Kurt-Wolff-Preis 2014 an Verbrecher Verlag

Ausgezeichnet für Anarchie

Freitag Nachmittag wurde im Berliner Zimmer der diesjährige Kurt-Wolff-Preis verliehen. Der mit 26.000 Euro dotierte Hauptpreis ging an den Berliner Verbrecher Verlag, der Anerkennungspreis (5000 Euro) an den Mairisch Verlag aus Hamburg. Die Laudatio hielt der Schriftsteller Dietmar Dath, der bei den Verbrechern einst seinen ersten Roman veröffentlichte. VON NILS KAHLEFENDT

Preisverleihung gelungen, Preisträger wohlauf

Preisverleihung gelungen, Preisträger wohlauf © Nils Kahlefendt

"Ich danke der Bundesrepublik Deutschland, dass sie uns für Sozialismus und Anarchismus auszeichnet", sagte Verbrecher-Verleger Jörg Sundermeier. "Damit hatte ich nicht gerechnet". Sundermeier dankte - neben vielen anderen - auch dem unabhängigen Buchhandel. Der könnte, wenn denn alles gut geht, zur Leipziger Buchmesse 2015 selbst im Scheinwerferlicht stehen: Die von der Kurt-Wolff-Stiftung seit langem geforderte Förderung über ein Prämiensystem ist im aktuellen Koalitionsvertrag fixiert - und der Verwirklichung damit ziemlich nahe gerückt, wie Kurt-Wolff-Vorstand Stefan Weidle in seiner Begrüßung erklärte. Gegenwärtig laufen Gespräche über die konkrete Ausgestaltung, an denen auch der Sortimenter-Ausschuss des Börsenvereis beteiligt ist.

Dietmar Dath erzählt von seiner ersten Begegnung mit dem Verbrecherverlag: "Den lernte ich kennen, als es ihn noch gar nicht gab - da stellten sich zwei Bielefelder als Männer vor, die ein Manuskript zur Not veröffentlichen und verkaufen wollten, wenn sie esanders nicht zu Lesen bekämen. Ich ahnte sofort, dass das unüblich war, obwohl ich noch garnicht dem Normalfall des Verlegers begegnet war, der das umgekehrt hält, nämlich ein Manuskript zur Not liest, wenn er es anders nicht verkaufen kann." Diese launige Laudatio von Dieter Dath ist auf der Website der Kurt-Wolff-Stiftung nachzulesen, ebenso die Ansprache von Stefan Weidle, dem Vorsitzenden der Stiftung.

 

Schlagworte:

3 Kommentar/e

Diskutieren Sie mit ...

  • rautenklause

    rautenklause

    "Ich danke der Bundesrepublik Deutschland, dass sie uns für Sozialismus und Anarchismus auszeichnet", sagte Verbrecher-Verleger Jörg Sundermeier. "Damit hatte ich nicht gerechnet".

    Wieso hätte er damit nicht gerechnet? Dieses so tun, als ob man als "sozialistisch und anarchistischer Verlag" verfolgt und geknechtet wird, angefeindet und mit mehr als nur einem Bein im Gefängnis steht, diese larmoyante Wehleidigkeit gepaart mit Abgreifen von Geldern verursacht mir immer wieder und mit dem Alter immer größeren Ekel. Da können konservative Kleinverlage ganz andere Geschichten von Anfeindung und Willkür erzählen ... aber die sind ja schließlich auch "die Bösen" und gegen die ist ohne Wenn und Aber jedes Mittel erlaubt.

  • Torsten Lambeck

    Torsten Lambeck

    Ich konnte bisher nicht wahrnehmen, dass Jörg Sundermeier und Konsorten so tun, als würden sie allenthalben verfolgt, geknechtet und angefeindet und stünden schon mit mehr als nur einem Bein - d.h. dann wohl mit zweien? - im Gefängnis.

    Da ich mich mit zunehmendem Alter ebenfalls oft und gerne vor Wehleidigkeit in Kombination mit dem Abgreifen öffentlicher Gelder ekle wäre ich für jeden entsprechenden Hinweis dankbar, auch z.B., welche konservativen Kleinverlage Sie denn lieber in dieser Rolle sehen würden.

  • Martina Bergmann

    Martina Bergmann

    Ich fand das eine sehr schöne Verneigung vor der Freiheit unserer Verfassung. Die ist so frei, dass auch Anarchie ihren Platz darin hat und nun ausgezeichnet wird. Das hat mich geradezu demokratisch vergewissert. Das fand ich gut. Und gut gesagt vom Preisträger.

    • ...

      Informationen zum Kommentieren

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

    • ...
      Mein Kommentar

      Bitte kommentieren Sie zur Sache. Aggressive, polemische und beleidigende Kommentare werden nicht veröffentlicht. Wir werden Ihren Kommentar so schnell wie möglich freischalten. Hier lesen Sie unsere Netiquette.

      Ihr Profilbild können Sie über den externen Dienst Gravatar einbinden.

      (E-Mail wird nicht veröffentlicht)
      CAPTCHA image
      Wenn Sie die Buchstabenkombination nicht entziffern können, erhalten Sie durch Klick auf die Buchstaben eine neue Kombination.

      * Pflichtfeld

    Bildergalerien

    Video

    nach oben