das Management hätte schon längst ausgewechselt werden müssen und die Kirche hätte sich stärker mit ihren Ansichten raushalten sollen, zumal sie ohnehin unglaubwürdig ist - wurde doch kritisiert, daß zunehmend das Sortiment sexualisiert worden ist. Nur die zunehmende Richtung zur Esoterik und zu mehr und mehr okkulten Tendenzen hat man stillschweigend akzeptiert. Ein
    Anachronismus sondergleichen - wie die Geschäftsführung. Hoffentlich müssen die Mitarbeiter nicht allzu sehr unter der Insolvenz leiden.

    • ...

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